Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 1 (Enero, 1954)
- Date
- 1954-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 15 Am Sonntag, den 13 Dezember, feierte der Vaad Hajinuj sein Chanukah-Fest im Teatro- Coliseo. Wie der Name sagt, ist dieses Theater besonders geräumig und es muss festgestellt werden, dass alle Plaetze bis auf den letzten besetzt waren. Auch eine kurze Beobachtung genuegte, um die Begeisterung, die die jugendlichen Akteure und Zuschauer erfuellte, zu spueren. Ausgezeichnet einstudierte Gesaenge, Taenze, Spiele und Darbietungen in spanischer, hebräischer und juedischer Sprache legten von dem juedisch nationalen Geist, der unser Schulwesen erfuellt, Zeugnis ab. Wir sind ueberzeugt davon, dass alle diese Kinder, die eine der Schulen des Vaad Hajinuj besuchen, ueberzeugte Juden sind und hoffen, dass im kommenden Schuljahr mehr Kinder als .bisher eine der Schulen des Vaadd Hajinuj besuchen werden. Apeii an die Kai lehtivitaet “Den zionistischen Tagungen in Chile kann ich nicht folgen, man redet auf ihnen nur Spanisch. Und das ist ein gutes Zeichen!” Mit diesen oder aehnlichen Worten drueckte einmal ein Gast aus Israel, ein aussergewoehnlich kluger Beobachter, seine Befriedigung aus, dass es hier dem Zionismus gelungen sei, auch die Herzen der „zweiten Generation” zu erobern, ja sogar sich aus ihren Reihen eine neue Fuehrerschaft zu erwaehlen. Nur auf einem Gebiet juedischer Taetigkeit wurden die juengeren Elemente nicht genuegend herangezogen: die Sorge um die Erziehung schien auf den Kreis von Maennern beschraenkt, die seinerzeit die dankenswerte Initiative zur Errichtung des Schulwerks bewiesen hatten. Der diesjaehrige Erziehungskongress (Kinuss Hachinuch) nun brachte auch hier die langerwartete Aenderung; an die Spitze des Vaad Hachinuch wurde ein Mann der „jungen Guarde” gewaehlt! Ich beschloss Guillermo Rosenberg, den neugewaehlten Praesidenten des Erziehungskommittes aufzusuchen, um von ihm einige Aufschluesse ueber Lage, Probleme und Zukunftsaussichten des hebraeischen Schulwerkes zu erlangen; eines Schulwerkes, das bei Empfaengen und Cocktails so stolz geruehmt, an den Werktagen hingegen eifrig geschmaeht wird. Ich kannte Guillermo Rosenberg von frueher; der hochgewachsene Mann mit seiner dialektischen Redegabe und unverbluemten Offenheit war schon oft “aus dem Rahmen schoenrednerischer Kongresse gefallen” und hatte so meine Aufmerksamkeit hervorgerufen. 7 DER GESANDTE Dr. KUBOVY Waehrend wir diese Zeilen schrieben, ist der chilenische Yishuv voller Erwartung, denn es nahen sich wieder einmal grosse nationale Feiertage. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre werden wir Gelegenheit haben, den diplomatischen Vertreter der Medinat Israelbei der Regierung Chiles begruessen zu duerfen. Wer das juedische Leben und die Entwicklung der Medinat Israel aus der Naehe verfolgt hat, kennt den Namen: Dr. Arieh Kubovy. Er hat die Interessen der Medinat Israel und des gesamten juedischen Volkes als Diplomat und Jude waehrend der traurigen Tage der antizionistischen Verfolgungen in der Czechoslovakei vorbildlich verteidigt. Dr. Kubovy kommt nunmehr, um sein Beglaubigunsgsschreiben als Gesandter Israels ln Chile S. E., dem Praesidenten von Chile Carlos Ibänez del i Campo zu uebergeben. 