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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-03-01 · 3 (Marzo, 1953) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
3 (Marzo, 1953)
Date
1953-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Abril, 1953 BOLETIN INFORMATIVO ff Le roi est mort Der Mann mit der Sense bezwang im vergangenen Monat den Mann von Hammer und Sichel; Joseph Stalin, bei Millionen Verhasst und gefuerchtet, von anderen Millionen mit glaeubiger Andacht verehrt und geliebt, würde —um einen Ausdruck der Revolutionstribunale anzuwenden— physisch liquidiert von dem bleichen Diktator, der gleichermassen an die Huetten der Armen wie an die Portale der Maechtigen klopft. Von der politischen Buehne trat ein Mensch ab, der ein groesseres Reich als Peter der Grosse, ein gewaltigeres Arbeitsheer als Ivan der Grausame, eine wirksamere Inquisition als Torquemada errichtet hatte und befehligte. Vielleicht wird die Erinnerung in einer spaeteren, gluecklicheren Zeit die Diktatoren unserer Epoche in einen und denselben Geschichts topf werfen, oder aber ein noch maechtigerer Beherrscher der Menschen wird mit seiner furchtbaren Wirklichkeit die Erinnerung an seine Vorlaeufer ausloeschen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass unseren Nachkommen, zu primitiven Hoehlenbewohnern reduziert, jeder historische Sinn abgeht. Jede Spekulation darueber waere muessig. Doch wenn ein politischer Witz erzaehlt, dass man im Jahre 2,000 von Hitler und Mussolini im Lexikon lediglich lesen werde, dass sie ‘Biandenfuehrer zu Zeiten Stalins des Grossen’ gewesen seien, so gibt diese scherzhafte Zukunftsschau doch den meisterwaehntesten Maennern unserer Zeit ihre tatsaechliche Proportion wieder: Neben Stalin erblassen die faschistischen Diktatoren, trotz schwerem Schaden, den sie anrichteten und Wunden, die sie zurueckliessen, zu operettenhafter USnbedeutsamkeit. Sie waren voruebergehende Wellen, Stalins Regime ist eine ßbroemung im Ozean des Weltgeschehens. Der Schluessel zur Erklaerung dieses qualitativen Unterschiedes liegt in dem Wesen jener Idee, deren Umkaempfung sich durch unsere bewegten Zeiten wie ein roter Faden zieht: das Streben nach Gerechtigkeit in ihrer nationalen und sozialen Verkoerperung ist von einer derart vehementen Wucht, dass es ein wirksame Hebel auch noch in den Tuenden derjenigen bleibt, ie eien ur.nruenglichen Gelanken v erzerren, verfaels -hsn. verdaten. Erst wenn s’ne Bewegung es unternehme wird, feudalen Grossgrandbesitz aufzuteilen, Minderheiten zu emancipieren, Kolonialbevoelkerung zu befreien, Industrien zu vergesellsehaftüchen ohne die entsetzlichen Begleiterscheinungen einer terrorisierenden Geheimpolizei —erst dann wird die mitreissende Macht des Stalinismus gebrochen sein. Um andererseits die quantitative Bedeutung Stalins verstehen zu koennen, muss man die geistige Unsicherheitdes modernen- Menschen analysieren, der ein infantiles Sehnen nach ‘der starken Hand’ verspuert, auch —oder gerade?— wenn sie die Knute schwingt. Der revoltierende Raskolnikoff, 999 der das Gewissen und sein Verantwortungsgefuehl au a seinem Leben herausschnitt, hat sich jetzt in den Menschen verwandelt, der sich willig einer neuen ‘Gottheit’ unterwirft. Denn diese und keine andere war die Position, die Stalin im Bewusstsein der Kommunisten einnahm. Er bekaempfte Hitler oder paktierte mit ihm, er gab dem Judenstaat seine unterstuetzende Anerkennung oder liess Menschen wegen angeblicher Sympathie fuer ihn hinrichten — alles erschien seiner entgeisteten Gefolgschaft wie die unfehlbaren Worte und Taten einer Gottheit. Wer aber auf sein Recht der kritischen Meinungsbildung nicht zu verzichten bereit ist), wird nicht umhin koennen. bei einer Pruefung von Stalins Persoenlichkeit und Wirkung hie Lob hie Tadel aussprechen zu muessen. Auch der fluechtigste Ueberblick muss ergeben, dass sich mit dem Tod des Sowjetdiktators nichts in der Struktur noch in der Politik Russlands aendern wird. Dieselben Kraefte, die Stalins Macht bedingten und ihn mit dem Nimbus der goettergleichen Weisheit umgaben, werden diesen Dienst im Laufe der Zeit Jedem homo novus, wenn er sich erst einmal als Nachfolger befestigt hat, zwangslaeufig