Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 7 (Julio, 1954)
- Date
- 1954-07-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 10 Liom ' Feuch'twanger Zum 70. Geburtstagdes Dichters Einer der grossen Autoren des einstigen deutsch-juedischen Kulturkreises wird am 7. Juli 70 Jahre alt; Lion Feuchtwanger. Weit ueber die deutschsprechende Lesergemeinde hinaus ist dieser Schriftsteller bekannt und geschaetzt; seine bedeutendsten Buecher wurden in viele Sprachen uebersetzt, einige sogar verfilmt. Er steht noch heute Im vollsten Schaffen und darf auf ein Lebenswerk zurueckschauen, an das er selbst die hoechsten Forderungen stellte. Man darf Feuchtwanger als einen wahren Erneuerer des historischen Romans bezeichnen. Der Dichter stammt aus Muenchen, und der Mundart dieser Stadt und gewissen Lebensgewohnheiten seiner! engeren Sprachheimat ist er treu geblieben. Er hatte dort und in Berlin studiert und war in jungen Jahren fuer kurze Zeit Redakteur einer Zeitschrift. Doch sehr bald wurde er freier Schriftsteller. Die wirkungssichere Handhabung des Grossstadtromans und die feine psychoanalytische Behandlung geschichtlicher Darstellungen machten ihn frueh populaer. Einige Dramen waren grosse Erfolge: “Vasantasena” (1915), “Das Weib des Urias” u. a. Doch erst der Roman “Die haessliche Herzogin” (1923), einige Jahre spaeter dramatisiert und als “Die Petroleuminseln” herausgebracht, zeigt ganz hohe Reife. Und dann kamen die Meisterwerke: Der gross-angelegte Roman “Jud Suess” (1925), eine grossartige Ehrenrettung des wuerttemb. Hoffaktors Suess- ZIONISMUS VOR 50. JAHREN (SCHLUSS) Theobald Scholem. 1902 erfolgte die Gruendung der ersten offiziell zionistischen Studenten-Verbindung “Hasmonea”. Im gleichen Jahre konnten Eugen Taeubler und ich in Berlin bereits gegen 300 juedische Studenten au sserhalb dieser Korporation in einer “zionistischakademischen Gruppe” organisie ren. Alle diese Jugendgruppen betrieben eine intensive zionistische Erziehung ihrer Mitglieder in Geschichte, Palaestina - Kunde, juedischer Volkskunde, Kolonisationsfragen, Bibel-Kenntnis. Auch das Hebraeische begann bereits Wurzel zu fassen; der Pionier war hier Heinrich Loewe, in dessen Haus hebraeisch ge sprachen wurde. ZIONISTEN UND ANTISEMI¬ TEN AN DER UNIVERSI- TAET In dieser Zeit, um die Jahrhundertwende, kaempften wir mit diesen Organisationen als Basis die grosse Auseinandersetzung mit der juedischen Jugend Deutschlands und mit der deutsch-nationalen und antisemitischen Studenten Schaft durch. Der Hoehepunkt dieses Kampfes waren die alljaehrlich wiederkehrenden Wahlen zur “Akade mischen Lesehalle” in Berlin, und diese Debatten standen auf einer Hoehe, die wohl in Diskussionen zwischen Juden und Nichtjuden seitdem nie wieder erreicht worden ist. Es darf auch nicht vergessen werden, dass Maenner aus dem Ostjudentum, die spaeter zu Fuehrern der zionistischen Bewegung wurden, wie Chaim Weizmann, Schmarjahu Lewin und Leo Motzkin, in Berlin ihre wesentlichsten zionistischen Anregungen erhalten haben. In kurzen zehn Jahren erkaempfte sich die zionistische Studentenschaft die geistige Fuehrung der juedischen Jugend Deutschlands. Die zionistische Bewegung in Deutschland machte in wenigen Jahren nach dem ersten Kongress rapide Fortschritte, vor allem dank der hingebunsvollen Arbeit begabter Organisatoren und Redner, wie Arthur Hantke, Alfred Klee, Adolf Friedmann, Hugo Schachtel und vieler anderer, unter Fuehrung des allgemein verehrten Freundes Herzls, David Wolfsohn. Sie war zu dieser Zeit eine der staerksten Landsmannschaften der Bewegung, die