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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-12-01 · 12 (Diciembre, 1953) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
12 (Diciembre, 1953)
Date
1953-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Dioiembre, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 0 Ball unserer Jugend Am Sonnabend, den 31. Oktober, fand ein Ball fuer unsere Jugend statt, der von der Jugendkommission der Gemeinde und der Jugendgruppe “B'ne Jisroel” gemeinsam vorbereitet wurde. Eine ueberaus grosse Anzahl von ¿Jugendlichen und Freunden unserer Jugend haben an diesem Abend bei Spiel und Tanz bis in die fruehen Morgenstunden hinein vergnuegte Stunden ver. bracht. Eine gute Kapelle, verschiedene Stands, ein von der Wizo Grupo Henrieta Szold vorbereitetes Buffet und vieles andere mehr trugen dazu bei, um eine begeisterte Stimmung zu schaffen. Im Mittelpunkt dieses Balles stand die Wahl der “Reina de Simpatía” zu der sich 5 Kandidatinnen stellten und es war aeusserst schwer die Wahl unter ihnen zu treffen, da sie alle in gleicher Weise die Begeisterung der Anwesenden hervorriefen. Die Kandidatinnen waren: Tamara Baron, Suse Chaskel. Marion Josephy, Vera Lewinski und Diana Rappaport. Nach einem sehr scharfen Kamof gingen Tamara Baron als Reina und Marion Josephy und Vera Lewinski als Virreina hervor. So war dieser Ball in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. L ‘J mm TAMARA BARON, ZUR REINA GEWAEHLT_ Vortrag ueber M. Reinhardt Am Donnerstag, den 19. November, fand im Rahmen einer Kulturveranstaltung der gut besuchte Vortrag von Herrn Guenther Mosse ueber den vor zehn Jahren verstorbenen grossen Regisseur Max Reinhardt statt. Der Vortragende verstand es ausgezeichnet, seinen aufmerksam lauschenden Zuhoerern ein lebendiges Bild vom Leben und Schaffen dieses grossen Magiers der deutschen Buehne zu vermitteln. Der Vortrag der viele persoenliche Erinnerungen wiedergab, legte u. a. auch die Betonung auf die Tatsache, dass der beruehmte und allseitig verehrte Kuenstler immer die Treue seinem Judentum bewahrte. Ueber die Wiederautmachunk Am 1. Oktober d. J. ist das schon lange erwartete Bundesentschaedigunsgesetz in Kraft getreten. Es bringt vor allem den aus der britischen Zone Ausgewanderten im gleichen Umfange Geldentschaedigungsansprueche wie sie schon in der amerikanischen, franzoesischen Zone und im Westsektor Berlins bestanden. Es berueck. sichtigt auch die aus Schlesien, Pommern und dem suedlichen Teile Ostpreussens (soweit er unter polnischer Verwaltung steht) Ausgewanderten, wenn auch in weit beschraenkterem Umfange. Es schliesst jedoch von jeder Entschaedigung die aus, die aus der jetzigen russischen Zone ausgewandert sind und vertroestet sie auf die ungewisse Zukunft einer etwaigen Wiedervereinigung der beiden Teile' Deutschlands, Das Gesetz gibt Entschaedigung fuer Verlust an Eigentum und Vermoegen, wobei Schaeden, die durch Zerstoerung, Beschaedigung oder Pluenderung entstanden sind, ausdruecklich als er. satzpflichtig anerkannt werden mit der Besonderheit, dass bei Hausratsschaden an Stelle der Entschaedigung ein Pauschalbetrag bis zu 5,000 D. bewilligt werden kann. Ersetzt werden ferner alle Sonderabgaben: J u d e n - u. Auswandererabgabe, Trans, ferschaden, Umzugssteuer und DE LA COLECTIVIDAD ISRAELITA \ "flafafUtM *de faütabax/#, '1 CASILLA 884 --VALPARAISO / Gedenkstunde Am Sonntag, den 15. November veranstaltete die Comunidad Israelita “Habonim”, Valparaiso, eine Gedenkfeier aus Anlass des 9. November, die mit einem Gedenken an das kuerzlich verstorbene Ehrenmitglied