Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 7 (Julio, 1953)
- Date
- 1953-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 5 NOT UND ZUVERSICHT (Zum 9. Ab 5713) Der kommende traditionelle Unheilstag der juedischen Geschichte, Tiseha b’aw, findet das juedische Volk in einer hoffnungsvollen Situation. Wohl ist die Lage Israels keineswegs sorgenfrei, weder in wirtschaftlicher noch in politisch - militaerischer Hinsicht, und wenn Juden sich anschicken, den 9. Aw der Ueberlieferung gemaess zu begehen, so werden sie in ihre Trauer die unlaengst als Opfer arabischer Ueberfaelle getoeteten juedischen Soldaten einschliessen. Doch der Wiederaufbau in der Diaspora, die Realisierung grosszuegiger (Projekte der Landentwicklung in Israel, das wachsende juedische Ansehen in der Umwelt, berechtigen zu absolutem Vertrauen in die Zukunft, sodass bisweiler die Meinung vertreten wird, der Gedenktag an die nationalen Katastrophen von einst habe in unserer Gegenwart seinen eigentlichen Sinn verloren. Mag diese Auffassung , im ersten Augenblick einen Kern von Berechtigung zu haben scheinen, so muss sie doch als grundfalsch zurueckgewiesen werden. In der juedischen Geschichte ist haeufig Vergangenheit zur Gegenwart und Gegenwart zur Vergangenheit geworden, mit anderen Worten tieisst dies, dass man im Geiste die Jahrhunderte ueberbrueckte und in den Gedanken und in dem Geschehen von frueher die eigenen Gedanken und das augenblickliche Geschehen erlebte. So weist Leo Baeck in einem seiner Buecher mit Recht darauf hin, dass unsere Ahnen wenn sie von der Vernichtung des ersten Tempels lasen, sich darueber klar waren, dass damit auch zugleich der Untergang des zweiten Tempels ge- D1 pttt* kS thtt#ebi 62,1 nw " L Dies sind die Worte des Propheten Jesaja, ueber Jerusalem: Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis dass ihre Gerechtigkeit auf gehe wie ein Glanz und ihr Heil entbrenne wie eine Fackel. (82.1). Zion muss durch Recht erloest werden und ihre Gefangenen durch Gerechtigkeit. (1, 27). O Jerusalem, ich will Waechter auf deine Mauern bestellen. Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei dem 'Arm seiner Macht: ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben, noch deinen Most, daran du gearbeitet hast, die Fremden trinken zu fassen; sondern die, so es einsammeln. sollens auch essen... (62, 6-10). meint sein konnte: “man hoerte von Nebukadnezar und dachtd gleichzeitig an Titus. Der Gelehrte fuehrt weiter aus, wie man von <hr Gewaltherrschaft der Roemer im juedischen Lande las und im Geiste die grausamen Judenverfolgungen im Mittelalter hiermit verglich. Und kommt man zur Neuzeit: Man liest von den Judenpogromen im zaristischen Russland und ueberdenkt zugleich die furchtbare Tragoedie, die mit dem Jahre 1933 begann und deren Auswirkungen noch auf Jahrzehnte spuerbar sein werden. Der grosse Prophet Je. remiah, dessen Klagelieder wir am Abend des 9. Aw in unseren Synagogen vernehmen, wurde eben nicht nur zum Propheten jener Epoche, die er beim Untergang des ersten juedischen Staates mit¬ Zerstoerung der Mauern .Jerusalems (Nachbildung) LEGENDEN R. Abba bar Kahana begann seine Deutung: “Im Kreis der Scherzenden |gesessen hab ich nie,| dass ich froehlich geworden waere, (unter deiner Hand| einsam hab ich gesessen” (Jer. 15, 17); Die Gemeinschaft Jisraels sprach vor dem Heiligen, gesegnet sei er: Meister der Welten, solange ich lebe, betrat ich nie die Theater und Zirkusse der Heiden, dass ich mit ihnen gespielt haette und “froehlich geworden Waere”. “Unter deiner Hand einsam hab ich gesessen”: mich traf die Hand Pharaos, und ich wurde nicht einsam, mich traf die