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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-05-01 · 5 (Mayo, 1953) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
5 (Mayo, 1953)
Date
1953-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Mayo, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 5 Das Hohelied Unter den aus der Antike ueberlieferten Erzaehlungen ist die Ruth-Novelle eines der reizvollsten volkstümlichsten Stuecke. Die Erzaehlung ist durchaus baeuerlich derb und schreckt auch vor der Schilderung „verfaenglicher” Situationen nicht zurueck, wie die Stelle, die Ruth zu naechtlicher Stunde zu Boas kommen laesst, der nach laendlicher Sitte die Nacht auf seiner Tenne verbringt, um am naechsten Morgen in aller Fruehe wieder mit dem Worfeln des gedroschenen Getreides fortfahren zu koennen. Das 18. Jahrhundert betrachtete „Ruth”, dem Zeitgeschmack entsprechenden als ..Schaefer-Idylle“, als Urbild der Dorf-Idylle, die von vielen Dichtern in Verse geder Toleranz Das Buch Ruth von R. Leser bracht wurde, so vom Klassiker dieser Kunstgattung, dem Schweizer Salomon Gessner, unter dem Titel „Ruth, die gekroente haeusliche Tugend, in 6 Gesaengen” Die Liebe zwischen Bqas und zwar im Geschmack des 18. Jahrhunderts, stand im Mittelpunkt aller dieser Bearbeitungen . Ein franzoesischer Beobachter, der Seigneur de Florian, machte zur Erhoehung der Wirkung den braven Boas sogar zum achtzigjaehrigen Greis und laesst ihn kniend der jungen Ruth seine heisse Liebe gestehen! In neuerer Zeit fand sich ein biederer Theologe, der im Buch „Ruth“ eine moralische Geschichte fuer Schwiegermuetter und-toechter erblickte. ü 'ii» IÄ'i ■ -M ■rm\ 'S'. Der Dichter hat die Ruth- Geschichte in die Zeit der Richter verlegt, aber ueber die Entstehungszeit kann kaum ein Zweifel bestehen, und sie gilt laengst als gesichert: die Zeit Esras und seines Reformwerks . Keine Auffassung der Ruth- Geschichte kann an diesem ihren historischen Hintergrund Vorbeigehen: Die Moabiter waren den Israeliten in besonderem Masse verhasst. Das Gesetz (V. Buch Mose 23, 3) verbietet die Aufnahme der Moabiter ins Judentum Aber die verhasste Moabiterin in der Ruth-Erzaehlung hat selbst der alten Mutter ihres israelitischen Gatten etwas Gutes und zuliebe getan. So ist das Buch Ruth ein Zeugnis der Opposition gegen die ungeheuere Haerte der Reform des Esra. Es zeigt, dass diese Opposition nicht nur, wie nach anderen Quellen zu schliessen ist, in .gottlosem“ wesen oder der Verachtung d e f'-lästerlichen Religion und Sitte ihren Grund hatte, sondern dass sie auch in echter religioeser Weitherzigkeit, in gemeuterten sittlichen Anschauungen wurzeln konnte. Der tolerante Geist, der aus dem Buche Ruth spricht, knuepft an die besten innerlichsten Geister unter den Propheten an. Es ist ein schoener Brauch, dass Frauen, die zum Judentum uebertreten, der juedische Name „Ruth“ gegeben wird, der ,.Freundin, Gefaehrtin“ bedeutet, und es ist kein Wunder, dass die Begegnung der Aehrenleserin Ruth mit Boas, dem reichen Landwirt, oft gemalt worden ist, so 1832 von Eugene Delacroix, dessen gluehende Farbgebung dem Sujet am ehesten gerecht wird. In der Weltliteratur aber ist das Buch „Ruth“ eingegangen nicht nur als Kunstwerk und als Hohelied der Toleranz, sondern auch als wohl aeltestes Dokument der literarischen Opposition gegen das herrschende Regime, fuer die die Komoedien des Beaumarchais und Schillers „Raeuber“ nur die beruehmtesten Beispiele