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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-09-01 · 11 (Noviembre, 1954) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
11 (Noviembre, 1954)
Date
1954-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Noviembre, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 7 DIE “ENDLOESUNG Eine halbe Million Juden fiel 1940 bei der Eroberung Westeuropas unter deutsche Herrschaft. Aber es dauerte geraume Zeit, bis man sich entschloss, auch sie nach Osten aozutransportieren; laengere Zeit schwebte der phantastische Pian, einen Judenstaat auf Madagaskar zu errichten, eine Idee, die erst im Fenruar 1942 endgueitig zu den Akten gelegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren freilich die Transporte aus allen inzwischen besetzten Laendern nach Osten schon in vollem Gange, gestuetzt zunaecnst auf eine mstruKtion von Goering an Heyurich vom 31. 7. 19*1, in uer es hiess:,,... beauftrage ich Sie hiermit, alle erforderlichen Voroereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen fuer eine Gesamtioesung der Judenfrage im deutschen EinflussgeDiet in Europa. Sofern hieroei die Züstaendigkeiten anderer Zentralinstanzen beruehrt werden, sind diese zu beteiligen. Ich beauftrage Sie weiter, mir in Baelde eiben Gesamtentwurf ueber die organisatorischen^ (sachlichen und materiellen Vorausmassnahmen zur Durchführung der angestrebten Endloesung der Judenfrage vorzulegen”. Plan einer Massen — Sterilisation kam allerdings trotz umgangreicher Vorarbeiten mit barbarischen Versuchen von SS—Aerzten an KZ—Insassen praktisch nicht zur Anwendung.) Im weiteren wurde auf der Wannsee— Konferenz im Einverstaendnis mit den Satelliten—Regierungen auf dem Balkan der Abtrarisport der Juden aus diesen Staaten beschlossen. Diese Konferenz war die letzte groessere Amtshandlung, die Reinhard Heydrich, Chef des SD und des Reichssicherheitshauptamtes und Reichsprotektor in Boehmen und Maehren, vornahm. Am 29. Mai 1942 ereilte ihn sein Schicksal in Gestalt einer Bombe, die tschechische Partisanen in der Naehe des Dorfes Lidice in sein Auto warfen und deren Explosion ihn schwer verletzte; nach einem sechstaegigen Todeskampf, in dessen Verlauf er seine Verbrechen eingesehen und bereut haben soll, starb er am 5. Juni 1942. Als Rachemassnahme fuer seinen Tod machte die SS nicht nur das Dorf Lidice dem Erdböden gleich, wobei 199 Menschen umgebracht wurden, sondern ermordete weitere 1339 Personen in Prag und Bruenn und 152 juedische “Geiseln” in Gedenkfeier fuer die Opfer des Hitlerterrors in Berlin. Hier also taucht das Wort “Endloesung” zum ersten Male in einem offiziellen Dokument auf, und es sollte bald darauf eine bedeutsame Rolle spielen: schon in der beruechtigten Konferenz in Berlin —Wannsee am 20., Januar 1942, die Heydrich, gestuetzt auf eben diesen Erlass des “Reichsmarschalls”, einberief und leitete und in der die Grundlinien dieser “Endloesung” ohne Widerspruch seitens der Vertreter der davon beruehrten Reichsministerien festgelegt wurden. Heydrich verkuendete bei dieser Gelegenheit den Plan, alle juedischen Mischlinge zu sterilisieren— auch diese Absicht wurde widerpruchslos hingenommen, und Staatssekretaer Dr. Wilhelm Stuckart als Vertreter des Reichsinnenministeriums bemerkte dazu, ein solches Vorgehen wuerde “endlose Verwaltungsaufgaben” ersparen. Die “Vierteljuden” sollten nach Heydrichs Plan unbehelligt bleiben, sofern sie nicht vorbestraft waeren oder auffaellig juedisch aussaehen oder sich “juedisch benaehmen”— in diesen Faellen sollten auch sie der Sterilisation unterworfen werden. (Dieser | Berlin. Im Konzentrat: onslaj ger Sachsenhausen wurden in der Nacht nach Heydrichs Tod 38 juedische Menschen, zum groessten Teil Krueppel, “liquidiert”. In den auf Heydrichs Tod folgenden Monaten