Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 4 (Abril, 1953)
- Date
- 1953-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 19 ó&tv v>t3» Wiz eeAen. Astete, /etete.. f (Fortsetzung von Seite 1) gebrannt. Die Juden sollten „ausgeraeuchert“ werden. Nun setzt ein Sterben von seltener Schauerlichkeit und Qrauenhaftigkeit ein. Zu ver- Vor fimenf Jahren Am 15. April 1945, also vier Wochen vor der Uhabhaengigkeitserklaerung des juedischen Staates, gab G.B. Shaw in, einem unbekannt gebliebenen Interview seiner Meinung ueber die palaestinensische Zukunf Ausdruck Seinen Worten kommt ausser dem der biographischen Kuriositaets auch noch der Wert einer, wehigs t e n s angedeuteten, Warnung zu. „Was wird Ihrer Ansicht nach das Ergebnis des Aufrufs sein, den der Erzbischof von Canterbury an Christen, Juden und Mohammedaner in Palaestina erlassen hat, um einen Waffenstillstand herbeizufuehren, der zu einem dauernden Frieden fuehren soll?. Shaw: „Solche Aufrufe wurden oft gemacht und haben niemals einen Buergerkrieg verhindern koennen“. „Halten Sie es fuer klug, die britischen Truppen aus Palaestina zurueckzuziehen?“. Shaw: „Militaerische Operationen sind niemals ,,klug”. Bestenfalls sind sie taktisch notwendig”. „Die heutige juedische Bevoelkerung von Palaestina ist... modern und energieerfuellt; die Araber hingegen sind alt und faul wie Nomaden es sind. Koennen Ihrer Ansicht nach zwei Voelker so verschiedenen Lebensstandards miteinander in Harmonie leben?“. Shaw: „Sie koennen es, wenn sie es muessen, Jede menschliche Gesellschaft hat ihre energischen und ihre lethargischen Bestandteile. Aber beide stehen immer fuer Kriegsdienste zur Verfuegung”. „Besteht die Gefahr eines .Heiligen Krieges“ mit dem Ziel, die Juden aus ihrer Urheimat wieder zu vertreiben?”. Shaw: „Diese Gefahr besteht jedenfalls”. „Sollten die Vereinten Nationen energischer als bisher Frieden in Palaestina herbeizufuehren sich bemuehen?“. Shaw: „Sieg wird auf der Seite derer sein, die faehig sind die groesseren Bataillone aufzustellen und die begabtesten Generale zu finden. Aber ein Sieg bringt nie eine dauernde Entscheidung, und der, der einen Grieg verliert, vermag ebensogut wie der Gegner . den Frieden zu gewinnen“. „Und zum Schluss: „Koennen Sie einen Grund dafuer angeben, warum die Mehrzahl der englischen Juden den Schreckensvorgaengen und dem Buergerkrieg in Palaestina gegenueber eine solche allgemeine Gleichgültigkeit an den Tag legt?”. Shaw: „Wie koennten sie mehr tun, als sie bereits getan haben? Sie duerfen nicht nach Palaestina auswandem, und viele der besten unter ihnen haben auch gar nicht den Wunsch, auszuwandem. Und ferner,; Was sollten wir ohne ihre Gehirne anfangen?“. Todos los asuntos relacionados con HICEM E HIAS serán atendidos en adelante por el señor MAURICIO JfOEL J. Dirección: ESTADO 42, Dep. 505 — TELEFONO (hasta el traslado del teléfono anterior): 61227 Wahrheit kennt keine Grenzen! (Ein Film ueber das Ghetto Warschau) Es gibt viele Filme, die man einfach besprechen kann: sie behandeln Probleme, die uns nicht direkt beruehren, Sorgen, die wir uns nur “anschauen”, Situationen, die wir “objektiv”, unter die Lupe nehmen. All das kommt hierbei nicht in Frage. Dieser Film ist ein Schreckschuss, der uns ploetzlich wieder die Bestialitaet desRassen-Wahnsinns zum Bewusstsein