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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-05-01 · 5 (Mayo, 1953) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
5 (Mayo, 1953)
Date
1953-05-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Mayo, 1953 17 íh '2 -• S'-f ¡ ' ETIN INFORMATIVO PORTRAJET BES MONATS Mensch in der Einsamkeit! i.« 99 Vor einigen Monaten war der Schireiber dieser Zeilen auf einer Reise im wenig bekannten Ostafrika; er durchwanderte ein Land, dessen Flora und Fauna ihn an eine Welt erinnerte, wie man sie sich, mit einiger Phantasie am sechsten Tage der Schoepfung vorstellen koennte. Die Richtung der Reise fuehrte westwaerts, dem oestlichen Ufer des Viktoria Sees zu. Das Gebuesch war ausserordentlich dicht und die gesamte Vegetation prangte im saftigsten Gruen. Ploetzlich kamen Teefelder von Kenya in Sicht. Wir bogen von der Hauptstrasse ab und bald stand ich vor einer Gruppe niedriger Bauten, von der ein Mann im weissen Kittel des Arztes kam. Er schritt schnell auf mich zu und schuettelte mir in herzlichem Willkommen die Hand. Es war Dr. Heilbronn. In seinem Hospital widmet er sich der Heilung der physischen Beschwerden der Einbemorenen Maenner und Frau en, die in den Tee-Plantagen von Kenya arbeiten. Er ist von grosser Gestalt und traegt sein Alter —er ist etwas ueber sechzig— fast ungebeugt. Seine Augen sind auffallend, sie sind durchdringend, mitunter blicken sie “Als ich nach Palaestina kam, “sagte er, “wollte ich in Tel-Aviv genau so ein Café eroeffnen wie ich frueher in Berlin besessen hatte. Aber als ich sah, dass die Tel-Aviver Cafés zur Haelfte auf der Strasse liegen, bis auf den Buergersteig Tische und Stuehle, gab ich meinen Plan auf. Denn, meine Verehrtesten, ich betrachte ein Café nun einmal als eine Staette, wohin der Mensch von der Strasse entfliehen kann und nicht, wohin er die Strasse hineinschleppen soll. In Tel- Aviv setzen sich die Leute auf die Strasse und giessen den Kaffee hinunter als sei er Gasos. (Brauselimonade). geradezu streng— dann erscheinen sie gruen und im Augenblick wechseln sie ihren Ausdruck, sie werden freundlich und leuchten blau. Dr. Heilbronn liebt nicht nur seine Arbeit, er liebt auch seine Patienten, fuer jeden Kranken hat er ein freundliches Wort in Suaheli, der in Ostafrika gebraeuchlichen Sprache der Eingeborenen. An dem Tage an dem ich ihn besuchte, war morgens ein Kind geboren worden. “Ich haette Ihnen gern das Baby gezeigt”, sagte er zu mir, “aber heute nachmittag bestand die Mutter darauf, nach Hause zu . laufen ein paar Meilen von hier-und das Neugeborene mitzunehmen”. Dr. Heibronn sprach mit Anerkennung von der Administration des “Kericho Tea Estates”, die fuer die Einrichtung des gut ausgeruesteten Hospitals fuer die eingeborenen Arbeiter und ihre Familien verantwortlich zeichnet. Aber erst in seinem Hause hat man Gelegenheit, Dr. Heilbronn den Menschen und Juden, wirklich kennen zu lernen. Er ist ein strengglaeubiger Jude und stellt sich dreimal am Tage zum Gebet. Koscheres Fleisch bezieht er von weit her. e Nach dem' Abendessen sprach er mit mir ueber man- “Jedes Getraenk verlangt seine besondere Umgebung. Wein soll man monglichst in einem angenehmen Esszimmer trinken gut beleuchtet, so dass der Wein hell glueht und du dich freust; dann scheint es, als singt ihr beide zusam. men, dein Wein und du. Der Tee wiederum wird am besten zwischen grau -gelben Waenden getrunken, er selbst muss in der Tasse breit ruhen wie ein Mandarin, der ueber seine Gebiete herrscht; Kakao sollte auf einem weissen Tischtuch, mit Blumen und Schmetterlingen verziert, gereicht werden, waehrend das Bier in einem alten Keller auf einem schweren Eichtisch che Dinge: über die Auslegung biblischer Sprueche und ueber die Bedeutung von Stellen aus der rabbinischen Literatur. Doch wehrt er sich dagegen, dass seine Arbeit Gegenstand des Gespraeches wird Er hoert aufmerksam zu er fragt und er sagt seine Meinung, In vorsichtig gewaehlten Worten wiederholt er Gedanken, die er von Rabbiner Borer Gailingen, seiner Heimatstadt gehoert hat. Und damit