Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 6 (Junio, 1954)
- Date
- 1954-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Junio, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 5 TRAUERREDE DES RABBINER M. LUBLINER. Ein Hann der Pilichl Ein Bild draengt sich uns auf in diesem Augenblick, so klar und deutlich, als haetten wir es am gestrigen Tag zum letzten Mal geschaut. Gestern, das will sagen 18 Monate zurueck, da flammte dieser Raum in Festbeleuchtung auf, er erstrahlte in seinem Festgewand, denn es galt jener fuehrenden Gestalt ein letztes Wort des Dankes auszusprechen, fuer das, was er an dieser Staette getan hat, da er im Begriff stand den letzten Aufstieg seines Lebens, seine Alija zu verwirklichen. Noch klingen in uns die herzlichen Worte des Abschieds nach, die er an seine Gemeinde gerichtet, noch sehen wir ihn gleichsam leibhaftig vor uns, wie er sich in tiefer Ergriffenheit von seinen naechsten Mitarbeitern und allen denen, die ihm nahestanden, verabschiedet hat; nicht er und wieviel weniger erst wir, haben in diesem Augenblickgeahnt, dass wir uns in einer relativ so kurzen Zeitspanne an der gleichen Stelle versammeln werden, wo wir ihn einst: Geh’ hin mit Frieden wuenschten und heute zum letzten Male ein “Geh zum Frieden “nachrufen. Eine grosse Wehmut hat diese Gemeinde ergriffen, und wenn eine Gemeinde die Bezeichnung “Mutter Israels” fuehrt, dann darf es heute ausgesprochen werden, dass unsere Gemeinde einen ihrer besten Soehne verloren hat. In Trauer und Leid ob des schweren Verlustes gehuellt, der uns betroffen, suchen wir nach einem Halt, nach einem Wort der Aufrichtung und da klingt noch einmal auf jene Melodie aus dem' Lied der Lieder: Ich schlafe, aber mein Herz ist wach. Josef Hirschberg schlaeft, ruht nunmehr, Er ist heimgekehrt zu seinen Vaetern, aber sein Herz, das ist diese Gemeinde, ist wach. Wir leben und weilen an der Staette. die ihm in so vielen Jahren Heimat bedeutet hat. Und an der sich nunmehr Jesaias Wert erfuellt “Einen dauernden Namen werde ich ihm gehen in meinem Haus, nimmer wird er vergehn”. Wer heute durch die Pforten dieses Haukes geschritten, der wird unwillkuerlich an lenes Seherwort gemahnt: “Selbst ihre Tore werden klagen und trauern”, Ja. die Tore und Waende d’eses Hauses sind Josef Hir'chberg nur allzu vertraut gewesen. Ob dort oben jene Raeume, in denen er taeglich Stunden und Stunden unermuedlich fuer die Interessen des juedischen Staates gearbeitet und geschafft und die Geschicke der Gemeinde in den grossen Umrissen und den kleinsten Details geleitet, oder hier, wo er neue Kraft fuer die Tage des Schaffens und der Erhebung gesucht hat, oder unterhalb dieser Staette, wo er oft und oft Einkehr gehalten, um mit seinem humorvoll gestimmten Sinn den persoenlieben Kontakt mit unseren Menschen zu vertiefen. Aber nicht nur die Waende dieses Hauses klagen, auch wir versp'ueren einen tiefen Schmerz darueber, dass wir einen Mann verloren, der nicht so leicht seinesgleichen finden duerfte. Man klagt um ihn, wie man um einen Einzigen klagt. Einzigartig war Josef Hirschberg, mit seinen grossen Faehigkeiten, mit seiner schier unermesslichen Vitalitaet, mit seinem grenzenlosen Arbeits eifer, aber auch mit seinen menschlichen Schwaechen, von