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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-08-01 · 8 (Agosto, 1953) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
8 (Agosto, 1953)
Date
1953-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-.gosto, 1953 BOLETIN INFORMATIVO /i - g/p¿e&e¿ r/ Russischer Tod Wie Ungarns neuer Starker Mann, Imre Nagi, offen erklaerte, waren es die Unruhen in Berlin, die ihn ueber die Gefahr eines schnell erzwungenen Aufbaus der Schwerindustrie belehrten. Er liess also diie Zwangskollektivisierung die Steigerung der Produktionsnormen, das systematische Senken des Lebensstandards abblasen und versprach demgegenueber, k u e n f t i g groessere Mengen an Gebrauchsguetern erzeugen zu lassen, die Ernten des Einzelbauern zu garantieren, die Uebergriffe der Buerokratie zu unterbinden. Als sichtbares Pfand dieser Aenderun. gen uebergab man den unzufriedenen Massen den bisherigen Premierminister Matyas Rakosi, den letzten Kommunisten juedischer Abstammung, der noch eine fuehren. de Steilung einnahm. Er wurde seines Amtes enthoben mit Bewaehrungsfrist. Rakosi, der 35 Jahre im Dienste seiner Partei, davon 15 Jahre im Gefaengnis, verbracht hat, und der einer der Vertrauten Stalins war, haette vielleicht gerne seinem ihn verdraengen Nachfolger die Frage Mephistos zugerufen: “Hast du vorm roten Wams nicht mehr Respekt?”, —doch liess er davon nichts merken, als er bei der letzten Parlaments-Sitzung laechelnd im Hinter, grund seinen Platz einnahm. Vielleicht erschien ihm das Spiel, zu dem gute Miene zu machen er sich redlich bemuehte, auch gar nicht so boese, wenn er an Beria dachte. .. In Moskau naemlich will man wieder einmal das arithmetische Problem, ein Triumvirat auf eine einkoempfige Diktatur zu reduzieren, dadurch loesen, dass man um die ueberflussigen Koepfe der Praetendenten die Schlinge legt. Der erste an der Reihe war Beria, der noch gestern allgewaltige Chef der Geheimpolizei. Dass dieser Cerbereus des roten Hades jetzt als “Soeldling auslaendischer Maechte”, “entlarvt”, wurde, der versucht habe “den Kapitalismus wieder einzufuehren”, nimmt keinen, der. an die absurde Wahllosigkeit der Moskauer Anklagen gewoehnt ist, Wunder; wir sind schon froh, dass er nicht bezichtigt wird, etwa vom Joint ein Lebensmittelpaket in Empfang genommen zu haben. Besorgnis erfuellt uns allerdings angesichts der Tatsache, dass es der im internen Machtkampf siegreiche Malenkov war, der seinerzeit den Schauprozess gegen die juedischen Aerzte inszenieren wollte, und dass es gerade Beria war, der diese Verhandlungen niederschlug. Wir moechten dennoch hoffen, dass wir nicht Zeugen einer zweiten Revision in der Aerzte - Affaire werden; den Zweien, ihres Amtes enthobenen, bleibt zu wuenschen ja nicht viel mehr uebrig. Sie werden den Weg vieler bolschewistischer Grossen antreten muessen: verhaftet, verleumdet, verurteilt. —verscharrt. Was man vermisste ln den USA trafen sich zum ersten Mal alle dort ansaessigen Anhaenger des mohammedanischen Glaubens. Die Tage des Treffens waren nicht nur dem gemeinsamen Gebet gewidmet und dem Vorfuehren alt - islamischer Taenze, sondern auch der Versicherung, dass man zwai keine Bekehrungen machen wolle, aber doch ueber die Religión einige Richtigstellungen und Aufklaerungen zu¡ geben wuensche. Der Islam, der von Moses ueber Jesús bis auf Mohamed alle Propheten anerkenne, sei als die wahre Religion der Liebe und der Versoehnlichkeit zu betrachten. .. Was jedoch bisher von dort aus noch nicht erfolgt ist die praktische versoehnen de Vermittlung