Hand Sancheriws und ich wurde nicht einsam, doch als deine Hand mich traf, da wurde ich einsam! ‘“Wohl denn, (so hat ER gesprochen: |Kehrst du um,] dann lasse ichs fuer dich wiederkehren, vor meinem Antlitz sollst du stehn, j Brings du das Echte hervor; des Gemeinen entledig, j wie mein Mund sollst du werden” (v. 19). Die klagende Stimme R. Josse sagte: Einst ging ich des Weges und betrat eine der Ruinen Jerusalems, um dort zu beten. Da kam der Prophet Elijahu, sein Andenken zum Segen, und wartete am Einlass, bis ich mein Gebet beendet hatte. Als ich mein Gebet beendet hatte, sprach er zu mir: “Friede mit dir, mein Meister!” Ich antwortete ihm: “Friede mit dir, mein Meister und Lehrer!” Und er fragte mich: “Mein Sohn, welche Stimme hast du in der Ruine gehoert?” Ich antwortete ihm: “Eine himmlische Stimme habe ich gehoert, die wie eine Taube gurrte und sprach: ,Wehe, dass ich mein Haus zerstoert habe, meinen Tempel verbrannt und meine Kinder verbannt unter die Voelker!’ “Da sprach er zu mir: “Mein Sohn, bei deinem Leben und beim Leben deines Hauptes! Nicht in dieser Stunde allein spricht die Stimme so, sondern Tag um Tag dreimal spricht sie so; und mehr noch als das: in der Stunde da Jisrael in die Bethaeuser eintritt, betet und segnet ... ”, da schuettelt der Heilige, gesegnet sei er, sein Haupt und spricht: Was bleibt denn dem Vater der seine Kinder verbannt hat? Und wehe den Kindern, die vom Tisch ihres Vaters verstossen sind!!”. erlebte, sondern zum Ankuendiger des Unglueckes einer jeden Zeit, die folgte. Er ist als der Prophet des juedischen Schicksals ueberhaupt empfunden worden. Das juedische Volk leidet an seinem national religioe. sen Trauertage nicht nur um Zion und Jeruschalajim als um die Inbegriffe einstiger Groesse; es trauert, darueber hinaus, um das gesamte mehrtausendjaehrige Judenschicksal, um all die Tragoedien und Verhaengnisse, von denen die juedische Geschichte erfuellt ist. Es sieht Areheolo&ische AUFSTANDS - MUENZEN Mit dem Jahre 59 n., sieben Jahre vor dem Ausbruch des juedischen Krieges, hoert die Muenzpraegung der roemischen Prokuratoren auf. Die Aufstaendischen begannen dann nach den ersten Siegen ueber die Roemer sogleich mit der Praegung eigener Muen. zen, silberner und bronzener. Die Muenzen aus Silber sind die in der Numismatik beruehmten sog. ,,dicken Schekel“, die tatsaechlich zu den schoensten Erzeugnissen juedjischer Muenzpraegung gehoeren. Die Vorderseite dieser praechtigen Stuecke zeigt einen Kelch mit Fuss und die Umschrift „Schekel Jisrael“; der Kelch ist als Symbol des Wein- oder des Weihrauchopfers oder nach anderer Ansicht der Omergabe gedacht. Auf der Rueckseite sehen wir einen dreiteiligen Granatapfel-Stengel, und rings herum die Worte ..Jeruschalaim Hakedoscha“. Der Granatapfel versinnbildlicht Fruchtbarkeit und Ueberfluss. Die hebraeischen Worte sind, wie uebrigens auch auf den Praegungen aller uebrigen juedischen Muenzperioden, in den althebraeischen Schriftzuegen geschrieben, die zu dieser Zeit laengst nicht mehr in allgemeinem Gebrauch waren und wohl nur noch Ln ganz •besonderen Faellen (benutzt wurden, Sie hatten jedenfalls einen feierlich altertümlichen, archaischen Charakter. Von den Bronzepraegungen in Tiseha b’aw symbolisch den Tag des groessten nationalen Schmerzes verkoerpert, der nichts von seiner Bedeutung eingebuesst hat, auch nicht nach der gluecklichen Wiedererlangung des alten Heimatlandes. Aber aus dem Leid der Vergangenheit schoepfen Israel und die Golah die Kraft zur Renaissance, jene Kraft, die es durch das treue Festhalten am 9. Aw unserem Volke ermoeglicht hatte, alle Zeiten zu ueberdauern. Sie ist die Garantie