auf dem 6. Kongress in Basel mit j 54 Delegierten an Zahl die i zweite nach der russischen Landsmannschaft war. Ihr innerer Aufbau und ihre Geschlossenheit galt allgemein als mustergueltig. Sie wahrte diese zionistische Einheit auch, als die ersten Anfaenge der Fraktions-Bildung 1901 mit der Gruendung der “De mokratischen Fraktion” durch Weizmann, Buber und Feiwel und ein Jahr spaeter mit dem Zusammenschluss der religioesen Zionisten im “Misrachi” einsetzten. DIE “HEROISCHE ZEIT” DES ZIONISMUS Die sieben Jahre bis zum Tode Herzls (1904), darf man als die “heroische Zeit” des Zionismus bezeichnen, nicht nur wegen der enormen Dynamik seines Impulses, der raschen Expansion, der ideo- 1 o g i s c h en Entschiedenheit und der restlosen Hingabe seiner Kaempfer, die Kraft, Vermoegen, moralischen Erfolg ruecksichtslos der Idee zum Opfer brachten. Die Saat, die damals gelegt wurde ,ist aufgegangen! Die Auswirkungen der ersten Jahreswoche der zionistischen Bewegung sind noch heute spuerbar. Noch heute sind die alten Kaempfer, die unsere Tage erlebt haben, erkennbar durch ihre welt-juedische, nur-zionistische, ueber jede Landsmannschaft und Klassenbeschraenkung hinausragende Einstellung. Eine heroische Zeit brachte eine wahre Revolutionierung der Judenheit, die Erwekkung eines historischen Ideals, die Ausrichtung des ganzen juedischen Menschen auf Erez Israel und damit die Vorbedingungen fuer den chaluzischen Geist, der das Land eroberte und zum Judenstaat fuehrte. Wir haben den Staat. Ist dadurch die zionistische Bewegung ueberfluessig geworden? O nein! Ein Ideal kann nie voll verwirklicht werden; und die begonnene Verwirklichung wuerde verkuemmern, wenn sie nicht immer wieder von dem lebendigen Ideal befruchtet wuerde. Der Geist der Ersten vor einem halben Jahrhundert muss lebendig bleiben und im Volk draussen weiter wirken. Weniger als ein Zehntel des juedischen Volkes ist im Staate vereinigt, und wieviel des juedischen Volksgeistes, wissen wir noch nicht. Der Zionismus lebte fuer den Judenstaat; der Judenstaat muss fuer den Zionismus leben! Oppenheimer, “Erfolg” (1930), und das monumentale dreiteilige Werk “Der juedische Krieg” (1932). Aus Feuchtwanger war ein grosser europaeischer Dichter geworden, der sich mit den wesentlichen kulturellen und sozialen Problemen der Zeit auseinandersetzte, sie in die Gestaltung historischer Geschehnisse ein reihte. Immer ist fuer ihn die Idee entscheidend, dass sich der ff eie menschliche Geist den finsteren Maechten der Gewalt entgegenzustellen habe und eines Tages ueber-die Kraefte der Roheit und der Tyrannei triumpfieren werde. So wurde sein “Erfolg”, der in der Zeit des missglueckten Hitler - Putsches in Bayern, 1923, spielt, eine so ueberzeugende Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Faktoren jener Epoche, eine solche geradezu ueberwaeltigende echte Charakterisierung der Nazis und ihres Fuehrers, dass dieses Buch vom Tage seines Erscheinens an auf der schwarzen Liste stand und Lion Feuchtwanger fuer das Dritte Reich literarischer Feind, “Kulturbolschewist Nummer Eins” wurde. Feuchtwangers Glueck ist es gewesen, in den Tagen der “Machtuebernahme” im Ausland gewesen zu sein. Die Nazis beschlagnahmten seine Bibliothek, nachdem sie seiner nicht habhaft werden konnten. Der Dichter weilte damals in Amerika, ging dann nach Frankreich, schuf sich und seiner tapferen Lebensge faehrtin ein neues Heim, zum zweiten Male eine grosse Buechersammlung, um schaffen zu koennen, geriet bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in ein franzoesisches Lager, aus dem