Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 5 (Mayo, 1953)
- Date
- 1953-05-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/8553624-8556331-9193880--1123-8556422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mayo, 1968 16 UNSER HEER Es ist klar, dass die Existenz des Staates nicht von militaerischen Errungenschaften allein abhaengt, aber sein Bestand und seine Entwicklung koennen nur durch ein staendig einsatzbereites Heer gesichert werden. Die Schwierigkeit unserer Aufgabe besteht eben darin, dass wir beides zugleich durchfuehren muessen, den schnellen Staatsaufbau und einen der Bedeutung und dem Tempo dieses Werkes angemessenen Heeresaufbau. Ein solches Unterfangen fordert zweifellos fast uebermenschlichie Kraefte uhd setzt vor allem einen organisatorischen Apparat voraus, wie wir ihn bisher noch nicht haben. Die Schaffung einer qualifizierten Heeresorganisation ist unsere vordringlichste militaerische Aufgabe, wobei selbstverstaendlich auf die uebrigen Staatsbeduerfnisse gebuehrend Ruecksicht zu nehmen ist, andererseits aber auch das staatliche Wirtschaftsgefuege den militaerischen Beduerfnissen angepasst werden muss. Aus verstaendlichen Gruenden kann der Effektivbestand unseres Heeres in Zukunft nicht sehr umfangreich sein. Wir muessen uns zahlenmaessig auf ein Minimum beschraenken, dafuer aber unsere Schlagkraft auf ein Maximum bringen. Unser Landheer, unsere Luftflotte und unsere Marine muessen jederzeit einsatzbereit und vor allem auch technisch gründlich ausgebildet und durchgebildet sein. Die Sicherheit von Staat und Land erfordert noch fuer eine lange Zeit den kriegsmaessigen Einsatz des ganzen Volkes. Unsere Organisation muss so aufgezogen sein, dass im Falle eines Notstandes oder Krieges alle erforderlichen Kraefte sofort zu den Fahnen gerufen werden koennen. Dies aber wiederum setzt Organisation und Unterhalt eines grossen Reservekorps fuer viele Jahre voraus. Unsere Heeresorganisation wird in sich zwei der in der Welt ueblichen Organisationsformen vereinigen: das stehende Heer und die Volksmiliz. Zum Milizdienst ist jeder Buerger verpflichtet, und er muss gruendlich ausgebildet sein, um im Ernstfälle zum Volldienst einberufen werden zu koennen. In der Schaffung einer solchen auf die Beduerfnisse unseres Heeres und unserer Wirtschaft abgestimmten Organisation sehe ich eine der Hauptaufgaben, zu deren Bewaeltigung wir jetzt schreiten muessen. Besonders wichtig ist dies auf dem Gebiet des Siedlungswesens. Unsere Vorposten muessen sich in Siedlungen verwandeln und umgekehrt: unsere Siedlungen in Festungen des Heeres. Das gilt nicht nur fuer Grenzsiedlungen. In einem Kriege, vor allem im modernen technisierten Krieg, ist auch das Siedlungsland von erstrangiger Bedeutung. Bei der Kleinheit unseres Landes spielen BOLETIN INFOBMATIVO Der Maertirerwald von Max Brod Fabriken im Kibbuz Oft bin ich auf der Fahrt ron Tel Aviv nach Jerusalem an Eschtaol voruebergekommen, dem Dorf, in dem laut dem “Buch der Richter” Simsons Erbbegraebnis lag. Heute erstrecken sich hier die Baumschulen des Nationalfonds und auf den Felsen gegenueber wird in ungeheurer Ausdehnung der Maertyrerwald gepflanzt. Es ist aber etwas ganz anderes, hier vorbeizufahren und den Blick bergaufwandern zu lassen, und etwas anderes, im Auto den Berg hinaufzuklimmen und dann auf der weiten kahlen Lehne zwischen den Steinen herumzuwandern. Eine breite planierte Flaeche ist hier eigens fuer die Feier bereitgemacht, die blauweissen Fahnen flattern und der Wind, der in den Bergen Judas seine ganze Kraft entfaltet, scheint Stroeme von Trau, er heranzutragen, die sich ueber eine stille Gemeinschaft niedersenken. Menschen, die einander seit zehn, seit fuenfzehn Jahren nicht gesehen, da sie hier weit entfernt wohnen, treffen einander. Fuer viele ist es das erste Wiedersehen, seitdem sie im Lande sind. Man gedenkt der Vorbereitungskurse, die man gemeinsam in der frueheren Heimat mitgemacht hat, man gedenkt der Verfolgungen und ist verduestert, wenn man sich der neuen Verfolgungen erinnert, die