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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-03-01 · 3 (Marzo, 1955) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
3 (Marzo, 1955)
Date
1955-03-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Marzo, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 13 Das deutsch Elenüemt in Der dreihundertste Jahrestag des amerikanischen Judentums wurde von einer Gemeinschaft von fast 5 Millionen amerikanischer Juden gefeiert. Als amerikanische Buerger haben fruehere deutsche Juden und deren Nachfahren sichtbaren Anteil daran. Juden deutscher Herkunft haben zum Wachstum des amerikanischen Judentums beigetragen und daraus Vorteile genossen. Die Vereinigten Staaten nahmen fast 200,000 juedisehe Einwanderer aus Deutschland auf, die Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts aus Gruenden wirtschaftlicher Depression oder politischer Reaktion auswanderten. Seit 1933 sind weitere 140.000 Juden aus Deutschland zur Einwanderung zugelassen worden sei es auf Einwanderungsquote oder als “displaeed persons” In derselben Zeit hat das American Joint Distribution Committee dem “Zentralausschuss fuer Hilfe und Aufbau in Deutschland” und anderen Vereinigungen, die sich ausserhalb Deutschlands der Fluechtlingshilfe widmeten, finanzielle Unterstuetzung geleistet. Der Joint allein hat im ganzen mehr als 17.25 Millionen Dollar aufgewendet. Waehrend des 2. Weltkrieges haben Beauftragte des Joint, die in neutralen europaeischen Laendern arbeiteten, die Befreiung wenigstens einer gewissen Anzahl von Insassen der Konzentrationslaeger erreicht. Der Joint unterhielt auch 20,000 Fluechtlinge, die in Schanghai gestrandet waren, bis er sie schliesslich von dort evakuieren konnte. Die ISinder- und Jugend-Alijah fuer Palaestina steht in tiefer Schuld fuer die unendlichen Bemuehungen von Henrietta Szold und der American Hadassah Organisation. Die Beitraege der Juden deutschen Ursprungs zum amerikanischen juedischen Leben und fuer Amerika im •allgemeinen waren ebenfalls bedeutend. Waehrend des ispaeten 17. Jahrhunderts und durch das 18. Jahrhundert hindurch gab es einige, wenn auch nicht zahlreiche Vorlaeufer, vorwiegend aus West- und Sued-Deutschland, aber auch einige aus Berlin, Breslau und Lissa. Die meisten waren zunaeschst nach Amsterdam oder London gegangen und waren dann nach Uebersee verschlagen worden. Mancher von ihnen ging direkt als “verdungenes Hauspersonal” hinueber. Die bemerkenswerteste Einzelfigur war wohl Hayman Levy, in Hanover 1721 geboren, in Amerika 1748 eingebuergert. Durch Handel mit den Indianern wurde er zum fahrenden Fellhaendler in den Kolonien, und er war der erste Arbeitgeber von John Astor, dem Begruender der Dynastie amerikanischer Eisenbahnmagnaten des 19. Jahrhunderts. Waehrend des siebeniaehrigen Krieges unterhielt Levy Schiffe, die Kanerei betrieben: er starb 1789 und wurde in New York begraben. Die aschkenasischen Einwanderer verbanden sich den schon bestehenden spanischptortugiesischen Gemeinden in New York, Charleston, Philadelphia und Richmond, Ehen zwischen Aschkenasim Rassenhass in Amerika * juedisehe Von M. G. REISSNER und Sephardim waren haeufig. Aschkenasische Juden wechselten mit sephardischen ab als Traeger der Ehrenaemter des Gemeindelebens. Alle waren sie mit ganzem Herzen fuer die amerikanische Revolution. Alle, die dazu faehig waren, einschliesslich des schon erwaehnten Hayman Levy, traten in die oertlichen Milizen ein. Andere dienten der Revolution, so wie Hayy im Solomon aus Lissa. Die Englaender fassten ihn als “Spion” in New York. In spaeterer Zeit war er Kriegsmakler bei dem American Office