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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-05-01 · 5 (Mayo, 1953) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
5 (Mayo, 1953)
Date
1953-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Mayo, 1958 BOLETIN INFORMATIVO 7 Aussenminister Sharett In Santiago hat die Nachricht. dass Israels Aussenminister zu Besuch kommt, ein Gefuehl grosser Freude und Erwartung ausgeloest. Wer ist Mosche Sharett? Wir wissen, dass er seit Gruendung des juedischen Staates der Aussenminister Israels ist. Aber hier soll einmal mehr 'berichtet werden ueber die Persoenlichkeit dieses Mannes, der mit so viel Wuerde sein Land und das ganze jue. dische Volk auf der hoechsten Tribuene der Nationen vertritt, und dem in dieser schwe_ ren Zeit zu einem grossen Teil das kuenftige Schicksal Israels anvertraut wurde. Sharett ist nicht nufl1 Israels Aussenminister, er ist in vieler Hinsicht einer der besten Repraesentanten des ganzen juedischen Volkes, der am Kampf um die Freiheit der Juden und somit um die Gruendung des juedischen Staates einen entscheidenden Anteil genommen hat. Sharett ist ein Fuehrer der Arbeiterschaft, Politiker, Erzie. her, ein Mann der Feder und des Wortes, der zahlreiche Sprachen beherrscht. Er gehoert der zweiten Generation derjenigen an, die als Baumeister des juedischen Staates anzusprechen sind. Sharett wurde am 5. Oktober 1894 in der Ukraine (als Sohn eines Bilu —eines jener Pioniere, die im Jahre 1882 nach Israel gegangen sind geboren) . Der Vater arbeitete ln Mikwe Israel, gruendete spaeter eine der ersten Fabriken des Landes, kehrte nach Russland zurueck, kurz bevor Mosche geboren wurde, um dann 1906 endgueltig nach Palaestina ueberzusiedeln. Mosche Sharett war damals 12 Jahre alt. Die Familie lebte zunaechst in einem arabischen Dorf, wo der junge Mosche als Hirt der Herden seines Vaters taetig war. In dieser Zeit lernte er die arabische Sprache und wurde mit den Gewohneiten der arabischen Bevoelkerung vertraut. Nachdem die Familie nach Jaffa uebersiedelt war, wo der Vater von Mosche zu den Gruendern einer Vorstadt gehoerte, aus der sich dann spaeter der Plan der Errichtung einer rein juedischen Stadt —naemlich Tel Aviv— ergab, trat Sharett in das Herzl Gymnasium ein. Hier gehoerte er im Jahre 1913 zu den Schuelern, die als erste die Reifepruefung an diesem Gymnasium absolvierten. Er bezog die Universitaet m Stambul und wurde dann Lehrer der tuerkischen Spra che in Jaffa. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges trat Sharett in die tuerkische Armee ein. Er absolvierte einen Kurs auf der Militaerschule in Stambul, avanzierte zum Verbindungsoffizier und war Dolmetscher, der dem tuerkischer Hauptquartier in der Levante zugeteilt wurde. Nach Beendigung des ersten Weltkrieges kehrte Sharett nach Falestina zurueck, wo er mit Gleichgesinnten gemeinsam die Arbeiterpartei “Achdut Awoda” gruendete, aus der dann spaeter die Ma. pai hervorgegangen ist, zu deren hervorragensten Vertretern er noch heute gehoert. Sharett wollte nun seine durch den Krieg unterbro. chenen Studien beenden und ging nach London auf die Schule “London School oi Economic’’ die er mit glaenzenaem Erfolg absolvierte und wo er graduiert wurde. Er heiratete in London seine Studienkollegin Zippora Meeref, die ihn auch auf seiner Reise durch Suedamerika begleitet. In