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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-09-01 · 9 (Septiembre, 1952) · p. Seite 23

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
9 (Septiembre, 1952)
Date
1952-09-01
Page
Seite 23 (sequence 21)
Language
German
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Septiembre, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 23 Gedanken ueber Berl Katznelson (Zum 8. Todestag) -- Wir sind eine Generation, deren ganzer Lebenssinn darin liegt, eine Bruecke von der Zerstoerung und der Galut zu einem Leben der Freiheit und Unabhaen. gigkeit zu bilden”. BERL KATZNELSON Erst 8 Jahre sind verflossen seit dem Tode von Berl, jedoch wie lang ist der Weg, den wir in dieser kurzen Pe riode durchschritten haben. Das bedeutendste Geschehnis in der Geschichte unseres Volkes, Generationen hindurch von Leid und Qual ge plagt, hat sich vor unseren Augen abgespielt. Bis vor kurzem war es noch ein zwei tausendjaehriger Traum, der sich inzwischen in eine bluehende und lebendige Wirk lichkeit verwandelt hat: Medinat Israel... Gestern noch schien es eine politische Loe sung zu sein, die zwar schon Herzl vor 55 Jahren klar und deutlich formulierte, dies je doch bis zum letzten Augen blick auch in unserem eige nen Lager bezweifelt, be kaempft, sogar verhoehn wurde und nicht unbedeu tend war die Anzahl von Menschen und Parteien, die den Verlockungen eines fal sehen truegerischen “Gottes’ nachkommen wollten. Dar “Goldene Kalb” — es gefaehrdete das Schicksal Is raels in allen Zeiten und Epochen und der “Glaube” an fremde Goetter und Herr, scher ist auch heute noch (oder wiederum) eine dro hende Gefahr fuer unsere so lang und heissersehnte na tlonale Unabhaengigkeit, * * * “Netzaj Israel lo ieshaker” (die Ewigkeit Israels luegt nicht) ist der Grundstein unserer Geschichte. Der Glaube an die eigene Kraft, an das eigene Koennen — dies war auch der Boden, mit welchem Berl Katznelson tief verwurzelt war. Es ward ihm noch vergoennt, in den letzten Jahren vor der grossen politischen Entscheidung fuer die Zukunft des Zionismus, sich fuer die positive schicksalsbedeutende Loesung desselben voll und ganz einzusetzen. Hier, wie in all seinem Tun und Denken, war er wie eine lodernde Flamme. Er tat alles um seine eignen .Chawerim zu fuehren, seine Gegner zu ueberzeugen und um Gegensaetze so weit wie moeglich zu ueberbruecken. Die Notwendigkeit einer Einigkeit — besonders innerhalb der Arbeiterschaft in der alt-neuen Heimat-war fuer ihn einer der entscheidendsten Punkte fuer das Gedeihen unseres Aufbauwerkes. 4 4 4 Trotz seiner grossen Lebenskraft und seiner sich stets erneuernden geistigen Glut war Berl nie beseelt von dem Begehren nach Macht, nach “Positionen”. Viele Male hatte man ihn gebeten, in die Aktions-Komitees einzutreten, in den hoechsten Instanzen zu arbeiten. Er lehnte es ab, und das markierte ihn um so mehr zu einem wahren geistigen Fuehrerder zionistischen Arbeiterschaft und zu einem Erzieher fuer die neue, junge Generation. * 4 4 Er, der uns lehrte, sich auf die Erloesung vorzubereiten, sie durch eigenes Schaffen und Arbeiten naeherzubrin. gen und mit eigener Kraft zu festigen,, er, der in jedem Hammerschlag, in jedem Spatenstich und in jeder neuen Furche die Zukunft Israels erblickte — es ward ihm nicht vergoennt, die Verwirklichung seines Traumes mitzuerleben. Diese gewaltige Umwaelzuhg ereignete sich vier Jahre nach seinem Tod. Ein neuer Lichtstrahl, in tausend hoffnungsind vertrauensvollen Farben schillernd, erhellte unser Leben. Jedoch in seinem Brennpunkt blieben nach wie vor lieselben beiden Hauptfakto. ren. 4 4' 4 Das Volk und der Mensch. Oer Wert und die Groesse des Einzelnen wird auch die Iraft und S t a e rk e der Gemeinschaft entscheiden. ‘ Nehmt es nicht leicht, die ‘ Sache mit den Menschen. Viele