Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 10 (Octubre, 1953)
- Date
- 1953-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 7 Festausklang “Und am 8. Tage entliess der Koenig Salomon das Volk, und dieses segnete ihn. Sie gingen heim in ihre Wohnstaetten, zufriedenen und frohen Herzens, dankerfuellt von all dem Guten, das der Ewige erwiesen seinem Diener David und seinem Volke Israel”. (1. Buch der “Koenige” 8.66) Diese Worte aus der Haftarah des Schlussfestes vermitteln die einzigartige Stirn, mung jener grossen Sukkot- Festversammlung, die einmal anlaesslich der Einweihung des Salomonischen Tempels zu Jeruschalajim staatgefun. den hatte. Etwas hiervon sollten wir auf unsere Tage zu uebertragen versuchen. Abermals ist die Festeskette, des Monats Tischri abgeschlossen, doch waehrend in unseren frueheren Wohnlaendern unmittelbar nach Sehe, mini . Azeret und Simchat- Thora die Winterarbeit begann, die Lehrhaeuser ihre Pforten wiederoeffneten und das juedische Kultur-und Gemeindeleben sich auf die Tae. tigkeit in der festlosen, in der Winter Jahreshaelfte einrichtete, pflegt auf diesem Kontinent die juedische Aktivitaet nachzulassen, um erst am Ende des Sommers, nach Purim bezw. Pessach, wie. der einzusetzen. Doch unsere Menschen sollten begrei. fen. dass die Schlussfeiertage keinen Abschluss bringen duerften in unserer juediseben Arbeit, weder, was Israel betrifft noch hinsichtlich der vielfachen Aspektedie das juedische Leben der Diaspora aufweist. Dankerfuellt von all dem Guten, wie es das zitierte Schriftwort ausdrueckt,, gluecklich darüber, die vorangegangenen Feiertage im Sinne der Ueberlieferung, vereint in den Familien, begangen zu haben, muessten wir die Stimmung dieser Wochen auf uns nachwirken lassen, sie in Ge. danken und Gemuet zu bewahren uns bemuehen. Die Tatsache, dass in diesem Jahre. Neujahr, Sukkot und das Schlussfest keinen eigentlichen Feiertagsausgang kennen sondern am Freitag abend in den Schabbat uebergghen. sollten wir als Symbol dafuer ansehen, dass wir unsere jue. dische Betaetigung nicht auf Festwochen begrenzen duerfen, sondern sie Woche um Woche erneuern muessten. Der sich staendig wiederholende Ruhetag, der Schabbat, der ja nicht bloss ein koerperliches Rasten verlangt, vielmehr ein seelisches Inne. halten bedeutet, bedarf der Zurueckeroberung durch uns all6> vor allem durch unsere Jugend, die sich mehr seelisch, geistig mit dem Neuen, das in Israel entsteht, verbinden will. Der neu zu gewinnende Schabat kann das gesamte juedische Leben segensreich beeinflussen. Unsere Weisen haben fuer das Sukkotfest die Lektuere der philosophischen Schrift festgelegt, die von der Tradition dem Koenige Salomoh zugeschrieben und als “Kohelet” (“Der Prediger”), bezeichnet wird. Dieses beruehmte Buch, dessen pessi. mistischer Grundton Zweifel darueber entstehen liess, ob es in die Reihe der biblischen Buecher aufgenommen werden solle, enthaelt viel von dem, was unsere nach Wahrheit und Erkenntnis suchenden Menschen zu finden sich bemuehen. Die religioese Orundstimmung des Autors siegt aber zuletzt ueber alle Zweifel an der Gerechtigkeit in der Welt und am Guten im menschlichen Charakter. Seine tiefe Lebensweisheit triumphiert schliesslich ue. ber diejenigen Gruebler und Zweifler, die nur das Leid, das Unrecht und die rohe Gewalt als die das Dasein beherrschenden Kraefte betrachten Und es ist besonders ein Wort. da§ wir als Parole fuer unsere Zeitepoche auffassen und