ihn mutige Freunde befreiten. Er kam vor nunmehr vierzehn Jahren abermals nach Amerika, um dort zu bleiben, und von neuem gestalten zu koennen. ungeheuer produktiv, sich eine dritte bereits nach Tausenden Buechern zaehlende Bibliothek aufbauend. Im Jahre 1934 hatte der Dichter mit dem Roman “Die Geschwister Oppenheim” die Tragoedie der deutschen Judenheit und ihren neuen Weg aufgezeigt, Hiermit und mit den spaeteren Buechern ‘Exil’ (1940), “Der falsche Nero” (1942) “Simone” (1944), “Die Brueder Lautensack” (1945), hat er wesentlich dazu beigetragen, das Zeit geschehen zu verdeutlichen, die Welt ueber die Verbrechen der Nazihorden aufzuklaeren. “Unholdes Frankreich” (1939) haelt den damaligen franzoesischen Machthabern ihre Unaufrichtigkeit und schlechte Menschenkenntnis vor Augen. Im Jahre 1946 liess der Dichter das zweibaendige Werk “Waffen fuer Amerika" erscheinen; es war sein zwoelf ter grosser Roman. Was den Autor zunaechst angezogen hatte, war die Figur des Schriftstellers Beaumarchais, der den Amerikanern Waffen fuer ihren Freiheitskampf geliefert und durch seine Komoedie “Figaro” die französische Revolution eingeleitet hatte. Doch ohne eine Gestaltung der ueberragenden Erscheinung des so schwierig zu erfassenden Benjamin Franklin haette das Werk nicht gelingen koennen. Dass es gelang, ist einer imensen Vorarbeit, einem umfassenden Studium jener Epoche zu danken, die der amerikanischen Erhebung gegen die britische Vorherrschaft vorangegangen war. Feuchtwanger, durch eigene Erlebnisse die geschlchtliehe Verbundenheit Frankreichs mit Amerika spuerend, konnte die Aufgabe, die er sich gestellt hatte, meistern. Das letzte in der Reihe der grossen Dichtungen noch zu erwaehnende Buch ist der “Goya”. Román. Es ist ein hinreissendes Werk, welches die Atmosphaere des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Spanien wunderbar einfaengt: Elend der Massen und Glanz des Hofes, Inquisition, politischer Kampf verquickt mit Intrigen, die ersten Regungen des Liberalismus, all dies bildet den Hintergrund, vor dem sich das Schicksal des genialen Goya, sein Ringen um die Ueberwindung der Furcht abrollt. Das Werk des Malers, der ein Rebell wird, geistig und kuenstlerich fuer die Freiheit kaempft, ist zugleich eine Kampfansage an die Maechte des Boesen, die den Sieg des Guten auf die Dauer nicht aufhalten koennen. Eine ungeheure Fuelle historischen u n d kuenstlerischen Materials wird hier vom Dichter in geradezu berueckender Weise miteinander verwoben, sodass ein grosses Zeitgemaelde entsteht. Braucht man, noch einmal das Schaffen Feuchtwangers zusammenfassend, zu sagen, dass er ein juedischer Dichter ist, nicht nur der Abstammung nach? Wer im “Juedischen Kriege” den Aufstand gegen Rom, Judaeas letzte Auflehnung gegen die Unterdrueckung, und die Figur des “Flavius Josephus” zu gestalten vermochte, hat sein Judentum unter Beweis gestellt, selbst, wenn es darueber hinaus keine Beschaeftigung mit dem juedischen Problem gegeben haette. Aber es gab sie, und Lion Feuchtwanger ist ihm nie ausgewichen. Stolzer Jude mit Wissen und Gefuehl, der er, wie seine Brueder, immer gewesen, hat er die Welt der Literatur bereichert und zugleicht seinem juedischen Volke gedient. An seinem 70. Geburtstage gruesst ihn eine dankbare Lesergemeinde als einen grossen Kulturtraeger unserer Zeit. CURT WILK CHASAN LOBT ALIJA den Tagen einer Massenalija, die keinerlei zionistische, geschweige denn chaluzische Erziehung genossen hatte, nicht in so schnellem Wachstum begriffen wie die Gesamtbevoelkerung. Heute jedoch naehert sich die Kibutzbewegung