Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 1 (Enero, 1955)
- Date
- 1955-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8553624-8556771-9194094--1497-8556776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Enero, 1965 BOLETIN INFORMATIVO 6 ll Inquisition am Nil Wenn wir heute feststellen duerfen, dass die rechtliche Lage der Juden in den meisten Laendern gesicherter scheint ihr gesellschaftliches Ansehen gehoben, die Stigmata von Heimatlosigkeit und wehrloser Feigheit von ihnen genommen, so muessen wir dies gerechterweise in erster Linie auf die Errichtung des Israel - Staates zurueckfuehren, der aus dem mit Misstrauen betrachteten Ahasver mit einem Schlag ein respektables Mitglied der, Voelkerfamilie machte. Eine kleine Minderheit unseres Volkes hatte jedoch tragischerweise keinen Anteil an diesen segensreichen Folgen; im Gegenteil, werden sie durch das Bestehen der juedischen Republik in Palaestina in eine aeusserst bedrohliche Lage gebracht: die Juden der arabischen Laender werden als pro-israeliche fuenfte Kolonne angesehen und verfolgt. Eine grosse Anzahl von ihnen konnte durch grossartig angelegte Rettungsaktionen, wie die des “Fliegenden Teppich”, nach Israel, in die Sicherheit, gebracht werden. Was den anderen bevorsteht, denen das Glueck weniger hold war, koennen wir jetzt schaudernd an dem Schicksal der Juden in Aegypten ersehen. Die Clique der aegyptischen Machthaber hat der juedischen Gemeinschaft seit einiger Zeit entehrende und diskriminierende Beschraenkungen auf erlegt; jetzt wurde gegen ein Dutzend ihrer Mitglieder ein Schauprozess veranstaltet, den “mittelalterlich” zu nennen wir nicht zoegern wuerden, haette nicht gerade die neueste Zeit diese Afterjustiz wieder auf leben lassen. Dass die Beschuldigungen gegen die dreizehn jungen Maenner nicht einmal den Anschein der Plausibilitaet erwecken wollen, geht schon allein daraus hervor, dass man diesen nicht nur pro - israelische Spionage vorwirft sondern “zionistischen Terrorismus”! Welchen Dienst wuerde heute ein ueberzeugter Zionist dem Volk oder Land Israel durch Terror akte in Aegypten wohl zu erweisen glauben? Cui bono— wem kaemen denn zionistische Gewalttaten am Nil zu statten, ausser der Propagandamaschine des in allen Fugen krachenden Nasser-Regimes? Wie entsetzlich aber die Misshandlungen gewesen sein muessen, mit denen die aegyptische Geheimpolizei aus ihren ungluecklichen Opfern Gestaendnisse zu erpressen suchte, wurde der Welt durch den Selbstmord Franz Bennets, der nur so seinen Henkern zu entgehen vermochte, deutlich vor Augen gefuehrt. Was die Absicht des herrschenden Offizierskluengel bei dem Aufziehen dieses Abklatsches des Reichstagsbrandprozesses sein moegen, ist nicht gar so schwer zu erraten: die um ihre soziale Besserstellung betrogenen Fellachen will man mit Sensationen ablenken; die Regierungen anderer arabischer Staaten, die sich sehr besorgt ueber die Aufloesung der “Mohammedanischen Bruederschaft” bezeigten, will man mit verschaerften Zionistenverfolgungen von der panarabischen Loyalitaet ueberzeugen; der UNO, welche gerade im Fall des israelischen Schiffes “Bat-Galim” den Aegyptern Unrecht gab, die es widerrechtlich beschlagnahmt hatten, soll ein Fall zionistischer Agressivitaet unterbreitet werden. Die provisorischen Herrscher am Nil sollten jedoch dessen eingedenk sein, dass es in jener Region schon einmal einen Koenig gegeben hat, der —angeblich an der Treue seiner hebraeischen Sklaven zweifelnd— eine unerhoert moerderische U n t e r d r uekkungspolitik einleitete. Naehere Einzelheiten darueber koennen sie im zweiten Buch Moses nachlesen Auch ueber das Ende jenes Pharaos: Der uns im Strom ertraenken wollte, kam selbst im Meer um. Alte Narben rosten nicht Diplomatie muss bereit sein, mit dem Feind zu verhandeln. Auch die Vertreter einer neuen juedischen Staatskunst sahen und sehen sich wiederholt genoetigt, mit den hasserfuellten Feinden ihres Volkes in Verhandlung zu treten: Herzl traf sich mit