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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-07-01 · 7 (Julio, 1952) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
7 (Julio, 1952)
Date
1952-07-01
Page
Seite 11 (sequence 5)
Language
German
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Julio, 1952 BOUTIN INFORMATIVO 11 t fuer die Kuender der Nation BIALIKS LETZTE LEBENSZEIT Aus 'Ernst Simon: “Chajim Nachman Biallk, Einiuehrung in sein Leben und sein Werk” er er er :r. as ie. sn >> Bialik bereitete sich zu Ab. schied, Heimkehr und Ver. soehnung. Und er gewann in diesen letzten Jahren seines Lebens und Dichtens eine neue seelische Haltung, die der zweiten Naivitaet. Nachdem er alles Lernbare gelernt, alles wissbare erfahren und alles Fragbare gefragt hatte, stieg die Glaubenswelt, im Innersten unzerstoert, wieder in ihm auf, und er ergriff sie mit wiedergeborener Kindlichkeit. Im letzten Jahre seines Lebens ging er daran, das Epos seiner Kindheit, seiner “Waisenschaft” zu schreiben. Diese letzte Heimkehr, die zugleich eine Heimkehr zur Dichtung war, wurde ihm im Heimatlande selber ver. goennt; Erez Israel verlor seine hemmende Macht gegen. Schabbai, 9, im Monai Tamus, 5712 lerkehr von Herzls Todestag) i mir, sprach: Mutterleib ¡e fuhrst » lemmen habe ich dich gegeben. Jirmejahu I, 4.5 (Deutsch von Martin Buber) en sh on of ■er zis ei. 1er kr. ch mift en zu ht us wird fortbestehen und wachsen, weil seine Gruende nicht behoben, nicht behebbar sind... Wir sind ein Volk — der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu, wie das immer in der Geschichte so war. In der Bedraengnis stehen wir zusammen, und da entdecken wir ploetzlich unsere Kraft, einen Staat, und zwar einen Musterstaat zu bilden. Wir haben alle menschlichen und sachlichen Mittel, die da. zu noetig sind. Ich will sie jetzt nicht herzaehlen, das geschieht in meiner Staatsschrift, die eine konstruktive Widerlegung aller mir bekannt gewordenen Einwen. düngen gegen den Plan ist... Das Ganze ist in seiner Grundform unendlich einfach und muss es ja auch sein, wenn es von allen Menschen verstanden werden soll. Man gebe uns die Souveraenitaet eines fuer unsere gerechten Volksbeduerfnisse genuegenden Stueckes der Erdoberflae. che — alles Andere werden wir selbst besorgen...” Palaestina ist unsere unvergessliche historische Heimat. Diese Name allein waere ein gewaltiger, ergreifender Sammelruf fuer unser Volk. Wenn Seine Majestaet der Sultan uns Palaestina gaebe, koennten wir uns dafuer anheischig machen, die Finanzen der Tuerkei gaenzlich zu regeln. Fuer Europa wuerden wir dort ein Stueck des Walles gegen Asien bilden. Wir wuerden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen.Wir wuerden als neu. ISOENLI.CHKEIT HERZLS Von MARTIN BUBER schreiblichen Ein. ngebung aus. Es on ihm aus, dem nr. Am maechtigif die Massen des hen hatten. Die zaertliche Legenle Handlungen in inisses, schmueck. anischem Glanze. :kt, welches das;e, konnte Herzls i. Enttaeuschunsn sein Selbstver. iftssicherheit. So Er starb, all der m bewusst, die er i Sterben war von Sonne bestrahlt. Gegnern das Bild einer sonnenhaften, harmonisch gebundenen Erscheinung. Niemand hat die Reinheit seines Wesens, die Treue seiner Hingabe, die Aufrichtigkeit seines Wirkens an. gezweifelt. Er war «?in Dichter; das Schicksal fuehrte ihn seinem Volke zu und machte ihn zum Helden; aber er hat nie aufgehoert, Dichter zu sein. Er hat viel geirrt, aber es gilt von ihm sein eigenes Wort: “Es gibt im Leben eines Volkes... Individuen ohnegleichen. Ihre Fehler und Vorzuege gehoeren zum unveraeusserlichen Eigentum der Nation, die solche Gestalten hervorbringt. Sie muessen sich nach ihrer Natur ausleben, schaden, nuetzen, das Volk hinreissen...; sie muessen Irrtuemer wie eine fruchtbare Nilueberschwemmung ueber das Land ausgiessen, fuer einen fernen Zweck”. WIMmMWUWWMAAMWmMMAWWWWMMWMAMWMMIW traler Staat im Zusammenhänge bleiben mit ganz Europa, das unsere Existenz garantieren muesste. Fuer die