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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-07-01 · 7 (Julio, 1952) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
7 (Julio, 1952)
Date
1952-07-01
Page
Seite 9 (sequence 3)
Language
German
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Julio, 1952 BOLETIN INFORMATIVO DAS KLEINE JERUSALEM] Aelteste juedische Gedenkstaetten Deutschlands in Worms Von Dr. FRIEDRICH M. ILLERT Dr. Friedrich M. liiert, der Verfasser des nachfolgenden Artikels, ist Stadtarchivar und Direktor der staedtischen Kulturinstitute ln der alten Raschistadt Worms am Rhein, Seit Jahrzehnten hat er sich mit besonderer Liebe und feinsinnigem Aerstaendnis mit Juedischen Altertümern befasst. Dank seiner Voraussicht, Geschicklichkeit und nicht zuletzt dank seines Mutes ist es gelungen, viele juedische Kulturgueter ueber die Nazizeit hinaus zu retten, sodass ihm nicht nur die Wormser, sondern eigentlich alle westenropaelsche Juden zu Dank verpflichtet sind, MIO TW Grabstein des Hahbi Meier non Rothenhure Es wird in Deutschland keine zweite Synagoge geben, als deren Baujahr ein so fruehes Datum ueberliefert ist wie in Worms mit dem Jahr 1034. Romanische Portale und Gewaende, Saeulen und Kapitaele und Ornamente, die denen am Dom gleichen, bestaetigen diese Datierung. Das inmitten des alten Juden. Viertels gelegene Hei. ligtum ist umgeben von den Geheimnissen zahlreicher Legenden, die sich an sichtbare Eigentümlichkeiten anknuepfen und eine Welt voll wunderbarer Geschehnisse spiegelten. An die romanische Maennersynagoge war die gotische Frauensynagoge angebaut und eine juengere Kapelle, in deren Apsis der steinerne Lehrstuhl des beruehmten Rabbi Raschi (gest. 1105 in Troyes) stand. Ein paar Schritte weiter steigt man in die Tiefe des romanischen Frauenbades. In diesem Milieu konnte man alte Thorarollen mit kostbaren Maentelchen und silbernen Kronen hinter dem kunstvollen Gitter des Thoraschreines sehen, wenn der Diener die schweren gestickten Vorhaenge oeffnete. Hier gab es eine Sammlung alter Handschriften, Sil. bergeraete, Kaiserurkunden, Wimpel und Stickereien —eine uralte Judengemeinde, beruehmt im ganzen Abendland, hatte hier ihren Mittelpunkt. Aus diesen engen Gassen und ihren alten Hoefen stammten bekannte juedische Familien. Hier spielte eine an Groesse und Tragik unerhoerte Geschichte zwischen den beiden Toren der Judengasse in der ehemals Freien Stadt Worms. Die alte Synagoge wurde von den Nazis am 10. November 1938 verbrannt, so dass nur das rauchgeschwaerzte Steinwerk der Architektur uebriglieb. Im Uebermut der siegreichen Jah. re wurden auch diese ehrwuerdigen Mauern und Gewoelbe gesprengt und in einen Steinhaufen verwandelt. Nur die breiten Fundamente blieben fest in der Erde gegruendet, als sollten sie bereit sein, wenn eines Tages die umhergeworfenen Quader und Mauerbloecke wieder Schicht um Schicht an ihren alten Platz zurueckkehren. Die heimliche Sorge des Stadtarchivars hat damals alle romanischen Architekturstuecke vollstaendig und unversehrt aus den Truemmern heben und in Sicherheit bringen lassen, so dass das ganze originale Baumaterial noch vorhanden ist und den Wiederaufbau des alten Heiligtums moeglich macht. Auch in die Juden, gasse fielen Bomben und rissen Luecken in d i e Haeuserreihen und vernichteten die monumentale Schoen. heit des “Steinernen Hauses”, eines durch vier Stockwerke gewoelbten Palastes. Jetzt ist eine Schutz, mau'er um den Truemmerplatz der Synagoge gezogen. Hinter ihr warten die zerstreuten Steine auf den Tag ihrer Auferweckung. Voll Ergriffenheit sprechen und singen die juedischen Besucher, das Gesicht nach Osten gewendet, ihre alten Gebete an der Stelle, wo der Ra. schistuhl stand. Auch er ist in Sicherheit georacnt und wird eines Tages wieder an seinem Platz stehen. Auf schadhaft gewordenen Steinstufen