Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 4 (Abril, 1955)
- Date
- 1955-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Abril, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 5 Die Gruendung der Jerusalemer Universitaet Ton ADOLF SEIDEMANN (Santiago de Chile) Aul dem XI. Zlonistencongress in Wien im Jahre 1913 sollte die Gruendung beschlossen werden. Es war Hochsommer, alle Teilnehmer litten unter der Hitze. Waehrend der ue blichen Geschaeftsordnungsdebatten herrschte Langeweile und Muedigkeit, bis das erste Referat ueber die Universitaetsgruendung gehalten wurde. Ploetzlich wurde alles hellhoerig. Es folgte Redner auf Redner, und als ein weiterer Delegierter Summen nannte, die fuer die zu gruendende Universitaet aus dem Kreise der Kongressteilnehmer gesammelt wurden, es waren vie le Tausend Pfund, herrschte unbeschreiblicher Jubel, und die Gruendung wurde beschlossen. Es wurde eine Kommission ernannt, die den Auftrag erhielt ein geeignetes Gelaende zu kaufen. Dieses wurde auf dem Scopusberge, 10 Minuten vom Oelberge entfernt, erworben. Hier hatte vor 2.000 Jahren Titus sein Lager aufgeschlagen, als er Jerusalem belagerte. Von hier schweift der Blick ueber das Jordantal und das tote Meer hinweg bis nach dem Gebirge Moab’s von dem die Kinder Israel vor 3500 Jahren auf dem Wege nach Jericho niederstiegen. Der Krieg unterbrach die begonnenen Arbeiten. Im Dezember 1917 eroberte Allenby Jerusalem, und wenn aucn der Krieg noch nicht beendigt war, brachte Weizmann es fertig, ihm die Genehmigung zur Grundsteinlegung abzuringen, die auch im Juni 1918 stattfand. Wie sah es nun um diese Zeit in Palaestina und in der zionistischen Bewegung aus? Jahre lang nach dem Kriege, und nach der Balfourdeklaration und nach der Mandatsuebernahme durch England, sahen die Araber das Wunder, dass ein juedisches Palaestina im Werden begriffen ist. Nie haetten sich die arabischen Effendi’s traeumen lassen, dass es ihnen einmal schwer werden koenn. te, die Fellachen wie Sklaven zu behandeln und auszubeuten. Dass nach Jahrtausenden Leute ins Land kommen koennten, die alle Menschen gleich, und menschenwuerdig behandeln, die die geleistete Arbeit angemessen bezahlen, die jedem Arbeiter eine bequeme und hygienische Wohnung zur Verfuegung stellen, und dass die Verhaeltnisse sie zwingen koennten, ihren Arbeitern ebenfalls ein menschenwuerdiges Dasein zu gewaehrleisten. Der Kampf der Araber gegen den Zionismus war erfolgreich, denn sie hatten die Uebermacht, Schritt um Schritt drangen sie vor, uhd die Zionisten mussten zurueckweichen. Aber die Verhaeltnisse in Europa zwangen die juedischen Massen, sich mehr und mehr zum Zionismus zu bekennen. Die Einwanderung nach Palaestina stieg und der Augenblick schien gekommen, wo der Zionismus es wagen durfte, die politische Offensive zu ergreifen, und zu zeigen, dass er weiter unerbittlich fortschreiten will um sein Programm durchzufuehren. Die Araber sahen, dass es sich hier bei der Gruendung einer Universitaet nicht um eine Geste, sondern um eine Realitaet handelt, naemlich um die erste grosse Demonstration des im Aufbau befindlichen juedischen Palaestinas. Der ziemlich zum Stillstand gekommene Kampf zwischen Juden und Arabern flammte von neuem auf. Drohtelegramme flogen nach London, Telegramme nach Stambul, Kairo, Mecca, u. s. w. Die Araber Palaestina’s drohten mit Streik, wenn die Universitaet eroeffnet werden sollte, die Zeitungen sollten mit schwarzem Rand erscheinen, die Haeuser schwarz beflaggt werden, u. s. w. Im Jahre 1923 wurde als