Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1952)
- Date
- 1952-09-01
- Page
- Seite 19 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 19 EMILE ZOLA (Zu seinem 50. Todestage am 29. September) Am 29. September des Jah. res 1902 hat man den Dichter Emile Zola auf dem Fussboden des Schlafzimmers seiner Pariser Wohnung tot aufgefunden; er war einer Kohlengasvergiftung;um Opfer gefallen. Mit 62 Jahren war damit ein Leben, reich an Arbeit und Kampf, zuende. gegangen. Im Pantheon, dem Ehrengrabmal der beruehmtesten Soehne Frankreichs, wurde dieser Grosse seiner Nation zur ewigen Ruhe gebettet. Emile Zola, zu Paris am 2. April 1840 als Sohn eines italienischen Vaters geboren — seine Mutter war eine Handwerkertochter aus der Umgebung von Paris—, hatte seine Jugend in Aix.en. Provence verbracht. Doch starb der Vater frueh und hinterliess die Familie in unguenstigen Verhaeltnissen. An ein Hochschulstudium des begabten Juenglings war deshalb nicht zu denken. Der 20-Jaehrige wurde Zollamtsgehilfe in Paris mit einem kaerglichen Lohn und hungerte sich im “Quartier Latin’’ durch. Das Elendsmilieu, das ihn dort umgab, wurde spaeter wichtig fuer die Gestaltung vieler Szenen aus dem Leben der Aermsten, die einen so breiten Raum in seinen literarischen Werken einnehmen. Er konnte in jenen Jahren seine beruehmtgewordenen “Milieustudien” machen. 1862 erreichte er eine kleine Anstellung in einem Verlag. Damals schon verbrachte er den groessten Teil der Naechte am Schreibtisch, und bald interessieren sich Zeitschriften fuer den jungen Schriftsteller, der immer an diese seine Lebensaufgabe geglaubt hatte. Bereits 2 Jahre spaeter erschien sein erstes Buch “Ninon”. Auch zwei weitere Erstlingswerke zeigen zwar viel Talent, doch noch nicht seine eigentliche grosse Begabung. Erst im Jahre 1867 wird “Thérèse Raquin”, der naturalistische Roman, ein Erfolg der die Umwelt aufhorchen laesst. Zola’s leidenschaftlicher Wahrheitseifer darf als die Triebfeder der nun kommenden Buecher an. gesehen werden. Kurz darauf entstand der erste Bahd jenes spaeter auf zwanzig Baende ausgedehnten Monumentalwerkes, welches er zwischen 1870 und 1893 schuf, die “Rougon-Macquart”. Serie, deren Hoehepunkte die allgemein bekanntgewordenen Buecher “Germinal”, “Erde”, “Bestie im Menschen”, “Nana” sein duerften. Als er jene Baende begonnen hatte, war Zola noch wenig bekannt gewesen. Nach ihrem Abschluss durfte er als Frankreichs beruehmtester Schriftsteller bezeichnet werden. Im Jahre 70 hatte er geheiratet, und seine Lebensgefaehrtin. die ihm die ersehnten Kinder nicht hatte schenken koennen, wurde ihm eine wunderbare, verstaendnisvol! le, muetterlich um ihn besorgte, Gattin, die ihm auch erlaubte, seine beiden aus serehelichen Kinder zu adop. tieren. In der dann folgenden literarischen Epoche von 1893 bis 97 sind u. a. “Lourdes” und “Paris” entstanden, in denen er, auf Grund seiner arreligioesen Einstellung, eine scharf ablehnende Hai tung gegenueber dem Katholizismus einnahm. Aus jener Schaffensepoche wurde Zola damals durch ein Ereignis herausgerissen, das in seinem Leben ein Entschei düng bedeutete. Tief durch drangen von der Ueberzeu. gung, dass der Capitaine Alfred Dreyfus (im November 1894) auf Grand gemeiner Faelschungen zu Unrecht verurteilt worden war, trat der Dichter aus seiner Zu. rueckhaltung heraus und wurde zum leidenschaftlichsten Kaempfer fuer die1 Wahrheit. In jener vergifteten Atmosphaere, die damals Frankreich beherrschte, schleuderte am 14. Januar f Sehr geehrte Redaktion: Im letzten “Boletín Informativo” lese ich in der sonst ausgezeichneten