kann man noch in die unterirdi- * Der Raschistuhl sehe Kuehle des Frauenbades hinuntersteigen. Von hier aus geht man in zehn Minuten quer durch die zertruemmerte und langsam zum Leben zurueckkehrende Wormser Altstadt zu der anderen Wallfahrtsstaette der juedischen Welt, dem alten Judenfriedhof, wohin nach alter Ueberlieferung Erde aus dem heiligen Boden Jerusalems gebracht worden ist. Als das kleine Jerusalem steht das juedische Worms im Gedenken der juedischen Welt. Ein Bombenteppich hat die Ruhe des alten Friedhofs aufgerissen, aber die Graeser, Straeucher und Baeume befrieden die Schae. den. Sorgende Haende haben die Grabsteine wieder in Pflege genommen. Vom 11. Jahrhundert an sind die Graeber und Grabsteine da, merkwuerdiges und ergreifendes Dokument eines fast tausend Jahre umfassenden lebendigen Gedenkens. Hier ruhen beruehm. te Juden, zu deren Grabstaetten die juedische Welt wallfahrt. Hier erlebt sie an den Graebern des Maharam (Meier von Rothenburg gest. 1293) und des Maharil (gest. 1427) Stunden frommer Verzueckung. Der alte Friedhof birgt in seiner aelte. sten Haelfte rund .1200 Graeber vom 11. bis 18. Jahrhundert und in seiner juengeren Haelfte ebensoviel vom 18. und 19. Jahrhundert. Es war nicht einfach, dieses monumentale Denkmal der Judenzeit durch die Nazizeit zu retten, wieder, holt lag die Gefahr der Vernichtung ueber ihm, die aber durch gluecklich ersonnene Ruecksichten zum Aufschub gebracht werden konnte, bis die Gefahr vorueber war. So blieben die alten Steine unberuehrt. Nur im Thorakronen neueren Teil wurden Zeichnungen Erich Meier die Grabmaeler umge. stuerzt. Sie sind wieder aufgestellt, und ueber den Frieden dieser Staette breiten die Baeume ihre Blaetterkronen und singen die Amseln und die Nachtigallen. Unvergesslich ist es, wenn ueber dem tau. sendjaehilgen Totenfeld die fruehlingsselige Schoenheit der bluehenden Straeucher und Baeume im Sonnenlicht strahlt. Die kostbaren Handschriften und Urkunden der Judengemeinde wurden vom Stadtarchiv in Sicherheit gebracht und warten jetzt darauf, der kuenftigen neuen Gemeinde wieder zurueckgegeben zu werden, zusammen mit den brandgeschwaerzten Reliquien aus dem Schutt der Synagoge — Thorarollen, Wimpel, Silber. geraete—, die alle eines Tages wieder zuruek. kehren werden an ihre alte Staette, zu der jetzt schon wieder die juedischen Besucher wallfahren. Die Verbindungen mit den in die Welt zerstreuten Wormser Juden sind wieder aufgenommen, und nach der Trostlosigkeit des Leides vieler Jahre rundet sich’ fuer sie in Worms eine Bruecke des Trostes aus ferner Vergangenheit in die Zukunft. TALMUD AUF ENGLISCH Die Soncino Press in London hat eine unge. kuerzte Ausgabe des TALMUD in englischer Uebersetzung herausgebracht, Die Uebersetzung stammt aus der Feder von Rabbi Dr. I. Epstein. NEUE SYNAGOGE In Erfurt wurde der Grundstein fuer eine neue Synagoge auf der in der beruechtigten “Kristallnacht” 1938 zerstoerten, gelegt. Die ostdeutsche Regierung hat fuer den Bau 10,000 Pfund bewilligt. |jgl§ &&*<**** MUSIKNOTIZEN Darius Milhaud, der be. ruehmte juedisch - franzoesische Komponist, der im April seinen ersten Besuch in Jisrael abstattete, hatjisrael ein neues Klavierwerk gewidmet. Es heisst “Der siebenarmige Leuchter” und erschien im April im Verlag “Israeli Mu. sic Publications”, Tel Aviv, mit Umschlagbild von Ludwig Schwerin. Im gleichen Verlag erscheint die neue Solo-Violinsonate von Paul Ben.Haim, die Jehudi Menuhin im Februar in New Yorks Carnegie Hall u rauf gef uehrt hat. Das von Arnold Schoenberg unvollendet hinterlassene Oratorium, die “Jakobs-Leiter”, wird auf testamentarischen Wunsch des verstorbenen Komponisten von Karl Rankl, dem bisherigen Direktor der Londoner Covent Garden Opera, zu Ende gefuehrt werden. Unter Leitung von Dimitri Mitropoulos fand in Amerika die Premiere von Arnold Schoenbergs bereits 1909 