uns zu eigen m&chen sollten: “Alles hat seine Zeit, Geboren werden und Sterben, Pflanzen und Wiederausreis. sen, Weinen und Lachen, Vernichten und Aufbauen, Trau, ern und Jauchzen, Erwerben und Verschwenden, Schweigen und Reden, Krieg und Frieden”. Jetzt leben wir in einem Zeitabschnitte, da Wiederaufbauen, Heilen der Wunden und Sammelh der Zerstreüten von uns gefordert werden. ‘Der Weisheit letzter Schluss’, wie der Dichter es ausdrueckt, die taegliche Wiedereroberung des Lebens, die Neugestaltung der juedischen Existenz hier und in Israel, sie muessen einen maechtigen Auftrieb erfahren, wenn wir die Stimmung der Feste dieses Monats mithinausnehmen in den Alltag! CURT WILK (Buenos Aires) Wer ist wer? Die redaktionellen Vorbereitungen fuer eine der wichtigsten juedischen Publikationen der Nachkriegszeit, des “EUROPEAN JEWISH YEAR .BOOK” 1953-54, sind jetzt abgeschlossen. Das Jahrbuch, dessen Neuauflage wegen seiner internationalen Bedeutung nun in englischer Sprache erscheint, Wird jetzt in Frankfurt a. M., der Stadt grosser juedischer Tradition, hergestellt und kommt im August zur Auslieferung. Im “EURO¬ PEAN JEWISH YEAR BOOK” Wurde erstmalig das juedische Leben aller Parteien und Richtungen Europas Wie alljaehrlich laesst die “Asociación Amigos del Ke. rén Kayemeth Leisrael” in Buenos Aires eine von den Herren Werner Kroll, Juan Silber und Curt Wilk herausgegebene Sondernummer erscheinen, die in diesem Jahr .unter dem Motto: “5 Jahre Israel” steht. Ihr vielseitiger Inhalt und die ansprechende Ausstattung sind ein Zeugnis fuer die intensive Arbeit, die . die Abteilung central euro. paeischer Juden des K. K. L. in Buenos Aires fuer unseren Nationalfond leistet. Aus den interessanten Beitraegen koennen wir leider nur auf einige wenige hin weisen. So schreiben, Dr. Juan Klepeter adressbuchmaessig in einem Band von 500 Seiten zusammengefasst.' Dazu wurden in muehevoller Kleinarbeit Auskünfte aus 23 Laendern zusammengetragen, die eine genaue Uebersicht ueber die Taetigkeit und Bedeutung der verschiedenen juedischen Organisationen aus dem Kul. tur—, Politik — und Wirtschaftsleben ergeben. Insgesamt umfasst das Werk ein Anschriftenmaterial von ueber 2,500 Organisationen aus 950 Staedten. Hierzu kommien noch die fNamen und Adressen der leitenden Mitarbeiter. Um diese Angaben zu erhalten, wurden mehr als 20,000 Fragebögen in vielen Sprachen verschickt. Ein Sonderteil “A JEWISH WHO’S WHO” gibt Auskunft ueber mehr als 600 fuehrende Persoenlichkeiten aus der ganzen Welt. Der ebenfalls beigegebene Juedische Vergleichskalender fuer die Jahre 1953/54 ermoeglicht es, juedische Feste und Gedenktage fuer diesen Zeitraum festzulegen. Im redaktionellen Teil schrieben bekannte Fachleute ueber alle wichtigen Fragen des Judentums und Israels, darunter: Dr. Walter Eytan, Tel-Aviv; Generaldirektor am Israelitischen Aussenministerium; Professor Dr. Franz Boehm, Frankfurt a. M.; Kurt R. Grossmann, New York; Peter N. Levinson, Rabbine'r von Berlin; Professor Dr. Hugo Valentin, Uppsala;. Pinches Weiner, Kopenhagen u. a. m.; 50 Bilder auf Tafeln unterstreichen die Ausführungen der' Alutoren. Ein ausführlicher Israel teil gibt —unterstuetzt durch zahlreiche Statistiken, Bilder und Tabellen— Auskunft ueber den Staatsaufbau, Land, Volk und Wirtschaft. Weitere grundsaetzliche, Aufsaetze berichten ueber die wirtschaftliche und politische Seite des Haager Wiedergutmachungsabkommens. Fragen des Zahlungsverkehrs aus und mit