denen nun mal kein Irdischer frei ist. Aber in einem sind wir uns alle einig, die Freunde wie auch seine Gegner, sein Werk, seine Leistung hat in allen ehrliche Bewunderung hervorgerufen und allen aufrichtige Anerkennung abgerungen. Die Sammlung der nach hier Zerstreuten, ihr Zusammenschluss in einer Gemeinde, und der Bau eines eigenen Hauses, ist zum grossen Teil sein Werk, das ist sein Beitrag fuer das Judentum und damit fuer das juedische Volk. Und wahrlich, es ist keine kleine Leistung, die er damit vollbracht hat. was sonst nur viele Starke zusammen vermoegen, das hat hier ein Einziger getan. Die grosse Verantwortung hat ein Einziger auf seinen Schultern getragen, eine Last und Buerde, die mit sehr vielen Opfern verbunden gewesen ist. War die Last nicht doch zu schwer und zu gross? So haben wir uns oft gefragt? Und heute ist uns die Antwort geworden. Auch der Bogen des Starken zerbricht, “auch ein Gibaur”, einer der stark an Leib und Geist ist, wird vom Allbezwinger Tod sehr rasch besiegt. Und doch, das ist unser grosser Trost und unser Stolz zugleich, dass er ein Gibaur, eine grosse und starke Persoenlichkeit gewesen ist, weil er zu jenen seltenen Menschen zaehlt, die nicht gefragt haben, was das Leben ihnen schuldet, sondern was sie dem Leben schuldig sind, die nicht fragten, was sie vom Leben zu erwarten haben, sondern was das Leben von ihnen zu erwarten hat, und das sollen sie ihm halten, erfuellen, das ist ihre Pflicht. Fuer diesen Typ Mensch ist Pflicht keine Halbheit, keine Wahl oder Schonung, sie ist Notwendigkeit und das unerbitterliche Gesetz. Es ist die bestaendige Bereitschaft des Hineni “Hier bin ich” Solche Pflichtmenschen wissen aber auch sehr genau die Pflichten gegen sich selber, die man am besten in die Worte kleiden kann “Werde”, was Du bist”. Suche alles das, was die Natur an Anlagen und Faehigkeiten in Dich gelegt hat, zur hoechstmoeglichsten Entfaltung und Vollendung zu bringen, durch Fleiss und Eifer, durch hieermattendes Streben und Schaffen durch ernste Arbeit und aufopfernde Taetigkeit, das bis Du dem Leben schuldig, damit haeltst Du ihm, was es Dir verspricht. Was es Dir an vielversprechenden Gaben verliehen hat, sollst Du als Aufgabe betrachten, die Du zu erfuellen hast, nur dann wirst Du, was Du bist, aus einer Person eine Persoenlichkeit. Damit des hoechsten Glueckes teilhaftig, das Du Leben erwartest und erwarten kannst. Es steht ausser Zweifel, dass Josef Hirschberg in all den Jahren bemueht gewesen ist, die Anlagen, die ihm ein guetiges Geschick in die Wiege gelegt hat, zum Wohle der Anderen, d. h. zum Wohle der Gemeinde und unseres Volkes dienstbar zu machen. Es war ein schwerer und harter Dienst, getragen durch die ueberaus grosse Liebe zu den juedischen Werten und seinen Traegern, seinen Menschen. In der Erfuellung dieses Dienstes empfand er seine tiefste Befriedigung, fuehlte er sein letztes Glueck. Gewiss, niemand ist vor seinem. Tode gluecklich zu preisen und auch ihm sind sehr viele Enttaeuschungen nicht erspart geblieben und nicht alles ist ihm gewaehrt worden, aber er war dennoch schon im Leben gluecklich zu preisen. Gluecklich war er in seinem Elternhaus, das echt patriarchalischem Geist, von idealem Sinn, von tiefer Froemmigkeit und Familien