of Finance in Philadephia. Nach ein oder zwei Generationen traten Mitglieder der freien Berufe hervor. Walter J. Judah, Enkel eines Einwanderers aus Breslau, erlag der Gelbfieber-Epidemie von ¡1798, als er noch Medizinstudent am Columbia-College in New York war. Dr. Joel Hart, Sohn von Eltern aus Fuerth bezw. Mannheim, wurde eingetragenes Mitglied der Arzte-Gesellschaft des Bezirks New York, Sampson Simson, dessen Grossvater 1718 aus dem Rheinland eingew<andert war, machte die juristische Pruefung an der Columbia - Hochschule und War wohl der erste tjuedische Anwalt in New York, er war auch der Gruender des Mount Sinai-Hospitals in New York. Niederlassungen im Westen Die Ankoemmlinge des 19. Jahrhunderts, meist aus Sued -Deutschland und der Provinz Posen. Hessen nicht nur Westj Europa hinter sich, sondern auch die aelteren juedischen Zentren laengs der atlantischen Kueste Amerikas. Eine grosse Anzahl von ihnen starteten als Haendler nach dem mittleren und fernen Westen. Langsam entstanden Gemeinden, Wohltaetigkeits -Gesellschaften und Sabbat-Schulen •an ¡solchen Durchfeangfezentren wie Cincinnati, Chicago, St. Louis, Memphis, Galveston und San Francisco. Die Sprache der Gemeindeverwaltung, der Reden und des Religionsunterrichts blieb noch fuer lange Zeit deutsch, Juden von deutscher Herkunft waren fuehrend in der Gruendung von B’nai B’rith-Logen. In Deutschland augebildete oder geborene Rabbiner gaben dem Reform-Judentum in den Vereinigten Staaten den Anstoss. Die urpruenglich hausierenden Haendler und deren Nachfahren fanden zusaetzliche Gewinnmoeglichkeiten, als ihr Wohlstand sich hob. Einige Hessen sich als oertliche Detailhaendler nieder, andere haben den Handel durch Warenhaeuser. Postversand und Kettenlaeden beeinflusst. Andere haben sich auf Grosshandel in Rohwaren spezialisiert, besonders auf Baumwolle und Getreide. Die Bekleidungs-Industrie wurde im wesentlichen durch Kapital und Fachwissen deutsch]'uedischer Einwanderer begruendet. Im Westen verdankt der Abbau nicht-eisenhaltiger Erze sehr viel juedischen Einwanderern aus dem Rheintal. Deutschjuedische Bankiers brachten erhebliche Kapitalbetraege fuer langfristige Anlagen in Eisenbahnen als1 auch fuer kurzfristige Handelsbeduerfnisse auf. Das geschah gestuetzt auf die Mitarbeit von | Familen- und Geschaeftsbeziehungen in Deutschland und Westeuropa. In dieser Form treten hervor Adam Gimbel aus Bayern (Vincennes, Indiana, 1842) und Lazarus Strauss, Begruender von Warenhaus:Dynastien. Julius Rosenwald, der das Versandhaus Sears-Roebuck zu seiner jetzigen Bedeutung brachte, war der in Amerika geborene Sohn eines deutsch-juedisc h e n Einwanderers. Die Brueder Lehman aus der Wuerzburger Gegend begannen 1833 in Alabama als herumziehende Haendler und gingen dann zum Grosshandel in Baumwolle ueber. Nach und nach fassten sie in New York Fuss und wurden dann ausschliesslich Bankiers fuer Investierungen. Abraham und Solomon Loeb begruendeten eine Partnerschaft in Lafayette, Ind., um 1850, die sich mit Waren aller Art befasste; sie gingen dann nach Cincinnati und schliesslich nach New York. Dort entstand so die Bankfirma Kuhn, Loeb & Cia. Diese Liste von Familien und Persoenlichkeiten koennte erheblich erweitert werden Die Begabungen, die Zeit und die Mittel dieser Menschen nuetzten der Allgemeinheit in drei Richtungen. Freiwillig leisteten sie Dienste fuer die Nation, fuer juedisehe Beduerfnisse daheim und auswaerts und schliesslich als Foerderer der Kuenste und der Erziehung. Beispiele hoher Beamter unter ihnen sind Henry Morgenthau sen., amerikanischer Botschafter in Konstantinopel 1913-1916, gebuertig aus Mannheim, und dessen Sohn