Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 3 (Marzo, 1954)
- Date
- 1954-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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REDACCION. S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 890. TEL. 33096 CASILLA 2407. SANTIAGO - CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C I EDA D C ULT URAL IS RAE LITA " B * N E J I S R O E L" SANTIAGO DE CHILE Marzo, 1954 PROF. DR. ALBERT EINSTEIN, PRINCETON, USA. Autobiographische Bei einem Menschen, der sich einer wohlgeordneten Denkweise erfreut, kann es leicht geschehen, dass diese Seite seines Wesens auf Kosten der uebrigen besonders ausgebildet wird und dieser Umstand seine ganze Mentalitaet in steigendem Masse bestimmt. Es kann dabei sehr leicht der Fall eintreten, dass jener Mensch rueckblickend eine einheitliche, systematische Entwicklung wahrzunehmen meint, waehrend die Erfahrung doch tatsaechlich Stueck fuer Stueck in einzelnen Situationen gesammelt, kaleidoskopartig zusammengesetzt wird. Die Vielfalt der aeusseren Erlebnissituationen und die Beschraenktheit des momentanen Fassungsvermoegens unseres Bewusstseins haben so eine Art Atomisierung des Lebens eines jeden menschlichen Wesens zur Folge. Bei einem Menschen meiner Art liegt der Wendepunkt der ganzen Entwicklung in der Tatsache, dass sich sein Hauptinteresse nach und nach weitgehend von dem Momentanen und rein Persoenlichen losloest und sich in das Streben nach dem geistigen Erfassen der Dinge verwandelt. Was aber ist denn eigentlich „Denken”? Wenn bei der Aufnahme von Sinneseindruecken Erinnerungsbilder in einem aufsteigen, dann ist dies noch nicht als „Denken” zu bezeichnen. Und auch wenn diese Bilder eine Reihe formen, indem jedes einzelne Glied derselben ein anderes hervorruft, ist dies noch kein „Denken“. Wenn jedoch ein bestimmtes Bild in vielen derartigen Reihen auftaucht, dann wird es — eben durch dieses wiederholte Auftauchen — zu einem ordnenden Element insofern, als es die Verbindung zwischen den an sich unzusammenhaengenden Reihen herstellt. Ein solches Element wird somit Mittel zum Zweck, zum Begriff. Meiner Ansicht nach ist der Uebergang von der freien Gedankenverbindung, dem „Traeumen”, zum Denken durch die mehr oder weniger dominierende Rolle charakterisiert, die der „Begriff“ darin spielt. Dabei muss der Begriff keineswegs unbedingt mit einem sinnlich wahrnehmbaren. und wiederzugebenden Symbol (einem Wort) verbunden sein; ist dies aber der Fall, dann wird das Denken dadurch mitteilbar. Año XIV — N.o 3 Wir gratulieren Am kommenden 14. Maerz vollendet Prof. Dr. Albert Einstein, der weltberuehmte Physiker, das 75 Lebensjahr. Die gesamte Kulturwelt wird zu diesem Tage einem der erhabensten Geister aller Zeiten und dem vielleicht groessten aller heute lebenden Menschen eine Huldigung darbringen; an dieser Stelle soll nicht mehr und nicht weniger gesagt werden als das, was Einstein seinem juedischen Volke (insbesondere bedeutet, wie dieses dem Gelehrten gegcnuebersteht. Albert Einstein hat selbst davon berichtet, wie in seinen juengeren Lebensjahren das Judentum keine hervorragende Rolle gespielt hatte. Erst der Weltkrieg, seine Erfahrungen und das starke Anwachsen der antisemitischen Bewegung in seinem deutschen Geburtslande brachten ihn in einen engeren Kontakt mit juedischen Menschen und juedischen Dingen. Die persoenliche Bekanntschaft des von ihm bewunderten, gelehr- , ten Chemikers, Prof. Chaim | Weizmann, damals Praesident 1 der Zionistischen Weltorgaj nisation, Hessen ihn vertraut | werden mit dem zionistischen Ideal, und es war fortanman schrieb damals 1921sein Wunsch, im Rahmen seiner Moeglichkeiten an der Realisierung eines schoenen Traumes mit zuarbeiten. Es blieb nicht bei Worten: Einstein reiste mit Weizmann l nach Amerika, um fuer die in jener Epoche in Vorbereitung befindliche Heb’-aeische Universitaet oeffentlich einzutreten; er wurde Mitglied der “Zionistischen Vereinigung fuer Deutschland” und immer, wenn man seines Rates bedurfte, war er zur Stelle Die Idee, der Zionsgedanke moege Zionisten und Nichtzionisten zu harmonischer Zusammenwirkung vereinen, uebte eine starke Anziehungskraft auf ihn aus, und als man dann in Zuerich zur Gruendung der “Jewish Agency” zusammentrat, 1929, war Einstein dort und hiell eine begeisterte Rede ueber das Werk Theodor Herzl’s. zu dem er sich rueckhaltlos bekannte. Die juedischen Massen fuehlten, dass der grosse Wissenschaftler gewiss nur einen kleinen Teil seiner Zeit, aber die ganze Seele und das ganze tiefe Empfinden fuer sein juedisches Volk zu geben bereit war, und wo immer er sprach, schlugen ihm die juedischen Herzen entgegen Etwas ferner als die nationalen Forderungen der Stunde liegen Prof. Einstein die religioes - geistigen Gehalte des Judentums. Er anerkennt mit Goethe, Spinoza und anderen Geistern das goettliche Walten in der Natur und “der Weltpalast des Guten, Wahren, Schoenen” soll fuer ihn einzig aus der Naturwissenschaft heraus errichtet werden. Es ist die eine Seite juedischen Denkens, der sich Einstein naehert, die vom Weltengott, der sich in der Natur manifestiert. Doch die andere, die Lehre vom Koenig der Welt, der zugleich Vater eines jedes Menschenkindes ist, der belohnt und straft, sie hat sich diesem Weltweisen nicht erschlossen. Und doch, trotz dieses Trennenden zwischen Einstein’s Gcttesvorstellung und derjenigen des glaeublgen Juden, ist der Gelehrte tief erfuelit vom geistigen Erbe des Judentums, von dem, was Propheten und Schriftdeuter durch die Jahrhunderte auf unsere Tage ueberkommen Hessen, wenn Einstein kaerrmft fuer Recht und Gerechtisrkeit, fuer Weltfrieden und Menschlichkeit, so sind letzten Endes die ewigen Quellen des Judentums, die sich in seiner Stellungnahme zur Welt und dem Geschehen offenoaren. Als die Feinde ihn im Jahre 1933 ausbuergerten, merkten sie nicht im entferntesten, wie sie sich gerade durch diese Massnahme degradierten. Die freie Welt nahm ihn mit offenen Armen auf, und seine gewaltige wissenschaftliche Leistung, die so weltumformend war und ist, sie wurde und wird von einem Manne vollbracht, der den Namen Jude mit Stolz traegt, der eine Perroenlichkeit ist im Goethe’schen Sinne, in welcher Weisheit, Vernunft und echtp Humanitaet harmonisch zusammenklingen. Und so huldigt das juadische Volke einem seiner groessten Soehne und denkt an das Gebot unserer Weisen, welches fordert, dass man auch beim Anblikke eines Weltweisen, der kein Thoragelehrter ist, einen Segen sprach sprechen soll. Moegen ihm, dem Weisen, der “auf der Menschheit Hoehen wandelt”, noch viele Jahte eines ungetruebten Lebensabends beschieden sein! Er hat dem juedischen Namen Ehre bereitet so wie er den Ruhm der Wissenschaft foerderte. Das gesamte juedische Volk dankt Albert Einstein am Tage seines 75, Geburtstages in Ehrerbietung und Bewunderung. CURT WILK. Mit welchem Recht — so wird der Leser