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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-07-01 · 7 (Julio, 1953) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
7 (Julio, 1953)
Date
1953-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REDACCION! S. C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD C U LT U RAL I S R A E LITA I S R O E L" Año XV N.o 7 TAMUS-AW 5713 SANTIAGO DE CHILE Julio, 1953 Das Werk lobt dee ■-¿.‘S' JJUeo-doc Hevzl 2. mol neo 3. }uli 1904 ^...kein Amt ist begiückerkler *U d** Dieners am Licht/' f’£•' I N Ch. N. Bialik: 9. Januar 1873-4. Juli 1934 Der 9. Januar 1873 ist der Tag, an dem Chajm Nachman Bialik in dem wolhynischen Doerfchen Radi das Licht der Welt erblickte. Als Sohn unvermoegender Eltern lernte er —im siebenten Lebensjahre des Vaters beraubt— frueh die Noete des Lebens kennen. Schliesslich uebernahm der Grossvater die Erziehung des hervorragend .begabten Kna- ' ben. Mit dreizehn Jahren war dieser ein eifriger Leser der; nur aus theologisch-rabbinischen Werken bestehenden Bibliothek seines Grossvaters, und als der Knabe 13 Jahre alt war, erklaerten seine Lehrer, dass er bei ihnen nichts mehl : lernen koenne. So bezog der junge Chajm Nachman Bia- , lik die grosse Jeschiwa in Woloszyn. Er erlernte die russische Landessprache. Das erste russische Buch, das in seine Haende kam, waren die Gedichte des juedischen Dichters Frug, die auf seine nun beginnende dichterische Betaetigung entscheidenden Einfluss ausuebten. Bald darauf veroeffentlichie Bialik einen Aufsatz, in : welchem er den Gedanken der Kolonisation Palaestinas : darlegte, und sein erstes Gedicht „An den Vogel”. Er siedelte; nach Odessa ueber, wo er sich frei ausbilden zu koennen | hoffte, und betrieb dort eifrig das Studium der russischen j und deutschen Literatur. 1897 zog er, als hebraeischer Lehrer nach Sosnowice einige Zeit spaeter wiederum nach Odessa.! In Gemeinschaft mit Gutmann und Rawnitzki gruendete j Bialik 1905 einen hebraeischen Verlag fuer Schulliteratur. Hier fand er endlich Gelegenheit zu einer fruchtbaren und vielseitigen literarischen Taetigkeit, In den folgenden Jahren erreichte er die Hoehe seines dichterischen Schaffens, das ihn zum anerkannten juedischen Schriftsteller und geschaetzten Dichter deY hebraeischen wie auch der jiddischen Literatur machte. Er, der einzige hebraeische Dichter von Weltruf, wurde der reinste, ausdrucksreichste Lyriker. Er hat der toten hebraeischen Sprache Ihre Elastizitaet und Urspruengliöhkeit wiedergegeben; er»Vurd£. der Schoepfer einer neuen Naturdichtung, der sich eine allgemein: Crneuemde Lebensdichtung bald anschliessen konnte. Nie aber hat Bialik den Stoff, das Motiv zugunsten der Sprache zu kurz kommen lassen. Das Juedisch-Nationale und das Allgemein- Menschliche waren ihm ein und dasselbe. Sein Dichten war immer umso menschlicher, je juedischer ausgepraegt es war. Daeumerle und Baeumjerle VON THEODOR HERZL Vor der Stadt, wo jetzt Villen wie lauter Schloesschen I in gruenen Gaerten liegen, gingen eines schoenen Tages ] Daeumerle mit Baeumerle spazieren. Damals, es sind an die 30 Jahre her, waren dort Aecker, welche nur das wechseln-! de Kleid der Jahreszeiten trugen.! Daeumerle und Beaumerle hiessen eigentlich anders, j Aber die Spottnamen hatten eine tiefere Bedeutung. Daeuj merle war kurz, ein richtiger daumenlanger Hans, und i Baeumerle war mager, hochaufgeschossen, ein stecken, der ' ein Baum werden will. Im uebrigen war der lange Baeumerle ip den Schuljahren viel gluecklicher als der kurze Daeumeiie. Denn Baeumerle freute sich immer auf die Ferien, also zehn Monate hindurch, und nur in den freien Wochen war er schrecklich verstimmt, weil er das bevorstehende j Lernen laestig empfand. Daeumerle aber litt stuendlich | unter der Bildung und jauchzte, wenn sie unterbrochen! wurde. Es begab sich einmal im Fruehling, dass sie mitander spazieren gingen. "Sie waren nun schon erwachsene Maenner, und Daeumerle war gar schon verheiratet. Eben rumpelte ein Omnibus an ihnen vorueber. Auf ein Zeichen hielt der Kutscher die mageren Gaeule an, Im vorderen Teil der Kutsche waren von den sechs Plaetzen zwei noch leer. Daeumerle, der Schwerenoeter, kam neben eine junge Frau zu sitzen. Ihm gegenueber das Fraeulein hatte lachende Au- 1 gen, Gruebchen in den Wangen, und ihre Locken quollen; unter dem Huetchen golden