Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 4 (Abril, 1953)
- Date
- 1953-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 15 Wer hungrig ist, komme und speise! Unser Tel-Aviver Mitarbeinem Pessachbesuch im Kiter Abner NECHUSHTAN (Dr. buz. Kupferberg) > erzaehlt von ei- Blaue Wolken stehen ueber dem Berg, den sie Giwat Hamoreh nennen, und ziehen sich westwaerts bis dorthin, wo hinter den Abhaegen des Karmel das Meer brandet; und die Sonne hat ihren mittaeglichen Zenith noch kaum verlassen In den Feldern spriesst es rot, lila und blau —Fruehlingsblumen, die noch bescheiden leuchten und sich binnen kurzem zur vielfarbigen Pracht des Emek verwandeln werden. Wir naehern uns dem Kibbuz ueber den unvermutet gut geschotterten, breiten Weg. Dort wachsen die langgestreckten Konturen der “oeifentlichen Gebäude” aus der Landschaft: das Chadar Ochel, und in einiger Entfernung grosse Remisen, in denen die Schafe, Pferde, Huehner, Kueken, Traktoren, der Tender und was nicht sonst alles untergestellt ist, wie uns mitgeteilt wird. Der Rest der Maschinen und Maschinenteile steht auf freiem Feld; uebrigens sei die Gefahr dass sie verrosten, geringer als das Risiko, dass Infiltranten aus der Gegend des suedlich gelegenen Jenln kommen und zu stehlen versuchen. So erfahren wird: mit dem Zusatz, dass neben erwuenschten wohl auch unerwuenschte Besucher mit solchen Absichten aus der nahe gelegenen “Maabarah” kurdischer Juden manchmal auftauchen . Doch unterhalte man mit den Kurden ein durchaus freundnachbarschaftliches Verhaeltnis. “Wenn sie zu mausen versuchen, werden sie regelmaessig ertappt, einigermassen durchgepruegelt und nach Hause zurueckgeschickt. So sind sie es gewohnt, und wir auch. Polizei? Ueberfluessig, das machen wir unter uns und ihnen ab”. Natueiilch sei der Wachtdienst komplett organisiert. In den “Schwedischen Haeusern” der siebzig oder achtzig jungen Menschen, die diese Siedlung in der Naehe eines zusammen geschossenen und verlassenen grossen arabischen Dorfes vor etwa vier Jahren geschaffen haben —in diesen gut gebauten, solide wirkenden Riesenkaesten aus Holz oder holzaehnlichem Belag herrscht die Stimmung des Pessach - Vorabends. Es glitzert schon blitzblank, auch, wo in den Zimmern noch gewischt und aufgeraeumt wird; die letzte kleine Waesche wird soeben von den Leinen genommen; eine handvoll ausgelassener Burschen sitzt und hockt in einer der offenen Tueren und probt ingendwas mit Floete und Akkordeon... offenbar zum Sederabend, wie wir mit Recht erraten Einzeln oder zu Paaren gehen jene, die von der Arbeit kommen, talabwaerts zur Wellblechbaracke, die mit einem rauchenden Schornstein einer Miniaturfabrik aehnelt. aber natuerlich die Waschraeume der Gemeinschaft enthaelt. Sie gehen in ihrer abgerissenen, schmutzigen Arbeitskleidung herunter. Buendel und Waschutensilien im Arm, und kommen, sei es im Pyjama, sei es bereits festtaeglich angezogen, wieder herauf. Sie verplaudern den Rest des Nachmittags, soweit sie keinen Dienst in der Kueche haben. Dort herrscht Hochbetrieb. Unter der Anleitung einer Frau von uneigennütziger Muetterlichkeit, sie kam zur Hilfe aus Gewah herueber, und mit der Hilfe auch einiger der Muetter, die als Pesachgaeste eingetroffen waren wurden unendliche Reihen von Mazzekloessen vorbereitet Im Speisesaal nebenan werden lange Holzplanken auf Blechkanister gehaemmert, die Tische des Abends. Es muss sein, denn zum Seder haben sich neben Freunden der naeheren und weiteren Umgebung Dutzende von Elternpaaren angemeldet. Die Jungen halten nach uns leichtamuesiert und etwas verbluefft Ausschau, wenn wir uns zur Besichtigung des