Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-09-01 · 9 (Septiembre, 1954) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
9 (Septiembre, 1954)
Date
1954-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8553624-8556560-9194063--1416-8556699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

REDACCION* S.C. I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOC I E DAD C U L t URAL ISRAELITA " B ‘NE J I S R O EL” Año XVI — N.o 9 SANTIAGO DE CHILE Septiembre 1954 US Jahresbeginn 5715 •.. -Vor uns steht der Beginn eines neuen Jahres mit seinen Hoffnungen und Erwartungen. Fuer den einzelnen Juden bringt ein jeder Tag Neues, durch die Sorgen, die ihn in seinem Kampf um das taegliche Brot immer wieder beschaeftigen. Der juedische Mensch nimmt am Lebenskampf der Welt im ganzen Umfange teil. Ja, manchmal ist er fuer uns um ein Vielfaches schwerer. Und dennoch waren es nicht nur die Sorgen des Alltags, die dem Juden Lebensinhalt waren. Das, was dem juedischen Volk die Dauer der Jahrhunderte geschenkt hat, war die Faehigweit, nicht in den alltaeglichen Notwendigkeiten aufzugehen. Sie waren wohl Grundlage unseres Lebens —wie eines Jeden menschlichen Daseins—, aber nicht sein Inhalt. Wir Juden haben um das gekaempft, was den Namen Israel charakterisiert, —um Gott und um den Menschen. Um dieses Ringen geht es auch in den Tagen des Beginns eines neuen juedischen Jahres— in den Jamim Noraim. Es ist von tiefer Bedeutung, dass die juedische Tradition unseren Jahresanfang mit jener Gestalt verknuepft hat, die am Anfang unserer Geschichte steht, mit Abraham. Mit ihm hebt dieses Ringen mit Gott und um die Menschen an. Der Segen, der mit seinem Namen verknuepft ist, ist der Segen eines Lebens, das nach Verwirklichung hoeherer Ideale strebt. Fuer viele Generationen unserer Geschichte war dieser Abraham eine durch die Jahrtausende hindurch lebende und wirkende Gestalt, die aber gerade darum tief in das Mythische hineinreicht. Fuer uns ist Abraham und seine Zeit nicht mehr so sehr mit der Patina einer fernen Geschichte umgeben. Wir kennen ihn und seine Epoche. Die Stadt, in der er geboren —Ur—, das Land, in dem er seine Kindheit verbracht —Babylon—, der Koenig, in dessen Zeit er wahrscheilinch gelebt —Hammuarabi—, sind durch die Ausgrabungen in das Licht der Geschichte getreten. Abraham verlaesst wahrscheinlich sein Geburtsland, weil jener Koenig das in eine Vielzahl von Staemmen zersplitterte Land mit eiserner Hand zu vereinen sucht. Das Instrument fuer diesen Zweck war —wie viele Male in der Geschichte— die Religion. Er suchte seine religioesen Ideen, zu denen auch das Menschenopfer gehoerte, den Bewohnern des Landes aufzuzwingen. Ohne Zweifel war er ein grosser Gesetzgeber. Aber nicht alle moegen sich mit diesen Zwangsmassnahmen abgefunden haben. In diesen Tagen, die, wie wir modern sagen wuerden, im Zeichen einer totalitaeren Idee standen, wandert Abraham aus seinem Geburtsland aus. * V CASTEL: OPFERUNG ISAAKS a.aA/' Er verlaesst Mesopotamien, das ein Zentrum und his. tori scher Ausgangspunkt menschlicher Kultur gewesen ist, um auch seinerseits Ausgansgpunkt einer ganz andersartigen und neuen Menschheitskultur zu werden Es ist von tiefer Bedeutung, dass unsere Weisen von Verfolgungen zu berichten wissen, die er in seiner Jugend erlitten. Er wurde vom Koenig ins Gefaengnis geworfen, zum Feuertod verurteilt, nur weil er ein Individualist war der sich dem Zeitgeist nicht unterwerfen wollte. So wandert er einsam und verlassen aus dem Geburtsland und geht einer neuen Zukunft entgegen. Er ist tief von seinem neuen Glauben erfuellt, den er kuenftigen Generationen uebergeben will. Und in Isaak wird ihm der Sohn geboren, der fortsetzt, was sein Vater begonnen. Als der ent. scheidende Moment an sie Beide herantritt, in dem Abraham aufgerufen wird, seinen Sohn Gott