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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-04-01 · 4 (Abril, 1955) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
4 (Abril, 1955)
Date
1955-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Abril, 1955 1 BOLETIN INFORMATIVO Die Auserwaehlten Diese Zeilen sind Denen gewidmet, denen ich vor vielen Jahren innig verbunden war und von denen ich dann nie wieder etwas gehoert habe, bis grade eben jetzt und durch einen Zufall. Und trotzdem gehcere ich innerlich zu ihnen und sie zu mir, wie nur ganz Wenige, so wenig, dass ich sie an den Fingern meiner Haende herzaehlen kann. Einmal vor langer Zeit waren wir alle j ung und von der Unrast erfuellt, die typisch ist fuer alle Jugend. Wir gehoer. ten der Jugendbewegung an in Deutschland, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Aber es war nicht die typische Unrast der Jugend allein, die diese Bewegung hervorgebracht hatte, denn sie umfasst alle Klassen und Richtungen und Eines war allen diesen jungen Menschen gemeinsam: sie hatten den Anruf einer neuen Zeit und Epoche bis ins Innerste versauert und waren bereit, sich fuer eine neue Ordnung aller menschlichen Beziehungen und eine menschenwuerdigere Zukunft einzusetzen, Jeder an seinem Platz und wie er es verstand. Die beiden nationalisti. sehen Richtungen waren, “Der Freideutsche Wandervogel” und “Die Zionistische Jugend”; die internationalen waren “Die Arbeiterjugend” der SPD (Sozialdemokratischen Partei Deutschlands) und, nach der Spaltung der Partei, die “Freie Jugend’, spaetere “Kommunistische Jugend”. Im Anfang fehlte es nicht an gegenseitigem Respekt und jenem Fluidum, welches jungen Menschen leicht werden laesst, sich gegenseitig nahe zu kommen. Es gab Gedankenaustausch, gemeinsame Wanderungen, Einladungen zu Tagungen offizieller und privater Natur und natuerlichen Kontakt von Mensch zu Mensch. Ein unerhoerter Reichtum an neuen Perspektiven tat sich vor den jungen Menschen auf, fuer Bildung und Neuorientierung, neben dem Schulen aller Gattungen und Univer-itaeten mit' festgefahrenen und oft veralteten Methoden als reine Lernanstalten in den Hintergrund traten ln ihrer Bedeutung fuer die Jugend. "Wer die Jugend hat, hat auch die Zukunft” wurde ein viel gebrauchtes Schlagwort in dieser Zeit, und die Jugend wurde umworben, umschmeichelt und oft ueberschaetzt. Der junge Mensch, der sich fuer die Schaffung der “Neuen Zeit” einzusetzen bereit war und dabei in scharfe Opposition zu Familientradition und Herkommen geriet, sah sich Anforderungen und Konsequenzen gegenüber, denen mancher nicht gewachsen war. Die russische Revolution und der Deutsche Zusammenbruch 1918, die Weimarer Republik und der Friede von Versailles und dann die Inflation brachten die Umwertung aller Werte mit sich, wie man weiss. Wo war da ein Anfang, der die Moeglichkeit versprach, wirklich Neues, Besseres und Bleibendes zu schaffen? An Patentmedicinen fehlte es nicht, und wer es ehrlich meinte, hatte es nicht leicht. Ich gehoerte nicht zu jenen Jungen Menschen, die sien kopfueber irgendeinem “...ismus” verschreiben konnten, der ihn aller persoenlichen Verantwortung fuer Entscheidungen enthob duren Untergang in der Masse, denn ich war eher ein introvertier. ter Mensch, der alle seine “Probleme”, an denen diese Zeit so reich war, fuer sich selber zu loesen hatte, um zu einer inneren Klarheit und Verantwortlichkeit vorzudringen. Religion galt als ueberholt und die “Materialistische Geschichtsauffassung” fand enorme Anhaengerschaft und triumphierte in den Massen. Die Heftigkeit geschichtlichen Geschehens .in Bewegung und Gegenbewegung draengte den Menschen immer mehr in die Richtung, sein eigenes Leben nach Zweck mehr als nach Sinn zu orientieren. Wir jungen Menschen mussten viele Umwege machen und durch viele Irr. tuemer wandern, wobei manch einer ueberhaupt aufgab und steckenblieb in einer