Besprechung des Rommel-Films aus “La Estrella” von Valparaiso folgenden Satz: “Le acusó de escasos escrúpulos al tomar muchas escenas de batallas del famoso documental inglés “Dark Victory”, de concepción diametralmente opuesta”. Soweit ich mich erinnere, hiess der betreffende Film “Desert Victory” oder “Victory in the Desert” und nicht wie zitiert... CINEASTA Sehr geehrter Cineasta: Besten Dank fuer die Berichtigung, fuer die wir im Uebrigen ebenso wenig Verantwortung uebernehmen koennen wie fuer die beanstandete Stelle, die wir aus der “Estrella” abdruckten, da die Meinungen der von uns zu Rate gezo. genen Film“Wissenschaftler”' voneinander abweichen, RED. Auf der Durchreise nach Lima befand sich am Mittwoch, den 27. August, waehrend einer halben Stun. de im Flughafen “Los Cerri. llos” der Botschafter'Israels in Chile, Argentinien und Uruguay mit Amtssitz in Buenos Aires, Min. Jacob Tzur, in Begleitung seiner Gattin, Frau Vera Tzv.r. Zu seinem Empfang befanden sich auf dem Flughafen Vertreter der hiesigen Spitzenorganisationen. 1898 Zola sein “J’Accuse”..., seine flammende Anklage, in die Welt hinaus durch den offenen Brief an Félix Faure den damaligen Presidenten der Franzoesischen Republik. in welcher er fuer die voellige Unschuld von Dreyfus und fuer seine Rehabilitierung eintrat. Was noch an Wahrheitsliebe .und Gerechtigkeitssinn in Frankreich vorhanden war, kam zum Durchbruch: Zola’s Manifest wurde zum Weck- und Mahnruf an die schlummernden Kraefte der Freiheit zur Rettung der geheiligten franzoesischen Traditionen, die zu versinken drohten. Zwar hatte Zola’s Appel an die Vernunft und an die Moral fuers erste schlimme Folgen fuer ihn selbst —er musste fuer einige Zeit nach England fliehen— doch der Kampf ging weiter und musste einmal, wenn auch spaet (erst 1906 ist Hauptmann Dreyfus freigesprochen worden) zum Siege der Gerechtigkeit fuehren, und es war Zola, der einen enormen Anteil hieran hatte. Noch einmal, nach jenem aufreibenden Kampfe, konnte der Dichter zu friedlicher Arbeit an seinen Schreibtisch zurueckkehren und damals, zwischen 1899 und 1902, schrieb er die vier Baende, die unter dem Gesamttitel “Die Evangelien” bekannt sind: “Wahrheit”, “Arbeit”, “Fruchtbarkeit”, “Gerechtigkeit”, in denen Visionen von einer besseren Zukunft der Menschheit auftauchen. In seinem Drama “Die Affaire Dreyfus”, das der Schriftsteller Hans J. Rehfisch gemeinsam mit Wilhelm Herzog im Jahre 1929 herausbrachte, haben diese Autoren der Gestalt Zola’s ein unvergaengliches Denkmal gesetzt. Aehnlich geschah dies durch den amerikanischen Film “La vida de Emilio Zola”, der auf unserem Kontinent ein so ausserordentlicher Erfolg wurde. Wenn wir Juden an Zola denken, so werden wir stets ganz besondern an den Kaem pfer fuer den juedischen Hauptmann Dreyfus erinnert, dessen Schicksal sich nicht zuletzt durch Zola’s Eingreifen so entscheidend wan. dein sollte und das Theodor Herzl derart gepackt hatte, dass er ueber Juden und Judentum nachzusinnen begann, um dann aus diesem Erlebnis heraus seinen “Judenstaat” zu schreiben. So ist der Dichter Zola, dem es im letzten Sinne nicht um die an sich unbedeutende Figur von Dreyfus ging, sondern um die Rettung von Gesittung und Humanitaet, unbewusst auch einer der Wegbereiter einer neuen juedischen Epoche geworden an deren Beginn die Verwirklichung des zionistischen Traumes steht. MUSIKALISCH LITERARISCHES ALLERLEI Nach dem aussergewoehnlichen Erfolg, den der vorjaehrige Abend Lilianette- Jacques Arndt bei uns hier in Santiago gehabt hat, durfte man mit Recht fragend, oder sogar zweifelnd