drueben in Prag und in der Slowakei soeben losgebrochen sind. Es ist immer wieder das alte Spiel. Jene aber, die der ersten Verfolgung seit 1939 zum Opfer gefallen sind, wer bringt sie uns zurueck: Verzweifelte Gedanken schweifen zu den Lieben, die man in Theresienstadt, in Auschwitz, in Bergen-Belsen ermordet hat... Wir stehen im hellen Sonnenlicht, in reiner Luft, vom Wind des Meeres und der Berge umblasen. Man wird auf den Namen der Toten, auf den Namen der veroedeten juedischen Gemeinden, auf den Namen der einstigen Fuehrer und Vorkaempfer Setzlinge von Nadelbaeumen pflanzen. Der Vorsitzende unseres Parlaments ist erdiese Erwaegungen naturgemaess eine noch bedeutendere Rolle. Daher sind wir gezwungen, in jeder Siedlung und in jeder ihrer Anlagen eine Verteidigungsposition zu sehen, die entsprechend den Heeresbeduerfnissen anzulegen ist. Aber nicht nur Siedlungswesen, auch Industrie und Gewerbe, Handelsflotte, Zivilluftfahrt, Verkehrswesen und oeffentliche Arbeiten, alle Wirtschaftszweige sind in unseren Organisatiönsplan einzubeziehen, um unsere Sicherheit zu verstaèrken. Nur dann .wird es uns gelingen, unserem Aufbauwerk den noetigen Rueckhalt zu verschaffen. Jaakow Dort schienen, Sprinzak, man merkt die tiefe Bewegung an, wenn er in seiner einleitenden Rede all der geistigen Werte gedenkt, die das Judentum der Tschechoslowakei als Bruecke zwischen der Judenheit des Ostens und des Westens geschaffen hat, wenn er das Buch _ ‘Vom Judentum” erwaehntT in dem der Verein Bar-Kochba die jungen streitbaren Geister und die schon halb Abgefallenen sammelte, wenn er immer wieder, mehrmals, auf unsere tapfere Wochenschrift “Selbstwehr'' zurueckkommt. Es ist uns wie im Traum zumute, alte Zeiten werden wach, in denen man gegen Assimilation. und Gleichgueltigkeit. Widerstand zu leisten hatte, in denen das Wort “Selbstwehr”, wie Sprinzak ausfuehrt, symbolische Bedeutung gewann. Nun sind sie gefallen, —fast moechte man Davids Lied zitieren: “die Zier Israels auf deinen Hoe. hen gefallen”—, an ihrer Stelle sollen nun Baeume das Licht begruessen und wieder ist uns ganz traumhaft zumute. Mich wenigstens hat diese Verwandlung, in der unserese_ Lieben auferstehen sollen,”ih geradezu geisterhafter Weise an eine Szene aus Werfels “Stern der Ungeborenen” erinnert, in der aus toten Menschen Blumen entstehen. Eine unheimliche Szene, deren Duesternis mich trotz der strahlenden Sonne und des frischen Windes umgibt. Ein Glueck nur, dass von einigen der beweinten Fuehrer Kinder uebrig geblieben sind, die sich zu unserer Freude unter den Versammelten befinden. Und dann zerstreut sich die Festgemeinde, die aus Jerusalem, aus Tel Aviv, aus vielen staedten und Doerfern des Landes zusammcagcltuiumen ist, ueber die breiten Klippen des Bergrueckens. Die Zweiglein werden an abgesteckten Plaetzen in die Erde gesteckt. Als man ueber die Felsen zur Ebene vor der Rednerbuehne wieder hinabstieg, stand ein Tankwagen auf dem Weg und viele wuschen sich an dem hervorspritzenden Wasserstrahl die Haende. Ich hatte den Eindruck, dass wir von einem riesigen Friedhof herunterkamen und cTas& man sich deshalb nach altem Ritus die Haende reinigte. Diese Erdhaufen zwischen den grauen Steinen, frisch aufgeworfene Erde, in der die gruenen Reiser steckten kleine Tafeln, beschriftete'Papiere trugen die Namen der beruehmten Gemeinden, andere die Namen von Einzelpersonen—: glich das Ganze, das wir nun in der Einsamkeit einer grossen Bergwelt_ hinter uns liessen, nicht wirklich einem Friedhof mit all seiner Trauer, doch auch mit all seiner Hoffnung auf ein ewiges Leben!!So befangen war ich in dieser Vorstellung, dass mir erst am naechsten Tag einfiel, die Leute haetten sich einfach nur die Haende gewaschen, um die Erde der Pflanzungsärbeit von sich abzutun. Richtig, —doch in meinen Herzen bleibt es der Friedhof eines ruhmreichen Teiles der Judenheit, die nun im kargen Boden der Gebirge Judaeas frische starke wurzeln schlaegt und ihre gruenenden Baeume neu ins Licht emporstrecken will. Huegel haben die Siedler des Kibbuz Zora 4000 Dunam KKL-Land unter Pflug, aber einige ihrer Mitglieder, die in Israels Unabhaengigkeitskrieg verwundet wurden, koennen keine groessere schwere koerperliche Arbeit leisten. Deshalb haben sie eine Fabrik fuer Briefmaterialien gegründet, die den koerperlich Behinderten Beschaeftigung verschafft und ausserdem einen feinen Gewinn fuer die Siedlung abwirft. Zora ist typisch fuer die industriellen Stroemungen im doerflichen Leben, Ueberall auf dem Lande, in den Kollektiven und genossenschaftlichen Sedlungen, gibt es kleine Werkstaetten und manchmal richtige Fabriken. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist nicht gleichmaessig auf das ganze Jahr verteilt. Der Wechsel der Jahreszeiten bringt Arbeitslosigkeit fuer zahlreiche Mitglieder mit sich, die ein Kibbuz sich nicht leisten kann. Eine Werkstaettet hilft die Wirtschaft einer Siedlung zu stabilisieren und den besten Gebrauch von den zur Verfuegung stehenden Arbeitskraeften zu machen. Einige Kibbuzim haben Methoden gesucht, um die oertlichen Rohmaterialien zu verwenden; andere haben einfach damit angefangen, die Erfahrung oder Spezialkenntnisse eines Mitgliedes auszunuetzen. Afikim im Jordantale begann vor einigen Jahren juuacuuic, uuz, im uiiui, iittu eme iueme Eisenwerkstaette und Neot Mordechai am Jordanufer, erzeugt Sandalen und Hausschuhe. Kfar Blum, im Hulehtal, arbeitet in drei Schichten in seiner voellig mechanisierten Fabrik fuer Waescheklammern. Daphne, an der syrischen Grenze, stellt Besen her, und Sde Nachemia bringt Plastiks auf den Markt. Lahavoth Habaschan, auf den Bergen von Baschan, produziert Stahlmoebel fuer Bueros und selbst Manarah, das hoch auf den Bergen im Norden liegt, hat Industrie eingefuehrt, und stellt die Rahmen fuer Wassertanks her. Ein grosser Teil der Schulmoebel in Haifa kommt vom Kibbuz Hasorea, der mit der Regierung und den Gemeinden grosse Kontrakte abgeschlossen hat. Diese laendliche Industrie hat mit vielen Schwierigkeiten zu kaempfen. Der Mangel an direkter Verbindung mit dem Markt oder mit der Quelle der Materialien macht sich unliebsam bemerkbar. Auch braucht man gelernte Arbeitskraefte nicht weniger als sachkundige Vormaenner und sachkundige Leitung. Das Verbot bezahlter Arbeitskraefte, das eines der fundamentalen Prinzipien der Kibbuzbewegung ist, hat natuerlich einen limitierenden Einfluss auf die Entwicklung der laendlichen Industrie. Denn eine Werkstaette in einem Kibbuz ist lediglich aut die Arbeitskraefte angewie- Konservenfabrik in Aschdod Yaakov Holzkisten fuer den Orangenexport herzustellen. Heute ist seine „Kelet” Holzfabrik eine der groessten und bestausgestatteten im Lande. Aschdod Yaakov mit seinen grossen Obstgaerten begann Fruchtkonserven herzustellen und belieferte im zweiten Weltkriege die Armee im mitleren Osten mit Marmelade und Konservenfruechten. Seine Fruchtsaefte sind ueber_ all populaer geworden. Ein Charod, das mit einer beschei. denen Metallwerkstaette ange fangen hat, ist heute einer der bedeutendsten Produzenten von Kuechengeraeten wie auch von Stahltanks fuer den Transport von Milch. Givat Brenner hat sich in der Herstellung von Moebel und Gartenwerkzeugen spezialisiert und seine Fruchtsaefte und. Marmelade konkurrieren mit denen jvon Aschdod Yaakov. Kfar Hanasi, ein junger Kitasen, die am Platz sind. Einige Kibbuzim planen desalb Fabriken in benachbarten Doerfern von neuen Einwanderern zu errichten. Die Kibbuzim werden das Rohmaterial und die Leitung stellen und das Dorf die Arbeitskraefte. Auf diese Weise hofft man einige der schwierigen Probleme zu loesen. Alle diese Unternehmen in Doerfern und Siedlungen bilden einen wichtigen Teil von Israels industriellem Potential. Sie haben den Vorteil, dass sie in Kriegszeiten dezentralisiert sind, und bieten keine Wohnprobleme fuer die Arbeiter, da sie einen integralen Teil der Siedlung bildet wie das Huehnerhaus oder der Kunstall. Die laendlichen Fabriken auf KKL-Boden haben in Israel eine moderne Industrie geschaffen mit Arbeitern, welche dem Boden nahe sind, im Herzen der landwirtschaftlichen Zentren.