aus neuerer Zeit sind. Der Verfasser der Ruth-Novelle ist anonym geblieben wie die Verfasser aller in das Alte Testament aufgenommenen Schriften. Dass er ein Dichter von hohen Graden war, ist allgemein anerkannt, dass er auch ein politisch und moralisch interessierter Mensch gewesen ist, kann nicht bestritten werden. In einer Zeit literarischen Niederganges und der Erstarrung politischer Formen zeigte er seinen Zeitge- Verheissun¿ und ErfuellunQ (Zum Schowuausfeste) “Wenn Ihr nun auf Meine Stimme hoeren und Meinen Bund wahren werdet, so sollt Ihr Mein sein unter allen Voelkern, denn Mein ist die Erde! Und Ihr sollt Mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk!” (2 Buch Mose, 19, 3.6). Diese feierliche Verkuendigung, welche der Sinaioffenbarung vorangeht, ist die Grundlage, auf der sich die grossen Gedanken von der Erwaehlung Israels erheben. Was ist aber “Erwaehlung”, so muss immer wieder gefragt werden, und weshalb ist sie dem juedischen Volke auf erlegt worden? In seinem Standard-Werk juedisch - religioesen Geistes “Das Wesen des Judentums” sagt Leo Baeck, dass jede be. sondere Begabung, die einen Menschen auszeichne, i h n doch aus der Masse, aus der Allgemeinheit, heraushebe, ihn” erwaehle” fuer eine bestimmte Aufgabe im Leben. Und wie dem Einzelnen, so ergehe es den Voelkern: Ein jedes habe vom Schicksal seine ihm eigenen Talente, Faehigkeiten und Besonderheiten zugeteilt erhalten, um sie in den Dienst der gesamten Menschheit zu stellen, seine Erwaehlung der Gesamtheit aller Menschen nutzbar zu machen. “Voelker, die sich nicht als erwaehlt betrachten”, so fuehrt der gelehrte Rabbiner aus: “haben den Sihn ihres Daseins nicht erfasst”. Aber, worin liegt die Erwaehlung des juedischen Volkes? Welches ist die besondere Wesenseigenart des juedischen Volkes? Hie Uowf im folgenden begruendet: So SU- JgQTwie das religioese Genie der israelisch juedischen Propheten es ihnen ermoeglichte, sich als von Gott an sein Volk gesendet zu betrachten, so bedeutet Israels Erwaehlung seine Sendug an die Menschheit; die Aufgabe, Bote der Idee von dem einen, einzigen, heiligen Gotte, der Verkoerperung aller Sittlich, keit, und der einen, sittlichen Menschheit zu sein. Aber diese seine Erwaehlung ist sie nicht unloesbar verknuepft mit einer mehrtausendjaehrigen leiderfuellten Geschichte? Ist sie nicht eine endlose Kette von Maertyrern, eine einzige Anhaeufung alles nur denkbaren Unglueckes ueberhapt? Hat es sich “gelohnt”, erwaehlt zu sein? Nun, alle Menschheitsgeschichte ist eine Ansammlung tragischer Geschehnisse, wie a 1,1 e s Menschenleben im Grunde eine Tragoedie ist, weil es einen staendigen, unablaessigen Kampf bedeutet. Ein Volk kann sich seine Aufgaben nicht selbst auswaehlen, sondern sie werden ihm von der Vorsehung zuerteilt, und so hat Israel einmal den weg zugewiesen erhalten, den es beschreiten sollte. Die Grundgedanken der Sinaioffenbarung, gekroent durch das “Zehnwort”, das am haben noch nicht ihre Erfüllung gefunden. Der Genius des juedischen Volkes, der den Mitmenschen schuf, hatte damit zugleich die Idee von dem einen Menschengeschlecht und dem einen Menschenrecht in die Welt getragen. Eine gerechte Weltordnung nimmt von dort ihren Ausgang, und es gibt heute viele bedeutende Menschen ausserhalb des Judentums, die dies erfasst haben, dass der Gott Israels, der verkuendet hatte, “Liebe Deinen Naachsten. er ist wie Du”, dass Er, der Ewige, der wahre Menschheitsgott ist, dessen Verheissungen