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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-08-01 · 8 (Agosto, 1925) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
8 (Agosto, 1925)
Date
1952-08-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Agosto, 1952 BOLETIN INFORMATIVO Israels Auszug aus Aegyptens Legende oder Geschichte? Von Dr. IMMANUEL LEWY Israels alte Geschichte ist in jenem einzigartigen Buch verankert, das zum Buch der Welt und durch das wir zum Volke des Buches geworden sind. Jede Generation hat Neues aus dem Buch heraus gelesen, und in jeder Generation gibt es verschiedene Auflassungen und. Einstellungen zu jener alten und Immer wieder neuen Quelle. Der vorliegende Aufsatz Dr. Immanuel Lewys aus New York stellt einen neuen Versuch dar, Klarheit ueber den wichtigsten Moment der alten Geschichte Israels zu schaffen, Eh mag dem einen oder dem anderen manche Auffassung. Dr. Lewys befremdlich erscheinen, aber, wie er seihst an anderer Stolle sagt, ist sein Buch alles andere als radikal. Dr. Lewy hat in seinem Buche “The Birth of the Blble’' in den Einzelheiten seine Einstellung zur Erforschung und historischen Wuerdigung der Bibel dargestellt, weshalb fuer weitere Fragen auf das Buch selbst verwiesen sei. (1). G. L. DIE Geschichtswissenschaft hat diverse erfolgreiche Methoden entwickelt, die ihr gestatten, sagenhafte Elemente von historischen Tatsachen zu trennen. Diese Methoden sind aehnlich denen eines Gerichtshofs. Er. stens werden soviel Zeugen und Dokumente als moeglich beigebracht und zweitens werden diese durch Kreuzverhoer kontrolliert, um Gewissheit zu erlangen, wie weit sie zuverlaessig sind, und ob ihre Autoren kein Interesse haben, die Wahrheit zu verheimlichen. Da wir keine nichthebraeischen Ueberlieferungen haben, die uns von der Knechtschaft der hebraeischen Staemme in Aegypten und von ihrer Befreiung im Zeitalter Moses berichten koennten, bleibt uns nur der eine’ Weg uebrig, um die Wahrheit zu ermitteln, naemlich den des Kreuzverhoers unserer biblischen Dokumente. Der erste Schritt ist eine vorsichtige und unparteiische Analyse der Quellen. Dann muessen wir die Daten und die Zuverlaessigkeit der verschiedenen Quellen, falls vorhanden, festzustellen versuchen. Das Zeugnis der Dokumente Das aelteste Dokument des Pentateuchs ist, nach der von den meisten modernen Bibelforschern akzeptierten Mei nung, das jahvistische Dokument, so genannt, wegen des von ihm gebrauchten Namen J ah weh fuer Gott. Dieses Do. kument wurde, nach Ansicht der Wellhausenschen Schule um 850 vor der ueblichen Zeitrechnung verfasst. Aber, wie Prof. G. E. Wright sagt, “werden die Argumente zu Gunsten eines davidischen oder salomonischen Datums immer ueberzeugender. Infolgedessen geht eine wachsende Zahl von Forschern zu der Meinung ue. ber, dass das 10. Jahrhundert den wahrscheinlichsten historischen Hintergrund fuer die. se schriftliche Version der alten Tradition hergibt”. (Arbeit fuer die Society of Biblical Literature and Exegesis, Sitzung vom Dezember 1950). Die aelteste Erzaehlung ue. ber Mose handelt von JHWH’s Aufforderung an ihn. Wir ha. ben drei verschieden Versio, nen dieser Erzaehlung: Eine jahvistische und zwei elohisti. sehe (so genannt nach ihrem Gebrauch des Wortes Elohim fuer Gott). Der Hauptunter, schied besteht in Folgendem: Fuer den Jahvisten war der Nähme JHWH schon vor Mose bekannt; fuer den Elohisten wurde dieser Name erst Mose