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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-02-01 · 2 (Febrero, 1953) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
2 (Febrero, 1953)
Date
1953-02-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Febrero 1953 11 BOLETIN INFORMATIVO Das erste Kalb Originalbeitrag von Abner Nechuschtan, Dr. Alfred Kupferberg, Tel-Aviv Nichts Boeses ahnend, hat sich ^er Grosstaedter zu Freunden in der Moschawah verfuegt. Eine knappe halbe Stunde ist vergangen; der Gast unternimmt soeben seine ersten schuechternen Versuche, sich mit dem leise knurrenden Wachthund anzufreunden, als er laut und schallend —ueber die ganze Weite des Gehoefts hin— seinen Namen rufen hoert. “Kommen Sie! Sie muessen helfen!”. Eine maechtige, dunkle Kuh ist’s, um die es geht. Eigentlich geht es nicht um die Kuh; nach den ersten Schrecksekunden begreift auch der begriffsstutzige Tel-Aviver, dass nicht dies stoerrische Tier im Mittelpunkt des Interesses steht, sondern ein zarter weisser ruehrend auzuschauender Stumpf, der sich dort bemerkbar macht, wo die Kuehe gleich anderen Tieren den Schwanz haben, damit man’s nicht so sieht. Kurz und gut: die Kuh hat zu kalben ' * begonnen. Es ist ein Zweikampf der sich zunaechst abspielt. Der Gast, erst betreten, bald aber mehr und mehr in den Bann des kosmischen Urgeschehens gezogen, wuerde sich in vager Erinnerung an laengst vergangene Mensur - Erlebnisse am liebsten darauf beschraen ken, den Unparteiischen zwischen der Kuh und den Eheleuten abzugeben, die das Tier in die beste Gebaerlage zu bringen suchen. Es hilft ihm nichts; er muss heran; er wird zum Sekundanten. Er hat mit Zurufen, die von “go on!” und “bewakascha!” bis zu dem, mit besonders zaertlichem Blick auf die Kuh zu schimpfenden “Mach schon, Mistvieh!” alle sprachlichen Moeglichkeiten des Landes zu erschoepfen, mit suggestivem Geklopfe der Flanken und Lenden des aufgeregten, schwer arbeitenden Tieres, dem faktisch Traenen aus den rundem. unergründlichen Kuhaugen kollern, alles zu tun, um... doch nun, mit einen fast bemerklichen Seufzer, tut die Kuh es selbst. Sichtbar wird auch das zweite Vorderbeinehen des Kalbes; dort, wo sich spaeter die Hufe entwickeln werden, scheinen die Pfoten mit einer kristallgruenen Schicht glasiert; sichtbar wird nach einigem Hin und Her, Heraus und Herein der Kopf, ein Ausführugen von Dr. D. W. Senator zur Frage des Deutsch- Unterrichts an der Hebraeischen Universitaet). Zunaechst eine persoenliche Bemerkung. Ich selbst gehoere zu den vielleicht gar nicht mehr so zahlreichen Personen des oeffentlichen Lebens im Lande, die, obwohl dazu Moeglichkeiten und Anlaesse vorhanden gewesen waeren, seit 1939 Deutschland nicht mehr betreten haben. Ich leugne nicht, dass ich, wenn ich im Auslande Deutsche getroffen habe, ohne sie naeher als Antinazis identifizieren zu koennen, oft ein Gefühl des Grauens nicht habe überwinden koennen; denn wie kann ich wissen, ob sich nicht hinter jenem laechelnden oder gleichgültigen Antlitz ein Moerder oder ein aktiv Mitschuldiger an all dem Furchtbaren verbirgt. Es handelt sich aber gar nicht um Verzeihen des Geschehenen; die Frage der Kollektivschuld und der Kollektiv- Bestrafung ist gewiss eine sehr ernste, und in gewisser glaenzend schwarzes, aus erstaunlicherweise schon halb geoeffneten Augen noch verwirrt, aber schon etwas seinsentschlossen ins himmliche Licht starrendes Etwas. Die Fliegen, zudringlich wie Fliegen sind, stoeren die Weihe des Moments, Sie setzen sich auf die winzige,Nase. Obwohl das Kalb noch nicht mit ihr atmet, ruempft es sie dennoch, Wunder ueber Wunder, die Insekten zu verscheuchen. “Es lebt, es niest ja!”