57! Jahre alt, studierte er an mehreren Universitaeten Belgiens, wurde dann Anwalt und war Mitglied des Appelationsgerichts in Bruessel. 1940 wanderte er nach den Vereinigten Staaten aus und nahm dort an dem juedischen und zionistischen Leben fuehrend teil. Nach Beendigung des Krieges uebersiedelte er nach Erez Israel. Er wurde zum Professor der Hebraeischen Universitaet in Jerusalem ernannt, und ausserdem juristischer Beirat der Histadurth und Mitglied des beratenden Comités der Mapai. 1951 trat er in das diplomatische Corps Israels ein und wurde zum Gesandten in Prag und Warschau ernannt, wo er in schweren Tagen mit Festigkeit und diplomatischem Takt die Interessen Israels verteidigte. Nach der Ernennung Dr. Jacob Tzur’s zum Gesandten Israels in Paris wurde Dr. Kubovy der Vertreter Israels in Buenos Aires. Am 20 Oktober ueberreichte er dem Praesidenten der argentinischen Republik, General Peron, sein Bevollmaechtigungsschreiben. Dr. Kubovy wird vom chilenischen Yishuv mit Liebe und Waerme empfangen werden. Seine Anwesenheit wird einmal mehr den innigen Zusammenhang unsers Yishuvs mit der Medinat Israel bezeugen Wir wuenschen ihm aus ganzem Herzen vollen Erfolg in seiner grossen Mission und hoffen, dass er diese in ruhigen Tagen fuer unsere Medinat Israel und fuer die gesamte Welt erfuellen kann. Guillermo Rosenberg wurde waehrend des ersten Weltkrieges in Santiago geboren. Hier wuchs er auf und wurde erzogen, erwarb dann an der Universitaet von Chile den Ingenieur-Titel und unterrichtete spaeter an ihr als Privatdozent. Doch von seinem Elternhaus war ihm tiefe Liebe zum juedischen Volk mitgegeben worden; der Sechzehnjaehrige schliesst sich den fortschrittlichen Gruppen des Zionismus an, der Neunzehnjaehrige uebernimmt die Redaktion des “Mundo Judio” die er einige Jahre behielt. Wer waere berufener als dieser Mann, die Synthese von juedischem Nationalbewusstsein und kultureller Weltaufgeschlossenheit in der Erziehung zu verfechten? Hat nicht selbst Maimonides juedische Gottesvorstellung in aristotelianischer Methode und in arabischer Sprache dargelegt?” fuehrt mein Gespraechspartner eines der lehrreichsten Beispiele gegen die geistige Isolation an. „Den vergangenheitsbesessenen Elementen unter uns, die moderner Bildung, Kunstwerten, Gedanken verstaendnislos, wenn nicht gar feindselig gegenueberstehen, rufen wir zu: Reisst die Tueren unserer Kultur weit auf und lasst die Stuerme menschlichen Erkennens fruchtfciringenden Samen auf die alten Felder tragen!” Viel schaerfer wendet er sich allerdings gegen jene, die umgekehrt ihre Bindungen zum Judentum lockern und vor allem in der Erziehung ihrer Kinder sich nicht zu einem Weg der Konsequenz durchringen wollen. ..Wo ein Vater sich weigert, —schliesst Rosenberg diese Bemerkungen ab— sein Kind in die juedische Schule zu schicken (wie immer auch der Vorwand laute, mit dem er vor seinem eigenen Gewissen seinen Fehler zu bemaenteln sucht), weist er seinem Sohn einen gefaehrlichen Weg der emotionellen und geistigen Leere”. Eine prinzipielle Treue zum Prinzip der hebraeischen Erziehung schaltet selbstverstaendlich nicht die kritische Einstellung den Formen ihrer praktischen Verwirklichung gegenueber aus. Tm Gegenteil, wie ich es bei dem Gespraech mit Don Guillermo bemerke, bewirkt gerade eine aufrichtige Kritik des Vergangenen und Bestehenden konstruktive Gedanken fuer die