doch willig erweisen. Nach der bekannten Parole ‘le roi est mort, vive le roi’ wird der Weltkommunismus noch vor Ablauf der Trauer um den alten ‘Koenig’, den neuen schon in den roten Olympus der Uebermenschlichkeit erheben. Meine ZeitunQslektuere Ich erinnere mich noch dunkel an den Hintergrund des zweiten Punischen Krieges und kann den Pythagoreischen Lehrsatz unwiderleglich beweisen. Das moechte ich nur vorausschicken, falls jemand gegen mich den Vorwurf grenzenloser Unwissenheit oder unterdurchschnittlicher Intelligenz erhebt, wenn ich jetzt feierlich gestehe: Ich verstehe die Tageszeitung nicht mehr! Bei den Kreuzwortraetseln geht es noch; ich weiss, da» etwa mit neunbuchstabigem Mittel zur Erhaltung des Friedens’ die Atombombe gemeint ist, mit ‘wohltaetiger Organisation zur moeglichsten Verhuetung von Schaden’ der Tierschutzverein oder die UNO. Annoncen lese ich prinzipiell nicht mehr!; sah ich doch da neulich die grosse Anzeige eines Reisebueros ‘Wollen Sie mit uns in die Schweiz fahren? Setzen Sie sich in Verbindung mit.. Ich schrieb postwendend, das ich das, ehrlich gesagt, sehr 1. APRIL 1933 Das Programm der Nazis war eine Kriegserklaerung an die Errungenschaften der Franzoesischen Revolution; der Boykott am ersten April 1933 war eine ihrer ersten Kampfhandlungen. Es ist genau zwanzig Jahre her, dass die zur Macht gelangten Verbrecher begannen,!flie fernen, aber angestrebten Ideale von Freiheit und Gleichheit und Bruederlichkeit zu entthronen und an Stelle dessen den neuen Goetzendienst eines engstirnigen Rassismus in die Tat umzusetzen. Am ersten April 1933 bezogen Maennerhorden in braunen Hemden ihre Posten vor Geschaeften, die juedische Inhaber hatten, und hielten die Kaeufer, oft gewaltsam vom Betreten dieser Laeden ab. teten Barrieren zu ueberschreiten versuchten. Jedoch, die Konsequenz, die den Nazis daraus zu ziehen uebrig blieb, war lediglich, zu drastischeren Massnahmen zu greifen. Sie waren dazu bereit i Die Niederlage, weiche die fortschrittliche Welt und unter ihr die Juden erlitten, war weitaus ernsterer Natur: man taeuschte sich tragischerweise, ueber die Ausmasse, die solch unverhuellte und bewusste Missachtung jeglicher Menschlichkeit annehmen koennte; man hoffte die pathologische Grausamkeit ‘lokalisieren zu koennen. Das erwies sich schnell als Illusion: dir Boykott blieb rieht gegen den juedischen Handel besrhraenkt (d e n tete Menschenleben und viele zerstoerte Hoffnungen. Haette die Welt doch jedenfalls Eines gelernt: die Funken des Hasses zu loeschen ehe sie zur Flamme werden. Spatz und Beel* zebub In Nordamerika will man den Teufel mit Beelzebub austreiben Stalin mit McCarthy, den Kommunismus mit Gesinnungsschnueff elei. Das ist zwecklos und unklug. Die meisten verantwortlichen Amerikaner sehen das bereits ein, bis sich aber die- Einsicht se vernuenftige Einsicht in Der ‘nationale Boykott’ anj rie’geschmaehten juedischen: SS»t geblich aus‘kochender Volks-1 Handel, der doch nie auch: f^tel?„A„tin0!Pi1.fer!1i1^chsAlt seele’ entsprungen, war ein nur einen Bruchteil jeher durchorganisiertes Unter,nehi Gewalt besessen hatte, Kunmen, entsprungen in den Hir- | den zu fangen, wie dann aufnen von unverbesserlichen | o-eboten wurden, "m ihm die An- Zeit zen kann, wird allem schein nach noch viel vergehen. Die schwaerzesten Elemen Rohlingen. Der Boykott-Tag endete mit einer Niederlage fuer beide Seiten: die Nazis mussten einsehen, dass mit einer blossen Kenntlichmachung der Geschaefte die tief im Leben Deutschland verwurzelten Juden nicht auszuschaltan waren; denn es gab, wir stellen es mit ehrlicher Anerkennung fest, damals noch viele Deutsche, die ostentativ die errlcn- Kunden fernzuhalten!), auch nicht nur gegen das gesamte Judentum; Cer einmal von der Welt untaetig geduldete Boykott richtete sich vielmehr bald gegen Abkommen, Voelkervertraege und —buende. er setzte schliesslich die Welt in Brand. Das Na»*h-Fazit der zwanzie unheilvollen Jahre, die mit jenem 1. April begannen, enthaelt viele, viele vemichte, die alles andere als Freunde der Demokratie sind, duerfen in den Untersuchungsausschüssen die geistige Elite Amerikas nach der Regelmaessigkeit ihrer Kirchgaenge bzw. Synagogenbesuche ausfragen; der