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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-03-01 · 3 (Marzo, 1953) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
3 (Marzo, 1953)
Date
1953-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REDACCION, 8.C.I. B’NE J1SROEL AV. PORTUGAL 610. TEU 89096 CASILLA 9407. SANTIAGO «CHILE — - V ■ I -T r TTii jijp.iwiiH-.. n .———i— BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CU LT URAL ISRAELITA " B ‘ N E JISR O E L " Año xv: — N.o 3 — Adar 5713 SANTIAGO DE CHILE Marzo 1953 “Den Juden aber ward Licht und Freude” PURIM IM ALTNEULAND Strahlender Sonnenschein liegt ueber Tel Aviv. Am azurblauen Himmel ziehen weisse Woelkchen friedlich wie Schafe auf der weide, und eine linde Fruehlingsluft bringt den herben Duft der wiedererwachenden Erde in die staubigen Strassen der Stadt. Und mit der Erde erwachen Menschen und Tiere aus der regnerischen Trostlosigkeit des Winters. An diesem Fruehlingsmorgen begann der Laerm in Israels Metropole frueher als sonst, gleichsam als wisse sie, dass heute ein besonderer Tag anbricht. Denn Israels Jugend feiert das Purimfest. ihnen bunte Baeckchen und erzaehlte ihnen die wundersame Geschichte von der schoenen Koenigin Esther und der Errettung Mordechais. Und wenn der Vater schliesslich davon sprach, wie Haman fuer seine boesen Taten seine gerechte Strafe erhielt, atmeten sie jedesmal erleichtert auf. Einmal hatte die Mutter, eine stille, fromme Frau, ein Purimspiel fuer, sie geschrieben. Grossmutter, die zu Besuch gekommen war, sollte sehen, welch prachtvolle Enkel sie hatte. Mirjam, der zarten kleinen Schwester mit dem durchsichtigen, lieben Gfe- Maskenfest und Tanz in Tel-Aviv Noch zeigt das Strassenbild sein alltaegliches Gesicht: Autos hupen und rasen aneinander vorbei, als wolle jedes dem anderen zuvorkommen, geraeuschvoll werden Laeden geoef fnet, und aus den geoeffneten Fenstern dringt laute Radiomusik. Wenig spaeter aber biegt eine Schar buntgekleideter, froehlich singender Kinder um die Ecke, Maerchengestalten aus Tausendundeiner Nacht, Cowboys aus dem wilden Westen, Indianer mit phantastischem Federschmuck und malerische Bibelgestalten in wallenden Gewaendern. Der alte Mann, der sich unter den bluehenden Baeumen ausruht, sieht diesem froehiichen Treiben laechelnd zu. Es ist gut, dass sie sich sorglos freuen koennen und mit hellen Augen in die Welt sehen, denkt er. Und im Geiste schreitet er die Jahre zurueck, da er selbst im engen Ghetto seines polnischen Heimatstaedtchens im Kreise der grossen Familie Purim feierte. Sechs Geschwister waren sie. Der Vater, ein armer Fuhrmann, musste sich redlich plagen, damit sie jeden Tag satt wurden. An Jedem Purimfest aber malte er sichtchen, war die Rolle der Koenigin Esther zugedacht, Recha und Deborah sollten ihre Dienerinnen sein. Soweit war alles gut gegangen —bis die Reihe an die Brueder kam. Heftig diskutierten sie, wer von ihnen den Koenig spielen duerfe, aber bei ihrem lebhaften Wortgefecht konnte man wahrhaftig nicht herausfinden, wer nun der wuerdigste sei. Der Greis am Rande der Strasse schaut in Erinnerung versunken vor sich hin. Freilich, damals waren ihm die Traenen nahe, als er, weil er am staerksten geschrien hatte, den boesen Haman spielen musste. Ganz deutlich sieht er wieder die grosse Stube vor sich, in der die Familie sich versammelt hatte. Als es endlich soweit war, dass das Spiel beginnen konnte, packte ihn ploetzlich ein rasender Zorn. Und ehe sich’s Jakob, der guetige Koenig, versah, hatte er ihm eine schallende Ohrfeige versetzt. Aufgeregt war die Grossmutter zu dem Kleinen getrippelt und hatte ihm suesses Zuckerzeug in den Mund gestopft. Er selbst stand beschaemt und kleinlaut in der dunkelsten Ecke. Das Licht der grossen Stube