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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-09-01 · 9 (Septiembre, 1954) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
9 (Septiembre, 1954)
Date
1954-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Septiembre, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 7 Jom Kippur in der Fremde Von Siegfried Einstein Unter dem Gekreuzigten an der wand sass, leicht nach vorne geneigt, der Mann, dessen Leoen nicht aussergewoehnücher sein mag als das Leben irgend eines nach dem ersten Weltkrieg geborenen jueaischen Menschen im Lande Goethes und Bismarcks. Lothar Goldstein schloss die lAugen und verlor sich im Schacht der Erinnerung. Die Uhr ging auf sieben. In den Synagogen der Welt sang nun der Kantor das Kol Nidre, und Lothar Goldstein lobte den Schoepfer hinter den fernen Wolken und Sternen, seinen Gott der Barmherzigkeit und Rache, Jahve, den Allwissenden, in dessen Plan Ahasver einen besonderen Platz einzunehmen hatte. Der Kellner brachte die dampfende Suppe und wuenschte dem Gast einen guten Appetit. Lothar Goldstein laechelte abwesend. In seinen Augen war das Staunen eines Chorknaben und die Traurigkeit dessen, der von der Vorsehung dazu bestimmt ist. ewig anders sein zu muessen. Wenn er so laechelte. glaubte man ihm seine Fremdheit und das Heimweh, an dem er bis in seine tiefsten Traeume hinein litt. Man glaubte ihm auch den Wunsch, endlich heimzukehren —und man zweifelte nicht an seinem Schmerz, den das Wissen hervorbringt dass es nirgends Heimat gibt zwischen den Mauern dieser Erde. Aus dem Lautsprecher ertoente Schlagermusik, Niemand ausser Lothar Goldstein wusste, dass zu dieser Stunde das Kol Nidre gesungen wurde, und man konnte es dem Besitzer des “Alpen-Hotels” nicht veruebeln, dass er seinen juedischen Gast nicht um Versoehnung bat. Obwoh' Lothar Goldstein nicht daran zweifelte, dass die meisten Nachtmahlenden in der Adolf -Kolping-Strasse 14 zu Muenchen diesen und jenen Grund gehabt haetten ihn um Verzeihung zu bitten, erwartete er doch keine solche Geste. Er hatte gerade in dieser Stadt in der er nun, unter dem Gekreuzigten sitzend, den Abend des Kol Nidre erlebte, acht nahe Familienangehoerio-e verloren, weil es dem Diktator und den vielen Millionen, die ihm begeistert gefo’gt waren, solange da' Reich größter zu werden schien, gefallen hafte, alle.« ausznrotten, was auf Stein und Tierg endete und schwarzes Haar oder lange Nase mit sich herumtrug. Lothar Goldstein gegenüber sassen zwei Maenner, die Holsteiner Schnitzel assen und sich angestrengt unterhielten. Aus dem Lautsprecher ertoente das Lied von irgend einem blonden Maedchen, das Sehnsucht nach einem Mann mit Auto fuehlte. Lothar Goldstein zahlte, gruesste die beiden Herren beim Schnitzel und verliess das Lokal... Er ueberquerte die um diese Stunde recht belebte Bayerstrasse, ging, am Bahnhofsplatz vorbei, gerade auf die Prielmayerstrasse zu und bog dann ins Hotel Schottenhamel ein. Er war muede und niedergeschlagen, als er den Concierge bat: “Zimmer 224, bitte!”. Auf seinen Tisch lagen Buecher und ein kleines Album mit Fotografien. Er setzte sich auf sein Bett, entzuendete die kleine Nachttischlampe und oeffnete das Album. Lange haftete sein Blick auf einer Seite, dann erhob er sich, zuendete eine Zigarette an und ging im Zimmer auf und ab. “Wenn ich ein Schriftsteller waere”, sagte er, waehrend die silbergrauen Ringe sich verschlangen, “wuerde ich dein Leben schreiben, Lothar Goldstein, Ich wuerde dort beginnen, wo der kleine Junge im Schlossweiher die Goldfische fuettert und ueberzeugt ist, dass Laupheim die groesste Stadt und Wuerttemberg das groesste Land auf Erden sein muss. Ich wuerde alles aufschreiben, was zu sagen waere ueber deinen Grossvater Daniel und deine Tante Karoline, die nicht zurueckkehrte aus Auschwitz, ueber den alten Rabbiner Treitel und den Studienrat Zepf. Ich wuerde auch nicht /ergessen, zu erwaehnen, dass