heiligen Staetten der Christenheit liesse sich eine voelkerrechtliche Form der Exterritorialisierung finden, wir wuerden die Ehrenwache um die heiligen Stellen bilden und mit unserer Existenz fuer die Erfuellung dieser Pflicht haften. Diese Ehrenwache waere das grosse Symbol fuer die Loesung der Judenfrage, nach beinahe 19 fuer das Judentum qualvollen Jahrhunderten... Die Judenfrage ist ebensowenig eine soziale wie eine religioese, wenn sie sich auch so und anders faerbt. Die Judenfrage ist eine nationale, und um sie zu loesen. muessen wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im Rate der Kul. turvoelker zu regeln sein wird. Wir sind ein Volk, ein Volk. .. .Ich glaube, dass ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde wachsen wird. Die Makkabaeer werden wieder aufstehen. Und so wird es zugehen: gerade die Armen und Einfachen, die garnicht wissen, welche Macht der Mensch schon ueber die Naturkraefte besitzt — gerade die Einfachen unseres Volkes werden die neue Botschaft am staerksten glauben. Denn sie haben die Hoffnung auf das Gelobte Land nicht verloren. Da ist es, Juden! Kein Maerchen, kein Betrug! Jeder kann sich davon ueberzeugen, denn Jeder traegt ein Stueck vom Gelobten Land hinueber: der in seinem Kopfe, und der in seinen Armen, und jener in seinem erworben Gut. “Wir wollen endlich als freie Maenner auf unserer ei. genen Scholle leben und in unserer eigenen Heimat ruhig sterben”. ueber seiner Schaffenskraft. Zuerst — schon 1925 ansetzend, doch mit endgueltigem Gelingen erst 1933— beschwor er das Bild des Vaters, ganz ill»»; ._: ¡¡SU* Chajim Nachman Bialik — Dichter und Erzieher leibhaftig in seiner ueberschweren Arbeit hinter dem Schanktisch, die er mit der Geduld eines ‘knochigen Lastochsen” tat, und zugleich als ein Sinnbild seiner Doppelherkunft aus Reinheit und Unreinheit, wie seine Augen im Dunstkreis der betrunkenen Bauern immer wieder nach der vor ihm auf geschlagen liegenden Mischna suchen. Der fruehe Tod umkleidet ihn mit den bluetenweis. sen sterbegewaendern und hebt ihn so in die letzte Reinheit; der Grabstein nimmt ihn in die grosse Namenlosigkeit der Gemeinschaft dei Toten Israels auf: “Hier ruht ein schlichter, gerader Mann”. Nach dem Tode des Vaters beginnt die Trauerzeit der “Sie. ben Tage”. Ihre Braeuche werden nicht als fertig ueber. nommen geschildert, s‘o n. d e r n entstehen gleichsam jetzt zum ersten Male. Die glaenzenden Kupfergeräete und die hellen Farben des “Misrach” blicken schon vorahnend dem haesslichen Untier der nahenden Armut ins Gesicht und werden stumpf; da verdeckt der Spiegel sein Antlitz mit einem Bettuch. Nun erscheinen, wiederum als letzte wie in den Naturliedern, die Repraesentanten der Menschenwelt: berufsmaessi. ge Klageweiber; aber ihr ge. wohnheitsmaessiges Schreien verstummt gegenueber dem echten Leid, auf das sie treffen. Nur gegen den Minjan, die traditionelle Betergemein. Schaft im Trauerhause, gibt es keine Rettung. Der verwaiste Knabe wird mit seinem “Kaddisch” unbarmherzig zur Schau gestellt — hoechstens dass der Geist des Vaters, den der Segenswunsch des Achtzehngebetes “der die Toten wiederbelebt’’ herbeigefuehrt hat, ihn, den Trauernden, bemitleide. Die Mutter aber, schon in diesen Tagen schwankend zwischen der Trauer um das Verlorene und der Sorge um das Kommende, erhebt sicn am siebenten Tage zu dem ihr bestimmten Kampfe. Es ist der Kampf der Frau in ihrer “Witwenschaft” um die eigene Existenz und die dreier Waisen, der nun noch einmal mit dem vollen Einsatz der realistischen Schilderungskunst und aller alten rebellischen Bitterkeit geschildert wird. Zunaechst klagt der Dichter die Kraft des aufbewahrenden G e. daechtnisses an, das ihm alle alle schrecklichen Jugendein. druecke erhielt, aber dann beruft er es gerade, um sich das Elend und die Armut der Mutter taeglich zu neuem, erregendem Wirken bereit zu halten. Er kann Gott ihr Leid nicht vergessen, und ewig wird es die Quelle aller seiner Lieder bleiben. Wieder also schildert er ihre furchtbaren