offenbart. Wenn wir spaetere Zusaetze auslassen, lautet der urspruengliche jahvistische Bericht folgendermassen: “Da huetete Mose die Herde seines Schwiegervaters, das Prie. sters von Midian; und er fuehrte die Herde bis ueber die Wueste hinaus. Und er sah einen Busch im Feuer brennen. aber der Busch wurde nicht verzehrt. Und Mose sprach: “Ich will mich seitwaerts wenden und diese grosse Erscheinung ansehen, warum der Strauch nicht ver. (1) Anschrift des Verfassers: 9 Sherman Ave., Opt. 5 C, New York 34, N. Y., U.S.A. brennt”. Und JHWH sah, dass er sich beiseite wandte und sprach: “Ich bin der Gott deines Vaters. Ich hab’ das Elend meines Volkes gesehen, das in Aegypten ist und habe ih? ren Schrei ueber ihre Arbeits. aufseh er gehoert; ich habe Acht auf ihre Beiden. Geh und versammle die Aeltesten Israels und sprich zu ihnen: JHWH, der Gott eurer Vaeter ist mir erschienen und hat gesagt: Ich habe eurer gedacht und gesehen, was euch in Aegypten angetan worden ist. Und wenn sie auf deine Stimme nicht hoeren, dann sollst d,u gehen, du und die Aeltesten von Israel, zum Koenig von Aegypten und ihm sagen: JHWH, der Gott der Hebraeer ist uns gegenwaertig geworden, und nun lass uns gehen, drei Tagesreisen weit, in die Wueste, dass wir JHWH, unserem Gott, opfern”. (Ex. 3:1, 2b, 3, 4a, 7. 16, 18). Nach dem noerdlichen, prophetischen, Elohisten, war der Ort des Offenbarung der hei. lige Boden am Fusse des Berges Gottes, des Horeb. Mose wurde befohlen, 4ie Israeliten aus Aegypten herauszufuehren und dabei hoerte er zum ersten Male den Namen JHWH. Nach dem suedlichen, prie. sterlichen, Elohisten ver. sprach Gott den Vaetern das Land Kanaan. Diese kannten den Namen JHWH nicht. Mose sollte den Israeliten sagen, JHWH wuerde sie aus Aegypten herausfuehren und ihnen das Land Kanaan geben. (Ex. 6:2.9). Diese drei Berichte zeigen, wie sich die alte Erzaehlung entwickelt hat. Das aelteste Dokument spricht von einem Gott d,er Hebraeer, nicht der Israeliten, von drei Tagereisen, aber weder von einem Einruecken in Kanaan, noch von einem Bund mit den Vae. tern, noch von einem heiligen Berg, noch von einem neuen Gottesnamen. Aber alle drei Dokumente .stimmen darin ueberein, dass die Hebraeer in Aegypten gelitten haben, und dass Mose einen goettli. chen Ruf gehoert hat, sie zu befreien. Eine andere Belegstelle'TuSr den Auszug sind die Sprueche Balaams, die auch der david.i. schen Zeit angehoeren, wie aus Balaams Prophezeiung ueber einen Koenig, der Israel von Moab, Edom und vielleicht auch von den Philistern befreien wird, ersichtlich ist. (Nu. 24: 17. 18). Es heisst dort: “El hat sie aus Aegypten herausgebracht”. (23:21); El war der Name des hebraeischen Gottes, bevor die Hebraeer von JHWH gehoert hatten. Im Munde Balaams bedeutet er “Gott”. Die Stelle wird in 24:8 wiederholt. Alle anderen Hinweise , auf d,en Auszug sind juenger. Der Pentateuch bezieht sich auf den Auszug einige siebzig Mal. meist in den Buechern Exodus und Deuteronomium. Alle anderen historischen Bue. cher und die meisten prophetischen Buecher erwaehnen diese Ueberlieferung des Auszuges. Die aeltesten prophetischen Hinweise stehen in Arnos: “Ich habe euch heraufgebracht aus dem Lande Aegypten”. (2:10) und in Hosea: “aus Aegypten rief ich meinen Sohn (d. i. Israel)”, “Und ich, JHWH, habe euch heraufgebracht aus dem Lande Aegypten” (12:14). Alle diese Stellen sind, Teil des ursprünglichen Textes und kei. ne spaeteren