fuer eine bessere Zukunft. CURT WILLK. Erinnerungen des Ersten Aufstandes sind uns Muenzen aus dem zweiten und dritten Jahre erhalten, vielleicht auch solche aus dem vierten Jahre. Sie sind mit dem Bilde eines enghalsigen Zweihenkelkttiges (Amphora), wie solche als Wasser-, Wein- und Oelbehaelter dienten, teilweise mit spitzem Deckel, und auf dem Revers mit einem Weinblatt geschmueckt das von den Worten „Cherut Zion“ umgeben ist. Diese Muenzen sind bekanntlich als Bildschmuck verschiedener Briefmarken verwendet worden. DER TEMPEL j Der glaeubige Jude, der, als i noch der Zugang zur Klage-1 mauer (Kotei Ma’arawi) frei war, an diesem Platze, einer der juedischen Heiligen Staetten betete und die Steine kuessend weinte, glaubte sich dort vor den letzten Ueberresten des Salomonischen Tempels, vor dem Orte, von dem nach frommer Ueberlieferung die Schechina niemals gewichen ist. Die Archaeologie lehrt uns jedoch, dass die 24 Steinschichten der Klagemauer, die wir dort in einer Laenge von fast 50 m und in einer Hoehe von 18 m vor uns sehen, nicht der Zeit des ersten Tempels entstammen, sondern fruehestens zum Tempelbau des Herodes gehoeren, also fast 1000 Jahre juenger sind; die obersten 15 Lagen sind sogar erst aus der Tuerkenzeit. Die 19 Schichten der Mauer dagegen, die heute unterhalb der Strassenhoehe liegen, dem Auge also unsichtbar sind, lassen sich, wie die Untersuchungen ergeben haben, teilweise wohl dem salomonischen Mauerbau zuweisen. Auf dem uralten Felsen Eben Haschetija (Grundfels), ueber dem die sogenannte Omar-Moschee (Felsendom) um 700 n. errichtet und auf dem die Opferung Issaks lokalisiert wurde, stand wohl einst das Allerheiligste oder aber der Brandopfer-Altar, waehrend dann der Tempel selbst westlich davon zu denken ist. DER TITUSBOGEN IN ROM Obwohl dieser weltberuehmte Triumphbogen nicht zu den Altertuemern unseres Landes gehoert, verdient er doch hier als eine der wicht i g s t e n archaeologischen Erinnerungen an die Zer_ stoerung Jerusalems eine kurze Erwaehnung. Der Ehrenbogen, der an der Via Sacra ueber dem Forum Romanum nach dem Tode des Titus vom Senat errichtet wurde, zeigt im Durchgang die beiden bekannten Reliefs mit dem pompoesen Triumphzug des Kaisers: Titus in der Quadriga, von der Siegesgoettin bekraenzt, und auf der anderen Seite die Vorfuehrung der er. beuteten Tempelgeraete. Leuchter, Schaubrottisch, Trompeten, Weniger allgemein bekannt ist, das der Fries ueber dem Durchgang des Bogens einen triumphalen Opferzung darstellt, in dem u.a. der Jordan in der Gestalt eines baertigen alten Mannes (,,Vater Jordan“) symbolisiert ist, der auf den Ellbogen gestuetzt auf einer Bahre getragen wird. CHASSIDIM ERZAEHLEN: Wie Gott liebt Rabbi Schlomo sprach: “Ach, koennte ich doch den groessten Zaddik so lieben, wie Gott den groessten Boesewicht liebt!” Die Versuchung Der Baalschemtow wurde von den Leuten einer Stadt sehr gebeten, seinen Sehueler zu bewegen, dass er das von ihnen angebotene Rabbinat annehme. Der Baalschem redete ihm zu; aber er weigerte sich beharrlich. “Wenn du nicht auf ¡mich hoerst, “sagte der Meister, “wirst du diese Welt und die kommende zugleich verlieren”. “Wenn ich drum auch beide Welten verliere, “antwortete er, “werde ich nicht annehmen, was mir nicht zukommt”. “Sei gesegnet, mein Sohn”, sprach der Baalschem, “dass du der Versuchung widerstanden hast”. Sich auf Gott verlassen Rabbi Mosche Loeb sprach: “Wie leicht ist es fuer einen armen Mann, sich auf Gott zu verlassen - worauf sonst koennte er sich verlassen? Und wie schwer ist es fuer einen reichen Mann, sich auf Gott zu verlassen - alle seine Gueter rufen ihm zu: Verlass dich auf mich!”