hervor. Flugs war er im Gespraech mit beiden, und sein Herz schwankte zwischen ihnen. Die Fahrt verging in gluecklicher Weise. “So! Da wollen wir ausj steigen“, weckte des Freun- ■ des Stimme.; Daeumerle schaemte sich zu sagen, dass er im Wagen noch j zu tun haette. Ein verheira-; teter Mann! Also stieg er 1 seufzend aus und legte seine Seele in den Abschiedsblick, der durch ein Laecheln der Frau und ein Erroeten des Maedchens dankend bestaetigt wurde. (SCHLUSS S. 15) Wenn Bialiks Dichtung schon an sich spezifisch nationalen Charakter trug, so erhob sch der Dichter zum Sprecher des gesamten juedischen Volkes, zu dem von “goettlichem Wahnssinn” ergriffenen Propheten, als er seine zornbrennende Pogromgedichte in die Weit schleuderte. Nach der russischen Revolution von 1905 und den ihr folgenden Pogromen verfiel Bialik einer starken nationalen Resignation; eine Reihe von Gedichten leiht der Verzweiflung schaerfsten menschlichen Ausdruck oder kuendet im historischen Prophetenstil und -pathos das nahe, unvermeidliche Ende. Einen besonderen Platz nehmen die zwei aeusserhcn groessten Schoepfungen Bialiks, „Die Toten der Wueste” und „Die Feuerrolle” ein. Insbesondere „Die Feuerrolle” ist eine feindurchdachte, gross angelegte Symbolik, eine geschickte Zusammenkettung verschiedener Sagen von der Zerstoerung des Tempels, die den Dichter auf der Hoehe seines Stils zeigt. „Die Toten der Wueste” ist das grosse klassische Epos der neuhebraischen Literatur mit starkem, allegorischen Element, ein Ehrenmal fuer das Diaspora-Judentum. Viel Aufmerksamkeit widmete Bialik auch dem verschmachten juedischen Volkslied. Viele Motive des Volksliedes sind bei ihm zu Perlen moderner Dichtung geworden; dabei wusste er aber immer das Einfache und Volkstümliche dieser Gattung zu wahren. Bialik fiel die grosse Auf-; gäbe zu, eine klassische, aber! tote Buchsprache dem unmit- I telbaren dichterischen Erlej ben dienstbar zu machen. >-Den Geist der Sprache | schoepft man aus der lebenl digen Kraft der Nation”, sagt | er, „denn die Nation hat ihre .Schriftverse’. und sie hat sie zu Tausenden. Sie sind es, auf ' denen sich das Geruest der Sprache erhebt, sie sind es, die einer Sprache ihre Farbigkeit verleihen”. Bedeutendes hat Bialik auch als Uebersetzer geleistet. Er hat den „Don Quichote” von Cervantes und Schillers „Wilhelm Teil” schlechthin mustergueltig uebersetzt und noch manches aus dem Deutschen, Jiddischen, und Russischen. Laengere Zeit war er Redakteur des „Haschilo’ach” und gab waehrend des ersten Weltkrieges ein Sammelbueh heraus. Seine Werke sind vielfach in mehreren Auflagen erschienen und in verschiedene Sprachen uebersetzt worden. Seit etwa 1908 veroeffentlichte Chajm Nachman Bialik nur noch ivenige Gedichte. Seine als nationales Missgeschik beklagte dichterische Zurueekhaltung wurde von Allen bedauert, doch gab sie vielleicht Bialik gerade die Moeglichkeit, so taetig bei der praktischen Ausgestaltung des palaestinensischen Kulturlebens mitzuhelfen. .Am 4. Juli 1934 ist Chajm Nachman Bialik in Wien infolge einer Operation gestorben, die ihn von einem langwierigen Leiden befreien sollte. Aber Bialik schien seinen Tod vorausgesehen zu haben. „Sagt Tehiliim!”. bat er die Umstehenden. Es ist etwas Merkwuerdiges um diesen Tod des Einundsechzigjaehrigen, Seinen 60. Geburtstag hatte er unter grossen Ehrungen, getragen von der Liebe des juedischen Volkes in Palaestina und ueberall in der Welt feiern duerfen. Eine einbaendige Jubilaeumsausgabe, von einem Komitee fuer ihn vorbereitet, war dazu angetan, seine Werke weit in den Massen des Volkes zu verbreiten. Er stand, heiter gelassen die Ehrungen ertragend und scheinbar voellig gesund, auf der Hoehe des Lebens. Und nun war der Tod so schnell und vor allem in der Fremde gekommen; nicht im lauten, heimatlichen, warmen Tel Aviv, sondern in der fernen, grossen Stadt. Nur wenige Freunde waren um ihn; aber die treue Gefaehrtin seines Lebens stand ihm zur Seite. Die ganze juedische Welt hat seine Heimfahrt trauernd verfolgt; ganz Palaestina empfing in Gedanken das Totenschiff, ganz Tel Aviv ging hinter dem Sarge her. Sein i Grab liegt neben dem Achad [ Haams. Sein Vermaechtnis an das sich erneuernde juedische Volk bedeutet Rueckgang auf! .Bialiks Quellen, heisst Heimf kehr zu den ewigen Werten I des Judentums. L. X. Cohn

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