Ergaenzungen. Jesaja (10:26) erwaehnt den “Stab, den Gott nach der Art Aegyptens erhebt” an einer alten und echten Stelle. Da sowohl die noerdlichen, als auch die suedlichen Propheten mit dem Aufenthalt Israels in Aegypten und dem Auszug vertraut waren, muss diese Tradition aelter als die Reichsteilung sein. Aus diesen ganzen Angaben koennen wir ersehen, dass die Israeliten zur Zeit Davids und Salomos ueberzeugt waren, dass ihre hebraeischen Vorfahren in Aegypten gelitten hatten und mit goettlicher Hilfe entflohen waren. Der Name Mose wird von den aeltesten Propheten nicht erwaehnt. Da aber die drei Autoren des Pen. tateuchs, sowohl die noerdlichen als auch die suedlichen, die prophetischen wie die priesterlichen, alle darin ue. bereinstimmen, d,ass Mose der Leiter des Auszuges gewesen ist, muss das auch Teil der al ten Ueberlieferung sein. Hatten alle Staemme am Auszug Anteil? Das Zeitalter Davids liegt 250 Jahre nach dem Zeitalter Moses. Da in der Richterzeit die Stamme nicht vereinigt waren, ist es nicht wahr, seheinlich, dass in dieser Zeit eine solche Tradition, die dem Norden und dem Sueden, den Priestern und, den Propheten gemeinsam war, entstanden sein kann. Da es nicht sehr ruehmlich ist, von Sklaven abzustammen, ist es psychologisch unwahrscheinlich, dass ein Stamm diese Tradition in der Richterzeit erfunden, und dass die anderen Staemme sie gar noch uebernommen haet. ten. Haette der Auszug aus Aegypten ueberhaupt nicht stattgefunden, und Israel wae. re nie in Aegypten gewesen, so wuerden auch die Joseph- und Mosesgeschichten jeder historischen Grundlage ent. behren. Beide geben keinen Sinn ohne den aegyptischen Hintergrund. Die hebraeischen Staemme haetten dann jahrhundertelang im Negew gelebt, nachdem sie den mittleren und noerdlichen Teil Kanaans verlassen mussten, sei es auf Grund einer Hungersnot, sei es von feindlichen Staemmen vertrieben. Schon das aelteste Dokument, naem. lich der jahvistische Bericht, ist mit vielen Zuegen der Mose. und Josephgeschiehten wohl vertraut. Diese Geschichten moegen in der vor. monarchischen Zeit und auch in d,er nachsalomonischen Epoche erweitert und ver. schoenert worden, aber aus dem Nichts heraus koennen sie nicht entstanden sein. Es ist moeglich, dass nicht alle Vorfahren der spaeteren israelitischen Staemme in Aegypten geknechtet worden sind, aber es muessen allenfalls einige Staemme gewesen sein, die unter Moses Leitung ausgezogen sind, denn sonst haette die Ueberlieferung vom Hause der Knechtschaft und der Befreiung durch Mose kei. ne Ursache. Es besteht effektiv einige Ursache anzunehmen, dass einige der hebraeischen Staemme mit den Schechemiten Vertraege geschlossen haben. Sie trieben miteinander Handel und heirateten unterei. nander (Gen. 34). Andere Versionen wissen von Kaempfen zwischen Hebraeern und Schechemiten in der spaeten Pa. triarchenzeit. Das Buch Jo. sua, das von einunddreissig von Josua besiegten Koenigen berichtet, erwaehnt nichts von einer Eroberung Sichems (Schechems) durch die Hebraeer. Daraus koennen wir schliessen, dass die in Sichern ansaessigen Hebraeer nie in Aegypten gewesen waren. Gen. 38 erzaehlt uns von Juda, dass dieser Klan sich in den aeltesten Zeiten von den anderen Staemmen oder Klans getrennt hatte und durch Mischehen mit den Ka. naanaeern zwei neue Klans aus Juda entstanden, naemlich Zarhi und Parzi. Alle diese Klans sind anscheinend nie in Aegypten gewesen. Aus den ugaristischen Epen