Deutschland, das Funktionieren und die Zusammensetzung grosser juedischer Organisationen usw. Das EUROPEAN JEWISH YEAR BOOK bringt so seinen Lesern in engen Kontakt mit den geistigen und wirtschaftlichen Stroemun. gen der juedischen Welt und Israels und leistet so seinen Beitrag zur allegemeinen Verstaendigung. ueber die “Krisis in Israel und im juedischen Leben Argentiniens”, Rabbiner H. Harf ueber Martin Buber, Curt Wilk ueber “Israel und die juedische Welt” und ueber Leo Baeck’s Werk “Das Wesen des Judentums”, Adolf Krojanker “Marannen in La. tein-America”, Dr. H. Weyl ueber “Im Wandel der Jahrtausende”, Rabbiner E. Loewenstein ueber: “Die religioese Krisis unserer Zeit” und Hans Kaufmann, Santiago, ueber “Chajim Weizmann”, Hardy Swarsensky ueber “Staat und Volk” u. ä„ Wir hoffen, dass unsere Freunde in Buenos Aires auch in Zukunf an der Klae- TOR DER... (Schluss) Landes erlebt, dann weiss man, dass dies eine der schoensten Aussichten ist, die es je einem Menschen zu erleben vergoennt war. Wer das Galil nicht bluehen gesehen hat, wer nie durch Nazareth .gewandert, wer nicht Sfad, das Ziel der Maler erlebt hat, der weiss nichts von der Schoenheit Jisraels. Sie bauen weiter, sie planzen. weiter, aber alles ist von ihrem Geist erfuellt. Man braucht nur den Park in Nathanya zu sehen, das kleine Amphitheater zu bewundern, und man ist sicher, dass Jisrael kulturveredelnd wirkt. Aber ueberall sind es die Kinder, die uns glaeubig machen. Es sind Kinder, die in der Freiheit aufgewachsen und die die Freiheit der Welt wiederschenken wollen. Ihre Augen frohlocken, und ihr Spiel ist von Freude erfuellt. Es gibt keine Klassenunterschiede in Jisrael, und die Meisten dulden keine Vorurteile. Als mein Freund Willy mich zu den norwegischen Haeusern fahren wollte, da sagte ihm eine Frau: “Wa. rum wollen Sie einem Touristen ausgerechnet diese Menschen zeigen? Es sind Analphabeten u. sie haben kaum Kultur”. Die Haeuser standen im Licht und hielten Mittagsschlaf. Alles war still. Wir fragten einen blon. den Mann in mittleren Jahren. Er sah aus wie ein Weiser, aber er war der Lehrer des Dorfes. Er hatte sein Haus in der fruchtbarsten Gegend des Landes verlassen, um dem Ruf Folge zu leisten, den Alten hier ein Betreuer und den Kindern ein Erzieher zu werden. Er sagte: “Die Kinder hier gehoeren mit zu den begabtesten, die wir haben. Sie siiid gute Kameraden und man kann das Beste aus ihnen herausholen. Isaak, der Gerettete fuegt sich auch gut den anderen ein, aber man soll ihn nicht immer photo. graphieren; jedes Kind ist vor dem anderen gleich”. Die Gestalt dieses Lehrers wird mich nie verlassen. Sein Gesicht zeigt, dass er vom Lei. den weiss. Er ist einer der Menschen, die imstande sind, das Gute aus den Kindern herauszulieben. Mit Statistiken kann man alles beweisen, ohne dass man einen Ausweis fuer die fruchtbringenden Kraefte gebracht hat. Zahlen vermoegen zu imponieren, aber nur der Einzelne vermag zu ue. berzeugen. Die Zeit der kleinen Nationen hat begonnen, nur von ihnen aus kann die Welt umgeformt und veraen. dert werden. Denn es gilt nicht mehr, was man fordert: entscheidend ist nur, was man durch sein eigenes Beispiel lebt. Die Schwierigkeiten, mit denen die Menschen in Jis. rael zu kaempfen haben, sind ungeheuerlich. Aber ein Land, in dem einmal ein Wunder geschehen ist, wird rung der grundlegenden Fragen, die die juedische Welt bewegen, Weiterarbeiten werden, um auf diese Weise mitzuhelfen die geistige