vollendeten Monodrama “Er. Wartung” statt, dessen ausserordentlich schwierige Gesangspartie von Dorothy Dow bewundernswert durchgeführt wurde. Das Werk in seiner kühnen, der Zeit weit vorauseilenden Behandlung musikalischer und dramatischer Probleme hinterliess staerkste Eindrücke. Das erste ausschliesslich für Orchester geschriebene Werk des italienisch.amerika. nischen Komponisten, Gian. carlo Menotti, “Apocalypse” fand in Pittsburg unter Leitung von Victor de ßabata statt. Der Komponist hat durch eine Reihe von Opern, darunter vor allem seine originellen Schoepfungen “Das Telefon” und “Der Konsul” internationale Beachtung gefunden. Vom avisierten Johann Straus« zum entjudeten Bizet Zufaellig finde ich in alten Papieren die Glosse der Na_ tional-Zeitung vom 14. Juli 1951, in der die Geschichte der Goebbelsschen Arisierung von Johann Strauss erzaehlt wird, dessen Grossvater noch Jude war. Das erinnert mich an die Wiener Jahre unter Lueger, der die Aufstellung des huebschen Strauss-Denkmals in Wien veranlasste. Als damals die Presse der Aktua. litaet halber Nachforschungen ueber die Familie Strauss anstellte und auf die ruchlose Herkunft des oesterreichischen Nationalkomponisten stiess, unterblieb die Veroeffentlichung auf Wunsch Luegers, der ja nicht nur bestimmte, wer ein Jud’, sondern auch wer kein Jud’ ist. Ebensowenig bekannt wie der Fall Strauss ist der Fall Bizet. Der Komponist der “Carmen” wurde oft als Jude oder Halbjude bezeichnet, aber diese Angabe wurde und wird gewoehnlich als Irrtum bezeichnet, hervorgerufen dadurch, dass Bizet der Schwiegersohn Halövys war. Nachforschungen schienen zwecklos. weil die Register der Familie verbrannt sind. Im Jah re 1933 erzaehlte mir aber Julius Kapp, damals Dramaturg der Berliner Staatsoper, dass er einen Sack unveröffentlichter Bizet-Papiere besitze, die er seit Jahren fuer eine Bizet.Biographie gesammelt hatte. Darunter befinde sich ein Brief von Bizet, der als gluehender Wagnerianer — Carmen schliesst ja mit einem Tristan-Zitat — entruestet ueber Wagners Schmaehschrift gegen das Judentum in der Musik schreibt, unter diesen Umstaenden wolle er bekennen, dass er Jude sei. Gb er das getan hat, weiss ich nicht. Ich fragte Kapp, ob er die Biographie jetzt schreiben oder das Verbot von “Carmen” beantragen wolle, e;r meinte aber, mit dem Buch warte er bis zum Sturz Hitlers, und dass “Carmen” weiter gespielt wird. be. reite ihm ein grimmiges Ver. gnuegen. Er erzaehlte uebrigens dasselbe anderen Bekannten, offenbar legte er Wert auf Verbreitung und Publikation seiner Mitteilung. Ich weiss nicht, ob KapD noch lebt und ob sein Bizet- Sack die Berliner Braende ueberstanden hat; aber Kapp ist ja gerade durch die Korrekturen, die seine Buecher zu Wagner, Lizt, Meyerbeer lieferten, ein angesehener Musikhistoriker geworden, und so besteht kein Grund, seine Angabe zu bezweifeln. F. Stgr. Der njchtjj'ucdisclie Mr. Samuel Die Ernennung Mr. lian Samuels zum ersten Sekretaer des britischen Gesandten in Damaskus hat dem britischen Aussenministerium viel Kopfzerbrechen verursacht, wie die Wochenschrift “Jewish Observer and Middle East Review” meldet. Die Syrier waren sehr argwoehnisch in Bezug auf Mr. Samuels rassische Abstammung, und er musste nach seiner Ankunft in Damaskus mehrere hochnotpeinliche Untersuchungen ueber die Religion und geographische Herkunft seiner Vorfahren ueber sich ergehen lassen. Erst als die britische Gesandtschaft dem syrischen Chef des Protokolls versicherte, dass bei der Anlegung des Doesday Boo, des ersten Grundbuches in England (1083.86 n. Chr.), viele Englaender, die noch keine richtigen Zunamen hatten, solche annehmen mussten und dabei haeufig auf die Bibel zu. rueckgrilfen, gaben sich die Syrier zufrieden: sie hatten es | mit einem Adligen aus altem Stamm zu tun. (AjW),

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