Gegendemonstration eine arabische Universitaet gegründet, aber als im Sommer 1924 Professor Fodor aus Halle als erster Dozent der hebraeischen Universitaet sein chemischen Institut eroeffnete, war die arabische Konkurenz bereits sang - und klanglos wieder eingeschlafen. Fodor hielt seine ersten Vorlesungen ueber Biochemie in hebraeischer Sprache. Das naechste Gebaeude war das microbiologische Institut. Americanische Aerzte schenkten eine Roentgeneinrichtung, es folgte das Forschungsinstitut fuer juedische Wissenschaft, das Technicum Haifa wurde 19 2 5 eroeffnet, und die landwirtschaftliche Versuchsstation Professor Warburg’s wurde der Universitaet affiliert. Die Universitaetsbiblithek war auf fast 100.000 Baende an. gewachsen, und auch das Geld fuer das Einsteininstitut fuer Mathematik und Physik war vorhanden. Nunmehr konnte man die feierliche Einweihung der Universitaet ankuendigen, so unfertig sie auch noch war. Mit der Eroeffnung betraute Weizmann seinen Freund Lord Balfour, den Vorkaempfer des politischen Zionismus, Fuer Minister Balfour war die Fahrt nach Palaestina kein politischer Act. Fuer ihn war es die Erfuellung einer Sehnsucht den Schlusstein zu einem Werke legen zu koennen, das er der Nichtjude glaeubig begonnen hatte. Er wusste, das er als Premier und Aussenminister laengst vergessen sein wird, wenn sein Name als Verkuender der juedischen Heimstaette und seine Erklaerung vom 2. November 1917 unsterblich sein werden. Balfour ist unsterblich, wenn auch nur ein Bruchteil sich erfuellt hat von dem, was er ersehnt, und geglaubt hat, erreicht zu haben. Weizmann waehlte den 1. April 1925 als Eroeffnungstag, und Tausende von Touristen ueberfuellten Jerusalem. 50 Universitaeten und wissen- Schaft liehe Gesellschaften entsandten Delegierte. Sogar von der arabischen Universitaet von Kairo erschien der Rector, ebenso von den Hochschulen in Genf, Athen, Paris, London, Groningen, durch weg Delegierte von bedeutendem Rufe. Lord Allenby kam ebenfalls zur Feier nach Jerusalem. Es ist bekannt, wie Allenby dem zionistischen Werk geschadet hat, wie er die Organisation bekaempft, wie er die juedische Legion angefeindet, die hebraeische Sprache zurueckgedraengt hatte, als er Obercommandant in Palaestina war. Dass dieser alte Gegner zur Eroeffnungsfeier erscheint, das erst bringt den Massen die ganze Groesse des Erfolges vor Augen. Neben Allenby sitzt Raw Kuck, der Grossrabbiner von Jerusalem. Zoegernd tritt er vor, um die Einweihung der Universitaet vorzunehmen. Er spricht langsam, befangen durch die seltene Umgebung, und durch die ihm ungewohnte Aussprache des Neuhebraeischen. Er beginnt mit einem Gebet, und schliesst seine Weihrede mit der uralten Verheissung: Kommen wird der Erloeser fuer Israel! Das ist der Tag, den Gott ge. macht hat, dass wir uns an ihm freuen. Und Traenen zittern in seiner Stimme. Dann tritt Weizmann vor. Wie ein Herrscherkleid traegt er den Purpurmantel der Universitaet Manchester. Der kleine Jude aus Motyl bei Pinsk ist Staatsmann geworden. der mit Ministern und hoechsten Wuerdentraegern verkehrte wie mit seinesgleichen. Namens der Universitaet und der zionistischen Or. ganisation begruesst er die Gaeste. Er hat alles geschaffen, was hier gefeier wird, und nun uebergiebt er, stolz, bewegt, dem juedischen Volke die Fruechte seiner jahrelan. gen Arbeit. Nach Weizmann spricht der High Commissioner Sir Herbert Samuel, Brausend schlaegt der Beifall ihm entgegen, als er an die Bruestung der Tribuene tritt. Die Juden haben alle Suenden und Fehler des Obercommissars