ier Freund deiner Kinderj ähre, an den du geglaubt wie an den Koenig David mit der Harfe, deiner Mutter vor die Fuesse spuckte, ehe er den Heldentod starb. Ich wuerde... wenn ich ein Dichter waere, wuerde ich... ”. In der Bar des Hotels Schottenhamel trank Herr Generaldirektor Teutenberg auf das Wohl seiner sehr schoenen Freundin. Er wusste nichts vom Tod der Tante Karoline in Auschwitz. Generaldirektor Teutenberg lieb te das Geschaeft mit Stahl, weil es sehr eintraeglich und so International war. Der Barmixer kannte den Generaldirektor aus den Tagen von jtanngrad. Damals war seine grosse Stunde. Er schmiedete Waffen fuer Millionen. Es sind schon wieder Jahre her, und Else Lasker- Schueler, die grosse, von uns allen so geliebte Dichterin, weilte noch unter den Lebenden. An einem Jom Kippur betete sie —wie stets an den Hohen Feiertagen— frommen Gemuets auf ihrem Platz in der Jerusalemer Synagoge “Emeth we Emunah” an Hand ihres Machsors. Dann begann sie — schliesslich, eine Dichterin! — in sich hineinzutraeumen, und da sie traeumte, oeffnete sie ihr kleines, schon etwas abgenutztes Handtaeschchen, nahm ein Stueck Schokolade heraus und fuehrte es. zum Mund und liess es auf der Zunge zergehen. “ABER, GNAEDIGE FRAU, AM FASTTAG .!” fluesterte ihr eine Nachbarin entruestet zu. Indigniert antwortete sie mit abweisender Gebaerde: •STOEREN SIE MICH NICHT IN MEINER AN¬ DACHT”. Und waehrend er rechnete, sanken Tausende Ins Lehmbett. Nun bestellt er einen Doppel - Whisky. “Just one more”, sagte er, denn er war international wie das Geschaeft mit Waffen. Lothar Goldstein sah im Traum, wie das alte Simonie Steiner auf dem Harmonium das Kol Nidre anstimmte und dem leicht nach vorne geneigten Kantor Dworzan das Zeichen gab, zu beginnen mit seinem “Weesore, wacharome, wekonome”. Und als Rabbiner Treitel sich vor Gott verneigte, war sein Antlitz unaussprechlich schoen und feierlich: “Lemaan Schimcho Adanoi vesolachto laavonenu”, betete er. Um deines Namens willen, Ewiger, verzeihe unsere Schuld, sie ist gross.. (Aus einem unveroeffentlichten Roman). Lmv.v.viÍK.' HB « Sie gra Von Dr. H. Dam sassen sie friedlich beinander, in lustigem Gespraech, in Hochstimmung, wenn das frohe Lachen auf den Lippen die Gedanken des Herzens wiederspiegelte; ein so buntes Gemisch an Rassen, Trachten pnd Religionen, dass es mehr als orientalisch war; denn eine so bunte Festesschar hat auch der Orient kaum gesehen, wie sie sich einfand im Muttergarten in Haifa, der Einladung des Buergermeisters Aba Chuschi zum Empfang anlaesslich des Rosch Haschanah-Festes folgend. Ein kleiner Mann ging durch die Massen. Ehrwuerdig machte man ihm Platz. Man brachte ihm einen Stuhl; sogleich wurden weitere Stuehle um ihn postiert. Da nahmen sie Platz neben ihm, dem Vorsitzenden der Knesseth, Joseph Sprinzak. Er ist klein? Die orientalische Atmosphaere forderte geradezu das Gleichnis heraus und schon erzaehlte einer: Napoleon, der von koerperlich kleiner Statur war, traf einmal mit einem hohen Offizier einem Mann von hohem Wuchs zusammen. In der Unterhaltung wies Napoleon den Offizier zurecht: “Nein”, sagte er, “gross sind nicht Sie. Sie sind nur hoch”. Da sassen sie: Josef Sprinzak, Aba Chuschi, der arabische Kadi Mussa Tabari, der als das geistige und religioese Oberhaupt der Araber in Jisrael gilt, neben ihm, im schwarzen Talar, mit dem schwarzen Schleierbarett und einer eindrucksvollen goldenen Kette der imposante Erzbishof Hakim, das Haupt der griechisch orthodoxen Kirche und neben diesem, angetan mit dem schwer weiss umwickelten Tarbusch mit dem ehrwuerdigen Gesicht, das ein praechtiger, schoen gepflegter weisser Bart umrahmt, der Drusenscheich Amin Tarif aus dem Dorf DJ ulis im Galil. Da sass Scheich Salman Tarif, der Vertreter der weltlichen Belange, und viele andere wuerdige Drusenscheichs und Araber, schwarzberobte Geistliche Drusen und Araber mit den wallenden Aqals (Kopfbehangen); sie plauderten munter lachten