einmal ihre Erfuellung finden werden. Des juedische Volk aber, das zum fuenften Male seit der Wiedererlangung seines historischen Heimatlandes, das Geburtsfest der juedischen Lehre, Schawuoth, begeht, macht den Versuch, das kostbare Gedankengut, das es einmal am Sinai empfangen, zur Lebensgrundlage einer neuen Gesellschaftsordnung in seinem jungen Staate zu machen. Mit diesem Versuch soll, als letztes Ziel aller juedischen Bemuehungen, der Neuaufbau einer gerechten, sittlichen, geistig und moralisch, erneuerten Menschheit angebahnt werden. Dies ist der Beitrag des erwaehlten juedischen Volkes an die gesamte CURT WILK ZU LAG BA OMER: Bar KocKba schreibt... ILw&i Briefe in einer Hoelile entdeckt Ueber den Bar Kochba- Aufstand, der fuenf Jahre lang, von 131 bis 135 n. Chr., den Roemern schwer zu schaffen machte, ist sehr wenig bekannt, abgesehen von ein paar kurzen Saetzen bei den spaeteren roemischen Geschichtsschreibern und einigen Hinweisen in der Gemarah. Damals, fast zwei Generationen nach der Zerstoeroung des zweiten Tempels, erhob sich das Volk von Judaea gegen die von Kaiser Trajan verhaengten und von Hadrian nicht aufgehobenen U nterdrueckungsmassnahmen Die Erhebung nahm so ernste Formen an, dass Hadrian sich nossen ein Bild des Lebens, wie es wirklich ist. Das Buch Ruth illustriert den uralten Gegensatz zwischen Gesetz und Leben, zwischen starrer Doktrin und Kunst. Niemand, der dieses Buechlein als literarisches Zeugnis liest, kann sich dem Zauber entziehen, der von diesem Zeit und Sittenbild ausgeht—zweieinhalb Jahrtausende nach seiner Entstehung. gezwungen sah, einen seiner besten Feldherren, Julius Severus, mit einigen Elitelegionen aus Britannien nach Palaestina zu beordern. Julius Severus schlug den Aufstand mit groesster Haerte nieder, verwandelte Judaea in eine Wueste und verkaufte die Bevoelkerung in die Sklaverei Erst der [Zusammenbruch des Bar Kochba-Aufstandes bedeutete das Ende der antiken juedischen Nation. Bar Kochba. der in den von den Roemern belagerten Festung Bethar in der Naehe von Jerusalem durch einen Schlangenbiss ums Leben kam, kurz bevor die Roemer die Feste erstuermten, ist zu einer legendaeren Figur geworden. Ausser den Muenzen, die er waehrend des Aufstandes schlagen liess, gibt es kaum einen dokumentarischen Beleg fuer sein Dasein. Umso wichtiger sind die neuen Funde im Wadi Barabaat, nicht weit vom Ufer des Toten Meeres. In der Wueste Juda, zwischen dem judaeischen Gebirge und der Jordansenke, wurde im Laufe des vergangenen Jahres etwa 25 km. suedoestlich von Jerusalem eine Hoehle gefunden, die eine Sammlung von alten Handschriften auf Leder und Pergament enthielt. Es handelt sich hier um eine der aufregendsten Entdeckungen, die in den letzten Jahren und vielleicht Jahrzehnten gemacht worden sind, denn unter den in der Hoehle gefundenen Schriften sind zwei Briefe des Simon Ben Kosebah, der in der juedischen Geschichte unter dem Namen „Bar Kochba” als Fuehrer des letzten grossen Aufstandes gegen die Roemer beruehmt geworden ist. Kosebah, d. h. „der Mann aus Kosebah”, ist der Name, unter dem Bar Kocha am haeufigsten erwaehnt wird. Die Briefe sind an einen gewissen Jeschua Ben Galgolah gerichtet. Ein Brief bezieht sich auf dessen Beschwerde ueber Verwaltungsangelegenheiten seines Bezirks, der andere auf dessen Bericht ueber die Aktivitaet der Heiden, gegen die sich der Aufstand richtete. (Jued. Allg. Zeitung)

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