wendet sich die Unterhaltung. Bitterkeit liegt ihm fern Die Erfahrungen seiner Vergangenheit haben ihn groesser gemacht und seelisch bereichert. Dr. Heilbronn ist Humanist aus tiefster Ueberzeugung und ein unerschütterlicher Optimist. Beide Eigenschaften gehoeren, eine von der anderen unloesbar, zu einander. Er ist fest davon ueberzeugt, dass einst der Tag kommen wird, da, nach der Rosh Hashono-Liturgie, “alle Geschoepfe G”ttes sich in einem Bunde finden werden, um seinen willen aus vollem Herzen zu erfuellen”. Ein anderes Thema unserer Unterhaltung war das Verhältnis der Menschen zu einander: Jude zum Juden, Jude zum Nichtjuden, und der Schwarzen zu den Weissen. —ohne Tuch— am besten auf seinem Platz ist wenn Sie ein Cocktail trinken, muessen Sie dabei stehen und sich ueber eine Bar beugen... Kurz, so ist es mit allen Getraenken, —und nun erst der Kaffe, den man nur dort zu sich nehmen kann, wo man ruhen kann, seine Kraefte sammeln... Pah, Tel.Aviv! Dort sitzt also einer in der Strasse, schluerft ein Getraenk, ohne zu spue-.- ren, was es ist, haelt die Voruebergehenden auf diskutiert mit ihnen, schreit sie an, wird wieder angeschrieen und —keiner hoert was der andere eigentlich sagt; zwi. schendurch huscht der kleine jemenitische Schuhputzer, kauert nieder und reibt mit seinen Buersten hin und her ueber ihre Schuhe. Dabei muss ich noch sagen, dass er der Einzige ist, der hingebungsvollen Eifer an den Tag legt. Waehrend er da zwei Schuhe putzt, koennte man den Kopf seines Auftraggebers mit dem des Kellners vertauschen, —er wuerde es nicht merken... Na, der Wahrheit die Ehre, in Jerusalem ist auch nicht alles in bester Ordnung. Man findet schwer einen guten Platz fuer ein Lokal und noch schwerer gutes Personal. Die meisten haben keine Geduld fuer die Gaeste, die ja —so faengt’s mal an— meistens nicht recht wissen, was sie eigentlich bestellen sollen. Der Kellner muss dann eben wissen, was er empfehlen soll; er muss es ihnen suggerieren, hypnotisch beinahe. Hier die Kellner aber setzen eine Miene von so offensicht- Ein Auto hielt vor der Tuer, um uns nach dem Kibbuz Gewa zu bringen. Die vier Saenger sassen schon im Wagen., mit ihnen Michel Taube als Dirigent und Klavierspieler. Sie hatten sich zu einer Truppe vereinigt, um Verdis Oper „Aida” konzertant vorzutragen. Es war 9 Uhr, als wir in Gewa ankamen. Vor uns lag der Kibbuz geisterhaft vom Mond beschienen, Schnell wurden wir in das Chadar Ochel (Speisesaal) gefuehrt, und wenige Minuten spaeter verwandelte sich der Saal in Zuschauerraum und Buehne. Von allen Seiten stroemten die Hoerer herein, und nur kurze Zeit waehrte es, bis die Kuenstler sich um den Fluegel scharten und Meister Taube die ersten Toene der Ouvertuere zu Verdis „Aida” erklingen liess. Man musste nur die Mienen der Zuhoerer se- Er sprach nicht einmal so sehr von dem Problem an sich als Ideal —und er traegt das seinige zu dessen Verwirklichung bei “Mauches”, so meint er, “erinnert mich an eine Stelle in einem Buch von Albert Schweitzer, wo er von sich selbst als “Bruder der Schwarzen” spricht— al_ lerding als deren aelterer Bruder. lieh gelangweilter Ungeduld auf...! Und ich muss dies mita n s e h e n und schweigen, sonst —ja, wenn ich nur ein Wort sage, kommt ihre Gewerkschaft, die Histadrut. “Wenn Sie es mir gestatten, werde ich Ihnen, meine Verehrtesten, ein kleines Begebnis erzaehlen Bei einer Gelegenheit entliess ich eine Kellnerin. Ich will ja nicht behaupten, dass ich hundertpro. zentig im Recht war aber es hatte mich geaergert, dass sie mir, als ich ihr etwas sagte, einfach ins Gesicht gaehnte. Ich warf sie raus: ‘Nimm dein Zeug und verschwinde von hier!’ Sie war kaum draussen als ihre saemtlichen Arbeitskolleginnen die Arbeit stehen und liegen liessen und hinter ihr hinausmarschierten; sie machten einen Streik. Ich musste lachen: ‘Och, so ein Streikchen! Weiss Gott, ihr armen Huehnchen seid noch nicht einmal euer Schlachtgeld wert! Gut also, ich mache mich auf und suche neues Personal und finde — nicht einen einzigen Menschen; alle sind sie in ihrer Histadrut und wollen mit einem Arbeitsplatz, wo gestreikt wird, nicht das Geringste zu tun haben. Dann kommt auch schon irgendein Herr zu mir, von der Histadrut geschickt, mit einer Aktenmappe wie ein Rechtsanwalt, und beginnt mit mir zu sprechen, als sei er der Besitzer des Cafés. Kurz, er spricht, ich antworte; ich spreche und er antwortet. Und inzwischen sitzen die Gaeste herum, schimpfen und fluchen, weil hen, um zu sagen, wie die Toene auf sie wirkten. Zuerst gebannt, dann freudig bewegt, musterhafte Ruhe. Vor jedem Akt wurde der Inhalt erzaehlt, so dass alle, auch ohne Orchester, ohne Dekoration, folgen konnten, Herrlich erklang Josefa Schockens Sopran im Duet mit Garays Tenor, Ruth Couppers schoene Altstimme im Verein mit Scharis Bariton. Das kleine Ensemble gab sein Bestes, trotz anstrengender Fahrt und Arbeit am Vortage. Als die letzten Toene erklangen, als die Hoerer wieder zur Wirklichkeit zurueckkehrten, setzte ein grosser, nicht endenwollender Beifall ein, wohl der schoenste Dank fuer all die Muehe. Diese Art, Kunst auch den Kibbuzim zu vermitteln, wird seit Jahren sehr gefoerdert. Aber eine ganze Oper konzertant aufzufuehren, war dies der erste Versuch. Schweitzer und Heilbronn: zwei leuchtende Flammen an zwei Altären: eine im Westen und die andere im Osten des grossen dunklen Kontinents. Heilbronn ist der juengere und er erinnert sich Schweitzers (der Medizin studierte als er bereits 30 Jahre alt war), wie der im Gewand des Geistlichen mit ihm zu gleicher Zeit in Strassburg studierte. Auf die Frage, ob denn Schweitzer wuesste, dass praktisch dasselbe, in derselben Art auf dem selben Breitengrand im Osten des Erdteils geleistet wird wie im Westen, antwortete Dr. Heibronn: “Ja, ich glaube schon dass Schweitzer von meiner Arbeit hier weiss, Am naechsten Morgen verabschiedete sich der Doktor und sein Gast von einander. Wie dankbar er fuer den Besuch war! Und auch der Gast sagte ein stilles Dankgebet: er hatte ein grosses und unvergessliches Erlebnis hinter sich. sie keiner bedient. Was soll ich machen? Ich erklaere mich bereit, den Kellnerinnen eine Entschaedigung zu zahlen und sie zur Arbeit zurueckzunehmen, ausser diesem unverschaemten Stueck. Was war die Antwort von dem Histadrut-Mann? Seine Antwort war so: ‘Wenn du sie nicht willst, wollen wir dich nicht!’ Ha, ha, ha ich der Besitzer und dieses Ding ‘ne einfache Angestellte! Sagen Sie mir, meine Verehrtesten, ob so etwas nicht nur in Palaestina geschehen kann! “Der Herr hatte uebrigens inzwischen zu der Kellnerin eine Zuneigung gefasst und sie zu ihm; so also nach einer kurzen Zeit heirateten sie. Und ich, ob Sie es nun glauben oder nicht, schickte ihnen zu ihrer Hochzeit noch eine riesige Torte mit Creme und einer Aufschrift aus Schokoladenguss ‘Masal tov’. Ich brauche wohl nicht mehr zu sagen, dass wir uns aussoehnten, ja mehr als das! Ich gewann ihre Herzen und sie sind jetzt regelmaessige Besucher in meinem Café. Er kommt und trinkt hier seinen Kaffe und sie schleckt ihre Portion Speiseeis. Wo kann so etwas noch passieren ausser in Palaestina! Guten Abend gnaedige Frau! Auf Wiedersehen, mein Herr! Schalom!.. Nur in Palestina ««• Kurzgeschichte von S. J. Agnon Sie sassen im Café; Herbst wie ein Mann, der an weib. liehe Gesellschaft nicht gewohnt ist, Shira wie ein Maedchen, das sich nur einfach ausruht und an nichts besonderes denkt... Als Herbst merkte, dass sie sich nicht beeilte, ein Gespraech zu eroeffnen, fuehlte er sich etwas freier und vergoennte sich, sie mit einem aufmerksamen Blick zu mustern. Doch da kam der Caféhausbesitzer an den Tisch, verneigte sich und fragte, ob sie mit dem zufrieden gewesen seien, was man ihnen vergesetzt habe. Als sie ihm ihre Zufriedenheit bestaetigten, setzte er den hoeflichen Wunsch hinzu, dass ‘sie doch von nun an des oefteren in seinem Restaurant zu Gast sein moechten!’ Sie versprachen das und daraufhin setzte er ihnen auseinander, dass er ein Neu. koemmling in Palaestina und ganz gewiss in Jerusalem sei; nie haette er getraeumt, hierher auch je zu gelangen, geschweige denn zu leben.

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