Kibbuz aus j der schuetzenden Naehe der 5 IYAR JOM HA ’ÄZMAUT ■‘Floetenorchester probt” mutig auf eigene Faust entfernen. “Uri, ejpho hasekena scheli?” (Uri, wo ist meine Alte?) Die “Alte’’, vielleicht kaum aelter als zwischen dreissig und vierzig, weiss nicht, ob sie gekraenkt sein soll, schliesslich lacht sie und meldet sich. Sie alle sind in diesem Kibbuz ja noch so jung. Und dennoch sind einige Familien schon verheiratet, “wie das Gesetz es befahl” und auch zwei, drei Kinderchen zappeln bereits im “Lull”, dem Lauigitter. Schlechthin grossartig war dann der Seder, der erst nach eingebrochener Dunkelheit begann. Die “Histadruth” hatte gerade am Tage vorher eine Hagadah, die sich sehen lassen kann, in ausreichenden Exemplaren gesandt, und die “Sochnuth” (Preis und dank auch ihr!) viele, viele Flaschen suessen Weines, die sich einigermassen schmecken Hessen Es sei nicht geleugnet, das den Eltern in dieser Hagadah gewisse Abweichungen vom herkoemmlichen Text auf fielen; so waren einige (keineswegs alle) der traditionellen Gebetsabschnitte von einer Version ersetzt worden, die staerksten aktuellen Bezug auf die Medinat Jisrael und den Kibbuz Haealujoth aufwies. Ein Dreikaesehoch rezitierte die “Ma Zimmer, die uns fuersorglich j Nischtanah”, der Segensangewiesgi; worden sind, allzu 1 sjirueh' ueber Wein jvjirde Medinath Israel der junge Judenstaat begeht am 5. Iyar, —dieses Jahr dem 20. April—, seinen 5. Jahrestag. Einen weiten Weg, und einen keineswegs leichten, musste der junge Staat schon zuruecklegen. Nach dem militaerischen Kampf und Sieg kamen die ungeheuren Wirtschaftsprobleme, die von der grossen Einwanderung hervorgerufen wurden; die gefaehrlichen Klippen diplomatischer Auseinandersetzung, durch die strategisch wichtige Lage Israels verursacht; die internen politischen Kaempfe durch die Verse hiedisnartigkeit d; e r Bevoelkerungsschichten und die Dynamik des Aufbaus verschaerft. Israel aber uebersteht die Schwierigkeiten wie jeder gesunde Koerper voruebergehende Krankheiten und Schwaechen uebersteht. Es ist ein geachtetes Mitglied der Voelkerfamilie, dessen Bedeutung weit ueber seine zahlenmaessige Staerke hinausgeht. Das juedische Volk befreite der Staat Israel vom Makel und Fluch der Heimatlosigkeit; gerade die Juden der Galuth sind ihm dafuer zu historischem Dank verpflichtet. In unserer naechsten Nummer, die im Mai, dem buergerlichen Datum der Staatsgruendung wie auch im Monat der Aufnahme Israel in die V.N. erscheint, werden wir Material zum Staatsfeiertag und ueber seinen Verlauf in Israel veroeffentlichen. |ͮɡ#f Kampf um Produktion Wie lohnend der Versuch, die Produktivitaet zu steigern, sein kann, beweist die Erfahrung der ‘Hamegaper’— Vulkanisationsfabrik, bei Haifa. Ein in England ausgebildeter Ingenieur begann seine Arbeit, Bandmass und Stoppuhr in der Hand, in der Abteilung fuer Damenschuhe. Die taegliche Produktionsnorm war auf 50 Paar Schuhe pro Arbeiter festgelegt worden, die tatsaechliche Produktion war durchschnittlich 80 Paar. Man wusste auch, dass in den USA mit aehnlichen Maschinen 150 Paar taeglich pro Mann produziert wurden. Nach einigen Wochen der genauesten Beobachtung von Bewegungen und Zeit, schlug der Ingenieur einige Aenderungen im Arbeitsprozess und in der Lokalisierung der Maschinen vor, verlangte auch die Kuerzung der 15—minuetigen Ruhepause, die die Arbeiter nach je 15 Minuten Arbeit wegen der ermuedenden Hitze bei dem Gummi— Vulkanisierungsprozess einlegten, (Weitere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Arbeitskraft und Gesundheit der Leute nicht in Mitleidenschaft gezogen wferden wuerden, wenn man diese