Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 4 (Abril, 1954)
- Date
- 1954-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 15 Jtbrfl, 1954 Siegesirophaee Von Th. F. Meysels Waehrend sich Jerusalem ruestet, das dreitausend] aehrige Jubilaeum der Eroberung durch Koenig David zu feiern, ist dieser Tage der erste datierte Gegenstand jener fernen Epoche auf dem Schlachtfeld gefunden worden, das Davids entscheidenden Sieg gegen die Philister sah.—An einem Novembernachmittag entsteinte der Landwirtschaftslehrer Arie Wittenberg mit seinen Zoeglingen das Versuchsfeld der Schule im Sueden Jerusalems, Er war im Begriff, einen Stein auf den Haufen zu werfen, als er eine “komische” Ferm in der Hand fuehlte. Dieser „komische Stein” war nichts anderes als das erste datierte Relikt der biblischen Schlacht von Rephaim, das jemals in den Feldern der Philister - Schlacht gefunden wurde. Mr. Wittenbergs Fund ist ein abgestossener Terracotta Koenig Davids? Skarabeus von ungewoehnlicher Groesse (7:4,5 cm), und der typisch rauhen philistrischen Ausfuehrung. Das Hiercgylphensiegel auf der flachen Unterseite ist aber klar, tief geschnitten und leicht zu lesen. Es gibt die Doppelkartusche eines ramessidischen Pharao der 20. Dynastie mit allen Ehrentiteln aegyptischer Majestaet. Vier Vertiefungen zeigen, dass der grosse Tonkaefer uvspruenglich in den Klaun eines Siegelgriffes sass. Die beruehmte Inschrift von Medinat Habu berichtet, dass Ramses III, Gruender der 20, Dynastie, im 12, vorchristlichen Jahrhundert die „Voelker der See” besiegte, die in Aegypten eingefallen waren. Diese Seevcelker, unf-er denen die kretiichen Phillister erwaehnt sind waren pelasgische DP’s, welche die jonische Wanderung und der Zusammenbruch des Minoischen Reiches von den Inseln vertrieben hatten. Ramses III, siedelte die bestegten und versoehnten Philister im Sueden Palaestinas an, das noch heute nach ihnen heisst. Sie dienten dort als halb unab haengige Grenzarmee, d i e Aegyptens Aussenbesitzungen gegen die Expansion der Hebraeer schuetzte. Die Feldzuege der Philister gegen Samsons Partisanen und das junge hebraeische Koenigreich waren im Auftrag des pha-! raonischen Generalstabs un- | ternommen. Ausgrabungen haben bewiesen, dass aegyptische Gouverneure in jeder Philisterstadt amtierten. Aegyptische Inschriften erwaehnen als aegyptische Siege, was die Bibel nur als Kriege der Philister kennt. Nach der vernichtenden Niederlage von Rephaim waren die Phili :ter kein militaerischer Faktor mehr. David verwandte zahlreiche Philister und Hetiter (deren grosse Zeit auch vorueber war) als Sreldner in seinen spaeteren Kriegen. BEI BEN - GURION Nicht immer ist es zwischen ihm und der Presse ohne gelegentliche rhetorisch - polemische Waffengaenge so glatt abgegangen, wie das in demokratischen Systemen sicher am erwünschtesten waere. Hueben und drueben, von ihm wie von seinen Besuchern, wird schon in den ersten Worten mit heiterer Herzlichkeit daran erinnert; er fragt, in welche Gehaltsstufe er als regelmaessiger publizistischer Mitarbeiter des „Dawar“, der er seit seiner Ankunft in Sdeh Boker geworden ist, nach dem letzten Kollektiv-Vertrag der Journalisten einzugliedern waere, und laesst sich die Sache unter allgemeinem Gelaechter ausrechnen. Zeitungen? Er lese sie alle; das Unglueck sei, wenn es ein Unglueck sei, dass die Morerenblaetter erst am Abend in Sdeh Boker eintreffen. Und, sofort mit nach druecklichem Ernst: ob leder vcn uns den Negew schon kenne, oder ob wir uns auf diese Stippvisite etwa beschraenken wollten. Der Justizminister, der in diesem Augenblick eintraf, enthob uns der Antwort. Das Ehepaar Ben Gurion begibt sich mit Herrn Pinchas Rosen und seiner Gattin zum Mittag in den Chadar Haochel; uns stellt Frau Paula inzwischen liebenswuerdiger weise die vier Zimmer ihrer Wohnung zur Besichtigung frei. „Aber nehmt mir keine Buecher mit!”