wissen wir, dass schon ein odjer mehrere Jahrhunderte vor der Zeit Moses in Ost-Palaestina die Gegenden Ascher und Se. bulon bestanden hatten. Da nun die einwandernden israelitischen Staemme ihre Namen von diesen Gegenden ue. bemommen hatten, koennen sie nicht mit diesen Stammesnamen in Aegypten existiert haben. Es sab noch eine aeltere Einteilung Alt-Israels, naem. lieh in die Lea. und Rahelstaemme, das sind die Hauptstaemme, einerseits, und in die Bilha. und Zilpastaemme. naemlich die “Kebsweiber”staemme, andererseits Diese Kebsweiberstaemme moegen nach der Landnahme zu Israel gestossen sein, wie wir es von den Ascher- und Sebulonstaemmen wissen. Da Josenh nach Aegypten verkauft worden war. eine Aegypterin zur Frau hatte und. seine Kinder in Aegypten geboren worden waren, sind wir auf Grund der jahvisti. schen Ueberlieferung berechtigt. diese Tradition so auszulegen. dass der Josephklan in Aegypten war. Da verschie dene levitische Namen wie' Mose. Pinchas. Assir. Merari u. A. aegyptischen Ursprungs sind, und die priesterliche Tradition als die vom Pharao erbauten Speicherstaetten die aegvptische Staedte Pitom und Raamses angibt, muessen wir annehmen, dass auch Leviten in Aegypten gewesen sind. Moses selbst wird als Levit bezeichnet, und so schon im aeltesten jahvisti. schen Dokument. Wer war seine Mutter? Der Text sagt: “Und es ging ein Mann aus dem Hause Levi und er nahm eine Tochter Levis zum Weihe” (Ex. 2:1). Das klingt hoechst unwahrscheinlich. Die “Tochter Levis” ist vermutlich eine priesterliche Korrektur fuer etwas anderes. Ich nehme an, dass Moses Mutter urspruenglich die ae. gyptische Hebamme war, die der Autor schon vorher erwaehnt. Die Priester schoben die Geschichte von der Aussetzung (eine altmesopotami. sche Sage) ein und machten so aus seiner Mutter eine Kinderpflegerin an aegyptischen Hof, um so seinen Stand und Ursprung zu erhoehen. Wieviele von den Rahel¬ und Leahstaemmen in Aegypten gewesen sind, wissen wir nicht. Noch wissen wir, ob al le Hebraeer oder nur ein Teil von ihnen in Aegypten versklavt worden sind. Mose hatte anscheinend eine gewisse Verbindung zu den Wuesten staemmen. JHWH war der Name des Gottes der Wuestenberge. Er war den Hebraeern in der Wueste bekannt, aber nicht demjenigen in Aegypten. Die Befreiung kam von der Wueste. Die Vereinigung der Staemme fand an dem heiligen Berge in der Wueste statt. Die noerdliche Tradition nennt ihn Horeb, die suedliche, Sinai. Die reiigioese Bedeutung des Auszuges Das entscheidende Ereignis war die Flucht der Hebraeer zum Meer. Der urspruengli. che Text (so noch in Deut. 11:4) berichtet nur, dass die Aegypter ertrunken sind. Die Darstellung, nach der die Kinder Israel trockenen Fus. ses das Meer durchquerten, ist eine spaetere Verschoene. rung. Die Hebraeer waren gluecklich und lobten ihren Gott. Dieses war das Werk des Wuestengottes JHWH, sagte man ihnen. Ein heftiger Wind oder Sturm von der Wueste her hatte die verfolgenden Aegypter ueberrascht. Wenn die biblischen Autoren das Wort praegten: JHWH hat Israel aus Aegypten her. ausgefuehrt, bezogen sie sich auf diese wundervolle Rettung am Meer, die der Wue. stengott JHWH vollfuehrt hatte. Es gab anscheinend eine guetige kosmische Gewalt, die sie beguenstigt hatte. Dieses Ereignis liess sie ueberleben. Es hat nie seine Bedeutung verloren. Es wurde das erste Glied einer Kette (Schluss auf Seite 17)

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