Zeit, in der die freie Ehe und das uneheliche Kind als Dokumentation fortschrittlicher und freiheitlicher Gesinnung galten. Mir war die Gruppe Junger Zionisten am naechsten. Sie hatten etwas, was allen Anderen fehlte: ein festes und greifbares Ziel! Gern lauschte ich ihren begeisterten und gescheiten Reden, wenn wir auf Wanderungen zusammen am abendlichen Feuer sassen. Das Gelobte Land ihrer Vorvaeter schien ihnen unbegrenzte Moeglichkeiten zu verheissen fuer ihre heissen Herzen und traeumenden Augen. Ich sang mit ihnen die HATIKVAH und sie zogen mich in ihren Kreis, wenn sie die Hora tanzten. Und einmal, an einer Sonnenwendfeier, die wir zusammen hatten mit ihrer Gruppe, sass ich zwischen einem Jungen, dem Sohn eines bekannten Berliner Arztes, und einem schoenen, rothaarigen Maedel, das einfach von allen “Hexe” genannt wurde. Die Flammen brannten schon stiller und aus unserer hellen Freude waren wir allmaelich in Traeumen und Nachdenken geglitten. “Hexe” sang weich und zaertlich ein russisches Wiegenlied in Deutsch: “Auf der Kasanka, auf dem kleinen Fluesschen, schwimmt ein schoener blauer Entrich — Wir anderen in ihrer Naehe sangen leise den Refrain mit und jemand begleitete auf seiner Klampfe. Als unser Lied, schwer von Sehnsucht nach Heimat, Erinnern und Zukunftswuenschen, verstummt war, schob sie ihren Arm unter den meinen und sagte mit ihrer dunk ien, warmen Stimme: “Du solltest mit uns nach Palaestina kommen. Marion. Du gehoerst am meisten zu uns “Und Walter Z. an meiner anderen Seite fuegte hinzu: “Wirklich schade, dass Du kein Jude bist”. Ich hatte nichts zu erwidern, etwas tat ploetzlich sehr weh, es war: Ich gehoerte nicht dazu. Inzwischen habe ich spaeter viele Jahre hindurch juedisches Schicksal an der Seite eines hochintelligenten Mannes geteilt, und bin nun schon, wieder lange allein. Aber in geheimnisvoller Welse ist mein Leben Euch verbunden geblieben, obwohl ich nicht “zu Euch gehoere”. Ihr Lieben, von denen mir nun so unvermutet und wie aus einer Welt Nachricht kommt aus Eurem Gelobten Land, La Tierra de la Biblia. Und das kam so: In der Zeitung “La Palabra Israelita” war ein Artikel erschienen ueber UNI¬ TED HIAS SERVICE, INC. fuer die ich arbeite. Dabei waren einige Ungenauigkeiten unterlaufen in einer Plauderei, voll von Daten und in aller Eile, die mir Sorgen machten und die mich veranlassten, die Zeitung immer noch einmal genau zu lesen. Dabei fiel mein Blick auf die andere Seite und die grosse Ueberschrift: “Tierra de la Biblia. Etwas zog mich magisch an und ich las und las ohne zu merken, wie mir die Traenen uebers Gesicht liefen. Denn da fand ich Euch wieder, Geliebteste Freunde meiner Jugend Ihr Auserwaehlten, die Ihr erreicht habt, was wohl kaum ein Anderer aus unserem Kreis erreicht hat! Auf dem biblischen Boden der VerheissUng habt Ihr einen Kibutz aüfgebaut seit 1924, in dessen Organisation und Ethik Ihr Alles verwirklicht habt, was uns allen hcechstes Ziel war: Eine neue Gesellschaft, ein Beispiel, eine Wirklichkeit seit 30 Jahren La Muerte de lo mío, des Egoismus, welche hervorgebracht hat das ‘WIR’ anstelle des “ICH”, die menschliche Gemeinschaft Derer, die guten Willens sind. Dieser herzbewegende Artikel und Bericht ueber den Besuch Eurer Siedlung in Eurer neuen Heimat schliesst mit den Saetzen: “Estos judíos odian el dinero, se muestran orgullosos cuando le dicen al visitante: ‘Todos esto es nuestro’ y ense¬ ñan aquellas tierras de GA- LLAEA. Son colinas suaves, trozos bien cultivados y cerca de algún olivo, un pastor con su rebaño. Allí están nuestras ovejas. Jamás dicen “Mis ovejas” Esta frase quedó enterrada por el arma más tremenda que tienen los judíos: La fe. Y uno cuando presencia la muerte de “LO MIO”, clava de nuevo los ojos en las colinas de Galiaea, en las casitas blancas y én los olivos Allí mismo fue, donde Jesús dijo: “Dad y se.os dará”. Ihr habt heimgefunden zu Euch selber und zu