englische Sozialist S. Silverman, einer der anti-kommunistischen Unterhausabgeordneten, erhaelt keinen Zutritt nach den USA. gerne wolle und ich koenne mir sogar Konserven auf die Fahrt mitnehmen, damit sie, das Reisebuero. die Spesen nicht allein zu tragen haetten... Ich habe aber bisher noch keine Antwort, ignoriere daher den Anzeigenteil, um mich nicht noch in andere Erdteile zu verpflichten. Die Schwierigkeiten beginnen aber bereits beim ‘Sport’. Neulich las, ich, dass das Kontingent der Auslaender von 3 auf 4 Fussballspieler bei den hiesigen Mannschaften heraufgesetzt wurde. Nanu, denke ich, seit wann unterliegt eine professionalle Fussballtruppe ueberhaupt den Bestimmungen einer Nationalmannschaft? Wer brachte den ‘numerus clausus’ auf die “cancha’? Immerhin die Sportler setzen Auslaenderanteil herauf; die Universitaetsprofessorem.. Ganz schlimm schliesslich ergeht es mir mit dem politischen Teil; wenn da nicht manchmal mein Nachbar kaeme und mir erklaerte... Auf der ersten Seite erschien dieser Tage das Bild des nordamerikanischen Staatsoberhauptes mit drei Araberprinzen, Erlaeuterung steht darunter, dass auch der Praesident faende, dass seine Besucher bisher vernachlaessig worden seien. Ich war aufrichtig gemehrt und dachte der Praesident wollte irgend etwas Wohittaetiges unternehmen, damit die Drei nicht mehr den ganzen lieben Tag in ihren weissen Hemden herumlaufen muessten. Aber da kam mein Nachbar und zerstoerte meine Illusionen. “Nein, mein Lieber”, setzte er mir goennerhaft auseinander. ‘ Persoenlich brauchen die keine Hilfe! Die sind millionenschwer, die verkaufen Petroleum an die ganze Welt!“ (Vor meines Augen erscheint das Bild eines Eselgespanns mit einem Petroleumtank. Seltsam, womit man alles sein Geld machen kann). Ihre Laender sind vemachlaessigt; keine Schulen, und Hospitaeler, keine Landstrassen, die Menschen verarmt.. "Ach so; “sage ich und zeige auf das Bild. "Die hier geben ihren Voelkern nicht genug ab. und dämm liest der Praesident ihnen die Leviten?!”. “Nicht doch, “widerspricht mein Nachbar, “sie wollen Anleihen haben, Kredite... Das verstehe ich schon besser, ich kaufe naemlich auch alles auf Kredit. “Fuer die Krankenhaeuser und Schulen?!”. “Nein, die wollen Waffen dafuer kaufen. Die muessen gegen den jungen juedischen Staat ruesten, der neben ihnen entstanden ist”. “Und dafuer gibt ihnen Amerika...” frage ich zaghaft. “Wieder falsch! Die liefern ihnen die Waffen, um <2«a Russen eins auszuwischen!” werde ich belehrt. “Da sind wohl die arabischen Staaten so entschiedene Gegner der Russen?”. Mein Gegenueber lacht: "Absolut nicht, die verstehen sich gut!”. Ich unternehme meinen letzten Versuch, hinter die Logik der Waffenkredite zu kommen: “Dann ist wohl aber dieser kleine Judenstaat befreundeter Alliierter der Russen?”. “I wo! Die unterhalten nicht einmal diplomatische Beziehungen. “Danke!” sage ich, “jetzt ist mir alles ganz klar”. Das sage ich meinem Nachbarn immer, wenn ich nichts mehr verstehe. PETRA CAPITIS. Leider findet diese Linie auch ihre Parallele in der aussenpolitischen Orientierung. Dass man versucht, Sympathie bei den arabischen Staaten zu gewinnen, kommt nicht unerwartet und ist zu verstehen. Dass jedoch diese Wendung so bruesk kam noch darueber hinaus so bedingungslos den Arabern Unterstuetzung versprochen wurde,. musste den Beobachter ueberras"hen. Gewiss spricht die millionenstarke Anzahl der Araber eine ueberzeugende Sprache und hat Petroleum durchdringenden Geruch. Doch lehrte die Geschichte in nicht allzu fernliegender Zeit, dass auf die Treue der arabischen Staaten zur Sache der Demokratie nicht mit Sicherheit gebaut werden darf. Fuer sie war und ist der Gegensatz zwischen totalitaeren und demokratischen Machtbäoeeken nur eine guenstige Gelegenheit, bei beiden groessere Zugestaendnisse zu erpressen. Und sie erreichen diese bei den Maechten, die noch nicht erkannt haben, dass die Unterstützung eines Freundes, den man nicht erst zu ‘kaufen’ braucht, die sicherste Kapitalsanlage ist. Die Vereinigten Staaten scheinen zu vergessen, dass der unscheinbare Israel - Spatz in der Hand besser ist als dt« Tauben auf dem Dach des Kreml, BEN

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