vergessen, ueber die sie mehr als 4 Jahre zu kla. gen hatten. Er war eben englischer Beamter, und nur Englaender, der es den Juden gern recht machen, aber es mit den Arabern nicht verderben wollte. Sie wissen, dass er Palaestina bald verlassen, und sein Nachfolgerein Christ vielleichtnach ihm auf dem Oelberge resi. dieren wird, und dass Sir Herbert doch die schwersten Jahre mit ihnen geteilt hat. Er ist doch ihr Bruder, ini Guten wie im Boesen, und jetzt, wo er sie verlassen wird, wissen sie erst, dass sie ihn doch lieben Samuel ist sichtlich geruehrt. Er spricht mit einer Waerme, die er bisher nie gezeigt hatte. Auch fuer ihn ist der Tag ein Festtag. Er hat in den Jahren seiner Regierung eben doch den Frieden erhalten, und trotz seiner Concessionen an die Araber waechst die Juedische Heimstaette vom Monat zu Monat. Gross und feierlich wird seine Stimme. In jeder Synagogeso fuehrt er aus brennt seit Jahrtausenden vor dem Schrein der Gesetzesrollen ein kleines Licht, die ewige Lampe. Tag und Nacht, Jahr um Jahr, Jahrhundert um Jahrhundert, Jahrtausend um Jahrtausend flackerte die kleine Flamme. Wie vielen Geschlechtern, wie vielen Laendern war sie Symbol, Sie lebten und starben mit ungebrochenem Glauben, obwohl ihre Hoffnungen nicht erfuellt worden waren. Jetzt in unseren Tagen sehen wir die kleine Flamme wachsen und lodern, bis sie, wir glauben und hoffen es, Licht ueber die ganze Erde strahlen wird. Wir sind gluecklich, dass es uns vergoennt ist, in diesen Tagen Erste Begegnung mit Martin Buher Von LAMBERT SCHNEIDER Ich war noch sehr jung, als ich 1924 meinen Verlag gruendete und das Verlag-Machen stellte ich mir damals recht einfach vor. Alles, was ich mir als Leser an Editionen ertraeumte und was es auf dem Buechermarkt noch nicht gab, das musste nach meinen Vorstellungen auch eine breitere Leserschicht interessieren, also ein guenstiges Verlagsprojekt sein. Es kam also nur darauf an, die geeigneten Autoren zu finden, die diese Buechertraeume realisierten. Das ist ein loebliches Verfahren, aber aus recht schwierigen Erfahrungen heraus kann ich niemandem raten, es nachzuahmen, denn es macht Verdruss und ist kostspielig. Warum sollen auch andere Menschen gerade das lesen, was so ein Verleger selbst zu lesen wuenscht; warum sollen sie das Buch finanzieren, das er sich ertraeumt? Es gibt kluegere Verlagsmethoden. Ich aber falle immer wieder in diese Jugendsuenden zurueck. Erst als Student entdeckte ich fuer mich die Bibel, insbesondere das Alte Testament, und dies grossartige, oft schwer verstaendliche, oft so aergerliche Buch, liess mich nicht mehr los. Ich spuerte wie unzulaengllch Uebersetzungen sind, insbesondere aber dann, wenn unwillkuerlich der Uebersetzer Tendenzen in den Text hineintraegt, die nicht hineingehoeren. Die Uebersetzungen des Alten Testaments, die ich kannte, schienen mir den Text zu christianisieren, und so wuenschte ich mir —des Hebraeischen und Aramaeischen unkundig eine Uebertragung von einem Juden, von einem dem Urtext nahestehenden Menschen, der aber des Wortes, maechtig ist. Was lag da naeher, als an Martin Buber zu denken? Im Kuerschner stellte ich seine Adresse fest, und unbefangen froehlich machte ich ihm in einem Brief — im Fruehjahr 1925 — den Vorschlag, fuer mich das Alte Testament neu zu uebersetzen Martin Buber antwortete diesem jungen, gaenzlich unbekannten Verleger gleich und lud ihn zu einer Besprechung nach Heppenheim an der Bergstrasse ein. Wenige Tage spaeter sass ich Martin Buber gegenueber an seinem Arbeitstisch, Waehrend