einander zu, strahlten hinein in die Kameras, wenn immer wieder das Blitzlicht durch die hereinbrechende Dunkelheit :ulier en . SALOMON schoss und schienen, in angeregter Unterhaltung mit Sprinzak, Aba Chuschi und auch untereinander sichtlich v6r gnuegt, Juden Christen. Moslems und Drusen, die besten Freunde, im Haifaer Muttergarten. Rosch Haschanah hatte ihnen allen in diesen Stunden Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit gebracht. Arabische Musik beherrschte den Aether. Aus Hai fa, Akko und Nazareth waren die arabischen Musikanten gekommen, die dort unter Füehrung des vom Radio bekannten Mosche Elijahu musizierten. Die Drusen hatten am Abhang ein Zelt aufgeschlagen. Dort stand ihr Djuran Kahawah (grosser hoelzerner Kaffeetrog), aus dem die Middaka herausragte, der lange hoelzerne Stab, mit dem der Kaffee in feines Pulver gestossen wird, um dann in der Briq Kahawah (der grossen Messingkanne) gekocht und ganz frisch serviert zu werden. An einer anderen Stelle auf dem Rasen hatte sich eine Schar junger Maenner zusammengetan, formierte sich, ein alter Druse stimmte auf seiner Mismar (Bambusfloete) die Toene an, und dann tanzten mit uniformem Rhyth mus und bemerkerswerten Grazie diese Halbwuechsigen, schieden auch, wie bei der Horrah, vom Tanz aus. waehrend andere sich einschalteten, ohne dass es den Gleichschritt stoerte: rund herum, rund herum, Waehrend der Alte sie mit seiner Zauber floete sich selbst mitdrehend, begleitete. Es war, wie der Buergermeister es in den kurzen Worten seiner Ansprache gewuenscht hatte, “gegenseitiges Ver. staendnis, gute Freundschaft und Festigung der Beziehungen zwischen den Menschen und Gemeins.chaften in unserem Staate”. Der Matran Hakim formulierte es so: “Ein schoener Anfang, dem hoffentlich kein schnelles Ende folgt”. Scheich Amin Tarif meinte, es versinnbildliche: “den Wunsch nach Frieden, der bald dem Land beschie. den sein moege”. Es war, we der Kadi Mussa Tabari ausdrueckte ein wirklicher Festtag fuer die Moslems, deren Feiertag in diesem Jahr mit unserem Rosch Haschnah zusammenfiel. Als gum Abschluss dann, die Hatikwa erscholl erhoben sie sich alle zu Ehren der Nationalhymne. Man komme nicht und sage wie es einigen von uns so leicht vom Munde geht, aber in ihrem Herzen denken sie doch anders. Es sind Minder, heiten im Staate gleichberechtigte Staatsbürger nach unserer Staatssproklamation Wenn wir sie diskriminieren, werden sie fuer den Staat keine Sympathie haben. In Haifa, wiurde ein Empfang veranstaltet der den Worten der Staatsproklamation gerecht wurde in dem freundschaftlichen Geist, der Haifa stets, auch in den Jahren des Mandats, auszeichnete. m Haifa trafen sie sich alle, das erste Mal auch miteinander die im Konflikt stehenden Drusen. Das Fest, das Haifa ihnen gab, liess sie das Psalmenwort spueren: hineh mah tow umah na-im! HELFT UNSEREM KINDER¬ HEIM UND ALTERSHEIM! Durch die allgemeine Steigerung der Lebensunterhaltskosten wird die Aufbringung der notwendigen Mittel zur Aufrechterhaltung unserer Heime immer schwieriger. Dazu kommt, da's ausser den laufenden Ausgaben oft auch noetige Reparaturen ausge. fuehrt werden muessen und Anschaffungen sowie Ergaenzungen nowendig werden. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bitten wir alle unsere Gemeindemitglieder und Freunde um ihre grosszuegige Unterstuetzung. Erhoehen Sie bitte Ihre Beitraege und treten Sie in unsere Organisationen ein, sofern Sie ihnen noch nicht angehoeren. Einige unserer Freunde senden uns auch von Zeit zu Zeit Spenden in Form von Lebensmitteln, die unseren Heiminsassen stets grosse Freude bereiten. Ahmen Sie diesem Beispiel nach und gedenken Sie unserer Institutionen! Auf diese Weise koennen Sie andere begluecken und selbst die Genugtuung haben, an einem guten Werke mitzuhelfen. Kinderheim, Luis Bertrán 2055; Cisroco, Clasificador C- 290 — Altersheim, Catedral 2983.

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