... “Unsinn, Reflexbewegungen!” ruft die an den Fuessen zerrende Baeuerin zurueck. Lachend erklaert si&: “Schliesslich ist es nicht mein erstes Kalb!” Dann aber, wie sie mit gespreizten Beinen energisch dasteht, jeder Zoll eine Hebamme, spannen sich ihre Sehnen und Muskeln. Mit einem Ruck wirft sie die schwarzgraue Haarstraehne zurueck, die sich ihr in die schweissige Stirn verirrt hatte, und entledigt sich der Zigarette, von der sie sich zur geheimen Ver- und Bewunderung des Grosstaedters bisher keinen Moment getrennt hatte; denn jetzt, sagt sie,kommt des Schwerste, der Heraustritt der breiten Schulterpartie. Als auch dies, “viribus unitls”, mit den vereinten Kraeften der Eheleute, ihres Tel- Weise ist sie die Kernfrage der jüdischen Geschichte und Geistesgeschichte. Diese Frage steht aber hier nicht zur Debatte. Worum es sich handelt, ist die Stellung des geistigen Menschen, die Stellung unserer geistigen Menschen und unserer Intelligenz gegenüber Ercheinungsformen des menschlichen Geistes, in diesem Falle also der Sprache gegenüber. Die Hebraeische Universitaet symbolisiert schliesslich nach aussen und nach innen hin die geistige Potenz Jisraels und vielleicht des Judentums. Wir hoffen, in unserer geistigen und kulturellen Entwicklung dem Judentum der Welt Führung geben zu koennen und der Welt wenigstens kulturell wieder einmal einen grossen Beitrag zu leisten. Die Vorbedingung für jede Leistung dieser Art ist aber echtes Gefühl und echte Liebe. Echtes Gefühl wahren Werten menschlicher Kultur gegenüber, also der Sprache gegenüber und sicherlich auch der deutschen Sprache gegenüber, in der unsterbliche allgemeine mensch- Aviver Gastes, der zwischen grosstaedtischer Neugier und mystischer B e k lommenheit schwankt, und nicht zu vergessen -der Kuh schliesslich gelungen ist, erhebt sich das Tier, als sei nichts gewesen, schaut mit einem Blick das Kaelbchen zu erhaschen, das schleunigst aus seiner Sichtweite gebracht wird, und macht sich phlegmatisch daran gewisse Restbestaende der Affaere aufzulecken. Hinter dem Stall beleckt der Hund das Neugeborene. Es zittert am ganzen Koerper, wird liebevoll abgerieben und macht bald darauf auf unsicheren stelzfuessigen Beinen seine ersten Gehversuche. Der Grosstaedter liebt dieses Kaelbchen. Er ist traurig, als ihm mitgeteilt wird, dass liehe Werte und grosse jüdische Werte geschaffen worden sind. Wahre Liebe gegenüber der Welt und ihrer Tragik. Das Schicksal des deutschen Volkes und Geistes, Verwirrung, Verbrechen und Sühne, ist vielleicht in gewisser Weise in seiner Art nicht weniger tragisch als unser eigenes Schicksal. Ich befürworte keine, billige ‘Versoehnung’, aber mit den laecherlichen Verboten des oeffentlichen Vorlesens in deutscher Sprache geschriebener ‘geistiger Produktion, mit der Erschwerung des Erlernens der deutschen Sprache, mit einem weiter schwelenden Hass gegenüber allem vom deutschen Geist Geschaffenen und Beeinflussten, werden wir gieinem innersten Gefühl nach dieser tragischen Situation nicht gerecht. Mein “amor fati” bejaht das tausendjaehrige Zusammenleben von Deutschtum und Judentum als ein historischen Geschehen, das zu einer, wenn auch kurzen, so doch einzigartigen Blüte menschlicher und jüdischer Schoepfung geführt hat. es wenig tauge, weil es ein Er und nicht eine Sie sei, und demnaechst verkauft werden bezw. den Weg allen Kalbfleisches gehen wird. Er findet das unerhoert. Seine Gastfreunde erregt der Umstand viel mehr, dass die Mama am gleichen Abend 11 Liter Milch auf Anhieb gibt. So sind wir Grosstaedter. Die Milch lieben wir, wenn man sie uns vorsetzt; wird sie uns vorenthalten, schimpfen wir. Auch Kalbsbraten lieben wir; doch vom ersten Kalb, das wir zur Welt kommen sahen und ans Licht des Tages zu befoerdern mehr oder minder halfen - von unserem ersten Kaelbchen