zu opfern, da heisst es: “sie gingen Beide zusammen”. Damit hat sich ein entscheidendes Ereignis vollzogen. Es war dem Vater gelungen, seinen Sohn zum Traeger seiner neuen Welt zu erziehen. Ihm, der in Zeiten der Verfolgung und der Leiden geboren und gross geworden war, war es moeglich seinen Sohn, der schon in Freiheit, ohne Leid und ohne Anfeindung sich ent wickelt hatte, in seinem Geiste aufzuziehen. Darum kann die Thora zweimal sagen: “sie gingen Beide zusammen”. Einmal als sie den Berg Moria, der fuer das Opfer bestimmt war, hinaufschritten und das zweite Mal als sie im Bewusstsein des geottlichen Segens gemeinsam wieder hinuntergingen. So wie Abraham und Isaak sind die Generationen des juedischen Volkes gemeinsam durch die Geschichte gezogen. Vaeter und Soehne, Muetter und Toechter, setzten, von den gleichen Ideen und dem selben Willen erfuellt, fort, was Generationen vor ihnen aufgebaut. Aber in den Zeiten der Gefahr und der Verfolgung war es nicht so schwer Treue zu bewahren. Leid bindet. Treue gehoert besonders in schweren Stunden, zum menschlichen Leben. Niemand will vor sich selbst als Verraeter erscheinen. Kr, 5 *mm¡ asís 1 LILIEN: ABRAHAM UND ISAAK Wir, die aeltere Generation, sind in einer Welt gross geworden, in der wir mehr oder weniger die Judenfeindschaft am eigenen Koerper erlitten haben. Und viele unter uns, die sich in Zeiten einer vermeintlichen Freiheit vom Judentum entfernt hatten, wurden durch Not und Leid wieder zurueckgefuehrt. Aber jetzt ist eine neue Generation herangewachsen , die gleich Isaak —schon in der Freiheit auf gewachsen ist. Sie spuert Verfolgung und Leid nicht mehr am eigenen Koerper. Das Licht der Medinat Israel ist aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Und damit stehen wir vor dem entscheidenden Problem: “Und sie zogen Beide zusammen”. Die Generation derer, die der Verfolgung entronnen ist und die Generation derer, die schon in einer neuen Zeit aufwachsen, sie muessen zu einander finden um gemeinsam den Weg fortzusetzen. Und darin sehen wir das Problem unserer Zeit. Wir muessen die Kraft aufbringen eine Aufgabe, die auf diesem Kontinent um Vieles schwerer ist— auch hier den gemeinsamen Weg zu finden. Das haengt von dem Willen unserer Eltern ab, fuer die Zukunft Israels nicht nur materielle, sondern auch geistige Opfer zu bringen. Und es haengt von unserer —Jugend ab, die in einer neuen Welt ohne Tradition und ohne Ziel aufwaechst, und den Willen aufbringen muss, zu ihrer Umwelt Nein sagen zu koennen. Oftmals empfinden die Vaeter und die Muetter noch eine in Zeiten der Not und Gefahr verstaerkte Anhaenglichkeit an ihr Volk und die Tradition unserer Geschichte. Aber schon die naechste Generation, die Soehne und die Toechter, die in der Freiheit aufgewachsen sind stehen allem Juedischen gleichgueltig gegenueber. Oftmals beginnt die Nachlaessigkeit im Elternhaus. Vielen unserer Eltern ist der Lebenskampf die Entschuldigung. Und andere geben um des haeuslichen Friedens willen ihren Kindern nach, wenn es darum geht, das Familienleben seines juedischen Inhalts zu entbloessen. Wie viele nehmen sich die Zeit, ihre Kinder selbst in das juedische Leben einzufuehren? Die juedische Weihe des Hautes wird preisgegeben, weil man nicht bereit ist, sich selbst Beschraenkungen aufzuerlegen. Dort, wo nur vom Existenzkampf und den Oberflaechlichkeiten des taeglichen Lebens die Rede ist, kann keine juedische Atmosphaere gedeihen. In solchen Familien koennen keine Kinder heranwachsen, die den Idealen und Traditionen unseres juedischen Volkes die Treue bewahren. Wie oft erleben wir, dass in religioesen Fragen nicht mehr die Eltern die Kinder erziehen, sondern umgekehrt. Und dann kann man auch im negativen Sinne sagen “sie zogen Beide zusammen”. (Schluss auf Seite 19)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.