ich ihm meinen Wunsch erlaeuterte, ruhten seine braunen guten Augen auf mir und er hoerte aufmerksam zu, so aufmerksam und so aufgetan, wie mir bislang noch niemand zugeheert hatte. Dann nahm er eine Luther-Bibel aus dem Regal, schlug eine Stelle auf, las sie mir vor und uebersetzte die gleiche Stelle frei aus dem Hebraeischen, um mir zu zeigen, dass mein Wunsch seine innere Berechtigung habe Aber er machte mir klar, welch unsagsbare Arbeit, welche Verantwortung in einem solchen Unterfangen stecke — das alles ohne grosse Worte — und liess mich wissen, dass er nicht glaube, einen solchen Auftrag annehmen zu koennen, der ihn fuer Jahre in Anspruch nehmen werde. All das war so schlicht und ein. fach dargestellt, dass ich gar nicht den Versuch machte, weiter in ihn zu draengen, und ich stand auf, um mich zu verabschieden. Draussen spielte die Sonne in den Blaettern des ersten Gruens. Es war sehr still auf der Strasse und im Zimmer, als Buber am Schreibtisch stehend noch einmal zu sprechen anfing. Er wollte mir noch nicht endgueltig absagen, sondern sich noch mit seinem Freund Franz Rosenzweig beraten, denn eine solche Anforderung eines jungen Menschen habe sicher einen tiefen Sinn, dem man sich nicht ohne weiteres entziehen duerfe. Er gaebe mir bald Bescheid und damit gab er mir die Hand. Ich nahm das als ein troestendes Spruechlein auf den Weg und betrachtete meinen Plarr als abgetan. Acht Tage spaeter schon lag jedoch der Verlagsvertrag ueber die Uebertragung des Alten Testaments vor. Es war kein Spruechlein fuer den Weg gewesen, es war eine Antwort Martin Bubers in stiller Wahrhaftigkeit. Was Zuhoeren und ^Antworten ist, weiss ich seit dieser Zeit Und darum erzaehle ich von dieser ersten Begegnung mit Martin Buber. zu leben. Und Seine Excellenz sprach das traditionelle “SCHEHECHIJONU”. Die Feier selbst verlief vollkommen ruhig, obwohl man ernste Unruhen seitens der Araber befuerchtet hatte. Besonders befuerchtete man ein Attentat auf Lord Balfour, den von den Arabern bestgehassten Mann. Vor seiner Ankunft fuhren englische Panzerautos durch die Strassen. Das gesamte Besatzungsheer wurde zusammengezogen, das genuegte. Als Balfour ankam, brauchte er keinen militaerischen Schutz mehr. Die Araber hatten die Bereitschaft der englischen Regierung erkannt, und der Streik brach zusammen. Am 1. April waren allerdings die arabischen Laeden geschlossen. Als aber die Inhaber die Tausenden von Fremden sahen, von denen anzunehmen war, dass sie Geschenke und Andenken in den Bazaren einkaufen wuer. den, da wagt einer gegen 10 Uhr seinen Laden zu oeffnen. Einige Minuten spaeter ein zweiter, ein zwanzigster, und eine Stunde vor Beginn der Feier war kein Laden mehr geschlossen. Geschaeft geht eben vor Politik. Nun sind 30 Jahre dahingegangen. Die Universitaet hat den 2. Weltkrieg ueberlebt, der Staat Israel ist proklamiert, aber noch ist ihm der ersehnte Frieden nicht beschieden, und sie befindet sich nicht auf israelischem Boden, sondern in Feindesland. Auch die geldlichen Schwierigkeiten wirken hemmend auf eine so gedeihliche Entwickelung, wie man sie vor 30 Jahren zu erwarten berechtigt war. Aber das juedische Volk hat waehrend 3,500 Jahren, besonders in, den letzten 5 Dezennien seit Herzl bewiesen, dass es Geduld und Ausdauer hat. Und so moege es in den naechsten Jahrzenhnten der Universitaet beschieden sein, in friedlicher Arbeit die Kulturaufgaben zu erfuellen, die sie sich als Ziel gesteckt hat. damit der Satz sich erfuellte, “KI MIZION TEZE TAURO“ Denn von Zion geht die Lehre aus.