Pausen von 50% auf 30% herabsetzte). Der technische Berater hoffte, die Norm auf 107 Paar erhoehen zu koennen. “Unmoeglich”, meinten die Arbeiter. Aber der unparteiische, wissenschaftliche Zugang des Experten, der von der Gewerk-, schaftsfuehrung unterstuetzt wurde, brach ihren Widerstand. Die Leute versprachen, mit der neuen Arbeitsweise einen ernsten Versuch anzu-. stellen. Innerhalb eines Monats erreichte die Produktion, ohne an Qualitaet einzubuessen, die Norm von ueber 150 Paar Schuhen pro Tag— und konnte diesen Hoehepunkt seit damals behalten. Die, naechste Etappe war der Lagerraum, wo die Chemikalien aufbewahrt und abgewogen werden, die man bei dem Bearbeitungsprozess des Roh- Kautschuks benoetigt. Der Experte rechnete aus, dass der Lagerverwalter, wenn eri in dem gerauemigen Raum zwischen den Arbeitstischen, den Behaeltern und der Waa-, ge hin und her ging, inr Laufe eines Jahres eine Ent- * fernung wie von Haifa nach (Fortsetzung auf Seite 17) — etwas summarisch — gesprochen und es fehlte ferner unter anderem nicht an der eindrucksvollen Mahnung “Sch’foch Chamatchan”, “Giesse Deinen Grimm aus ueber die Boesen!” Da standen wir’ alle, ueber hundert Menschen, feierlich auf; es war vielleicht der Hoehepunkt. Auch sonst herrschte in der Vorlesung dieser Hagadah eine sehr genau vorbedachte, wirkungsvoll gestaltete Regie. Der Vortrag erfolgte mit verteilten Rollen, kraeftige Jungmaennerstimmen, zarte Maedchenstimmen. Dazwischen wurde gefloetet, gesungen, dass es eine Lust war. Spaeter wurde nach Belieben und ueppig gespeist. Und dann setzten Horrahtaenze von einer so vehementen Naturgewalt ein, dass den aelteren Gaesten das Hoeren und Sehen verging. Erschrocken neckten sie in die Ecken des Paales, soweit einige waghalsige von ihnen nicht das Kunstst.ueck fertigbrachten, einige Minuten lang mitzumachen, bis sie asthmatisch ohne Atem aus den Reihen fielen. Am naechsten Vormittag kletterten wir durch das herrenlos gewordene arabische Dorf. Wueste, Steinhaufen, schaurige Truemmer, veroedete Hoefe, Grasbueschel, Scherben und Unrat In einem der wenigen, mehr oder minder intakt gebliebenen Haeuser war der grosse Innenraum an den waenden gekalkt und der Boden gewalzt. “Das machten wir. Hier und nebenan schliefen wir ein Jahr hindurch, waehrend wir den Kibbuz aufbauten. Wasser holten wir uns von dort unten. (Vage Geste in die Richtung auf die Wellblechbaracke mit ihren Waschraeumen, gute drei Kilometer vom Dorf in der Talmulde). Dort im Hof hatten wir einen Generator f u-e r elektrisches Licht. Wenn er versagte—und wie oft versagte er— waren wif wie in e'ner Totenstadt. Eiii merkwuerdiges Gefuehl...” Und: echte Chaluziuth, dachten wir Besucher. Aber wir sagten es nicht laut.. Man traegt sein Herz besser nicht auf der Zunge: “Al tedaber, Zionuth!” “Red’mir nichts von Zionismus...” Red’ nichts davon, verwirkliche ihn lieber. Unweit des Dorfes ist der Huegel mit dem Gedenkmal fuer die Gefallenen aus den Reihen dieser Kibbuzjugend. Es ist ein steinernes Mal wie manche, die seit unserem Befreiungskrieg im Lande errichtet worden sind. Wir standen wortlos. Ein leises Stimmengeraeusch unterbrach die Stille: Kurden aus Maabarah hatten sich hinter dem Denkmal gelagert und beteten Sie kommen Tag fuer Tag dorthin und beten; es ist nahezu ein geheiligter Ort fuer sie geworden. Auch diese glaeubige Naivitaet ist ein Stueck. Fuenfzehn oder achtzehn Namen sind ln das Ehrenmal gemeisselt. Die Namen dieser Toten und was sie vollbrachten —sie leben in den Herzen ihrer Chawerim, die um sie trauern Sie leben in diesem Kibbuz fort, den es ihnen mitzuschaffen nicht •mehr vergoennt gewesen ist