Zukunft. Nach einer sachlichen Beurteilung der bisherigen Leitung, betont er: „Das neue Direktorium wird sich bemuehen. den Geist freudiger Zusammenarbeit und Harmonie durch ein objektives Reglament zu schuetzen. in dem Rechte und Pflichten jedes der Faktoren festgelegt sind: des Vaad, der Inspektion, der Lehrer und Eltern, der Schueler...” Bei dieser Gelegenheit knuepft der Praesident einige Saetze ueber die Lehrer des Hebraeischen Institutes an, welche er als auesserst wertvolle Arbeitskraefte mit viel Hingahe und Initiative kennengelenrt habe. „Ich betrachte es als meine vorzueglichste Aufgabe, die Ehr ds zu Unrecht angegriffenen Lehrers wiederherzustellen und erklaere aus tiefster Ueberzeugung, dass sie wuerdig und faehig sind, unsere Kinder auf der Basis allgemeinen Wissens im Lichte der hebraeischen Erziehungsideale zu erzie- JUEDISCHE PRESSE HAKOL UND DOS IDISHE WORT Es ist dem Boletin Informativo ein besonderes Beduerfnis zwei neue Kollegen in Santiago de Chile begruessen zu duerfen: HAKOL und DOS IDISCHE WORT. Die innere Bewegtheit eines Yishuvs charakterisiert sich nicht nur durch die Fuelle der in ihm existierenden Organisationen, die jede fuer sich eine wichtige Funktion erfuellen sollen Ein Yishuv muss auch fuer dieses Leben seinen publizistichen Ausdruck finden, er muss die Moeglichkeit haben, an den Leser heranzukommen, er muss Organe besitzen, damit die in ihm wirkenden Stroeme in die Aussenwelt dringen koennen Das ist die Funktion der Zeitung. Sie darf nicht nur ein Spiegel sein, sondern muss auch mit kritischer Sonde zu den Problemen und Entwicklungen Stellung nehmen. Diese Aufgabe wird Hakol erfuellen. Die wenigen Nummern, die erschienen sind, beweisen, dass die Redakteure hen!” setzt Herr Rosenberg dann hinzu. Dass die Schuigebaeude unschoen sind und ihrem Zweck nicht entsprechen, gibt mein Gespraechspartner unumwunden zu. Diese offene Feststellung kann und will keine Rechtfertigung fuer jene sein, die “uns ihre Soehne und Toechter nicht schick ten, weil die Schule ' ihnen nicht fein genug war”; im Gegenteil liegt in ihr der dringende Aoell an die juedischen Autoritaeten, an die Eltern, an die gesamte Kollektivitaet schnelle Wege zur Finanzierung eines stattlichen Schulgebaeudes zu finden. „Der Bau einer Schule iS|t ein Glaubensbekenntnis an das Fortleben unseres Jischuvs in Chile. Ohne dies sind die Anstrengungen von Organisation, und Lehrern zum Scheitern verurteilt und wir wuerden Zeugen des traurigen Anblicks von Verfall und Entartung des juedischen Lebens hier werden”. Das bringt mich darauf, den neuen Vorsitzenden ueber den Anteil des deutschsprechenden Sektors an dem Schulwerk zu befragen. „Prozentual waren die aus diesem Sektor kommenden Schueler nur schwach vertreten. Jedoch kann man erfreulicherweise feststellen, das sich in den letzten Jahren —wohl durch das in Macul gelegene Schulgebäude— ihr Anteil yerstaerkt hat”. Herr Rosenberg ist von den organisatiorischen Qualitaeten unserer Kolonie beeindruckt und ueberzeugt; es sind dies Eigenschaften, die er gerne in den Dienst der Erziehung gestellt sehen moechte. „Sagen Sie den Eltern Ihres Sektors”, mahnt mich Herr Rosenberg, „dass sie uns ihre Kinder mit volls t e m Vertrauen schicken koennen: Die vor Regierungs kommissionen so erfolgreich abgelegten Schlusspruefungen unserer Schueler beweisen