. » Bevor von der Wohnung und insbesondere der Bibliothek gesprochen sei, die sich Ben Guricn fuer die Dauer seines Aufenthaltes in Sdeh Boker — wie lange immer — aus den unvergleichlich groessseren Tel Avlver Buecherbestaenden mitgenommen hat, seien die Antworten. die er eine knappe halbe Stunde spaeter auf unsere Fragen gab, summarisch, wenn auch einigermasser lueckenlos zitiert. Im strahlenden mittaeglichen Sonnenschein gruppierten wir uns, „auf den Boden des Negew” im Halbkreis hingelagert, um ihn vor seiner Baracke. Die Fragen waren vorher fixiert Wörden, sie wurden verlesen und ex tempore von ihm be-; Antwortet.Dass es. dabei. nicht ohne Nebenbemerkungen bis zu gutgestimmten „Anpflaumungen” des einen oder anderen Fragestellers zuging, entsprach der Aufgeraeumthelt seiner Stimmung und seinem allgemein bekannten Temperament. Was halten Sie vcn der Erscheinung der jetzigen Auswanderung einzelner und ganzer Gruppen? „Da ich mich mein Leben lang mit dem genauen Gegenteil der Auswanderung aus Erez Jisrael beschaeftigt habe, bin ich kein Fachmann fuer „Jerida”. Ich habe nichts Besonderes dazu zu sagen”. Was laesst sich gegen die menschliche und geistige Vereinsamung tun, die zum Schicksal so vieler neuer Einwanderer in den Maabaroth geworden ist? „Ich bestreite grundsaetzlich, dass die Frage in dieser Form richtig formuliert ist. Im uebrigen ist der Weg aufs Land, in die Siedlungen, zumindest fuer einen Teil der neuen Olim die beste Loesung. Das Problem als solches wird sich, wenn es in der vom Fragesteller gewaehlten Form wirklich bestehen sollte, im Lauf der Zeit loesen. — Um bei dieser Gelegenheit auf die Frage der Auswanderer noch einmal zurueckzukommen: reisende Leute soll man nicht aufhalten!” Trifft es zu, dass es in der juedischen Bevcelkerung unseres Staates letzthin an positiver Beziehung zur Mässen- Einwanderung, dem Kibbuz Hagalujoth fehle? Ben Gurion erregt sich sichtlich. „Massen-Alija ist und bleibt fuer uns Zionisten (woertlich) das Allerheiligste, Kadosch K’doschim, Wer lies Prinzip leugnet, ist ein Verraeter, ein Dekadenter“. Betrachten Sie es nicht als Ihre Aufgabe, mit einem Alifa-Aufruf an die juedische lugend in aller Welt heranzutreten? “Ich glaube nicht an Apuelle. Worte verfangen nicht. Nur Taten geben das richtige Beispiel”. ..Eine zweite Gruppe von Fragen betraf Probleme der Religion, der religioesen Jugend im Lande und des Erfordernisses religioeser Akzente im Schulunterricht, eine dritte Fragenserie galt Ben Gurions bekannten Auseinandersetzungen mit der zionistischen Bewegung vor allem in den USA, und eine vierte Gruppe von Fragen die Zukunftsaussichten des Negew. Die Antworten des frueheren Ministerpraesidenten seien etwa wie folgt zusammengefasst: 1. Ohne die Bedeutung religioeser Akzente in der Erziehung unserer Jugend und den hohen Wert der Prinzipien des thoratreuen Judentums, seiner Ueberlieferungen u. des Religionsgesetzes auch nur im Entferntesten zu bestreiten, polemisierte Ben Gurion in seinen Antworten wiederholt mit der Ultra-Orthodoxie, die (woertlich) „gegen das Religionsgesetz verstoesst, insoweit sie es ignoriert, dass unsere religioere Ueberlieferung auch das Bekenntnis zum Lande Jisrael fordert’. Im