werden, ob es diesen beiden Kuenst. lern gelingen wuerde, die vorjaehrige Hoehe und Whkung wieder zu erreichen. Es sei gleich vorweggenommen: Sie wurden nicht nur erreicht, sondern noch bei weitem — wenn dies moeglich ist —; ueberboten. Es ist immer wieder bewundernswert, und fuer den, der es nicht sah, kaum vorstellbar, dass zwei Menschen, ohne weitere Hilfsmittel als ihr Talent, im von einer beglueckenden Lebendigkeit, Charme und Mu. sikalitaet. Jacques Arndt, ein Meister des Wortes, der die Sprache zu behandeln versteht, bei dem allerzarteste Stimmungen, kaum hingehauchte Nuancen genau so ans Ziel gelangen wie dramatische Akzente oder gut sitzende Pointen. In letzter Natürlichkeit und dennoch gewahrtem Formgefuehl laesst er ohne jede Hilfsmittel all die Worte der grossen Dichter an uns voraeberziehen und “schreitet in dem engen Bretterhaus den ganzen Kreis der Schoepfung aus”, wie es bei Goethe heisst. David Goldstein, uns als Stande sind, einen ganzen Abend das Publikum zu fesseln und es von Beifallssturm zu Beifallssturm zu fuehren. In dem riesigen, wirklich alles umfassenden Programm gibt es keine Luecke keinen toten Punkt, keine Zufaelligkeit, keine Verlegenheitsnummer. Alles ist harmonisch, logisch, niveauvoll-unterhaltend anregend; kurz, die ideale Mischung fuer einen Abend, wie er sein soll. Das aeusserst originell abgefasste, geschmackvolle Programmblatt nennt als Autoren eine wahre Musterkollektion erlauchter Namen. Die Liste der Textdichter scheint die Elite “Kuerschners Literaturkalenders” zu sein, und die Komponisten ein Zentralblatt des “Who is who?” Ueber die Genannten hinaus kamen aber auch noch andere Grosse zu Wort, wie zum Beispiel Karl Zuckmayer in seinen Gedenkzeilen an Albert Bassermann. Allein uns all diese herrlichen Worte und unvergaeng. Iichen Melodien vermittelt zu haben, waere eine Tat fuer die man den beiden Kuenstlern danken muesste, selbst wenn sonst nichts geschehen waere. Doch es geschah! Lilianette ist heute ein wahres Juwel der Kleinkunst, m tausend Facetten schimmernd, wie ein solches. Ob sie uns Schuberts “An die Musik”, einen grossen Operettenwalzer von Lehar, prikkelnde Rhythmen von Be natzky, moderne Chansons oder frechgewuerzte Couplets bringt, immer ist sie bezau- CURT WILR bernd, ueberzeugend und Lilianette und Jacques Arndt guter Kammermusiker bekannt. erwies sich an diesem Abend als ueberaus feinfuehliger, anpassender und sicherer Begleiter, der ohne Verlust eigener Persoenlichkeit die Hauptaufgabe des Begleiters nie ausser Acht liess, naemlich, zu “begleiten”. Der Abend wurde von einigen netten Worten eingeleitet, die von Herrn Guenther Mos. se verfasst und gesprochen wurden. Leider reicht der Raum nicht aus, um all das Beschreibenswerte zu beschreiben, deshalb wuerdigen wir nur noch die Wortkunst Arndt’s, seine grosse Charakterisierungsfaehigkeit die vor uns sogar “7 verschiedene Kongressredner” erstehen liess, der persoenliche Charme und die Vielseitigkeit Lilianettes, die es ihr ermoeglichen, ein suess . naives “Maedchen vom Land”, eine "Mondaine von 1900” oder eine dramatische "Dreigroschenoper-Polly” gleich ueberzeugend z u gestalten. Nicht zu vergessen die Modenschau berauschender Toiletten die jedes Herz hoeher schlagen liessen, sowie das erlesene Programm, dessen Zusammenstellung einen ausserordentlichen Kunstsinn verraet und das hoechste Niveau besitzt. Alles in allem ein prachtvoller Abend. Dank dem Cisroco als Veranstaltern. uns diesen genussreichen Abend vermittelt zu haben! Dank den beiden Kuenstlern Lilianette und Jacques Arndt! Und — auf Wiedersehen! B.M.