innigkeit durchweht, einen entscheidenden Einfluss auf seine Entwicklung gewann, das Elternhaus, das ihm niemals aus dem Sinn kam und einen Glanz ueber sein ganzes Leben und sein Wesen bereitete. Gluecklich war er in seinem eigenen Heim, an der Seite sei ner Gattin, die ihm eine verstaendnisinnige ebenbuertige Kameradin war, die mit ihm und fuer ihn lebte, auch fuer seine Plaene und Ziele, die in allen Lagen des Lebens das bewaehrte, was die Bibel unter “Esches Chajil’ verstanden wissen will. Gluecklich war er mit seinen Kindern, die er als das kostbarste Kleinod und Besitztum seines Hauses betrachtete, die er zutiefst geliebt und denen er auf dem Weg nach Erez nachfclgte, um seine Lebenstage in ihrer allernaechsten Naehe zu vollbringen. Gluecklich war er, dass ihm ein guetiges Geschick die Mutter an seiner Seite erhalten hat die mit berechtigtem Mutterstolz auf ihn schauen durfte, und die ihm nach Erez folgend dort mit all ihrer Mütterlichkeit so hilfsbereit in den letzten Monaten zur Seite gestanden hat. Gluecklich war er schliesslich in seiner Arbeit und eine tiefe Genugtuung erfuellte ihn, dass er Mitschaffer am Bau einer Gemeinde gewesen ist. in der Gedanke der Einheit, das hohe Ideal des Judentums gewahrt geblieben ist, in der die beiden religioesen Stroemungen i,n gegenseitiger Achtung friedlich nebeneinander leben. Ein grosses Vermaechtnis fuer uns. All den Seinen, seiner Gattin, seiner Mutter, Kindern, Geschwistern und Enkelkindern ist er fuer immer entrissen. Nur ihnen seinen Allernaechsten? Nein, auch uns, aber doch nicht fuer immer. Denn ein Kaemofer war Josef Hirschberg fuer den Glauben seiner Vaeter, ein Kaempfer fuer die Ehre seines Volkes, dem er mit so viel Stolz und sicherem Selbstgefuehl angehoert hat, ein Streiter fuer die Interessen dieser Gemeinde und darueber hinaus fuer die Belange der gesamten iuedischen Gemeinschaft in Chile, in deren Dienst er seine ganze Kraft gestellt und die^e Kraft in unermuedlicher Arbeit verbraucht hat. “Suess und sanft ist der Schlaf des Arbeiters”, sagt ein altes Wort. Josef Hirsch - ,berg schlaeft nunmehr den suessen und sanften Schlaf des Arbeiters und noch einmal klingt auf die Melodie aus dem Lied der Lieder: Ich schlafe nun, aber mein Herz ist wach”. Josef Hirschberg ruht aus vom Kaempf. Seine, unsere Gemeinde , aber ist wach. Wir leben weiter, um sein Vermaechtnis zu bewahren, um in seinem Geist zum Wohle und zur Ehre des juedischen Volkes und des goettlichen Namens weiter zu wirken. EL MOVIMIENTO DE LUTO FEDERACION SIONISTA DE CHILE Santiago de Chile. Serrano 202. Santiago, 26 de Abril de 1954. Sr, Siegfried Landau Presidente de la S. C. I. B’ne Jisroel. Presente. De nuestra mayor consideración: La Federación Sionista de Chile hace llegar a Uds. su más profundo sentimiento de dolor aflicción, frente a la lamentable desaparición del recordado dirigente sionista Sr. José Hirschberg (Q. E. P. D.), quién fuera Vicepresidente de esta Federación. La desaparición del Dr. Hirschberg enluta a todo el Movimiento Sionista y deja un profundo vacío en los corazones de quienes compartieron junto con él la lucha diaria en bien del Ideal Sionista. Reiterando nuestro pesar, saludamos a UcL con un fraternal SCHALOM. LEON GOMBEROFF Presidente