verlischt, und in der Erinnerung des alten Mannes taucht ein anderes Purimfest auf. Nie wird er vergessen, wie fremde Soldaten gleich einer Horde wilder Tiere in das friedliche Staedtchen einbrachen. Auch sein Haus hatten sie nicht verschont. Seine Frau und er waren auf den Marktplatz gezerrt worden, wo bereits die anderen versammelt waren. Frierend und fassungslos standen sie da, die Kinder weinten, una die Erwachsenen, die nicht wussten, warum sie hier standen, troesteten sie. Dann kamen Lastwagen und die lange Fahrt in das stacheldrahtumzaeunte Lager. Viel Leid hat er in diesen Jahren erfahren, sein eigenes und das der anderen, bis eines Tages der Krieg aus war und sie nach Hause gehen durften. Nach Hause? Ach, in dem kleinen Staedtchen war alles ausgeloescht, was ihn einst gluecklich machte. Ein Jahr lang hat er auf seine Frau, die Kinder und die Geschwister gewartet. Niemand war zurueckgekehrt aus der Hoelle. Und dann hatte er sein Buendel gepackt und war westwaerts gewandert, Tage, Wochen... er weiss nicht mehr, wie lange. In dem sauberen,'gepflegten Altersheim in Tel Aviv fand er schliesslich ein neues Zuhause. Man sorgte sich um ihn, und niemand quaelte ihn, weil er Jude war. Hier hat er seine Ruhe und seinen Frieden wiedergefunden. Von irgendwoher schlaegt eine Uhr die elfte Stunde. Der alte Mann erwacht aus der Erinnerung. Froehliches Kinderlachen dringt an sein Ohr, und leise murmelt er: ,,Gott segne sie, und Gott segne Israeli”. E. K. NAMIE Die “Megilla” im Talmud Der Traktat Megilla laesst es sich vor allem angelegen sein, den Charakter der Helden des Estherbuches zu veredeln. So wird auch Esther zur Prophetin erklaert: ,,Woher weiss ich, dass Esther eine Prophetin war? —Es heisst Esth. V, 1: „Esther kleidete sich koeniglich” das heisst, sie bekleidete sich mit dem Heiligen Geiste. Diese und andere Auslegun gen sind nur richtig zu verstehen aus der Diskussion, die der Aufnahme der Megillath Esther in den Kanon des Tenach voran gegangen waren. Der Tanaite Rabbi Jehoschua und die Amoraeer Schmuei und Rab Jehuda hatten dem (Esther 8,16) HUINEN KUENDEN Waehrend des ersten Weltkrieges fand man durch Zufall die Ruinen der alten griechischen Grenzfestung Dura-Europos. Diese Militaerstadt und Handelszentrum der Alten Welt war um 300 v. Chr. an der grossen Handelsstrasse, die im Altertum von Kleinasien nach dem persischen Meerbusen fuehrte, gegruendet w or d e n, und sollte den Uebergang ueber den Euphrat beherrschen. Sie ging in die Haende der Roemer ueber, erlag aber im Jahre 256 den Persern. Diese jedoch verliessen sie bald, die Stadt wurde vom Wuestensand zugedeckt und schliesslich vergessen. Im Jahre 1932 fand man bei den Ausgrabungen —als zweifellos bedeutensten Fund— eine kurz vor dem Verfall der Stadt gebaute Synagoge mit zum Teil vorzueglich erhaltenen Wandmalereien, die beispielsweise folgende Themen darstellen: die Opferung Isaaks, die Kindheitsgeschichte Moses, die Offenbarung am Dornbusch, und den Auszug Und Esther gefiel allen, die sie sahen” aus Aegypten, Episoden aus der Koenigsgeschichte, die Purimgeschichte. Aus dieser sind zwei Abbildungen entnommen, In ihrer kuenstlerichen Qualitaet und epischen Aneinanderreihung sind sie ein Beweis, dass es einen alten juedischen biblischen Bilderzyklus gegeben hat. So geschehe dem Mann, den der Koenig ehren will” Estherbuche die Qualifikation zur Aufnahme in den Kanon abgesprochen und sich somit auch der Einfuehrung des Purim-Festes widersetzt. Sie wurden aber von den anderen Weisen im Laufe der Zeit voellig ueberstimmt, und in apodiktischer weise entschied die Tradition: „Alle Feste wer den (in der messianisehen Zeit) aufhoeren, aber die Purimtage werden bleiben”. (Midrasch Mischle zu 9. 2).

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