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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-10-01 · 10 (Octubre, 1954) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
10 (Octubre, 1954)
Date
1954-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Octubre,' 1954 BOLETIN INFORMATIVO 5 i r GRUSS EINER FREUNDIN Gabriela Mistral ist nicht nur eine weltberuehmte Dichterin, ¿sie ist vor allem immer noch ein einfacher Mensch mit einem grossen Herzen. Wer ihre Rede in der Universitaet gehoert hat, muss tief beeindruckt sein, von dem Ernst, mit der Gabriela Mistral, ihrer Besorgnis um das Wohlergehen Chiles und seiner Menschen immer wieder Ausdruck verlieh. Als der Praesident der Republik, S. E. Carlos Ibáñez del Campo, die Dichterin den diplomatischen Vertretern vorstellte, benutzte sie die Gelegenheit um dem Legationsrat S. Goren, dem Vertreter Israels, folgendes zu sagen: “Soy antigua amiga y admiradora del pueblo judío y estoy encantada con la existencia y progresos de Israel”. Die Freundschaft einer Dichterin, die wir zutiefst verehren, ist uns sehr, sehr teuer! HERZL-STRASSEN Der Verfasser des “Judenstaates”, Dr.' Thedor Herzl, besass eine seltene prophetische Gabe: viele der charakteristischen Zuege des juedischen Staates ahnte er voraus, sprach auch um die Jahrhundertwende die Vermutung aus, dass der Staat in etwa fuenfzig Jahren zur Wirklichkeit werden wuerde. Sollte Herzl nicht auch geahnt haben, dass sein Name dereinst im freien Judenland aufs Vielfache verewigt werden sollte? Wie dem auch sei. in Israel tragen nicht nur Schulen und Strassen seinen Namen, sondern ganze Ortschaften sind nach ihm benannt. .In diesem Jahr, dem fünfzigsten nach seinem Ted, folgten aehnliche Ehrungen auch in anderen Laendern. In Argentinien, dem Land, das als moegliches Ziel bereits im “Judenstaat” Erwaehnung fand, wurde in einem feierlichen Akt eine Strasse in der Provinzhauptstadt Eva-Peron nach Herzl benannt: und schliesslich kam auch Wien, das ihm seinerzeit, Juden wie Christen, so wenig Anerkennung zollte, dieser Sitte nach. *Es gab einen grossen Juden, der etwa zu Herzls Zeiten, seine zionistische Begeisterung aufgab, um den grossen Traum der Menschheitsverbruederung traeumen zu koennen: Dr. Zamenhofer, der Erfinder der Esperanto- Sprache. Welchen Erfolg hatten seine Bemuehungen? Wer wusste ihm Dank dafuer? Einzig die Judenstadt Tel- Aviv hat eine Strasse, die seinen Namen traegt! Aber dem Verkuender von juedischer Wuerde und nationalem Lebenswillen erweist man Ehre bei allen Voelkern! Abc-Schuetzen Das Volk darf wieder ahs Gewehr. Nach Bestaetigung des Londoner Abkommens durch ule Parlamente der interessierten Laender, wird Deutschland wieder eine halbe Million seiner Maenner in Uniform stecken, an Kanonen stellen, in Militaerflugzeuge setzen und mit ihnen Kriegsschiffe bemannen duerfen. Ob fuer die aufzustellenden Heereseinheiten schon schmis sige, neue Marschmusik komponiert worden ist oder jene sich gezwungen sehen werden, auf alte Sschlachtlieder wie das von Frankreich und Engelland, die sie siegreich schlagen woll’n, zurueckzugreifen, ist von nebensaeehlicher Bedeutung. ...denn heute gehoert uns Deutschland, und morgen die ganze Welt... Paradoxerweise gaben die westeuropaeischen Nationen ihre Zustimmung zur deutschen Wiederaufruestung gerade zu einem Zeitpunkt, wo ihre Gefuehle fuer Deutschland weitaus weniger freundschaftlich sind als sie es noch vor einigen Jahren zu sein schienen, sich vielmehr ihrer ein misstrauisches Unbehagen den Deutschen gegenueber bemaechtigt hat. In den ersten Nachkriegsjahren haetten Frankreich und England jeden Gedanken, Deutschland zu bewaffnen, wahrscheinlich