dass wir das Wissen des staatlichen Lehrplanes weit mehr als ausreichend vermitteln. Der Wert der juedischen Kenntnisse und der Erlebnisse an Fest — und Feiertagen, die dem Kind uebermittelt werden, ist gar nicht abzuschaetzen”. Wir sprachen noch von diesem und jenem; als ich mich verabschiedete, nahm ich die beruhigende Gewissheit mit, dass jetzt an der Spitze unseres Schulwerks eine Perscenlichkeit steht, dessen kuehner Idealismus gepaart. mit einem gesunden Wirklichkeitssinn, ein Jahr fruchtbarer Arbeit verheisst. B. K. auf dem besten Wege sind und wir wuenschen ihnen fuer die Zukunft weiter viel Erfolg. “DOS IDISCHE WORT” entspringt der Initiative des Comité Representativo, das in dieser Zeitung dem Yischuv ein Organ in jiddischer Sprache geben will, Leider ist bisher so mancher mit viel Liebe in dieser Richtung durchgefuehrte Versuch gescheitert. Wir hoffen, dass dem Idishen wort, das auch einen ausfuehrlichen spanischen Teil haben wird, Erfolg beschieden sei. Auch wir, die wir kein jiddisch sprechen, verstehen, dass alles getan werden muss, um die jiddische Spraehen-Kulturtraeger wertvollsten juedischen Gedankenguts— vor dem Untergang zu bewahren. Wir hoffen, dass uns mit diesen beiden neuen Kollegen immer beste Freundschaft verknueüfen wird und wir gemeinsam —jeder an der Formung und Entwicklung unseres Vishuvs in Ruhe und Frieden arbeiten werden RELIGIONSSCHULE A Sonntag, den 13. Dezember wurden unseren Kindern der Religionsschule die Zensuren fuer das vergangene Schuljahr uebergeben. Damit hat das Schuljahr 5713/14, seinen Abschluss gefunden Wenn wir nunmehr Rueckschau halten, so duerfen wir feststellen, dass es gelungen ist, auch in diesem Jahr die Aufgaben zu erfuellen, die uns gestellt sind. Wir Lehrer duerfen glauben, dass unsere 90 Kinder in den verschiedenen Kursen nicht nur Neues zugelernt haben sondern auch in ihrem juedischen Bewusstsein gestaerkt worden sind. Leider koennen wir unsere Ansprueche nicht sehr hoch schrauben, da in einem Unterricht von 90 Minuten Dauer einmal die Woche nicht all zu viel gelernt werden kann. Wenn jetzt unsere Kinder mit Freude ihre Buecher aus der Hand legen und sich vollkommen ihren Ferien widmen so sind sie dazu nach einem anstrengenden Schuljahr vollauf berechtigt. Dennoch bitten wir unsere Eltern dafuer zu sorgen, dass in diesen 3 Monaten nicht alles vergessen wird, was wir uns bemueht haben, unseren Kindern beizubringen. Vor allem scheint uns Eines wichtig: Das Schuljahr gibt unseren Kindern nur wenig Moeglichkeit, den Gottesdienst am Schabbat zu besuchen. Die Zukunft des juedischen Volkes und die aufrechterhaltung unserer Gemeinde erfordern jedoch einen positiven Kontakt des juedischen Kindes mit der religioesen Seite unseres Gemeindelebens. Wir hoffen, in den Tagen in denen unsere Kinder waehrend der Ferien in Santiago sind, sie in unserem Gottesdienst am Freitag Abend oder Schabbat morgens begruessen zu duerfen. Und am Wirkungsvollsten waere es, wenn dieser Besuch in Begleitung des Vaters oder der Mutter stattfinden wuerde, damit das Kind spuert, dass es auch im Gotteshaus nicht allein ist, urfd seine Eltern selbst sich um seine Einfuehrung in das religioese Leben bemuehen. Dann werden diese Ferien nicht nur zur koeroerlichen Erholung unserer Kinder beitragen, sondern sie auch in ihrem Judesein staerken. OBSERVADOR