bringt. Denn, seien wir ehrlich: Allzuschnell und allzugern schlaefem wir unser Gewissen ein und vergessen anscheinend diese unglueckliche Epoche. Wie koennte es auch anders sein? Seit Jahren in ein Land verpflanzt, welchem Toleranz und Duldsamkeit gegenueber dem Fremden nur selbstverstaendlich sind1, beginnen wir manchmal zu zweifeln ob alles das wirklich so wahr, so. abscheulich krass .gewesen ist. Aber dann finden wir eine amtliche Bescheinigung von “drueben” unter unsern aiten Papieren, wonach der “Jude” soundso, der Sohn “Israel” usw. usw. Dieser pathologische Hass hat existiert, die niedrigsten Instinkte waren entfesselt; und es wird uns wieder bewusst. Und nicht zuletzt durch diesen Film. Der Untergang des polnischen Judentums, der ja auch der des ganzen eu- . »paeischen Juden war, wird uns nochmals plastisch vor Augen gefuehrt in der pathetischen Gestalt des Grossvaters, der stirbt zum “Kidusch Haschern”. Etwas von der Groesse und der Gottesglaeubigkeit von Generationen ist in seiner Figur eingefangen. Sein Sohn symbolisiert den militanten Widerstand es' ist eine markante, von innerer Energie beseelte Figur, der Typus des neuen juedischen Menschen der weiss. dass das Beten allein nicht genuegt, sondern dass zur rechten Zeit auch die Maschinenpistolen sprechen muessen. wir sehen Davidek. den Enkel, der im entschei- BIST DU SCHON MITGLIED DES CISR0C0? Der Cisroco ist das Wohlfahrtsamt der Juden Chiles. Der Cisroco unterstuetzt die Kranken und Hilfsbeduerftigen Der Cisroco betreut die neu eingewanderten Glaubensbrueder. ES IST DEINE ERSTE PFLICHT, MITGLIED DIESER ORGANI¬ SATION ZU WERDEN. Rufe sofort das Sekretariat N° 33095 an und lasse Dich als Mitglied eintragen Anmeldungen fuer Valparaiso: Carampangue 65, Telefon: 4159 denden Augenblick den Weg zu seinem Volk (in den sicheren Tod 0 geht. Wir sehen eine ganze Reihe von Menschen aus dem polnischen Volk, die teils positiv teils negativ den Juden gegenueberstehen und die endlich den gemeinsamen Feind bekaempfen. Und trotz allem muessen wir zugeben, dass wir keine Spitzen-Produktion vor uns haben. Der Film versteht nicht, uns die wirkliche Tragik zu uebermitteln, allzusehr ist er unter der Linse der Tendenz gedreht. Das Letztere hat wohl das Erstere zur Folge. Wir haben wieder ein Beispiel dafuer, wie schnell In unseren Zeiten die Politik die Kunst veraendert, besonders hinter dem “eisernen Vorhang”. wir erinnern uns noch alle an die “Affaere Blum”, wohl eines der besten und aufrichtigsten Film-Dokumente, die ueber das juedische Problem in Europa gedreht wurden. Aber das - ist schon einige Jahre .her. Ost- Deutschland war damals noch nicht so bedingungslos vom Osten her geleitet, und auch das juedische Problem wurde anders “gehandhabt”. So entstand ein wahres, durch keine Tendenz gietruebtes Film-Kunstwerk. Aber hier —dem scharfen Beobachter entgeht nicht, dass der letzte Verteidiger des Ghettos im Schatten der polnischen Fahne stirbt, dass uns das juedische Milieu recht deprimierend gezeigt wird, dass etwas zu auffaellig. die juedischpolnische Einheit propagiert wird. Ferner wird der Aufstand Jm Ghetto erst in dem. Augenblick .akut, in dem es zerstoert werden soll,, was auch, nicht den historischen Tatsachen entspricht, Das ist klar und jedes Kind weiss es: die Avantgarde und Hauptkraft im Warschauer