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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-07-01 · 7 (Julio, 1952) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
7 (Julio, 1952)
Date
1952-07-01
Page
Seite 10 (sequence 4)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATIVO Zum 20.-21. Tamus: Jahrzei THEODOR HERZLî SEHER UND PROPHET' Ara Eingang der dreibaendigen Tagebuecher Theodor Herzls steht charakteristischerweise: “Der Judensache erstes Buch”, und wir lesen da mit der Datumsangabe “begonnen in Paris um 1895” folgende Eintragung: “Ich arbeite seit einiger Zeit an einem Werk, das von unendlicher Groesse ist. Ich weiss heute nicht, ob ich es ausfuehren werde. Es sieht aus wie ein maechtiger Traum. Aber seit Jahren und Wochen fuellt es mich aus, bis in die Bewusstlosigkeit hinein, begleitet mich ueberall hin, und schwebt ueber meinen gewoehnlichen Gespraechen, blickt mir ueber die Schulter in die komisch kleine Journalistenarbeit, stoert mich und berauscht mich. Was daraus wird, ist jetzt noch nicht zu ahnen... wird aus dem Roman keine Tat, so kann doch aus der Tat ein Roman werden. Titel: Das Gelobte Land...! Wann ich eigentlich anfing, mich mit der Judenfrage zu beschaeftigen? Wahrscheinlich, seit sie aufkam. Sicher, seit ich Duehrings Buch gelesen. In einem meiner alten Notizbuecher, das jetzt in Wien irgendwo eingesackt steckt, finden sich die ersten Bemerkungen ueber Duehrings Buch und die Frage... Im weiteren Verlauf der Jahre hat die Frage an mir gebohrt und genagt, mich ge. quaelt und sehr ungluecklich gemacht... Zuerst hat mich die Judenfrage bitterlich gekraenkt. Es gab vielleicht eine Zeit, wo ich ihr gern entwischt waere, hin ueber ins Cristentum, irgendvrohin. Jedenfalls waren das nur unbestimmte Wuensche einer jugendlichen Sehwaeche...” # Am Pfingstmontag, 3. Juni schreibt Theodor Herzl an den bekannten juedischen Philanthropen, Baron Hirsch in Paris einen Brief, in dem es heisst: “Hochgeehrter Herr! Wohl haette ich Sie als eine vorhandene und bekannte Kraft der Kuerze wegen gerne benutzt. Aber Sie waeren eben nur die Kraft gewesen, - mit der ich begonnen haette. Es gibt andere. Es gibt endlich und vor allem die Masse der Juden, zu der ich den Baumeister der Zionistischen Organisation — Vater des Staates. Wf: Weg zu finden wissen wer. i de... Sie sind der grosse Geldjude, ich bin der Geistesjude. Daher kommen die Verschiedenheiten unserer Mittel und Wege... Ich haette Ihnen schliesslich sagen muessen, welche Fahne und wie ich sie aufrollen will. Und da haetten Sie mich spoettisch gefragt: eine Fahne, was ist das? Eine Stange mit einem Fetzen Tuch? — Nein, mein Herr, eine Fahne ist mehr ais das. Mit einer Fahne fuehrt man Menschen wohin man will, selbst ins Gelobte Land. Fuer eine Fahne leben und sterben sie; es ist sogar das Einzige, wofuer sie in Massen zu sterben bereit sind, wenn man sie dazu erzieht. Glauben Sie mir, die Politik eines ganzen Volkes — besonders, wenn es so in aller Welt zerstreut ist — macht man nur mit Imponderabilien, die hoch in der Luft schweben. Wer sagt Ihnen, dass ich nicht durchaus praktische Ideen fuer das Detail habe? Detail, das freilich noch immer riesenhaft ist. Der Auszug ins Gelobte Land stellt sich praktisch als eine ungeheure, in der modernen Welt beispiellose Transportunternehmung dar. Was, Transport? Ein Komplex aller menschlichen Unternehmungen, die wie Zahnraeder in. einandergreifen werden. Und bei dieser Unternehmung wird schon in den ersten Staaten die nachstrebende Menge unserer jungen Leute Beschaeftigung finden; alle die Ingenieure, Architekten, Technologen, Chemiker, Aerzte, Advokaten, die in den letzten 30 Jahren aus dem Ghetto herausgekommen sind und glaubten. dass sie ihr Brot und ihr bisschen Ehre ausserhalb des juedischen Schachers finden wuerden; die jetzt verzweifeln muessen und ein furcht, bares Bildungsproletariat zu bilden beginnen. Denen aber meine ganze Liebe gehoert und die ich so vermehren will, wie Sie sie vermindern moechten. In denen ich die kuenftige, noch ruhende Kraft der Juden sehe... Ich werde eine Nationalan. leihe der Juden schaffen. Diese Anleihe wird selbst zur Hauptform der Vermoegens. auswanderung werden. Das ist der staatsfinanzielle Kern der Sache. Es ist vielleicht nicht ueberfluessig hier zu bemerken, dass ich das alles als Politiker ausfuehre. Ich bin kein Geschaeftsmann und will nie einer werden. Man Der Mythos von seinem Leben Der Weg, den wir Jungen gehen, ist nicht der Weg Theodor Herzls. Wir, die ihn recht