JACOBO BENDERSKY Secretario General WALTER BARONS WORTE AM GRAB— EINE MELODIE KLINGT FORT Dr. Josef Hirschberg, ein Mensch, der sich keine Ruhe goennte, fand nun seine Ruhe. Noch gestern war er voll Lebens, mit Plaenen fuer die Zukunft beschaeftigt, zuversichtlich und hoffnungsfroh; heute stehen wir an seinem offenen Grah und geben ihm den letzten Abschied... Erschuettert und es nicht fassend stehen wir am offnen Grabe Dr. Hirschbergs. Nur wenige sind wir, die ihm hier das letzte Geleit geben, aber mit uns stehen zu gleicher Stunde weit von hier entfernt, tausende von Herzen still, Herzen aller derer, die ihn kannten, und denen er ein Lehrer und Vorkaempfer war. Und meine wenigen Worte seien ein Ausdruck der tiefen Trauer, die in diesem Moment nicht nur uns, sondern eine grosse Gemeinschaft umfasst, die seine Schoepfung, sein Werk war. Dr. Hirschberg kam nach Chile, erfuellt von dem Gedanken, die grosse Kette juedischen Lebens und juedischer Tradition, die das deutsche Judentum auszeichnete, nicht im Lande der neuen Galuth abreissen zu lassen. Er gehoerte zu denen, denen die Ereignisse in Deutschland zur Lehre wurden, und er vergass auch nicht einen Moment daraus die Konsequenzen zu ziehen. Sein Zionismus war ein Ausdruck einer sich erkaempften Lebenserkenntnis, dass nur eine Existenz im eigenen Lande dem juedischen Volk seine Fortdauer gewaehren kann. Aber bis zur Errechnung dieses Zieles, sah er es fuer notwendig, dem juedischen Leben im Lande der Etappe einen Sinn und Inhalt zu geben. Unermuedlich, und oft ohne Beruecksichtigung des eigenen Ichs und seiner Familie, stand Dr. Hirschberg an der Fuehrung der juedischen Gemeinde “B’ne Jisroel”, die Dank seiner Arbeit zu einer Musterorganisation in Chile wurde. Und als er nach mehr als 16 Jahren seinen Lebensweg gemaess seinen Idealen einschlug, da begleiteten ihn die Wuensche aller voller Dank fuer das von ihm geleistete. Nur wenig mehr als 1 Jahr war es Dr. Hirschberg vergoennt zusammen mit Ihnen Frau Dr. Hirschberg und wiedervereint mit Kindern und Enkelkindern sich an der Verwirklichung seiner Traeume zu erfreuen. Da riss der ploetzliche und unerwartete Tod ihn aus einem Leben voller Schoepfung und Lebenslust. Worte des Trostes sind nur Worte, denn es gibt keinen Trost. Es gibt nur das Erinnern und das Weiterschreiten, das Weiterkaempfen, das Fortsetzen des Unterbrochenen. Inmitten gruener Felder, auf diesem kleinen Huegel findet Dr. Hirschberg seine letzte Ruhe. Dort unten im Kibuz, zwischen den kleinen Haeusern ertoent das Lied der Arbeit und der Schoepfung, sein Lied; vielleicht nicht dieselben! Worte, aber doch dieselbe Melodie, die Melodie des Lebens und des Kaempfes fuer einen besseren Morgen. Walter Baron. Gedaechtnishain Die S. C. I. B’ne Jisroel hat beschlossen, das Andenken ihres juengst in Israel verstorbenen Mitbegründers und langjaehrigen Praesidenten, Dr. Josef Hirschberg durch Pflanzung von tausend Baeumen in einem Park in Israel, dem Gan-Hirschberg, zu verewigen. Die Mitglieder unserer Gemeinde werden aufgerufen, bei der Schaffung dieses heute in Israel ueblichen, schoenen Erinnerungsmals ihren Anteil beizutragen. Die Spenden fuer einen Baum zu $ 50 sind durch das Gemeindesekretariat, Portugal 810, an den K. K. L. zu richten.