Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1953)
- Date
- 1953-09-01
- Page
- Seite 19 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre, 1958 “BOLETIN INFORMATIVO” 19 f Maedchen in Uniform Die Massenversammlung am Schaare-Chessed Platz in Jerusalem war geeignet* den Eindruck zu erwecken, dass das juedische Volk eine Tragoedie groessten Ausmasses betroffen habe: etwa 10,000 Menschen hatten sich dort versammelt, beteten mit rotverweinten Augen, bliesen ins Schofarhorn und schrieen Lieber auf den Scheiterhaufen als dies!” Was war geschehen? War das Mittelalter erneut hereingebrochen? Mit drohender Verfolgung, Austreibung, Schaendung und Mord? Wir wollen den Leser beruhigen: das Mittelalter war zwar gegenwaertig —aber nur in den Koepfen der Demonstranten; der drohende “Verfolger" war der Staat Is. rael, der “Schaender” seine Armee! Der Sturm war wegen des Dienstpflichtgesetzes fuer Maedchen entstanden. Ben - Gurion hatte ursprünglich alle orthodoxen Maedchen vom Militaerdienst befreit, musste hierin aber eine Abaenderung schaffen, als ein Drittel der zum Dienst Aufgerufenen ploetzlich in sich eine religioese Ader zu verspueren meinte. Nach dem neuen Gesetzentwurf sollten die aus thoratreuen Haeusern kommenden Maed. chen in ihrem Dienst jahr auf dem Land, in Krankenhaeusern und in Immigrationslae. gern eingesetzt werden. Man wuerde sie nicht zum Tragen der “maennlichen” Uniform zwingen, wuerde sie ueber Nacht ins Elternhaus zu. rueckkehren lassen und keinem Vorgesetzten oder dem Verteidigungsminister unter, stellen sondern unter der Aufsicht Frau Golda Mayersons, des Arbeitsministers be_ lassen. Zwei Minister des religioesem Blocks wie auch Israels Oberrabbiner Herzog waren von dem Entgegen kommen der Regierung befriedigt und mit dem Gesetzvorschlag einverstanden. Jedoch in jedem Land gibt es Menschen, die paepst—, Ver. zeihung, die rabbinischer sind als der Oberrabbiner und so stellte sich bald heraus, dass man die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte, naemlich ohne jene bemitleidenswerten Fanatiker, die sich an dem grossen Gottesgeschenk unsere Tage, dem Staat Israel. versuendigen, indem sie seine Existenz beklagen, an seinem Gruendungstag fasten und seinen Anweisungen züwiderhandeln. Sie versuchten jetzt, die Massen auf ihre Seite zu bekommen, um zu verhindern, wie sie sagen, dass “die Toechter Israels zwangsweise in anruechige Haeuser gesteckt werden (!) ”, Die Knesset liess sich von Hetze und Drohung nicht beeinflussen: Mit 59 Stimmen (Allgem. Zionisten, Mapai, Mapam und Progressive), und 8 Stimmenthaltungen (Misrachi, Arbeitermisrachi und Cherut), wurde das Gesetz angenommen. 6 Vertreter stimmten dagegen: Kommu. nisten und Agudat Jisrael, Arm in Arm— ist das kein erhebendes Bild?! Weltkongress tagt Die internationalen juedi. sehen Tagungen spiegeln in einem hohen Mass das grosse Weltgeschehen wider, registrieren doch gerade die kleinen juedischen Minderheiten, wo immer sie sich befinden, jede Aenderung und Erschuet terung in ihrer Umwelt mit besonderer Empfindlichkeit. Das gilt auch fuer die Plenarversammlung, zu der der juedische Weltkongress als Repraesentant juedischer Gemeinschaften in mehr als 60 Laendern am Anfang August im ehemaligen Voelkerbunds. gebaeude in Genf zusammen getreten ist. Es galt schon fuer seine beiden Vorgaengerinnen. Die Gruendungskonferenz, die im Jahr 1936 in den gleichen Raeumen in Genf durchgefuehrt wurde, stand im Zeichen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und setzte sich das Ziel, die juedischen Abwehrkraefte z u mobilisieren. Die zweite Plenarversammlung des Juedischen Weltkongresses, die im Sommer 1948 in Montreux stattfand, hatte die traurige Bilanz des Ausrottungsfeldzuges zu ziehen, den das nationalsozialistische Deutschland gegen die europaeisebe Judenheit gefuehrt hatte. Sie verharrte jedoch nicht ln fruchtloser Klage und Resignation, sondern wandte ihr Augenmerk dem Wiederauf, bau der zerstoerten sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Positionen zu. An den Beratungen in Montreux hatten auch die Vertreter juedischer Gemein schäften aus den Ostblockstaaten teilgenommen. Ueber weltanschauliche Differenzierungen hinweg war an jener Tagung das gemeinsame Fuehlen und Wollen besonders eindruecklich in der Genugtuung ueber die Errichtung des juedischen Staates zum Ausdruck gekommen. Dieses freudige Empfinden konnten auch die Delegierten aus Osteuropa ungehindert i n Worte kleiden, da die Regierungen der Ostblockstaaten damals der zionistischen Sache freundlich gesinnt waren und einen Teil des Verdienstes an der Gruendung de* Staates Israel fuer sich in Anspruch nahmen An dieser dritten Plenar Versammlung des Juedischen Weltkongresses waren die juedischen Gemeinschaften aus Osteuropa —Jugoslawien ausgenommen— nicht vertreten Die in Moskau erhobenen Anschuldigungen gegen die Zionistische Weltorganisation und den juedischen Staat eruebrigen eine eingehendere Antwort auf die Frage nach dem Grund dieses Fernbleibens. Der “neue politische Kurs”, den die Nachfolger Stalins eingeschlagen haben, hat sich zwar auch in der Rehabilitierung der juedischen Aerzte und in der Wiederaufnahme normaler Beziehungen zwischen Russland und Israel ausgewirkt. Aber trotz dieser fuehlbaren Entspannung hatte sich der Juedische Weltkongress an der keineswegs geklaerten Situa. tion der von der uebrigen j uedischen Welt so gut w i e voellig abgeschnittenen Juden in den Laendern des Ostblocks zu befassen. Ferner behandelte der Kongress die Lage der Juden in den arabischen Laendern und in Suedamerika, wo sich mancherorts eine wachsende Animositaet gegen die Einwanderer aus Osteuropa, vor allem die Juden, bemerkbar macht. Der Juedische Welt kongress steht auch vor der Tatsache, dass vielerorts die antisemitischen K r a e f t e. durch die Uneinigkeit der grossen Maechte beguenstigt, sich wieder regen und auf der internationalen Ebene neu gruppieren. Dieser Entwicklung sucht der Weltkongress vor allem durch die aktive Teinahme an allen Bestrebungen entgegenzuwirken, die sich die Bekaempfung und Ueberwindung von Vorurteilen und Hass unter den Rassen und Voelkern zum Ziel setzen. Er hat wertvolle Beitraege geleistet bei der Ausarbeitung grundlegender Deklarationen wie der ueber die Menschenrechte oder der Genocid-Konvention, der Rotkreuzkonventienen zum Schutz der Zivilbevoelkerung in Kriegszeiten, in der Formulierung der Bestimmungen gegen rassische und religioese Diskriminierung und zum Schutz der Minderheiten im Entwurf zu einer Konvention der Menschenrechte. Die Tagung nahm in einer besonderen Sitzung Stellung zur Frage, welche Rolle in all diesen Taetigkeiten dem juedischen Staat zukommt und wie die Kompetenzen zu verteilen sind. Die Regierung von Israel beansprucht zwar das Recht fuer sich, ihr politisches und moralisches Gewicht in die Waagschale zu werfen, wenn irgendwo in der Welt Juden als Juden verfolgt werden, sie beschraenkt sich aber im uebrigen aus Gruenden des Voelkerrechts darauf, ueber das Wohlergehen und die Sicherheit der eigenen Staatsbuerger zu wachen. Es entzieht sich ihr somit der grosse Raum, innerhalb dessen die ausserhalb Israels le. benden Juden ihre gemeinsamen Interssen wahrzunneh. men haben. Hier erblickt der Juedische Weltkongress, sein eigentliches Taetigkeitsgebiet Kann er dieses im harmonischen Einverstaendnis mit Israels Regierung verwalten, so ist ihm der Dank der Judenheit gewiss. ie Als Minister Mosche Sharett vor einigen Wochen die Verlegung seines Aussenministe. riums nach Jerusalem ankuendigte, hatte er gehofft, dass die diplomatischen Vertreter der in Israel akkreditierten Laender ihm nachfolgen wuerden. Die Grossmaechte haetten dann eine guenstige Gelegenheit zur defacto Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ausgenutzt. Denn dass Jerusalem mit einem juedischen Staat verbunden sein muss, weiss jeder, der einen auch nur oberflaechlichen Blick ins Geschichtsbuch, in die