entruestet von sich gewiesen, im Uebrigen jedoch war als Reaktion auf die hasserfuellten Kriegsjahre eine dem vom Nazismus befreiten Deutschland wohlwollende Stimmung aufgekommen. Von allen Seiten bemerkte man das ernste ms I9S0 »54 Dem “Dvar Haschavua” entnommen Bestreben, generationenalte Antagonismen und Hassgefuehle aus dem Weg zü raeumen und an die Stelle nationalistischer Erbfeindschaften das Gefuehl europaeischer Zusammengehoerigkeit z u setzen. In der rauhen Luft der Realpolitik war betrueblieherweise diesem zarten Pflaenzchen von alleuropaeischer Aussoehnung und Verstaendigung kein langes Leben beschieden: Die Westmaechte Europas standen sozusagen noch mit besorgtem Wohlwollen an der Wiege des “Anderen Deutschland”, da kam schon Nordamerika mit dem “Einen Deutschland” (dem ausgewachsenen Luemmel, der 1945 zum Fenster hinausgeworfen worden war) zur Tuer wieder hinein. Die prodeutsche Guenstlingspolitik der republikanischen USA. Staatsmaenner, der fieberhafte Wirtschaftsaufstieg und die diplomatische Ueberheblichkeit der Deutschen hat in den Nachbarlaendern den alten Deutschenhass wieder aufleben lassen. Wenn trotzdem der Milit-aerpakt seinen labyrinth artigen Weg bis zum Unterzeichnen z u' r uecklegen konnte, so verhalf ihm dazu keine innere Bereitwilligkeit der Partner, sondern negative aeussere Faktoren: die gemeinsame Furcht vor Russland, die materielle A)jhaengigkeit von den Vereinigten Staaten. In Washington, wo man vor knapp zehn Jahren in uebertrieben pazifistischem Zeiotentum den deutschen Kindern die Zinnsoldaten und S p i e 1 k anonen wegnehmen wollte, ist man heute glueeklich, aus deren Vaetern richtige Soldaten mit geladenem Schiessgewehr machen zu koennen. In England gibt es sowQjul in Arbeiter —wie auch konservativen Kreisen heftige Gegnerschaft gegen die “huns with the guns* (was man durch “Teutonen mit Kanonen” wiedergeben koenn te>; den Franzosen schliesslich gelang es, der deutschen Wiederaufruestung einige Begrenzungen aufzuerlegen. So wird Deutschland die Produktion der ABC— (Atomische, Bakteriologische und Chemische) Waffen verboten bleiben. Doch laesst sich schwer die Befuerehtung unterdruekken, dass die wackeren Schuetzen sich, wenn sie alles Uebrige haben, dass ABC zur Not allein beibrlngen koennen. Und werden dann sie dann ihre Kenntnisse nur im Verteidigungsfalle anwenden? und nur gegen den Osten? BEN ODYSSEUS OHNE VISUM Kein Mensch ist dafuer verantwortlich, wo er geboren wurde aber in unserem glorreichen Zeitalter ist jeder in Gefahr, dafuer (z. B. beim Visen-Erteilen) zur Verantwortung gezogen zu werden. Der junge Nicolás Levitzky kam in Schanghai zur Welt als Sohn russisch-juedischer Eltern. Jetzt nun, als Mann, wollte Levintzky von dort auswandern und beschaffte, sich ein gueltiges Visum nach Brasilien ,in das Land der Zukunft. Er war noch auf dem Schiff, als das Visum fuer ungueltig erklaert wurde; sei es, dass die Behoerden inzwischen festgestellt hatten, dass Schanghai am Rande des kommunistischen China gelegen sei oder dass sie die russische oder juedische Vergangenheit stoerte, jedenfalls Hess man den Mann, trotz Pass und Visum nicht ins Landlevitzky blieb auf dem Schiff, das die Rueckreise antreten musste. Noch mehrere Hin- und Herfahrten machte der moderne Odysseus mit, waehrend in hoechster Sphaere ueber sein Verbleib verhandelt wurde und wer weiss, ob es ihm ueberhaupt noch gelungen waere, auf legalem Weg vom Schiff herunter zu kommen, denn in keinem Hafen erlaubte man ihm, an Land zu gehen, da seine Papiere nicht in Ordnung seien, wenn nicht... Die Ehre, ein Menschenschieksal hoeher einzuschaetzen als Gesetzesklauseln, gebuehrt der kleinen Dominikanischen Republik. Sie bot dem unglueckllehen Seefahr er Heim und Zuflueht. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daran zu erinnern, dass auch schon in den Vorkriegsjahren, als Grossmaech te in Evian darueber naehdachten, wie man Juden aus Europa retten koenne, ohne die eignen Tore zu oeffnen, die Dominikanische Republik grossherzig 120,000 Juden aufzunehmen sieh bereit erklaerte. Das Regime General Trujillos ist gewiss nloht das. was man sich unter einem demokratischen vorstellt. Um so beschaemender fuer die Demokratien, wenn sie sich zu einer solchen humanen Geste nicht ermannen koennen. Sturmzeichen 'und Warnung Die Welt wird das Deutschland haben, das es verdient- Wie jeder Einzelmensch, wie jedes andere Volk hat auch das deutsche Volk edle und unedle Regungen. Da nun Humanismus, liberale Menschenfreundlichkeit, demokratisches Gerechtigkeits streben ganz offensichtlich von den Deutschen nicht verlangt werden, mu essen diese Neigungen, soweit sie sich nach 1945 zu entfalten begannen, klaeglich verkuemmern und kraeftigeren, neonazistischen den Platz ueber - lassen. Der bedrohlichen Anzeichen einer Re-nazisierung sind es Zuviele und sie sind zu bekannt, als dass sie alle angefuehrt zu werden brauchten. Wahllos herausgegriffen, sei nur an folgendes erinnert: wie der Fall John allen deutlich macht, gelten Antinazis und Teilnehmer am Attentat gegen Hitler als unzuverlaessig und unwert, oeffentliche Aemter zu bekleiden; ein wegen Kriegsverbreehen verurteilter Nazi ist bereits Innenminister der Bundesrepublik; Naziverbreeher werden aus ihrer Haft entlassen und bekommen nachtraegliche Zahlungen vom Staat; ein notorisch antisemitischer Schauspieler erhaelt das Bundesverdienstkreuz; ein Vcrkaemp fer der. Wiedergutmachung wird aus dem Staatsdienst entlassen usw. usf. Das “mene mene tekel”, erscheint deutlich an der Wand, doch scheint es keinen Daniel zu geben, der es zu deuten vermoege. Vielleicht aber waere hier Lord Russell aus Liverpool zu erwaehnen. Dieser hohe englische Jurist, Held des ersten Welkriegs, hat sich durch eine Schicksalsfuegung mit dem Problem deutscher Schuld und Suehne vertrauter machen muessen als es vielleicht seinem gesetzten, konservativem Naturell gemaess war: Als englischer juristischer Berater der englischen Besatzungstruppen bekam er bei den Kriegsverbrecherprozessen Einblick in das grausige Beweismaterial gegen die Nazihenker. Wie erschuetternd und eindeutig dieses Material sein muss, kann man daraus entnehmen, das es das Leben, die Freundschaften und die Karriere Lord Rüssels von Grund auf zu aendern imstande war. Lord Russell, der unter dem staendlgen Eindruck des Grauenhaften stand, das er in den Prozessen erfahren hatte, fand, dass die neue Entwicklung in Deutschland nur “aus einem zu eiligen Vergessen-wollen” zu erklaeren sei. Er sah es also als seine Pflicht an, die Menschheit an die “Geissei des Hakenkreuze'”, wie der Titel seiner dokumentarisch beugten Berichte ueber Krematorien und Konzentrationslaeger heisst, zu erinnern. Das englische Aussenministeriiim versuchte die Ve^oeffentilchung dieser Schrift, »u verhindern, aber Russells Stimme war nicht zum Schweigen zu bringen. Der Lord gab sein hohes Amt auf und laesst in einer verbreiteten Tageszeitung Tag fuer Tag Abschnitte aus seinen Aufzeichnungen veroeffentlichen. Kein vernuenftiger Mensch wird es begruessen, sollte dadurch ein blinder Deutschenhass geschuert werden. Aber erneute Wachsamkeit gegenueber den neonazistischen Tendenzen ln Deutschland, die vielleicht so geweckt wird, kann nur zum Segen gereichen- (SCHLUSS »IS MONATS« SPIEGELS S,

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