Henry Morgenthau jun., Finanzminister unter Franklin Roosevelt. Bernhard M. Baruch, der Freund von Churchill und Eisenhower, ist der Sohn eines Einwanderers aus Schwerzens, Provinz Posen Der Senator Herbert H. Lehman, Ex Gouverneur des Staates New York und Ex- Leiter der UNRRA, ist der in Amerika geborene Neffe eines urspruengiiehen Hausierers in Alabama. Unter den Leitern juedischer Wohltaetigkeit stehen in erster Reihe der in Deutsch land geborene Jacob H. Schiff, Schwiegersohn von Saloman Loeb, und Félix M. Warburg, seinerseits der Schwiegersohn von Schiff, beide frueher Partner von Kuhn, Loeb & Cia. Die Bankiers Otto H. Kahn, James Spever, Felix Warburg und die Bergwerks- Magnaten - Familie Guggenheim foerderten, im Wettbewerb mit nicht - juedischen Millionaeren, Museen, Opernhaeuser, Hochschulen und Hospitaeler durch reiche Stiftungen. Julius Rosenwald h'interliess eine bedeutende Leistung auf dem Gebiete der Erziehung und des oeffentlichen Gesundheitswessens, indem er die Rosenwald-Stiftung (1918-1948) schuf, die besonders der Hebung der amerikanischen Negerbevoelkerung gewidmet ist. Er hat ueber 60 Millionen Dollar in verschiedenen philantropischen Unternehmen ausgegeben. Einordnung der Naziopfer. Es waere verfrueht, den Beitrag der Hitlerfluechtlinge zum amerikanischen Leben einzuschaetzen. Nicht jeder Wissenschaftler ist ein Einstein. Amerika hatte lange vor Hitler Anziehungskraft fuer ausue bende Musiker. Indessen ist die Aufnahmefaehigkeit Amerikas fuer europaeische kulturelle Traditionen nach und nach gestiediese Gruppen und Publikationen zusammengenommen und noch weitere, die hier nicht genannt werden koennen, stellen natuerlich in Amerika in keiner Weise eine politische Macht dar. Das Committee on Unamerican huetet sich denn auch, eine grossangelegte Verfolgungsaktion gegen sie anzuregen. Es ist nicht einmal beabsichtigt, oeffentliche Einvernahmen der Fuehrer aller dieser Gruppen durchzufuehren, um ihnen nicht die Resonanz eines Kongress-Hearings zu geben. Diese “Bewegungen” und “Aktionsgruppen” haben lediglich die Bedeutung von Kuriosa, und niemand glaubt, dass sie je eine wirkUch ins Gewicht faUende politische Rolle werden spielen koennen. Die Gegenkraefte Da sie das ganze amerikanische Geisteserbe von vomgen. Der Anteil der freien Berufe —Arzte, Anwaelte, Lehrer, Kuenstler— an der Welle von Hitlerfluechtlingen war fast viermal hoeher als unter Einwanderern des voraufgehenden Jahrzehnts 1920- 1930. Berufene amerikanische Beobachter bestaetigen, dass die Beitraege dieser Einwanderer bereits wichtig gewesen sind, und dass Anlass besteht anzunehmen, dass sie in Zukunft noch bedeutender sein werden. Ausser Intellektuellen bestand die Mehrheit der Hitlerfluechtlinge aus Kaufleuten. Unter ihnen hatten wohl nur die Haendler in gewissen Rohstoffen, wie Erze, nichteisenhaltige Metalle, Haeute und Felle, eine leidlich gute Chance, den Wettbewerb aufzunehmen. Alle Fluechtlinge machten Amerika zu ihrer Heimat, indem, sie sich mit dem grossen Strom verschmolzen, dessen fruehere Zufluessse aus Kolonisten und Einwandeirern der verschiedensten Laender, Rassen und Religionen bestanden hatte. Neue Gemeinden und Selbsthüfe- Vereinigungen sind von Kueste zu Kueste entstanden. Sie bieten dieser Einwanderer- Generation nuetzliche Dienste. Die Kinder jedoch, die nun in Amerika aufwachsen sind den Einfluessen voll ausgesetzt, die in der PubUc School, im College, im Heer und in den Freizeit-Betaetigungen, wie Sport, “Comics” und Television, eine Umbildung hervorrufen. Es ist daher erlaubt, deren voellige Verschmelzung im Laufe der naechsten Generation anzunehmen. Das Beste, was Eltern ihren