Bibel oder auf die Landkarte geworfen hat. (Zu einer internationalen Aufsicht ueber die Heiligen Staetten ist die Israel-Regierung ja gern bereit!) Gerade bei den Angelsachsen, denen man ja kei. ne Unkenntnis auf diesem Gebiet vorwerfen kann, muesste also ueber die moralische Seite der Jerusalemer Frage absolute Klarheit bestehen. Doch da ihre Realpolitik darauf basiert, den sproeden Arabern den Hof zu machen, beschlossen ihre Gesandten, weiterhin in Tel Aviv zu bleiben. Damit war das Zeichen fuer das gesamte Diplomatische Chor gegeben: man blieb in Tel-Aviv und wenn Scharett den auslaendischen Regierungen eine Mitteilung machen wollte, musste er den Umweg ueber seine Diplomaten in den fremden Laendern machen. Wie jedoch bei jenem Kinderspiel, blieb auch bei diesem der von den Diplomaten freigelassene Stuhl nicht lange unbesetzt: Die Jordanier, ermutigt durch das uebervor. sichtige Vorgehen der westlichen Diplomatie, verpackten ihr Kabinett in ein Flugzeug und brachten es nach Jerusalem. “Von heute ah”, “erklaerten sie”, “ist Jerusalem neben Amman unsere zweite Haupt, stadt”. Die Jerusalemer Streifrage, die sich langsam einer natürlichen Loesung zu naehern schien, hat sich damit erneut zugespitzt. Refrain: Das hat mit ihrem Singen, die Diplomatie getan. Das man bei der Beurteilung von aegyptischer Innen —und Aussenpolitik vor grossen Schwierigkeiten und vielen Raetseln steht, wird auch dem Kurzsichtigsten klar. Er kann nur hoffen, dass ihn die Sphinx, wenn er auch ih. re Raetsel nicht zu loesen vermag, doch nicht verspeisen wird). Gerechterweise ist er geneigt festzustellen, dass es bei der herrschenden Offiziers clique doch nicht nur Machthunger war, was sie zur Rebellion trieb, sondern ein ehrliches Bestreben, die Lage im Land zu bessern; doch muss ihn dann wieder die Tatsache skeptisch stimmen, dass Naguib so ueberaus gute Beziehungen mit einem gewissen Ahmed Abboud, Aegyptens groessten Kapitalisten, Kriegs gewinnler und Steuerhinterzieher, unterhaelt. Die gegen diesen angestrengten Prozes. se, bisher vom Wafd unterbunden, bleiben weiter unerledigt. Aehnlich Widerspruchs voll erweist sich die Aussenpolitik: gibt es da manchmal Toene, die von einer realistischen Beurteilung der Lage Zeugnis ablegen, so ist doch andrerseits Aegyptens sture Haltung in der Suez-Frage die unselige Fortsetzung vergangener Politik, der Bevoelkerung Chauvinismus statt Brot zu servieren. (England hat allerdings im letzten Monat auf diese Unnachgiebigkeit eine schlagende Antwort erteilt: einen 20—jaehrigen Vertrag mit Lybien, auch Mitglied der Arabischen Liga, ueber dort zu errichtende Waffendepots und Luftbase). Tragisch aber geradezu ist die verschiedene Einstellung der republikanischen Pharaone zu dem Fragenkomplex, der mit Judenheit und Israel zusammen haengt. Als haette man es mit einem doppelten Januskopf zu tun, gewahrt man bald ein laechelndes, bald ein hasserfuelltes Gesicht. Ausländskorrespondenten hab e n Unannehmlichkeiten, wenn sie Juden sind; eine Aufforderung, die hebraeische juedische Presse zu verbieten, wies General Naguib jedoch jetzt energisch zurueck. Der scharfe Ton gegen Israel steht weiter auf der Tagesordnung, doch liegt jetzt ein Zeugnis vor, nachdem der zweite Mann des Staates, General Nasser, ein sympathisches Interesse fuer die Entwicklung von Israel und z. B. seiner Kibbuzim bewiesen hat. Den oekonomischen Boykott gegen den Judenstaat erhaelt man weiter aufrecht, (Israels Delegierter protestierte deshalb gegen die Wahl des Aegypters in den Internationalen Getreideausschuss!) und doch konnte dieser Tage ein Vertrag zwischen Israel und Aegypten unterzeichnet werden, der eine Erleichterung fuer die nicht - belligerente Schiffsfahrt bedeutet. Diese krassen Temperaturunterschiede i n Launen und Aeusserungen der Beherrscher des Nillandes machen es schwer, die zukünftige Entwicklung voraus zu sagen. Der Weg zu einer Verstaendigung zwischen Israel und Aegypten scheint jedenfalls noch weit. BEN. -I