zwischen Israel und den Araber-Staaten... In Johannesburg uebereichten Vertreter der nationalistischen Regierungs-Partei eine neu fertig gestellte Bibel-uebersetzung ins Burischen den Vertretern der juedischen Gemeinschaft. Sie dokumentierten damit, die Toleranz, ja, freundschaftlichen Gefuehle fuer das Volk der Bibel. Worueber nicht gesprochen wurde war, ob sich “der im Ebenbild Gottes geschaffene Mensch” auch im Neger wiederfaende... ln Jerusalem wurden Flugblaetter gegen Martin Buber und die Zuerkennung des Ehrendoktorats an ihn verteilt. Die “Gruppe fuer eine hebraeische Revolution”, unberufene Hueter der juedischen Ehre, hat den Kampf gegen den “Nabi Sheker”, den “falschen Propheten” Buber, aufgenommen, da ihr seine religionsphilosophischen Erklaerungen, seine f r i edensliebende Haltung in der Araberfrage und schliesslich seine positive Einstellung der deutschen Sprache und Kulturwerten gegenueber als verraeterisch erscheinen. Wir glauben nicht fehl zu gehen in der Annahme, dass es sich hier wieder einmal um Demonstrationen aus dem Hinterhalt derselben Elemente handelt, die vor genau zwanzig Jahren mit der Ermordung Chaim Arlosoroffs Ihre truebe Taetigkeit begannen, die sie dann mit Terrorakten und Bombenlegen fortsetzten ... Sie ueberhoeren Rabbi Jehoschuas Satz, dass “der Hass gegen Mitmenschen uns aus der Welt treibt”. In Lessings Ring - Parabel ueber die drei Religionen verlangt er von diesen “es eifre jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach”, womit alsdann die “Kraft des Steines anden Tag treten wuerde”. Es scheint, Gerade diese Zeit, wo sich; auch dem oberflaechlichsten | Beobachter erste Risse in der | totalen Fassade der Sowjet- 1 Pyramide zu zeigen beginnen, gibt deren Gegnern einzigartige Gelegenheit, die Iniciative im ideologischen Ringen zu ergreifen und die Fahne eines unvergewaltigten geistigen Strebens nach reiner Menschlichkeit zu errichten. Dass die Vereinigten Staaten zu dieser_ Fuehrerrolle sich ünfaehig erweisen,' erweckt' in einem die truebe Betrachtung, ob sie etwa wirklich ,nur die Geldsack-Demokratie sind,,als die sie von ihren Feinden dargestellt werden. Die ereignisreichen Wochen von Stalins Tod und Nachfolgestreit, von Berliner Aufstand und chinokoreanischer Nachgiebigkeit, von Be- und Entschuldigungen in Moskau benutzten die 'Nordamerikaner, auf denen die pruefenden Augen der wahrhaft um den Fortschritt bemuehten Menschen ruhten, dazu, die Rosenbergs hinzurichten, einen Chaplin von dem Land auszuschliessen, “gefaehrliche” Buecher oeffentlich zu verbrennen, und schliesslich auf die Intellektuellen eine Meute crypto-faschistischer Inquisitoren loszulassen, fuer die der im Volksmund gebraeuchliche Name, naemlich die “snoopers” (Schnueffler), noch viel zu gelinde ist. Wer geglaubt hatte, dass es Praesident"' Eisenhower gelingen wuerde, dass Land von der 'amerikanischen Krankheit des McCarthysmus zu befreien, muss heute e n ttaeuscht einsehen, dass dem nicht so ist; der Senator, dem Betraege von erzreaktionaeren Gruppen der Hochfinanz und Grossindustrie zufliessen, setzt seine marktschreierische Taetigkeit fort. Seine Untersuchungen sindboeswillige Intoleranz, seine Verhoere Erpressungen, sein Urteil Verleumdung. Wer sich gegen die brutale Methodik zu wehren, ja wer auch nur als Entlastungszeuge aufzutreten wagt, wird zum Volksfeind gestempelt. Ein Grossteil des Volkes, angewidert aber auch eingeschuechtert, hofft, dass wenn man den Kopf tief in den Sand stecke, der Kelch an einem voruebergehe. Andere (wie Thomas Mann!) beschlossen resigniert, dem