von uns, sowohl Spe- “ zialisten als auch Staats. “ maenner, haben sie ver. “ kannt, aber eine Bewegung “ kann nur durch den Men. “ sehen ihr Ziel erreichen. “ Wir brauchen einen Men- “ sehen, der nicht nur auf “ Barrikaden zu kaempfen “ weiss, eine politische Situa. “ tion erfasst, “organisie- “ ren” kann. Der Zionismus “ bedarf in seiner Verwirkli- “ chung eines ganz ausser. “ gewoehnlichen Menschen. “ typus. Seine Grundlage ist “ die Menschenehre, die ihn “ zur Rebellion gegen Unter. “ drueckung und Erniedri. “ gung bringt. Ein solcher ■“ Mensch lebt das Leben sei- “ nes Volkes in der Welt und “ er weiss sich vor Unrecht “ zu schuetzen, jedoch ist er “ gleichfalls ein Mensch des “ Aufbaus, der Dauerhafte “ keit und des Trotzes, ein “ Mensch der kleinen, tag. “ taeglichen Taten, ein “ Mensch,, dessen Haende “ sein ganzes Leben lang “ nicht nachlassen werden. “ Ihm, diesem Menschen ist “ es auferlegt, der Nation das “ Fehlende zurueckzuerstat- “ ten, den Boden, die gesun- “ de Oekonomie, die politi- “ sehe Freiheit, die hebrael “ sehe Kultur, die Ehre, die man der Nation geraubt “ hat, in ihren eigenen Augen und in den. Augen “ Fremder. In der grossen “ Welt verlangt man von ei- “ nem Soldaten nicht mehr “ als militaerische Eigen- “ schaften.VfOn Unserem “Sol- “ daten’’ wird viel mehr ge- “ fordert, er muss mit Wue- ” ste und Felsen kaemnfen, “ mit Suempfen und Sand. “ duenen, mit Kulturlosig. “ keit und mit einer uns “ fremden Kultur und mit “ Assimilation, die in uns “ gedrungen ist. Wenn wir “ diesen Menschen nicht ha- " ben, wird uns keine vor- “ teilhafte, politische Situa. " tion helfen, und wir wer- “ den die Proben nicht be. “ stehen, die wir bestehen " muessen”. — (Gesammelte Schriften, 12. Band). In dem Blickfeld der politi sehen Welt ist ein neuer Fak tor erschienen, der Staat rs rael; die Bedingungen haben sich geaendert, — auf den festen und starken Grundpfeilern einer 70-jaehngen Kolonisationsarbeit ist es uns jetzt ermoeglicht, ein wirkliches Heim zu errichten und das “Haus Israel”'' bis zum Giebel hinauf zu vervollstaendigen. Die Werte, sie bleiben fest und sind unabaenderlich, und keine aeusserliche Kraft, sei sie staatlichen, diplomatischen oder militaerischen Charakters, 4 * 4 Berl sah im Mittelpunkt seiner Lehre den freien Menschen, der das sein kann, was er ist und nicht einer “geistigen Intervention” von aussen unterliegt. Jedoch der Einzelne ist nicht frei, solange seinem Volke die Freiheit nicht gegeben ist, solange sein Volk nicht freie Entwickiungsmoeglichkeiten besitzt. Und im Gegensatz zu vielen anderen Theoretikern des Sozialismus, die die Existenz der Voelker als unnoetig, stoerend, bestenfalls als einen Zwang betrachteten, sah Berl das als eine unbedingte Notwendigkeit fuer die menschliche Kultur. Sein Glaube an den Menschen, an die Freiheit und Gleichheit zwischen Bruedern bildete auch die Grundlage seiner Auffassung des zionistischen Sozialismus, ein' Gebiet, auf welchem er sich zu einem der groessten und tiefsten Denker der juedischen Arbeiterbewegung Israels entwickelte. Fuer ihn ist Sozialismus und Zionismus eine Synthese, eine organische Bindung. “Wir fuehlten tief im Innern, dass unsere nationale Erloesung ein organischer Teil der sozialen Revolution und der Erneuerung der menschlichen Gesellschaft ist”. (3. Band, S. 267). Berl sah im Wesen des Sozialismus keine philosophische Anschauung, oder einen Versuch, das Weltgeschehen zu erklaeren. Der Sozialismus in seinem Wesen ist ein Ideal, der auf dem Glauben beruht, dass man im Leben des Menschen Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit verwirklicen kann. Es ist moeglich, die Dinge zu verwirklichen, und wir wollen sie verwirklichen. “Fuer mich ist das auch der Ausgangspunkt des zionistischen Denkens. Der sozialistische Zionismus kann nicht existieren, wenn er nicht konstatiert, dass die voellige Verbesserung des Unrechts gegenueber unserer Nation ein integraler Teil des Sozialismus ist.'