London begann Sharett fuer die zionistische Executive zu arbeiten, der er als Ver. bindungsmann zur britischen Labour Partei diente. Nach ¡Palaestina zurueckgekehrt, widmete er sich der zionistischen Politik und arbeitete journalistisch. Er wurde einer der Direktoren der groessten Tageszeitung der Arbeiterpartei “Dawar”, deren Wochenausgabe er in arabiscner und englischer Sprache herausgab. Von entscheidender Bedeutung sollte es fuer Sharet —und fuer das ganze juedische Volk werden— als Chaim Arlossoroff, selbst noch ein junger Mann, 1931 den jungen Sharet zu seinem Sekraetaer ernannte. Arlosoroff, die “grosse Hoffnung des juedischen Volkes”, wie ihn Weiz. mann nannte, war damals der Leiter der zionistischen Aussenpolitik in der Executive. Im Jahre 1933 wurde Arlosoroff ermordet. Die Executive bestimmte Sharet zu seinem Nachfolger. Von diesem Augenblick an leitete Sharett die zionistische Aussenpolitik als Mitglied der Executive und spaeter die Aussenpolitik des juedischen Staates. 20 Jahre steht er auf diesem Posten. In diesen 20 Jahren diente Sharett dem grossen Ziel der zionistischen Bewegung, die Unabhaengigkeit der juedischen Nation und einen souveraenen Staat zu erkaemp. fen. In diesem Zusammenhang erwaehne ich kurz das wiederholte Auftreten Sharetts vor den verschiedenen Kommissionen, die zur Untersuchung der Palaestinafrage eingesetzt worden waren, erinnere an die Verhandlungen mit den Arabern, sowie seinen schweren Kampf um die Anerkennung der juedischen Brigade im zweiten Weltkrieg, und nicht zuletzt seine Anstrengungen fuer die Befreiung der europaeischen Juden und ihre Einwanderung nach Palaestina. Bei diesen Auseinandersetzungen wurde Sharett von der britischen Mandatsmacht verhaftet und gemeinsam mit anderen zionistischen Fuehrern in Latrun interniert, wo er 6 Monate lang gefangen gehalten wurde. Sofort nach Ausrufung des juedischen Staates wurde Sharett zum Aussenminister der provisorischen Regierung Ben Gurions ernannt. Nach den ersten Wah. len, in denen er einen Sitz in der Kesseth erhielt, wurde er wiederum Aussenminister im ersten Kabinett, das auf Grund der neuen Verfassung des jungen Staates gebildet worden ist. Er behielt sein Amt in allen folgenden Regierungen. Er ist nicht nur Leiter des Aussenministeriums, sondern auch sein Organisator, dem die Schaffung des gesamten Aussendienstes Israels zu verdanken ist. Sharett ist ein unermuedlicher Arbeiter. Es liest selbst alle Berichte, die er von seinen Botschaftern erhaelt. Er ist auch ein unermuedlicher Rei. sender, der 4 von den 5 Kontinenten wiederholt besucht Welt ueber Frankreichs Grenzen hinaus erhitzen sich die Gemueter ueber den Fall der zwei unauffindbaren Kinder Robert und Gérard Fina. ly. Ihre Eltern, Dr. Finaly und Frau, juedische Fluechtlinge aus Oesterreich, waren 1944 in Suedfrankreich von Gestapoagenten verhaftet und verschleppt worden; man hoerte nie wieder von ihnen. Die verwaisten Knaben, damals zwei, und dreijaehrig. kamen in ein Findelheim dessen gutherzige Leiterin bald nach Kriegsende die rechtlichen Schritte zur Adop. tion unternahm. Drei Jahre spaeter liess sie ihre Schuetzlinge taufen. Die Eltern jedoch hatten Verwandte und diese wuenschten die Kinder bei sich mit der selben Beharrlichkeit wie die franzoesische Pflegemutter. Im Jahre 1949 begann ein Prozess vor den franzoesischen Gerichten, die sich