Zusammen hang damit entwickelte sich spaeter, nach der eigentlichen Pressekonferenz, stehenden Fusses zwischen ihm und diesen Fragestellern ein besonders anregendes Rede- Duell ueber Ausiegung^moeglichkeiten des ersten Absatzes von „Bereschith” und darueber, ob Spinoza trotz seines Pantheismus nicht gleichfalls letzthin als Traeger juedischer Religioesitaet. anzusehen sei, wie er meinte, ja, ob der grosse hollaendisch-juedische Philosoph in diesem Sinne, wie er hinzufuegte, an juedischer Bedeutung die des Maimonides nicht erreicht habe und vielleicht sogar uebertreffe (!) Zitate flogen hin und her; es war erstaunlich, im Negew unversehens Ohrenzeuge dieses geradezu leidenschaftlichen Religionsdisputs mit Ben Gurion zu werden. 2. Er bestritt entschieden, gegen die zionistische Bewegung in der Golah aufgetreten zu sein. Sie sei heute wichtiger als jemals zuvor. Aber er wende sich eben deshalb dagegen, sie in „Vereine von Freunden der Medinath Jisrael” zu verwandeln. 3. Wenn die Ausnutzung der Bodenschaetze des Negew vorangehe, das Problem der Transportkosten geloest werde und die Fruchtbarmachung des Bodens voranschrei te, lasse sich denken, dass hier in Zukunft das entscheidende Bevoelkerungszentrum des Staates Jisrael enstehen werde. Auf erstaunte Zwischenfragen: „Alles haengt natuerlicb davon ab, dass die Energie...” Auf weitere Zwischenfragen: . .natuerlicb meine ich, die Atomenergie wie ueberall auf der Welt so auch bei uns und insbesondere im Negew verwandt werden wird. Ich bin davon ueberzeugt, dass die Welt schon in zehn Jahren soweit sein wird.” — Weitere Bemerkungen galten in diesem Zusammenhang den Bewaesserungsfragen des Negew; Ben Gurion gab dabei Aufschluss ueber die Aussprache, die dieserhalb vor einer Woche auf seine Veranlassung als „Symposium” seiner jetzigen Chawerim mit den einschlaegigen Ministern und den leitenden Ingenieuren des staatlichen Wasserversorgungsamtes in Sde Boker gefuehrt werden ist. Ben Guricn unterstrich ir. Beantwortung anderer Fragen die Bedeutung des He braeischen a 1 s erstklassig wichtigen nationalen Bindemittels, indem er hinzufuegte, welche Zweifel er in di? Zukunft der jiddischen Volkssprache setzt. Auf poiitisch- Tagesfragen lehnte er Antworten generell ab, ob sie nun unser Verhaeltnis z; den Arabern, allgemeine nahostpolitische Probleme ode die Koalitionspolitik der Regierung betrafen. Auch darauf blieb er — Iaechelnd— die Antwort schuldig, wie lange sein Aufenthalt in Sde Bo ker bemessen sein werde Als er vom Vertreter de; kommunistischen ,Kol Haam gefragt wurde, was er prinzipiell von Staatsmaennnerr halte, die sich von der Buehne der Politik erst zurückgezogen haetten und spaete: dorthin zurueckgekehrt seien, ersuchte er um ein konkretes Beispiel. Und als de Frageiteller an Pilsudsk erinnerte, kam zur allgemeinen Erheiterung wie aus der Pistole geschossen die Antwort: „Da fragen Sie besser Ihren Freund Dr. Mosche Sneh; der ist mit der Geschichte Polens vertrauter als ich...”. * Die vier Zimmer der Wohnung des Ehepaars Ben Gurion, kleine Zimmer, wie es nicht anders sein kann, zeugen von bestem Geschmack in der Auswahl der Moebel u. s. w. allerorten: Familienphetos und vor allem — wie es schwerlich anders zu erwarten war — Aufnahmen des Hausherrn in den verschiedensten - Lebenslagen und Bildformaten. Die zwei Üneinandergehenden Wohnzimmer werden an fast saemtlichen Waenden von Buecnerborten beherrscht. Es geschah nicht aus muessig'er Neugier, dass der Schreiber dieser Zeilen feststellte, welche Buecher hier vorherrschten, Vnd