der Gemeinde Adolf Boehm verbunden wurde. Nach der Eroeffnung der Feier durch Rezitation eines Psalms von Herrn Josef Tichauer nahm Herr Rabbiner Loewenstein das Wort, um jener Ereignisse in den Tagen des 9. November zu gedenken, in denen wir die Zerstoerung alles dessen miterlebt haben, was in jahrhundertelangem Aufbau mit Liebe und Hingabe durch Juden in Deutschland geschafften worden ist. Der Sinn einer solchen Gedenkfeier ist nicht Wunden aufzureissen, sondern Illusionen, die sich neu gebildet haben, zu zerstoeren und in der Zeit, in der wir leben, den Puls zu fuehlen. Es ist zu schnell ueber jene Ereignisse Gras gewachsen und die Menschheit ist im Begriff all das Furchtbare, was in den Jahre 1933- 1945 ueber uns gekommen ist, zu vergessen. Die Traegheit des Geistes und die Traegheit des Herzens sind auch fuer die juedische Gern pinschaft drohende Gefahren. Darum ist es kein Zufall, dass diese Feier mit dem Gedenken an Adolf Boehm verknuepft worden ist, der nicht nur zum Aufbau der Comunidad Israelita “Habonlm” wesentlich beigetragen hat, sondern auch ihr staendiger Mahner im Geiste der spezifisch deutschjuedischen Tra.iition gewesen ist. In seinem Pflichtbewusst, sein, das ihn erfuellte, litt er unter der Muedigkeit und Indifferenz, die die Krankheit des juedischen Lebens im gegenwaertigen Moment ist. Adolf Boehm ehren heisst mit Liebe und Hingabe das in unserem religioes nationalen Leben fortzusetzen, wofuer er nur zusammen mit einigen sein Leben eingesetzt hat. Herr Freund wuerdigte die menschlichen Qualitaeten des Verstorbenen, der sich vor allem durch Menschlichkeit und Gerechtigkeit ausgezeichnet habe. Im Aufträge der Gemeinde ■“Habonim” sprach Herr Manasse, der sei. ne Verdienste vor allem um die Aufrechterhaltung des Minj an wuerdigte und die Anwesenden aufrief, alle Kraefte fuer die Aufrechterhaltung des Minj an einzusetzen. Die Rezitation des Psalm 24, El mole rachamin und Kaddisch fuer die Maertyrer des juedischen Volkes schlossen diese wuerdige Feier ab, die sicherlich in den zahlreich anwesenden Gemeindemitgliedern noch lange nachklingen wird. Ln. Adolf Boehm Am 20. Oktober dieses Jah res ist das Ehrenmitglied unserer Gemeinde, Herr Adolf Boehm, nach kurzer Krankheit im Alter von 87 Jahren sanft entschlafen. Der Verstorbene war laengere Jahre Vorstandmitglied der Gemeinde, Mitglied und spaeter Vorsitzender des Kultusausschluases, sowie dauerndes Mitglied des Schlichtungsausschusses unserer Gemeinde. Dies sind jedoch nur die aeusseren Kennzeichen einer Taetägkeit, die in Wirklichkeit weit ueber den Rahmen einer Mitarbeit an den Gemeindeangelegenheiten hinausging Schon in Breslau war Adoli Boehm eine der aktivsten Persoenlichkeiten des dortigen juedischen Lebens. Sein ganzes Leben war humanitaeren Zielen geweiht. Mittelstandskuechen, Schuelerfruehstuecke, Witwen —und Waisenfuersorge, Kinderkolo, nien, die Gruendung des Adolf Boehm — Heims in Krummhuebel im Riesengebirge sind nur einige Beispiele eines Lebens das ganz;aul die Fuersorge des Naechsten gerichtet wtar, ohne Ruecksicht ob es sich um Juden oder Nichtjuden handelte. Man kann sagen, dass Adolf Boehm in Deutschland der Innbegriff des liberalen Judentums in seiner besten Bedeutung war. Als der grosse Umschwung kam, ging Herr Boehm mit seiner Familie nach Chile, wo er im Januar des Jahres 1940 ankam. Er war damals ein Mann von 72 Jahren. Man haette es verstehen koennen. wenn er den Rest seines Lebens in Enttaeuschung und Verbitterung verbracht haette. Nicht so sehr wegen des Verlustes materieller Gueter, Reichsfluchtsteuer, alle im Verhaeltnis von 10 R. M. zu 2 D. M., den .aus den obengenannten Ostgebieten Ausgewanderten jedoch nur im Verhaeltnis von 100 R. M. zu 6.50 D. M. Auch Schaeden im wirtschaftlichem oder beruflichem Fortkommen durch Verlust des Berufes oder Anstellung werden ersetzt und fuer eine unterbrochene und nicht nachgeholte Ausbildung kann an Stelle der Entschaedigung ein einmaliger Pauschalbetrag bis zu 5,000. D. M. gefordert werden. Zum ersten Male in. der Wiedergutma. chung wird dem ueber 60 Jahre alten Berechtigten ein Anspruch auf bevorzugte Befriedigung gewaehrt. KZ-Haft wird fuer jeden vollen Monat mit 150 D. M. entschaedigt, auch wenn im Ausland erlitten. Gleichgestellt sind Gefaengnis-und Zuchthausstrafen, die auf Grund nationalsozialistischer Gesetze verhaengt wurden, z. B. wegen Rassenschande, doch muessen die Verurteilungen zuerst im Wiederaufnahmeverfahren aufgehoben werden. Schliesslich wird auch Schaden an Koerper und Gesundheit ersetzt, soweit er auf Verfolgung beruht. Ist in einem solchen Fall der Tod eingetreten, so steht den Hin. terbliebenen in gewissen Faellen ein Anspruch auf Entschaedigung zu. Die Anmeldung hat auf besonderen Formularen bis 1.10.55 zu erfolgen. Fuer die zeitliche Erledigung ist das Eingangsdatum der Anmeldung massgebend. Dr. G. F. 1 Jeden Freitag abend um 19 Uhr. Jeden Samstag vormittag um 9 1J4 Uhr. Ausserdem an Jahrzeiten. Diese Daten muessen jedoch rechtzeitig an die Casilla 984 mitgeteilt werden. Verkuendung des Neumondes: Samstag, den 2, Januar 1954: SCHWAT. Neumondstag: Dientag, den 5. Januar, Wizo - Gruppe Leider war der Spielabend, der am 29. Oktober in der Residencial von Geldern stattfand, nur schwach besucht, worueber die freundlichen Stifterinnen, Frau Lilly Strauss, Frau Ketty Kahn und Frau Herta Marcus, mit Recht enttaeuscht waren. Die Herren schienen isich diesmal verschworen zu haben, die Wizo zu meiden, was ganz unverstaendlich ist, nachdem sie immer so nett aufgenommen worden sind. Um so mehr setzten die Anwesenden ihren Stolz darein, ein gutes pekuniaeres Ergebnis zu erzielen, was ihnen auch gelang. Frau von Geldern und Frau Duering hatten eine schmackhaf. te Torte in Form eines Hasen gestiftet, die verlost wurde. Wir werden den Herren wieder Gelegenheit geben, an einer Veranstaltung der Wizo teilzunehmen, und hoffen, dass sie sich dann in Scharen draengen werden, um alles wieder gutzumachen. Sie soll, ten sich darueber klar sein", dass ihnen, wenn sie nicht zu unseren Veranstaltungen kommen, die Gelegenheit entgeht, einen angenehmen Abend zu verleben und dabei etwas Gutes fuer Israel zu tun. die ihn niemals sehr interessiert haben, als vielmehr der Verlust seiner Ideale, der Idee der selbstlosen Hilfe und der Verbreitung juedischer Werte, wie es der Liberalismus der damaligen Zeit auffasste. Adolf Boehm arbeitete vom ersten Tag in der damals kleinen Gemeinde Habonim unermuedlich mit, zunaechst so wie er es gewohnt war. Aber die Erfahrung des deutschen Judentums hat zu einer fruchtbaren Wandlung gefuehrt. Aus dem Widerstreit zwischen dem alten Denken des blossen Wohltuns uhd der Idee des politisch t a e t i gen Zionismus wuchs in Adolf Boehm die Synthese einer neuen Auffassung, die der nationalen Richtung Rechnung trug, ohne die Werte der Menschlich, ifceit zu vergessen. Diese Wandlung im reifen Alter, dieses! Hinauf steigen auf eine hoehere Ebene erscheint uns das grosse Merkmal des Menschen Adolf Boehm und gleichzeitig als die Hinterlassenschaft, die fuer uns stets das grosse Vorbild eines Wahrhaft bedeutenden-Menschen sein wird, dessen Andenken nicht vergessen werden wird. J. A.

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