dem Besten in Euch, Ihr habt Eure Ideale verwirklicht und Eure Kinder sind herangewachsen als Menschen einer neuen, sinnvollen Ordnung. Ihr habt aus der damaligen Hoelle ins Paradies gefunden, das Ihr geschaffen habt mit der Staerke Eurer Herzen und der Kraft Eurer Haende, dem Schweisse Eurer Stirnen und unzerstoerbaren Glauben an den SINN des Lebens. SEID MIR GEGRUESST, IHR AUSERWAEHLTEN und Freunde meiner Jugend. M. Marion Sander vda. de Brinitzer. Kleine Annoncengrosser Erfolg Saul und David Ein Wort des 73jaehrigen Goethe zum 12jaehrigen Felix Mendelssohn-Bartholdy lieis Adolf Leschnitzer seine Untersuchung der “Problematik der deutsch-juedischen Lebensgemeinschaft” (Lambert Schneider, Heideloerg, 1954) mit “Saul und David” ueberschreiben. Goethes Wort lautet: “Du bist mein David. Sollteich krank und traurig werden, so banne die boesen Traeume dureh Dein Spiel. Ich werde auch nie mit dem Speer nach Dir werfen”. “Es will uns scheinen”, sagt Leschnitzer, “als ob dieser Satz, den der grosse Deutsche einem jungen Juden zurief, gar nicht von dem Individuum Goethe an das Individuum Félix Mendelssohn gerichtet war. Sondern als ob das Deutschtum selbst, der deutsche Geist, ja das deutsche Volk zum Judentum gesprochen hat — in einem Augenblick der Liebe und auch in seherisch-tiefem Vorgefuehl einer kuenftigen grausigen Moeglichkeit... Es kam fuer das deutsche Volk der Augenblick, in dem die boesen Traeume durch nichts mehr zu bannen waren, auch nicht durch Davids Spiel. In unseren Tagen haben Menschen des Volkes, dessen groesster Vertreter Goethe war, den Speer gegen David geschleudert”. Sauls Wahn Die Daemmrung bricht herein, Der Nacht verwegne Stunden Auf leisen Sohlen nahn, Des Mordes duestre Helfer. Gleich einem erznen Ring Umklammert Furcht das Herz mir, Ob wohl in dieser Nacht Des Feindes Anschlag komme. Du zogest Deine Hand Vom Haupte des Gesalbten, Dass rings um ihn erstehn Die Feind und Widersacher. Ohn Deine Gnade fuehl Ich schutzlos mich, verlassen, Ein leichtes Ziel dem Dolch Der ungebannten Moerder, Den Tuecken und der List Der falschen, feilen Weiber. In jedem Winkel liegt Der Meuchler auf der Lauer, Aus jeder Nahrung starrt Des Todes hoehnend Antlitz. Bewegte sich nicht dort Der Teppich vor dem Eingang Und glitt ein Schatten nicht Vorueber dort, zur Seite? O Gott, wie Kain gehetzt, Verleb ich meine Tage; Die Naechte flieht der Schlaf, Erhellt das wache Auge. Wie kann ich noch vertraun Den Freunden und den Soehnen, Wie wissen, dass sie nicht Im Bund mit meinen Feinden? Die Angst zermuerbt das Hirn Das Blut beginnt zu stocken, Des Todes Fiuegelschlag Rauscht dumpf mir in den Ohren Und ueberwaeltigt mich: Welch Schrecken ohne Ende! Spiel auf, David, spiel auf, Du Freude meiner Tage! Lass Deiner Harfe Sait’ Ertoenen hell und klingen, Dass tief in meine Seel’ Der Toene Frieden dringe! O sieh, nun hoer’ durch Dich Ich Gottes milde Stimme. Dich hat der Herr gesandt Als Trost der trueben Tage, Als Licht in dunkler Nacht, Mein Freund und Freund des Sohnes. Doch steigt mir Zweifel auf, Ob echt und ohne Falschheit Dein Sinnen und Dein Tun, Dein Planen und Dein Trachten. Du zogst von meiner Brust Den Sohn, den Du entfremdest, Errangst des Volkes Gunst, Das stets mir war gewogen. Nun seh’ ich klar das Netz, Das Du um mich gesionnen; Du hast den Plan erdacht, Du strebst nach Krön’ und Tron Du lechzst nach meinem Blute; Dein Blick ist hart und kalt, Dein Saitenspiel ist Taeuschung; In Deinem Herzen wohnt Ein teuflisch Mordgelueste. Doch will Dein ruchlos Tun Vereiteln ich fuer immer, Dass Fried’ und suesse Ruh Ziehn ein in meine Seele. Komm denn, mein Speer, Du Freund, Gefaehrte vieler Siege, Durchbohr das falsche Herz, Dass blutend es erliege. Ich schleudre Dich mit Kraft, Du solllst Dein Ziel nicht fehlen! So! Satans boeser Geist Soll mich nicht fuerder quaelen! Dr. Martin Gotthilf

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