hysterischem Treiben durch Verlassen des Landes zu entgehen. Nur Wenige wagen es, eine kaempferische Haltung gegen die unwuerdigen Untersuchungsmethoden einzunehmen; dass unter diesen der alte, weisshaarige Physiker und Nobelpreistraeger hervor ragt, der durch seine umwaelzenden Entdeckungen nicht wenig zu der Machtfuelle beigetragen hat, der sich Amerika, im Besitz der Atombomben er. dass die extremen Vertreter der drei Religionen diesen Beweis vor der Geschichte immer noch nicht angetreten haben. BEN I freut, darauf kann man stolz | sein und daraus Hoffnung : schoepfen. Albert Einstein ' vereint in sich zwei grossarti-! ge Qualitaeten, die wenig Menschen zusammen besitzen: einzigartige wissenschaftliche Leistungen mit unbeugsamen persoenlichem Mut. Selbst ein Opfer politischer und rassischer Verfolgung, hat Eintein immer wieder seine Stimme erhoben, wenn das Recht in Gefahr war, von der Macht gebeugt zu werden oder wenn die Freiheit der Kultur von den Maechten der Intoleranz zerstoert zu werden drohte. Jetzt hat er klipp und klar erklaert, auch er werde die Aussage verweilgern, falls er eine Vorladung vor einen der Senatsausschuesse erhalte, da “es fuer einen unbescholtenen Buerger herabsetzend ist, sich einer solchen Inquisition zu unterwerfen und dass die Untersuchungsmethoden den Geist der Verfassung verletzen”. Senator McCarty hat seinerseits nicht gezoegert, den greisen Gelehrten daraufhin einen Feind des amerikanschen Volkes zu nennen; er ist damit nach Hitler der zweite politisierende Kleinbuerger, der sich ein Urteil ueber Einstein anmasst, dessen Theorie auch nur in den Anfangsgruenden annaehernd zu erfassen, er bestimmt nicht faehig ist. Zu der Frage der Aussage Verweigerung aeusserte sich jedoch im vergangenen Monat ein anderer Weiser unserer Zeit aus England, Bertrand Rüssel, Philosoph und gleichfalls Nobelpreistraeger. Dieser, mit Einstein gleichdenkend, und seine Verehrung fuer ihn unterstreichend, vergleicht die Professoren und Lehrer, die sich zu diesem passiven Widerstand gegen eine Geistes - Inquisition ermannt haben, mit fruehchristlichen Märtyrern, die sich weigerten, dein Kaiser zu opfern. Wo sich die Leuchten der Wissenschaft bruederlich die Haende reichen, muessen da die Dunkelmaenner nicht entfliehen? IM AUGUST 1952 Das Urteil geges Phillip Auerbach wurde gefaellt. Es sprach ihn wegen einiger Vergehen schuldig. Waehrend der Verhandlung wurde von Tag zu Tag deutlicher, dass die Hauptanklagepunkte nicht aufrecht erhalten werden konnten. Der Prozessausgang stand somit in keinerlei Relation zu dem, was monatelang in Wort und Schrift emporgezuechtet worden war. Dennoch glaubte Auerbach als geschlagener Mann aus dem Prozess gegangen zu sein. In seinem lezten Brief, den wir nebenstehend reproduzieren, schreibt er „Nicht aus Feigheit, nicht aus einem Schuldbekenntnis heraus handle ich, sondern weil ein Glaube an das Recht fuer mich nicht mehr besteht, und ich meinen Freunden und meiner Familie nicht weiter zur Last fallen will. Ich bin unschuldig verurteilt im Falle Diekow und in den Faellen Jloenig - Ohnsorg. Auch im Fall Lehrer hat man mir Unrecht getan. Ich habe mich niemals persoenlich bereichert und kann dieses ent ehrende Urteil nicht weiter ertragen. Ich habe bis zuletzt gekaempft, es war umsonst! Ich danke meinen Verteidigern Dr. Panholzer und Rechtsanwalt K1 i b a n s k y. Mein Blut komme auf das Haupt der Meineidigen. Ix* f 44s < m jt gr * xm « e*-**. w JU., w —■ - '%««■ «i. AK*. •“***■•*Í.AA J* a* 4f Á * -4M»

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