dem russischen pogromminister Plehve, Arlosoroff fuhr zwecks Unterredungen mit Nazibe- ¿loevden 'nach Deutschland, Repraesentanten der juedischen Hilfsorganisationen trafen sich mit Himmler und seinen Gestapoleuten. Es ist verzeihlich, dass nicht jeder genuegend Verstaendnis fuer die hochpolitische Notwendigkeit dieser Unterhandlungen aufbringt; es bleibt aber unentschuldbar wenn Extremisten Herzl nach seiner Russlandreise zum Volksverraeter stempeln wollten, oder wenn Terroristen Arlosoroff, nach seiner Deutschlandfahrt, auf gemeinste Art ermordeten. Diese Gedanken draengen sich einem auf, wenn man von dem Prozess liest, der sich jetzt bereits monatelang in Jerusalem hinzieht und in dem entschieden werden soll, ob der Vorwurf des “Kollaborateurs” zu Recht gegen eine der fuehrenden Persoenlichkeiten des Jischuvs erhoben wurde. Dr. Kassner, einer der wichtigsten Maenner der Mapai, Freund und Berater Mosche Scharetts, hat einen alten Jerusalemer Hotelbesitzer, der ihn einen “Kollaborateur” nannte, und ihm vorwirft, einen SS-Offizier durch seine Aussagen von der Verurteilung als Kriegsverbrecher befreit zu haben, wegen Beleidigung verklagt. Ueber [ine Hand waescht... Im Jahre 1945 haette Generallisimus Franco vielleicht seinen Caudillo-Titel, die dazugehoerigen Schloesser, Bequemlichkeiten und Macht gegen ein sicheres Zimmer mit einer kleinen Monatsrente eingetauscht. Die Tage des spanischen Diktators von der Achse Gnaden waren damals gezaehlt: sein Volk schien nur auf ein Zeichen zur Erhebung zu warten, die Grossmaechte schickten sich an, ihm die Luft internationaler Anerkennung abzuschnueren. Nun, —den einen freut’s, den andern reut’s— die Krise ging vorueber: der beinahe Erstickte wurde durch direkte Sauerstoffzufuhr in Form von Anleihen und Militaerabkommen zu neuem Leben erweckt; kein Zeichen erging an das Volk. Heutzutage sonnt sich der Diktator bereits in dem Titel eines Verteidigers der westlichen Demokratie und fuehlt sich ueber jede Kritik erhaben . Er darf es sich sogar gestatten, die Hand der deutschen Militaermacht, welche ihn in den Sattel hob, eifrig reinzuwaschen. So werden in Franco-Spanien bereits wieder Kriegsflugzeuge von den Fabrikanten Junkers, Focke- Wulfe, Messerschmidt, Heinkel und wie die beruechtigten Namen sonst noch lauten, fuer Deutschland hergestellt. Das Pariser Abkommen, von den Westmaechten mit ehrlichen Absichten aber schweren Bedenken unterschrieben, ist damit im- Begriff von Deutschland in einem wichtigem Punkt umgangen zu werden. Das Mitglied des englischen Oberhauses, Viscount Stansgarte, das diesen Tatbestand in der Debatte aufdeckte, glaubt mit Recht annehmen zu duerfen, dass sowohl Spanien als die unter seinem Protektorat produzierenden deutschen Fabrikanten durch diplomatischen und materiellen Druck seitens der deutschen Bundesrepublik von ihr e n Ruestungsprogrammen abgebracht werden koennten. Nach altbewaehrtem Muster wird man jedoch den leicht zu loeschenden Funken glimmen lassen bis er zur Flamme wird. diesen Anlass ist der Prozess aber weit hinaus gewachsen, nachdem ein geschickter revisionistischer Anwalt ihn fuer die Verteidigung in die Hand genommen hat. Eine Unzahl von Zeugen aus aller Herren Laender, widerstandskaempfer und Berufsspione, Juden und Nichtjuden, sind inzwischen zur Aussage aufgefordert worden und reissen in tagelangen Verhoeren alte, tiefe Wunden wieder auf. In der Geschichte der Weimarer Republik, wo man einst Reichspraesident Ebert wegen Vaterlandsverrat vor Gericht zu stellen sich anmas ste, finden sich Parallelen zu dieser Art politisch gefaerbten Prozesses. Darum koennen wir an das Ende der CX LA tOL-tetlVIDAO liAAttr* CAIIU.A II« wawPAAAIAQ Beisitzer Herbert Göetz Jeden Freitag abend um 19 Uhr. Samstag vormittag um 9 114 Uhr. Ausserdem an Jahrzeiten. Diese Daten muessen jedoch rechtzeitig an die Casilla 984 mitgeteilt werden. VERKUENDUNG DES NEU¬ MONDES Samstag den 22. Januar, Schwad. NEUMONDSTAG 1. Tag Montag den 24 Januar. In der am 20. November