welche fehlten. Neben einer grossformatigen Talmudausgabe und einigen anderen grundlegenden religionsgesetzlichen, halachischen und rabbinischen Werken, und neben einer englischen Uebersetzung des „More Nevuchim” ¡ueberwdegt philosophische Literatur durchaus und dabei ’beneidenswert komplette, herrliche englische Editionen saemtlicher altgriechicher Denker und Dichter. Dutzende von Buechern befassen sich mit der Spinoza-Forschung. Wie ver- 1 o r e n stehen dazwischen zwei Baende einer groesseren Nietzche-Ausgabe — wer weiss, weshalb... An Geschichtswerken: die in Cambridge herausgebrachte Monumentalausgabe der alten und der ¡mittelalterlichen Historie. Was nahezu voellig fehlt, ist Schoene Literatur, wenn man von Milton und (ausgerechnet) dem Decamerone Boccacios absieht. Nichts an Pocket-, Mentor-, Bantam-, Signet - Books, den buntfarbigen, nicht selten uebrigens hochschaetzbaren Buechelchen, die unseren Markt heute ueberchwemmen! Ferner — eigenartigerweise nichts an soziologischen und gesellschaftskritischen Standardwerken, soweit der Besucher in so kurzer Frist feststellen konnte, kein ,Marx, kein Engels, kein Lenin und ganz gewiss kein Stalin... Ebensowenig waren jene Buecher ueber Strategie und Kriegsgerichte aui&ufinden, die ien Besuchern Ben Gurions in Tel-Aviv waehrend des Befreiungskrieges, aber auch jehon waehrend des ganzen Jahres 1947 zuerst ins Auge ielen, wie ohne Verrat miliaerischer Geheimnisse heue enthuellt werden kann, lass es so ist, laesst vielleicht gewisse beunruhigende ichlussfolgerungen zu... Darueber hinaus draengt liese, auf geisteswissenschaftliche und (philosophische Themen zugespitzte Suecherauswahl wohl aber auch zu Schlussfolgerungen arueber, wie das noch imner ungelueftete Geheimnis ien Buechern Ben Gurions •iach Sde Boker” vielleicht jeloest werden koennte. Ja, iS zeigt sich an eben diesen Buechern, dass es ihm offenbar wirklich um eine Atempause besinnlicher Konzentration ging, was an sonstigen, unter Umstaenden sogar auch an internmapeipolitischen” Abtrieben hinzugetreten sein mag. Wird er dort bleiben oder zurueckkommen? Er liess diese Frage unbeantwortet, und es waere indezent, sich in Spekulationen zu ergehen, die das Allerpersoenlichste seines Lebens und seiner heutigen Lebenssituation tangieren muess ten. Wer mit den Stimmungen besonders unserer Jugend in den Kibbuzim, aber sogar auch im (durchaus nichtsozialistischen) staedtischen Buergertum vertraut ist, der weiss, dass der Entschluss Ben Gurions, mit 67 Jahren in den Negew zu gehen, seine moralische Wirkung nicht verfehlt hat, Weit und breit und ueber die engen Parteigrenzen hinaus halten die Menschen in Stadt und Land heute Ausschau nach ihm; es ist ein Stueck schlechten Gewissens, das er in vielen wachgerufen hat. Moeglicherweise wird die Mapei, wenn es zu Wahlen kommt, darauf draengen, einen derartigen „Aktivposten” nicht ungenutzt zu lassen. Moeglicherweise wird... .. .wer aber kann das sagen? Als sich die Unterhaltung mit ihm eben diesem Punkt zuwendete, intervenierte Paula Ben Gurion: „Lasst ihn endlich in Ruhe! Es ist nach dem Essen, er muss sein Stuendchen Schlaf haben...” So blieb die Frage auch deshalb ungeloest. Frau Paula ist eine grundgescheite Frau... Lasten wir ihn in Sde Boker in Ruhe. Aber schaemen wir uns nicht der stolzen Genugtuung darueber, dass er in Sde Boker sitzt und (wie er erwaehnte) jetzt als “kawua” im Schafstall „Arbeit von meinem Boss zugewiesen erhalten” hat! Er arbeitet, und weiss Gott nicht nur mit Schafen. Er arbeitet an sich. Und das heisst: fuer uns.