wollen wir nicht lassen. Denn so sind wir: dem Asphalt naeher als Natur und ihrem Wirken doch geheimnisvoll verbunden, egoistisch zwar, wenn’s ums Verzehren, romantisch aber, wenn’s ums Entstehen geht. Knesset-Anekdoten BEN GURION ALS HANDELS.GENIE Jaakow Gruenberg (Religioese Front)' erzaehlte: “Ein amerikanischer Tourist er. klaerte mir: Als Mosche Sneh (Mapam) in Amerika war, beschuldigte er Ben Gurion, dass er die Medinath Israel an die USA verkaufe. Als Menachem Begin (Cheruth) in Amerika war, beschuldigte er Ben Gurion, dass er die Medinath Jisrael an Russland verkaufe. Euer Ministerpraesident ist ein Handels- Genie: Er versteht, das gleiche Land gleichzeitig an zwei Feinde zu verkaufen”. WER VERSTEHT! Vor einer Abstimmung ueber eine Frage, die durch die Debatten.Redner derart ver. wickelt worden war, dass sich kaum mehr jemand zurechtfand, erklaerte der Vor. sitzende: “Stimme, der die Sache versteht!” Greencross in Jerusalem Bekanntlich gibt es in Israel einen ‘Roten Magen David’, der die Aufgaben des ‘Roten Kreuzes’ wie Hilfeleistungen an Kranke und Verunglueckte, Betreuung von Kriegsgefangenen und Weiterleitung ihrer Korrespondenz u. a. erfuellt. In diesen Tagen wurde auch ein ‘Gruenes Kreuz’, ein gruener Magen David also, gegruendet. Ein zwoelfgliedriges Komitee unter Vorsitz von Minister Dr. Joseph wurde zur Anlage von Schrebergaerten unter der Devise Magen David Jarok in Jerusalem gegründet. Es beginnt so die Produktivisierung des Kleingaertners. Ueber die jiddische Sprache Heinz Kloss hat schon seit 25 Jahren sein Augenmerk einer Gruppe von Sprachen zugewendet, die er damals noch „Nebensprachen” (des Deutschen naemlich) nannte. Zu ihnen zaehlte er Jiddisch, Afrikaans, Pennsylvaniadeutsch und Friesisch... Natuerlich sind diese Sprachen von unterschiedlicher Bedeutung: Kloss selbst bezeichnet einige nur als „Halbsprachen”, von denen man nicht sagen kann, ob sie je noch zur vollen Kultursprache erbluehen werden. Andere wiederum zaehlen nach Millionen von Sprachgenossen, und wieder andere sind auch vor 100 Jahren schon vereinzelt in ihrer Bedeutung erkannt worden, ohne dass man daraus die entsprechenden Folgerungen gezogen haette. Dies gilt z. B. fuer das Niederdeutsche oder das Jiddische. .. „Das Jiddische, die Sprache der Juden Osteuropas, ist schon im 13. Jahrhundert als Literatursprache bekannt gewesen. Es steht auf mittelhochdeutscher Sprachstufe mit einem Wortschatz, der zu 30 bis 40 Prozent aus nichtdeutschen Woertern besteht. Anstatt dieser Sprache, in der eine bedeutende und reichhaltige Literatur vorliegt, die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken (sie wurde bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges von vielen Millionen der ganzen weit gesprochen), hat man sie bewitzelt und fuer geringwertig erklaert. Unsere Sprachgelehrten kuemmern sich auch heute noch kaum um sie. Keine Universitaet der Bundesrepublik berücksichtigt sie im Lehrplan. Mein Versuch, gemeinsam mit Heinz Kloss und den israelitischen Kultusgemeinden in Muenchen und Stuttgart eine Arbeitsstelle fuer Jiddisch zu begruenden, scheiterte kurz vor dem Ziel, weil inzwischen der Nationalsozialisnfus die Macht angetreten hatte. Von den mancherlei Hilfssprachen, deren sich juedische Gruppen im Laufe der Jahrtausende bedient haben, ist das Jiddische das einzige, in der sie in grossem Umfang schoepferisch geworden sind; nicht ohne Sinn hat man vorgeschlagen, einem in Zukunft etwa ausgestorbenen Jiddisch den Rang im Judentum zuzuweisen, den heute das Aramaeische einnimmt, naemlich den einer geaechteten Traditionssprache. (Dr. Franz Thierfelder im Mitteilungsblatt des Instituts fuer Auslandsbeziehungen). "Seid tolerant"

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