stattgefundenen Generalversammlung wurde folgender Vorstand fuer die naechsten 2 Geschaeftsjahre gewaehlt. Erster Vorsitzender Heinz Roger Zweiter Vorsitzender Richard Wolf Schriftfuehrer Rudolf Staub Kassenfuehrer Heinz Moses Josef Hes Kurt Reichmann Als Mitglieder des Schlichtungsausschusses wurden folgende Herren gewaehlt. Herren Max Aufrichtig, Ludwig Boehm, Hans Brodek, Ernst Landsberger, Georg Lange, Walter Russ, und Walter Sommerfeld. Als Rechnungspruefer wurden die Herren Ernst Landsberger und Georg Lange gewaehlt. Als Mitglieder des Wahlausschusses wurden die Herren Juan Aufrichtig Julio Hes und Walter Russ wiedergewaehlt. Als Mitglieder des Chewraausschusses wurden die Herren Herrmann Arendt. Peter Brandt, Ernst Hellmann, Erich Kaufmann, Leo Manasse, José Tichauer und Ricardo Wolf gewaehlt. Bei Sterbefaellen bitten wir sich mit Herrn Richard Wolf Av. Argentina 370 Telefon 6240, in Verbindung zu setzen. BEITRAGSERHOEHUNG Laut Beschluss der Generalversammlung wurde der Mitgliedsbeitrag am 1. Dezember 1954 auf pesos 250 monatlich erhoeht. BEI UNS Nachstehender Brief ist bei uns eingegangen: Lieber S.! Du hast mir vor einiger Zeit, die leider so schnell vergeht, manches Interessante ueber Euer New-Yorker Gemeindeleben berichtet, und es bietet sich mir jetzt die Gelegenheit, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Nimm das, bitte nicht allzu woertlich! Den unsere Gemeinde zaehlt nur 143 Mitglieder. Laecheln darfst Du ueber diese Zahl, aber nicht lachen. Das Lachen wuerde Dir vergehen, wenn Du saehest, was diese paar Mitglieder leisten. Dann wuerdest Du sicherlich ganz wohlwollend von Deinem gut gepolsterten Dollarsessel auf unser kuemmerliches Pesostuehlchen herabsehen. Weisst Du noch, wie Werner Fink, der unter Hitler im “KdK” mutig opponierte, das Licht ausmachen liess, damit er sagen konnte: “Es kommt auf die Leitung an!” Bei uns deutschen Republik denkend derartige Vorkommnisse in Israel nicht mit Gleichmut betrachten. Fest steht doch, dass Dr. Kassner die Ver- -ha.ndlungen mit der SS ueber die Rettung der ungarischen Juden auf Weisung unserer Autoritaeten unternahm, ihm persoenlich also bei schlechtestem Willen nichts vorzuwerfen ist. Was soll nun also das Auffrischen dieser traurigen Erinnerungen in aller Oeffentlichkeit fuer einen Sinn haben? Muss man es einer Aussenseiterpartei erlauben, im Trueben, im europaeischen Judenschicksal, erfolgreich zu fischen? BEN kommt es wirklich auf die Leitung an, natuerlich anders' als drueben. Leider haben wir die Leitung auswechseln muessen, weil sie ueberlastet war und nur noch die Familie und nicht mehr die ganze Gemeinde versorgen wollte. Schade, dass es so kommen musste. Unsere Leitung war schon ein richtiger Leiter-ein “Uder”, wie man hierzulande sagt. Aber so ein bisschen Tyrannei schadet uns garnichts-wenigstens unter uns selber. Frueher hatte man sich oft genug ueber die Auffassungen und Massnahmen unseres “Diktators” den Mund zerbrochen und nicht an die Leistung gedacht, die dahinter steckt. Jetzt ist man objektiv und es gibt keine Opposition mehr gegen ihn. Ueber den Nachfolger war man sich nicht einig. Schliesslich sind wir auf einen verfallen, der zu dem frueheren Gemeinde- Vorsitzenden ungefaehr im selben Verhaeltnis steht wie Eden zu Churchill. Der Neue zeigte bei seiner Antrittsrede ein sehr verbindliches Wesen. Praxis hat er ja in der Fuehrung der Gemeindegeschaefte. Warten wir ab, was er fuer eine Kritik bekommt. Eigentlich hat er sein Ministerium uebernommen. Nur der Vizekanzler ist neu. Der wird noch lernen nuessen, was Gemeindearbeit heisst. Aber er wird es schon schaffen, da er einen sehr guten Willen hat. Als die Versammlung auseinander ging, da hatten wohl die meisten das Gefuehl, dass sie einer Familienfeier fuer ein beliebtes und geschaetztes Mitglied beigewohnt hatten. Ich hoffe, dass Du innerlich so jung geblieben bist wie damals als Du in der Theatergarderobe Skizzen zeichnetest und bleibe in alter Freundschaft. Dein. KF.