vier Jahre lang mit dem Streit der in Israel ansaessigen Tante der Kinder gegen ‘Maman” beschaeftigten. Widersprechende Beweisgruende wurden angefuehrt; der verstorbene Vater hatte geaeussert, die Kinder sollen in Frankreich bleiben; er hatte die Jungens beschneiden lassen, wobei es aber unklar war, ob aus religioesen oder medizinischen Gruenden; eine Anweisung ueber ihre re. ligioese Erziehung war nicht gegeben. Die Kinder selbst, vom Gericht befragt, aeusserten den Wunsch ‘bei Maman bleiben zu duerfen’. Das Gericht entschied aber schliess. lieh fuer die Tante. Seit diesem Gerichtsbeschluss im Januar dieses Jah. res sind die zwei Jungen unauffindbar verschwinden. Um sie nicht ausliefern zu muessen, uebergab sie ihre Pflegemutter katholischen Freunden, die es unziemend fanden, dass von der Kirche getaufte Kinder als Juden in Israel aufwachsen sollten. Die Zwei wurden ueber die spanische Grenze geschmuggelt und sind bis zu diesem Augenblick noch nicht zurueckgebracht worden —trotz der vielen Proteste von offiziell franzoesischer Seite, von juedischen Instanzen, von liberalen und sozialistischen Koerperschaften und trotz der Aufrufe hoher katholischer Autoritaeten, die diese Kinderverschleppung aufs Schaerfste verurteilen. Wir fuehlen uns geneigt, mit dem alten Dichter auszurufen ‘wohin treibst du, Liebe, doch die Sterblichen, in deren Brust du wohnst!’ und muessen gleich hinzufuegend bemerken, dass es sich unserem Ermessen nach auf beiden Seiten um die kleinlichere Form der Liebe handelt, um ihre selbstsuechtige und rücksichtslose Form. Wahre Liebe muss zu Verzicht und Opfer bereit sein, wenn dabei das Wohlergehen der geliebten Person auf dem Spiel steht. Wenn zwei verwaist« Kinder in dieser Welt der nuechternen Lieblosigkeit ein Heim und muetterliche Liebe gefunden hatten, so konnte nur bei voelliger Ausseracht lassung des kindlichen Seelenlebens eine Verpflanzung der Kinder —und gar noch auf gerichtlichem Wege gefordert und durchgesetzt werden. Ein unvoreingenommener Gerechtigkeitssinn zwingt uns, dies klar auszusprechen! Groesser ist aber die Schuld auf der anderen Seite. Es zeugt von wenig Pie taet und bedauerlichem Mangel an wahrer Religioesltaet, wenn man den Gestapo-Mord am den Juden Dr. Finaly und Frau dazu benutzt, ihre Kinder in einem Alter, wo sie zu einer freien Entscheidung unfaehig sind, zur Taufe zu bringen; von einem irregelei. teten Fanatismus aber geradezu spricht die Zunichtemachung des Richterspruchs durch das Verbergen und Ausser - Land . Bringen der zwei Knaben. Es grenzt an Hysterie, wenn man von einer ‘neuen’ Dreifuss-Affaire’. spricht. Dem Juden Dreifuss wollte man sein Franzosentum, seinen Offiziersrang, seinen Ehre absprechen; die zwei juedischen Buben will man —genau das Gegenteil— weiterhin im Schosse des franzoesischen Katholizismus geborgen wissen. Wenn wir aber an Robert und Gerald denken, wie sie in schneeiger N licht mit baskuschen Schmugglern die Grenze ueberschreiten, in Spanien mit falschen Papieren sich wie Verbrecher verstecken lernen, koennen wir nicht umhin, daran aus tiefster Seele zu zweifeln, ob Tante oder Pflegemutter sich je dafuer vor ihrem Gewissen und ihrer Liebe zu den Kindern verant. Worten koennen! 