Ghetto waren die Mitglieder der chaluzischen Jugendbewegungen; aber das passte wohl nicht mehr in aen “Kram”!. Diese Kritik, darf uns nicht vergessen machen, dass wb von der “anderen Seite” meines Wissens ueberhaupt noch keinen Film gesehen haben, der dem iuedischen Problem und den Opfern des zweiten Weltkrieges gerecht wird. Und das ist noch schlimmer! H. B. brennen, zu ersticken, im Unrat der Kanalschaechte zu ertrinken, einer Kugel entgegenzulaufen oder auf den „Umschlagplatz” zu kommen, das ist nahezu die einzige Wahl, die die Juden noch haben. Das Feuer frass um sich. Es umstellte die Menschen und hielt sie wie in einem gluehenden Kaefig fest. Menschen sprangen auf der Flucht vor den Flammen aus den oberen Stockwerken, um mit gebrochenen Knochen in die naechsten Haeuser zu kriechen. Muetter warfen in der Verzweiflung ihre Kinder in die Tiefe, um sie vor dem Erstickungstod zu :erloesen Tausendfach erstarb unter der Flammendecke des Ghettos der entsetzte Schrei, wenn das Feuer den Menschen erreicht hatte und ueber ihm zusammenschlug. Nacht fuer Nacht leuchtete die Feuersbrunst des Ghettos Am 12 Mai 1943 entstiegen an einzelnen. Stellen Warschaus kleine Gruppen von Menschen den Schaechten der Kloaken: Hoehlenwesen, bei denen nach dem Bericht einer Augenzeugin „nur. noch die fiebernden Augen verrieten, dass es noch Menschen waren“, in Lumpen gewickelt, mit ausgemergelten Gesischtern, mit dem Unrat der Kanaele beschmiert. Es waren einige Hunderte: die einzigen Ueberlebenden des Warschauer Ghettos! IHR GEWISSEN Als das Ghetto in seinem Todeskampfe lag, sandte die Widerstandsgruppe durch einen Geheimsender Hilferufe an das Ausland und besonders an die polnische Exilregierung. Der Repraesentant des „Bundes” (des Verbandes juedischer Sozialisten) ging zur polnischen Regierung, Hilfe zu erbitten. Als er zurueckkehrte, veruebte er Selbstmord. „Mit meinen Tod“, so sagte er in einem Abschiedsschreiben, „will Ich meinen staerksten Protest gegen die Untaetigkeit ausdruecken, mit der die Welt zusieht und die Vernichtung meines Volkes geschehen laesst“. Auf dem Bericht des Obersten SS - Fuehrers in Warschau aber steht in Schoenschrift: „Es gibt in Warschau keinen juedischen Wohnbezirk mehr.“ WIR SIND DA! Doch sag niemals “Dieses ist mein letzter Weg. den Blick zum Himmel haben Wolken mir verlegt!” Es kommt der langersehnte Tag, —ob fern, ob nah— wo unsere stolzen Schritte kuenden: Wir sind da! Vom fernen Palmenland bis Steppen, weiss im Schnee, wir sind da, mit unserm Leid und unserm Weh'. Denn allerorts vergossen Feinde unser Blut, doch wuchs aus ihm uns stets von neuem trotz’ ger Mut! Wir harren hoffnungsvoll auf’s erste Morgenrot, dass n.ns die Freiheit bringt, dem naecht’ gen Feind den Tod. Und kaem zu snaet gar unseres Höffens Lohn, lehr. Vater, dieses Lied als Mahnung deinen Sohn! Es sang dies Lied kein zarter Vogel, huebsch und frei, des Liedes wehe Noten schrieben Blut und Blei, so sang ein Volk, das unter Truemmem sich ermannt, so sang ein Volk und hielt Gewehre in der Hand. Drum sag niemals “Dieses Ist mein letzter Weg. den Blick zum Himmel haben Wolken mir verlegt!" Es kommt der langersehnte. Tag—, ob fern, ob nah— wo unsere stolzen Schritte kuenden: Wir sind da! (Hymne der ‘Farainlkte Partisaner Orgunisazie’, von Hirsch Glick im Ghetto Vilna 1943 verfasst).