wurde die Verschleppung von Juden aus Frankeich und den uebrigen besetzten Laendern und aus Deutschland selbst beschleunigt fortgesetzt. Die Ziele waren-aber jetzt meist nicht mehr die juedischen Ghettos im Generalgouvernement oder in Russland, sondern die sogenannten Arbeitslager, in erster Linie Auschwitz, wo inzwischen alle notwendigen Vorbereitungen zur Massenvernichtung von Menschen getroffen und wohin bereits aus den polnischen Ghettos zahlreiche Transporte gebracht worden waren. In Wellen setzten sich diese Aktionen durch die folgenden beiden Jahre hindurch fort. Ueber das Vernichtungslager Auschwitz und die Vergasungsanlage in Birkenau ist von den Ueberlebenden soviel veroeffentlicht worden, dass es sich eruebrigt, hier noch einmal darauf einzugehen. Es sei lediglich erwaehnt, dass nach einigermassen zuverlaessigen Schaetzungen die Zahl der hier Ermordeten rund eine Million betraegt. Auch ueber die anderen Todesiager in Polen: Treolinka, Beisen. Chelmno und Maidanek, das sogenannte Konzentrationslager Lublin, liegen viele Einzeloerichte vor. Nach wiederholt wechselnden Plaenen — gestoert noch dazu durch “Zwischenfaelle” wie den heroisehen, verzweiflungsvollen und von vornherein zum Scheitern verurteilten Aufstand des Warschauer Ghettos, den die SS brutal zusammenschlug—wurden die Ghettos nach und nach wieder aufgeloest, ihre Einwohner “umgesiedelt” (ein Prozess, den selbst Goebbels in seinem Tagebuch als “ziemlich barbarisch” bezeichnete) — bis auf die erfreulich hohe Zahl, denen die Flucht gelang — und in Vernichtungs — oder Arbeitslager verbracht, wo noch viele von ihnen von der Roten Armee befreit werden konnten. Es soll hier nicht auf die Methoden der “Endloesung” im einzelnen eingegangen werden. Alle Brutalitaet und Gefuehllcsigkeit in der Durchfuehrung der Vernichtungsaktionen hat die Nazis doch nicht davor bewahrt, dass letzlich der Versuch einer “Endloesung” im nazistischen Sinne gescheitert ist und dass noch Hitler selbst dieses Scheitern erkannte. Denn der Schlussabsatz seines politischen Testaments vom 29. April 1945 lautet: “Vor allem verpflichte ich die Fuehrung der Nation und die Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassegesetze und zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Voelker, das internationale Judentum”. So stand auch dieser Mann am. Ende seines Weges, der von dem Blut von Millionen und aber Millionen Unschuldiger gezeichnet ist, wieder an seinem Anfang. Von den an hervorragender Stelle an der “Endlosung” Beteiligten war Heydrich der einzige, den schon waehrend des Krieges sein Schicksal schlug, Einige wenige andere, wio der SS—Gruppenfuehrer Oswald Pohl, der sich noch vor Gericht ruehmte, die Befehle zur Ermordung Von 90,000 Menschen gegeben zu haben, wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Eine groessere Zahl erhielt Freiheitsstrafen, die nach oft unverhaeltnismaessig kurzer Zeit erlassen wurden. Die groesste Gruppe aber bilden diejenigen, denen es nach Kriegsende gelang sich zu verbergen oder nach Uebersee zu fluechten, was ihren hier gefangenen Helfern die Moeglichkeit gab, viel Schuld auf die Abwesenden zu waelzen und sich selbst zu entlasten. Die Juden eines jeden der unter deutsche Gewalt gefallenen Laender — Polen, Norwegen, Daenemark, Holland. Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, T» ,'nechoslowakei, die baltischen Staaten, Sowjetrussland — hatten ebenso wie die deutschen Juden einen hohen Blutzoll zu zahlen, und die genaue Zahl der in diesen Jahren willkuerlich und brutal Ermordeten wird sich niemals feststellen lassen. Die Forschungen der letzten Jahre haben jedoch ergeben, dass die Zahlen, die Rathenaus Mahnung “Ich kaempfe gegen das Unrecht, das in Deutschland geschieht, denn ich sehe Schatten aufsteigen, wohin ich mich wende. Ich sehe sie, wenn ich abends durch die gellenden Strassen von Berlin gehe; wenn ich die Insolenz unseres wahnsinnig gewordenen Reichtums erblicke; wenn ich die Nichtgkeit kraftstrotzender Worte vernehme oder von pseudogermanischer Ausschliesslichkeit berichten hoere, die vor Zeitungssartikeln und Hofdamenbemerkungen zusammenzuckt. Eine Zeit ist nicht deshalb sorgenlos, weil der Leutnant strahlt und der Attaché voll Hoffnung ist. Seit Jahrzehnten hat Deutschland keine ernstere Periode durchlebt als diese; das staerkste aber, was in solchen Zeiten geschehen kann, ist: Unrecht abzutun. So z. B. das Unrecht gegen das deutsche Judentum. I Historische Parallele Chamberlain, Stresemann und Briand glaubten durch den Locarno-Part 1925 einen dauerhaften Frieden herbeigefuehrt zu haben. Es kam anders! Naxi-Diptomatie Berlin, den 27. Juli 1938 Der amerikanische Botschafter sprach mich heute in einer Gesellschaft darauf an, ob wir nicht in irgendeiner Weise dem Evian-Komitee fuer auswandernde Juden unsere Mitarbeit leihen wuerden. Ich habe ihm gesagt, er moege sich darauf keine Hoffnungen machen, gez Weizsaecker. Tagebu cli ^Fetzen 9.XI.38 4 Uhr 30 frueh: Anruf, dass Synagoge brennt. Taxi bestellt. Chauffeur erzaehlt, dass in den juedischen Geschaeften die Fenster eingeschlagen, und ueberall gepluendert worden sei. Brandplatz von Polizei abgesperrt; kein Feuer, aber dicker Rauch Konmmandant erlaubt mir, das 6 Monate alte Kind der Hausmeisterin aus dem rauunmittelbar nach Kriegsende ohne eine andere Basis als pure Schaetzung genannt wurden (z. B. sprach Eugen Kogon in seinem Buch “Der SS—Staat” von 10 Millionen Opfern), weitaus zu hoch gegriffen waren. Ebensowenig wie die Zahl der in Auschwitz Umgebrachten 4 oder 2 1|2 Millionen betraegt, belaeuft sich die Gesamtsumme der Opfer auf 6 Millionen: sondern die wahrscheinlichsten Schaetzungen liegen bei etwa 4,5 Millionen Toten, von denen allein etwa 2 112 Millionen auf Polen entfallen. Es bedarf aber der nachdruecklichsten Betonung, dass die Blutschuld, mit der dip Nazis unser Volk belastet haben, nicht dadurch um einem Deut geringer wird, dass vielleicht wirklich eine etwas greessere Zahl der Ermordung hat entkommen koennen, als man bisher annahm. Wie hoch immer die Zahl der Opfer sein mag— sie legt uns eine Verpflichtung auf, an die man nicht oft genug mahnend erinnern kann; der Wiederkehr eines neuen Antisemitismus, in welcher Form immer er erscheinen mag, mit aller Macht entgegenzutreten. chigen Gebaeude zu holen. Waehrend ich das Kind fertig mache, erzaeht Hausmeisterin, dass um 1 Uhr nachts Gestapo gekommen sei, ihren Mann gezwuengen habe, aufzusperren, ihnen alles zu zeigen unter Androhung ihn zu erschiessen, sobald er um Hilfe riefe, und dass sie gleichz e i t ig die Telefonschnur durchschnitten haben Seit 3 Uhr brenne die Synagoge. Gegen 4 Uhr sei die Feuerwehr gekommen. Gestapo kommt mit einigen Herren herein, fragen Vater, was er hier tue, fuehren ihn hinaus. Ebenso den Hausmeister. Seine Frau und ich duerfen die Wohnung nicht verlassen, nicht zusammen sprechen. Polizei bewacht uns und den Synagogendiener Levy. Ich frage, ob der frierende Mann sich nicht ankleiden duerfe. Polizist antwortet: “Es ist sowohl auf der Polizei wie auch im Gefaengnis geheizt” Ich schliesse die Tuer wegen des dicken Rauches, muss sie aber wieder aufmachen, weil der Polizist mich bewachen muss. Levy wird abgefuehrt. Gleich darauf kommen viele Burschen zur Haussuchung, Als sie die abgeschnittene Telefonleitung sehen, sagt einer: “Diese Saujuden, erst schneiden sie die Telefonleitung ab, dann zuenden sie die Synagoge an und hinterher behaupten sie, sie haetten die Feuerwehr nicht benachrichtigen koennen”. Einem Aufsatz von Albert Dann ueber “Die Gemeinde Augsburg 1900-1939”. entnommen.

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