Kindern weiterzugeben erhoffen duerfen, ist Selbstsicherheit, j uedischer Brudergeist und; Vaterlandsliebe. Deutsche Juden haben kein Monopol auf eine oder alle dieser Eigenschaften. Als Gruppe indessen haben sie wohl weniger Hemmungen abzulegen, Sie haben in gewissem Sinn die Bereitschaft voraus erworben, ihr Bestes im freien Wettbewerb mit den Besten ihrer Nachbarn zu geben. So also haben Juden deutscher Herkunft mit Recht ihren Platz in dieser Dreijahrhundertfeier, indem sie einen menschlich charakteristischen Sektor darstellen: geformt durch vergangene Erfahrungen im Ausland, gestaerkt durch ein neues Leben in Amerika und in Hingabe an eine gemeinsame Zukunft. (AJR London) herein ueber Bord geworfen haben, werden sie nicht ernst genommen und sind a priori diskreditiert. Die liberale Aufklaerungs tradition des Landes ist so lebendig, dass mit Programmen, wie sie oben beschrieben wurden, hier nicht viel auszurichlen ist Dazu kommt, dass auch das Bewusstsein der judaeochristiichen Tradition ueberaus stark ist. Man denke etwa an die Taetigkeit der National Conference of Christians and Jews, der die angesehensten kirchlichen Fuehrer aller Kon fessionen angehoeren und die jede Form des Rassenhasses bekaempft. Das erklaert, weshalb sich der Antisemitismus in Amerika nie zur Ideologie entwickeln kannte wie in Europa. Das will nicht besagen, dass es ihn hier nicht gibt. Er erscheint aber hier vor aHem ln der Form des wirtschaftlichen und geseUschaftlichen Antisemistismus. Aber er tritt nur selten an die Oberflaeche. Die Hotels, die keine Juden beherbergen, die Clubs, die keine Juden als Mitglieder aufnehmen, die Firmen, die keine Juden einstellen, betreiben diese Praxis auf sehr diskrete Weise. Man fuehlt eben, dass “etwas nicht in Ordnung ist”, und verbirgt es deshalb nach Moeglichkeit. Man kann sehr gut einem Country Club angehoeren, der keine Juden aufnimmt, und gleichzeitig als Vorkaempfer gegen die Hate Groups, wie sie oben beschrieben wurden, auftreten. Es gehoert ueberhaupt zum guten Ton, das zu tun. Das erwies sich besonders deutlich im Fall der Atomspione Rosenberg, den die Kommunisten als antisemitische Verfolgung darzustellen versuchten. Sie hatten damit kein Glueck. Praesident Truman hatte dafuer gesorgt, dass der Staatsanwalt, der Richter die Verteidigung Juden waren — um der kommunistischen Propaganda den Boden zu entziehen. Selbst in sogenannten ‘nice neighbourhoods’, das heisst Wohnvierteln, in die durch Abmachungen in Kauf¬ und Mietvertraegen keine Juden —oder gar Neger— einziehen koennen, wurden die Gatten Rosenberg nicht als Juden, sondern als Spione und Verrraeter verurteilt. Der Propagandaversuch gewisser Gruppen, Juden als kommunistenfreundlich zu diskreditieren, ist misslungen. Der alte Henry Ford hat, wie man weiss, mit seinem Buch “Der internationale Jude” kein Glueck gehabt. Erklaert sich das, weil, wie Sombart einst schrieb, “was wir Amerikanismus nennen, nichts anderes ist als “geronnener Judengeist”? Eine solche Formulierung verkennt wohl wesentliche Komponenten Amerikas, das aus einem ganz andern Geist geschaffen wurde und ihm treu bleiben will. Es bedarf dazu gar nicht einer gewaltigen Anstrengung gegen die Neofascisten und Demagogen, die man hier von vornherein zu den Psychopathen, zum lunatic fringe zaehlt, wie Theodore Roosevelt die Extremisten zu nennen pflegte. Man ist wachsam —und darin zeichnen sich vor aHem Organisationen wie die Antidefamation League des B’Nai B’Rith aus—, aber man ist auch im Innersten gewiss, dass Amerika nicht der Boden fuer die Prediger des Hasses ist. It can’t happen here.

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