vielleicht fragen — entwickelt dieser Mensch hier auf eine so beilaeufige und primitive Art Gedanken auf einem so problematischen Gebiet, ohne dabei auch nur den geringsten Versuch zu machen, den Beweis dafuer zu erbringen? Zu meiner Rechtfertigung sei bemerkt: Unser ganzes Denken ist derartig ein freies Spiel mit Begriffen; und dieses Spiel ist um so mehr gerechtfertigt, je mehr wir uns mit seiner Hilfe einen Ueberblick ueber die durch unsere Sinne gewonnene E}:fahrung schaffen koennen. Der Begriff der „Wahrheit und Richtigkeit“ ist auf ein derartiges Gedankengefuege freilich noch nicht anzuwenden; meiner Ansicht nach kommt dieser Begriff ueberhaupt nur in Frage, wenn ein weitreiches Uebereinkommen, die einzelnen Elemente und Regeln dieses Spiels betreffend, bereits vorliegt. Fuer mich steht ausser Zweifel, dass unser Denken groesstenteiis ohne die Verwendung von Symbolen (Worten) und darueber hinaus in einem ganz erheblichen Ausmass auch unbewusst vor sich geht. Denn wie koennte es sonst geschehen, dass uns irgendein Erleben so „wunder” —nimmt? Dieses „Wundern“ scheint dann einzutreten, wenn ein Eindruck, den wir gewinnen, mit der bereits in uns entsprechend fest verankerten Begriffswelt in Konflikt geraet. So oft wir einen solchen Konflikt heftig und intensiv empfinden, wirkt sich dies auch ganz entschieden auf unsere Gedankenwelt aus. Die Entwicklung dieser Gedankenwelt ist somit in gewissem Sinne eine ununterbrochene Flucht vor dem „Wunder“. Ein Wunder dieser Art erlebte ich zum Beispiel als Kind mit vier bis fuenf Jahren, als mir mein Vater einen Konmass zeigte. Dass sich die Nadel auf eine so bestimmte Art verhielt, wollte gar nicht zu der ganzen Art der Geschehnisse passen, die in meiner unbewussten Begriffswelt (nach der diese Wirkung eben nur durch direkte „Beruehrung“ hatte erzielt werden koennen—, dass dieses Erlebnis einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf mich machte. Irgend etwas musste hinter diesen Dingen verborgen sein. Was der Mensch von Kindheit an stets vor sich sieht, verursacht niemals eine derartige Reaktion; nie werden das Zu-Boden-Fallen von Gegenstaenden, Wind und Regen, oder das verschiedene Verhalten von belebter und unbelebter Materie sein Erstaunen erregen. Mit 12 Jahren erlebte ich ein zweites Wunder ganz anderer Art in Gestalt eines Buechleins ueber die Euklidische Planmetrie, das mir zu Beginn eines Schuljahres in die Haende fiel. Da standen Behauptungen — wie zum Beispiel die, dass sich die drei Hoehen eines Dreiecks in einem Punkte schneiden— die, obwohl an sich noch keineswegs selbstverstaendlich, doch mit einer Bestimmtheit bewiesen werden konnten, die jeden Zweifel ausschloss. Diese durchsichtige Klarheit und Bestimmtheit machte einen unbeschreiblichen Eindruck auf mich. Dass ein Axiom ohne weiteren Beweis anerkannt werden musste, stoerte mich nicht weiter. Es genuegte mir in jedem Fall, wenn ich Beweise fuer einen Lehrsatz, dessen Richtigkeit mir nicht weiter zweifelhaft erschien, finden konnte. So zum Beispiel erinnere ich mich, dass ein Onkel einmal vom Pythagoraeischen Lehrsatz zu mir snrach, lauere bevor mir noch ieues ehrwuerdiere Geometriehuechleln in die Haende gefallen war. Unter pToss^n Muehen gelang es rn'r. diesen T,oVi*«atw auf (Schluss auf Seite 5) Im Bild: Professor A. Einstein uebergibt Benn Weiser, Lateinamerikanischer Abteilungsleiter der Juedischen Agentur, eine fuer die Universitaet in Lima bestimmte Botschaft.