zu verstehen glauben, koennen ohne Scheu das zu. geben. Herzl ist zu gross, als dass wir ihn zu faelschen brauchten.., Nicht Herzls... diplomatische Aktionen, nicht seine politischen Methoden, selbst nicht die Einzelzuege seiner Vorstellung von der Loesung der Ju. j denfrage sind wesentlich. Nicht, WAS er gewollt, sondern DASS er gewollt und WIE er gewollt. Das ewige Erbe, das er uns gelassen hat, j ist dieses: der Mythos i von seinem Leben. | (Robert Weltsch, 1913) j findet juedisches Geld eine chinesische Anleihe Negerbahnen in Afrika die abenteuerlichsten 1 nehmungen — und fue tiefste, unmittelbarste, lendste Beduerfnis der selbst faende man keil Aus der Haflara fi dei (Vorabend der 48. \ SEINE Rede geschal Ehe ich dich bildete habe ich dich gewus ehe dir aus dem Sei habe ich dich gehei als Kuender den Wel Am 17. Januar 1896 ers dann im Londoner “J Chronicle” ein Aufsatz Herzl, betitelt “A Solutii the Jewish Question”. I Artikel war Theodor I erstes Hervortreten mit nein Judenstaatsplan in Oeffentlichkeit. In dieser tikel heisst es: “Wir haben ueberall eh versucht, in der uns gebenden Volksgemeinst aufzugehen und nur Glauben unserer Vaetej bewahren. Man laesst es i zu... Der Antisemitii .WWMAIMAWVUMAMMM DIE PE Herzl uebte einen un fluss auf seine ganze ging etwas Bannendes kaum zu widerstehen sten aber wirkte er Volkes, die ihn nie ge Volksphantasie wob eil de um ihn, tauchte si das Daemmer des Gehe te seine Stirn mit me: Auch das Ostafrikapr« Ideal des Volkes verlel Macht nicht erschuetti gen wie Erfolge steige trauen und seine Zuki nahm ihn der Tod hi: tragischen Paradoxe ki in seiner Seele trug. Se der Mittagshoehe sein Er liess auch in seinei «VWVWWWWimAMVWM Wenn die Wasser steigen... Von THEODOR HERZL Bei (1er Veroeffentlicliung tier nachfolgenden Zellen hat uns die Absicht geleitet, anlaesslich der Wiederkehr des Todestags Theodor Herzls, seine Persoenllchkeit nicht nur in ihrer politischen und menschlichen Dimension zu wuerdlgen, sondern auch daran zu erinnern, welch glaenzender Leistungen er ln seinem urspruenglichen Beruf —als Journalist und besonders als Feuilletonist—- faehlg war. "E PRESSE-KOMMISSION In jedem Fruehjahr, wenn der Schnee in den Bergen schmilzt, und darueber hinaus die Schleusen des Himmels sich oeffnen. um der Erde den ersten und meist anhaltenden Frue-h jahrsregen 'zu schicken, steigt das Wasser der Fluesse und Baeche. Doch wenn sie . die Ufer treten, Mensch und vn panischen Schrekken ve. und alles Leben ertraenken ui die brausenden Wasserma. •* grandioses Naturschausp.. 1 einer solchen Ueberschwei schrieb'. Theodor Herzl’ in. *199: Eine Reise in Ueberschwem. mungszeiten hat etwas angenehm Abenteuerliches.. Man ist ploetzlich wieder an den Anfang der Dinge zurueckver. setzt. Die Verbindungen von Ort zu Ort sind unsicher geworden. Die Bekannten, die von unserer Absicht hoeren, nach dem Hochwasser auszufahren, beklagen im stillen, wenn auch nicht uebermaes. sig, die rasch zunehmende Zerruettung unseres Geistes. Ein vernuenftiger Mensch liest doch lieber im Kaffeehaus die Berichte ueber eingestuerzte Bruecken, zerstoer. te Bahngeleise und Sommer, frischler, die in Kaehnen ihre Schlafzimmer im ersten Stock verlassen... getreten, Sechs Stunden in Budweis, das klingt ungemein phantastisch. Was, um des grauen Himmels willen, beginnt man in diesen sechs Ewigkeiten? Es ist ein Bahnhof, wie viele andere, mit be. truebten Beamten, die noch sehnsuechtiger auf Befoerde. rung warten als die Reisenden. Ein Bahnhof, eintoenig wie das Klappern der Lokomotive, langweilig wie ein Kohlenmagazin, ereignislos wie die Dienst jahre eines Stationschefs. Die Maltsch, ein deutschj boehmischer Fluss, war aus-1 Man ist in dieser Stimmung dankbar fuer jeden Lastzug, der rangiert wird. Waggons aller Laender sind in bunter Reihe zusammengekuppelt, und darin Petroleum, Bier, Holz, sowie dumpf bloekendes Vieh, . das gleich den Menschen nicht weiss, wo ■ wann es seinen Unterg finden wird. Das reist hii in Nacht und Nebel, ziem eilig und vollkommen nungslos. Zwischen den : fern im Helldunkel der ternen sieht man die k menden Leichen der Bs waerter auftauchen und schwinden, immer in der fahr, dass sie zerdrueckt ’ den. Dann, auf unverstai liehe Zeichen der geschv genen Traglampen, entwe der lange Zug wie ein spenst. In der dritten Morgens' de fuhr auch unser Zug Wer nie in einem Halbki mit noch einem Herrn sitz schlief oder die ernste sicht hatte, zu schlafen, kennt euch nicht, ihr hir

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