durch staendiges Wachstum wieder ihrem frueheren prozentualen Anteil an der Bevoelkerung. Die Kibutzlm haben Kulturinstitutionen wie Lehrerseminare, Orchester, Buecherverlaege, um die sie andere Sektoren beneiden muessen, vor allem aber sei der historische Erfolg der Kibutzidee aus der Tatsache zu ersehen, dass von den Kindern 99,8% —um nicht 100% zu sagen— bei der von ihren Eltern geschaffenen Lebensform bleiben und entweder in deren Kibutz eintreten oder aber einen eigenen begruenden. Aeusserst interessant waren auch Chasans Erklaerungen, ueber die Frage der Beziehungen Israels zu der arabischen Umwelt. Fuer jeden Araber ist es mit Lebensgefahr verbunden, judenfreundlich zu denken. Trotz alledem habe es einige, wenn auch vorlaeufig voellig vereinzelte stimmen geben, die zur Verstaendigung mit Israel aufgerufen haben. Eine Studentendemonstration im Irak habe dahinzielende Parolen ausgegeben. Wer sich ueberhaupt noch den Glauben an eine vernuenftigere und lichtvollere Zukunft der Menschen bewahrt habe, (SCHLUSS) muesse auch darauf vertrauen, dass aus diesen einsamen Rufern ein gewaltiger Massenchor entstehe. Chasan betonte danach, dass seine Bewegung gegen die anti-zionistischen Prozesse in Osteuropa aufs Schaerfste protestiere. “Wir lassen unsere Angeklagten Chaverim nicht im Stich und sind von deren Unschuld aufs Tiefste ueberzeugt!” Allerdings koennen derartige Prozesse nicht die positive Einstellung des Haschomer Hatzairs gegenueber der sozialistischen Welt aendern, ebenso wenig wie jemand 'eine pro amerikanische Haltung auf Grund antizionistischer Erklaerung des Weissen Hauses aufzugeben bereit sei. “Wir bemuehen uns, eine Aenderung in der Einstellung zum Z i o n i smus in den Regierungen und Parteien Osteuropas durchzusetzen”, schloss Chasan. Als die Unterhaltung, nach dem noch manch interessanter Punkt beruehrt worden war, abgeschlossen werden musste, weil der Gast aus Israel bereits zu einer anderen Verabredung eilen musste, konnte man nicht umhin zu empfinden: Ueber alle etwaigen Meinungsverschiedenheiten ideologischer Natur, gibt es ein starkes Band: das der zionistischen Treue. Den durch den Zionismus geschaffenen neuen juedischen Menschen verkoerpert jakob Chasan in besonderem Mass. EKO BOHEME schon einen weg anzeigen, krochen hinein in Ruinen, wo die imposanten Steinspitzboegen stehen bleiben werden, und kamen zum „Zentrum”, einer Art Marktplatz, wo einer romantischen Kulisse gleichend, zwei mit Stroh- und Lehmdach gedeckte Spitzboegen in den Himmel ragen. Wir sahen den Muehlstein mit seinen gigantischen Dimensionen, dahinter eine meterlange, aus Holz geschnitzte Spindel in einem halb verfallenen Gebaeu, wahre Museumsstuecke einer Kultur, die aus biblischen Zeiten sein koennte, und erfuhren zu unserer Freude, dass diese Stuecke stehen bleiben werden. Sie werden sicherlich Anziehungspunkt fuer jeden verstaendnisvollen Touristen werden. IN WILDNIS (SCHLUSS) Wir sahen die „Galerie“, vorlaeufig nur nackte Waende, aber die Phantasie eilt der Wirklichkeit voraus und darf es; denn man hat den Eindruck: die Menschen hier versprechen nicht nur sondern halten auch. Die liebe zum Ort wird sie nicht ruhen lassen, bis was heut noch Plan, vollendet ist. Und schliesslich sassen wir „bei Channa”, in der “Mlssadah”, die von Marcel Janku selbst entworfen, sich dem Platz geschmackvoll elnfmegt, Und wir fanden nur frohe Menschen, mit Glauben, an die Zukunft, die sie sich mit Muehen bauen, gerade in diesen Zeiten der Noete und Beschwerden Wuenschen wir Ihnen, dass sie auch fuerderhin gluecklich' sein koennen. 1