3* hat. Grosse Rueckwirkung hatte sein kuerzlicher Besuch in Rangoon, wo eine Konferenz der asiatischen sozialisti. sehen Parteien statttfand. Sharett ist ein guter Redner. Er ist ein Mann, der wie wenige das Hebraeische beherrscht. Er ist ein Mann, der mit schoepferischer Kraft das Hebraeische bereichert hat Ihm sind viele neue Worte zu verdanken. Vor allem in der diplomatischen Sphaere schuf er neue hebraeische Worte. Die Ausdruecke fuer Botschafter, Gesandter, Pass Visierung u.a. sind von ihm in hebraeischer Sprache ge. schaffen w o r d e n. Er beherrscht 8 Sprachen unter ihnen: Hebraeisch, arabisch, tuerkisch, englisch, franzoesisch und deutsch. Neben seinen grossen Qualitaeten muss man seine Menschlichkeit und Liebens. Wuerdigkeit besonders hervor heben. Frau Zippora Sharett ist in Israel eine bekannte und beliebte Persoenlichkeit. Auch sie war —wie ihr Gatte— eine Schuelerin des Herzl Gymnasiums in Tel Aviv. Sie arbeitete als Erzieherin in der chaluzischen Jugend und ge_ hoert zu den Leiterinnen des “Rates der Arbeiterinnen”, der in Palaestina und heute in Israel sehr wichtige Funktionen ausfuellt. waehrend des Krieges leitete sie in Teheran die Hilfsaktion fuer Kinder, die aus Polen gerettet werden konnten. ILSE BAU. Einen Akt politischer Anstaendigkeit stellt es dar wenn der deutsche Kanzler Adenauer und einige ihm Gleichge. Sinnte das Wiedergutmachungsabkommen mit Israel unbeirrt von arabischen, neonazistischen und ostdeutschkommunistischen Drohungen, Verleumdungen und Sabota. geversuchen unter Dach und Fach brachte. Politische Klugheit und Reife bewies wiederum der Staat Israel, als er sich von Elementen, die zur Freude einiger degenerierter Zuschauer chauvinistische Purzel b a e u m e vorfuehren, nicht von dem Abschluss des Vertrages mit Westdeutschland abhalten liess. Dass allerdings auch in der Diplomatensprache wer A sagt, ein B sagen muss, scheint man erst jetzt eingesehen zu haben. Nach laengeren Verhandlungen und Vorstellungen seitens Bonn, dass man die zu liefernden Waren doch auch in deutschen Schiffen werde schicken duerfen und muessen, hat sich die Regierung Israels dieser Tage zu einer positiven Antwort durch gerungen. Ihre lange Opposition kann nicht nur mit dem etwas kindlichen Wunsch erklaert werden, ‘trefene’ Wuerstchen aus einer ‘koscheren’ Konservenbuechse zue essen, sondern war auf das Unbeha.1 gen zurueckzufuehren, das jeden Juden ueberkommen muss, wenn in einem israelischen Hafen deutsche Schiffe mit ihrer Mannschaft, die am Vernichtungskrieg gegen die Welt und uns aktiven Anteil genommen haben, anlegen und ihre Fahne hissen. Dieses Gefuehl ist, wie gesagt, begruendet und berechtigt; wie jedes Gefuehl aber muss sein Einfluss auf politische Entscheidungen gering sein. Und zu . dem Problem der Fahne muessen wir deutschen Juden-als Sachkenner— doch eine kleine Anmerkung machen; Die schwarz-rot-goldene Fahne der Bundesrepublik symbolisiert ja gerade den besten deutschen Geist, einen liberalen Geist der Menschlichkeit der allerdings in Deut schland seit Frankfurt 1848 von einer Niederlage zur anderen schritt. Jeder wahre Teutsche sah und sieht mit Verachtung auf diese, “von artfremden Geist” zeugenden Farben; sein voelkisches Herz erbebt nur beim Anblick des ‘heldischen’ Schwarz-Weiss- Rot; unter dem die prussianisierte Einigung Deutschlands erfolgt ist. Schwarz. Rot-Gold war nie die Fahne der teutonischen Massen; es war von je ‘das Faehnlein der sieben Aufrechten’! BEN

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