.. denn eine halbe Wahrheit ist eine Luege und eine beschraenkte Freiheit .— ist keine ¡Freiheit”. (5. Band S. 452). Eine Arbeiterbewegung, die sich ausschliesslich fuer ihr eigenes Los interessiert, und nur fuer Lohnerhoehung, Besserung von sozialen Bedingungen etc. kaempft — fuer sie ist der Sozialismus kein Ideal, der Weltfragen loesen kann, sondern nichts weiter als die Verteidigung privater, materieller Interessen. Die Erloesung des Volkes und die Erloesung des Einzelnen ist identisch, die nationale und soziale Erneuerung ist organisch miteinander gel bunden. Jedoch die Verwirklichung derselben ist nur dann moeglich, wenn die menschlichen Rechte gehuetet werden. Berl bewies klar und deutlich, dass die “Klassiker” des Sozialismus des vergangenen Jahrhunderts Freiheit und Gleichheit als miteinander verbundene Werte anerkannt hatten. Diese Idee aenderte sich erst nach der bolschewistischen Revolution und durch die Entwicklung der Arbeiterbewegung in den letzten Jahrzehnten, jedoch Berl hatte diese “Umwertung” niemals anerkannt und kaempfte mit seiner ganzen Glut gegen die Verfaelschung. Fuer ihn ist Sozialismus eine soziale, moralische und geistige “Erhebung” des Menschen. “Die grosse Verkuendung der Arbeiterklasse ist, dass nicht nur die tiefste Klasse der Ge. Von GUIDEON NEEMAN Seilschaft sich selbst erhebt, sondern dass alle sich erheben”. Die Entwicklung eines offenen, freien und stolzen Menschen: dies ist das Ziel unserer Bestrebungen. Die Verwirklichung dieses Ideals ist das Kriterium unserer Bewegung. “Die Diskussion in der Arbeiterbewegung ist heute eine Diskussion ueber: wie wird die Gesellschaft aufgebaut werden, eine Gesellschaft der Freiheit, der Gedankenfreiheit und der “Mitz. vot” (12. Band, S. 149). Wir sind eine freie, konstruktive Bewegung, in deren Mittelpunkt der freie, schoepferische Mensch steht, denn es ist der Zionismus, der Wille, das Land aufzubauen, der un. seren Sozialismus schoepfe. risch gestaltet hat, von dem Moment an, in welchem wir den Boden der Heimat betraten. * Berl hatte einen tiefen Glauben an unser eigenes Koennen, an unsere eigene Existenzkraft, jedoch lebte in ihm auch die Angst und die Besorgnis um das Schicksal der zionistischen Bewegung. Kannte er etwa nicht das Ende der pseudo.mesianischen Bewegungen? Die Staerkung der juedischen Willenskraft — sie wird die Zukunft Israels sichern und diese Staerkung kann einzig und allein durch den Chaluzianismus herbeigefuehrt werden und nicht durch irgendeine, “stychische”, von aussen geleitete Entwicklung (Borochov z.B. glaubte an eine solche “Styche”, die die Juden der Gola in Massen nach Israel bringen wird). Zwei Moeglichkeiten sah Berl fuer das juedische Volk: Vernichtung oder die Erloesung Israels; vielleicht wird der Tag kommen, an dem Juden in Massen in ihre Heimat zurueckkehren werden, aber immer gilt es Menschen, Chaluzim dazu zu erziehen. In den Worten unserer Propheten “Zölu Hamezilä, panu derech lageulim — Ebnet die Bahn, bereitet den Weg fuer die Erloesung”. GEDENKET UNSERER TOTEN! Sechs Millionen — ein Drittel unseres Volkes — kamen in den Jahren des Grauens ums Leben! Der Keren Kajemeth Leisrael wird diesen sechs Millionen Toten ein dauerndes, ein lebendiges Denkmal setzen! In den Bergen Jerusalems wird der Maertyrerwald entstehen, ein Mahnmal von sechs Millionen Baeumen. Ein Baum fuer jede Seele! Pflanzt zum Andenken fuer jedes Opfer Eures Familienkreises einen Baum im Maertyrerwald! Ihr aber, die Ihr keine Angehoerigen zu beklagen habt, pflanzt einen Baum, damit die Erinnerung an die namenlosen Opfer unseres Volkes nicht verloesche! Niemand schliesse sich ans!

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