Krisis der zionistischen Bewegung zu ueberwinden. Darueber hinaus wuenschen wir dem Centraleuropaeischen Comité des K. K. L. in seiner Arbeit fuer unseren Nationalfond viel Erfolg und glauben, dass auch diese Revista dazu beitragen wird. immer neue Wunder hervorbringen. Auf Wunder darf man aber nicht warten, sie sind nur durch Hingabe, durch Arbeit, durch Aufopferung und Leistungen zu erreichen. Die Maenner arbeiten hart, aber den Frauen "muesste man doppelt so viele Haende wuenschen. Noch stehen die Auffangslager, noch sieht man die Not. Man ist betroffen, wenn die jungen Menschen auf den Fahr. raedern uns zurufen: “Wir ¡sind arbeitslos!” Ueberall warten neue Probleme neue Schwierigkeiten. Erst gilt es, die Stunde zu bestehen, um fuer den Tag ausgeruestet zu sein. In Jerusalem, in den kleinen Raeumen der Universitaetsbibliothek sitzen junge Menschen eng beisammen und studieren. Wer den Ernst und die Verantwortung in ihren Gesichtern erlebt hat, wer sieht, wie sie mit den aeusseren Schwierigkeiten fertig werden, ist auch davon ueberzeugt, dass hier etwas Neues erwaechst. Ergriffen steht man vor den philosophischen Schriften, wo man von Aristoteles bis Kant alles uebersetzt findet. Die Studenten haben das grosse Glueck, dass es bedeutende Humanisten unserer Zeit sind, die ihre Lehrer wurden. Eine kurze Begegnung mit Professor Ernst Simon bestaetigt die Wirklichkeit der unsichtbaren Kraefte, die alle grossen Erzieher besitzen —die Kraefte, die im Streit ausgleichen und im Geiste versoehnen wollen. Von Ernst Simon fuehrt der Weg direkt zu Martin Buber. Er hat nicht nur den Schatz der Vergangenheit fuer die Gegenwart erneut. Er hat durch sein Denken u. durch seine Tat, die erst jetzt zur Weltwirkung gelangt, die unsichtbaren Bruecken gebaut, die eine Versoehnung der Konfessionen ermoeglicht. Wer das Glueck hat, diesem grossen Weisen mit dem einzigartigen Prophetengesicht zu danken, der ist sicher, dass seine Schueler nicht nur Fortsetzer seiner Lehre, sondern auch Propheten fuer das Gute und die grosse Versoehnung werden muessen. Nur mit Demut vermag man das Gute zu erreichen, nur durch das Beispiel vermag man es zu beweisen und durch die Liebe weiterzuschenkdn. D i e Lehre Martin Bubers ist ein Neubeginn. Alles was ein Land an Schaetzen bringt, heben die Dichter durch ihre Sprache. Aus Jisrael brachte ich die Rohuebersetzung von “Tagebuch aus dem Galil” von Sh. Schalom nach Hause mit. In Amsterdam sassen wir in einem kleinem Café, der Verleger aus Frankreich, der Verleger aus Holland und der bedeutende Dichter A. Den Doolard. Ich zog das Manuskript aus der Mappe; jede gelesene Seite wanderte weiter, Schon nach drei Seiten sagte der Hollaender — “Das ist ein Saenger wie Exupéry!” Und der Franzose meinte, “Er ist mit Giono verwandt”. Aber A. Den Doo. lard brachte alle, zum Schweigen. Er las einige Saetze aus dem Manuskript vor mit der Begeisterung und Inbrunst, die nur ein Dichter besitzt. “Kinder”, sagte er — “das ist die alte und die neue Bibel, das ist die Stimme aus Jisrael!” Und er setzte hinzu: "Schalom!”. ZWEI VEROEFFENTLICHUNGEN Die Association of Jewish Refugees in Great Bri. tain, 8 Fairfax Mansions, London N. W. 3, hat eine Sonderveroeffentlichung ueber das neue Bundesentschaedigungsgesetz herausgegeben. Diese Sonderveroeffentlichung enthaelt eine erlaeutemde. Darstellung dieses Gesetzes. Die Schrift ist zum Preise von engl. SH. l/.direkt durch die obengenannte Stelle zu beziehen.