Lebensumstaende: die entsetzlich vertierten, von Not und Lebenskampf entstellten,, zu Wildkatzen gewordenen Marktweiber, in deren Gesellschaft sie sich zoegernd — und zuletzt doch erfolglos — begeben muss. Endlich aber entschliesst sie sich — wer wagt, sie zu schelten! — eines der Kinder, i h n, Chajim Nachman, zu ihrem Schwiegervater zu bringen, gleich Hagat, der aegyptischen Magd, die in ihrer Verzweiflung ihren Sohn Jischmael der Wueste preiszugeben bereit war. So naht der “Abschied” heran. Das so betitelte Gedicht sollte sein letztes werden: ein (Schluss auf Seite 14) id ng us zh h. if- ■ann-;r. le. :r. .dn. ht ren. ib. ee ad ber nlischen Maechte. Der Morgen graute endlich ueber unbekannten Gewaessern, durch die wir fuhren. Ein Hollandschdiep in Oberoesterreich. Aecker und Auen im Wasser, Baeume stehen bis an die Brust inder braunen Flut, blanke, traurige Haeuschen bis an die Fenster eingetaucht, und verlorener Hausrat schwimmt an den Bahndamm, der einer langen Insel gleicht. Von Linz, hatte es unterwegs geheissen, koenne man ueberhaupt nicht weiter. Aber das war nur ein aufgeregtes Maerchen. Es ging weiter, noch ein gutes Stueck, bis wir an die Station kamen, wo die eiserne Spur unterbrochen war. Von da zwei Stunden ueber Land nach dem ausgetretenen See, unserem Ziel. Eine Fahrt mit der Postkutsche, nicht uebel im Sonnenschein durch eine Landschaft, die nichts Tragisches mehr an sich hatte, wenn auch ein Strom rauschte, wo sonst ein Baechlein zu Tale taendelte. Die Kutsche war gebrechlich wie ein alter Major im Ruhestande, den sie ploetzlich zu den Waffen einberufen hatten. Aber das Beste war der erstaunliche Genosse, der da breit auf einer Laengsbank im Wagen sass. Seine Tracht war nicht gewoehnlich, halb staedtisch, halb baeuerlich. Das beite Ge. sicht mit der knolligen Nase und dem dreifachen Kinn war aufgedunsen, fahl und dennoch voller Lustigkeit. Schnurr, und Wangenbaert, chen, graue und flackernde Aeuglein. Die Wahrheit, die wir am Ende der Fahrt ueber den bleichen dicken Prahlhans vernahmen, war weniger spasshaft. Der Dicke war naemlich ein geheilter Irrsinniger und wurde jetzt aus der Anstalt auf dem Schub in seine Heimatgemeinde zu. rueckgebracht. Einst war er ein reicher Mueller hier am Ausflusse des Sees, vertat aber sein Gut, stuerzte sich in Prozesse und musste schliesslich als Verrueckter ins Irrenhaus gebracht werden. Dort in dem naechsten Ort hinter Jener vorspringenden Landzunge wird er fortab das harte Gnadenbrot mit seinen alten Zaehnen kauen muessen. Und wie er sich da. bei maechtig aufrecht haelt! Am Ufer haben sich mittlerweile die Dorfbewohner auf die Kunde versammelt, dass der verkommene Mueller wie. der da sei. Sie starren ihn neugierig an, und wenn er den Ruecken wendet, kichern die Weiber und zischeln die Maenner ueber den Sehuebling, die gesunkene Groesse. Er bemerkt es nicht oder tut so, um seinen Gram vor den Hartherzigen nicht sehen zu lassen... An den ueberschwemmten Ortschaften vorbei ziehen wir nach dem fernen anderen Ende des Sees. In den Gaer. ten am Ufer steht das Wasser hoch, die Gaesschen zwischen den Haeusern sind Lagunen, und die einzige Strasse ward zum Kanal, Die sommerlichen Doerfler aus der Stadt sind von verschiedenem kleinen Ungemach befallen worden, Aber wenn das nur erst ein paar Tage dauert und der an. faengliche Schrecken verwunden ist, stellt sich auch der Humor von dieser Sache ein. Es gibt allerlei waessrige Lustbarkeiten, neue Scherze auf Kaehnen und Baikonen, und namentlich die Leute, die hoeher auf dem Berge wohnen, ertragen die Ueber. sehwemmung der anderen mit bemerkenswerter Leich, tigkeit. In den Gaerten am Ufer aber ist fuer alles ein duftendes Gleichnis zu fin. den. Da sind die Landrosen zu Seerosen geworden, und sie bluehen fort, Mensch und Tier und Pflanze, alle Krea. tur fuegt sieh, wenn es nur irgend geht, in alles, um noch den naeehsten Sonnenschein zu erreichen, Nur leben, waere es auch im Wasser i

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