Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 4 (Abril, 1952)
- Date
- 1952-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1952 BOLETIN INFORMATIVO (Paesse, Visa, Im Folgenden sc-hldessen wir die ln unserer vorigen Ausgaben begonnenen Betrachtungen ueber das Problem der Internationalen Bewegungsfreiheit mit einigen Gedanken zu unserer eigenen Situation ab. EIN guter Bekannter aeusserte vor einigen Wochen die Absicht, eine Besuchsreise nach Israel durchzufuehren. Der Mann ist, wie die ueberwiegende Mehrzahl aus unserer Gemeinschaft, aufgrund der Nuernberger Gesetzgebung staatenlos und wandte sich daher vertrauensvoll an das Gabinete Central de Identificación, um einen Frem. denpass zu beantragen. Zu seinem Erstaunen wurde ihm dieser verweigert und zwar aufgrund der Tatsache, dass mit der Ankunft des neuen deutschen Botschafters “sein Land” ja wieder eine diplomatische bezw. konsulare Vertretung habe. Aus verstaendlichen Zweifeln konnte er den Entschluss zu einem Gang in das Hotel Carrera —jetzt Avda. Pedro de Valdivia und morgen calle Compañía— nicht aufbringen. Bekraeftigt wurde er in diesen Zweifeln, als ihm Freunde erzaehlten, dass er mit einem deutschen Pass, sofern er einen solchen erhalten sollte, kein Visum nach Israel bekommen könnte, da die israelische Regierung Paesse weder nach noch von Deutschland visiere. Was tun? Konsulate... Unwillkuerzlich kommt einem die Anekdote in den Sinn, derzufolge man Einstein bat, die Relativitaets- Theorie allgemeinverstaendlich darzustellen. “Das ist e i n f a c h”, antwortete der Weise von Ulm: “Wenn sich meine Theorie bestaetigt. dann bin ich fuer die Franzosen ein Jude und fuer die Deutschen ein Deutscher: wenn sie widerlegt wird, bin ich fuer die Franzosen ein Deutscher und fuer die Deutschen ein Jude...” Komisch? Tragisch? Wer weiss. Unglaublich jedenfalls, dass viele von uns sich schon wieder einmal vor Konflikte solcher Art gestellt sehen koennen. Wenn wir ein Recht auf Verstaendnis unserer besonderen Situation —des zwischen drei Stuehlen Sitzens— haben, so ist es zweifellos in erster Linie seitens der israelischen Behoer. den. Wenn sich ein Jude aus Deutschland angesichts einer Zwangslage eines deutschen Passes bedienen muss —ob elne solche Zwangslage allerdings existiert, mu essen wir erst untersuchen—, so geht es nicht an, dass ihm Israel als “Deutschen” die Einreise verweigert. Tatsaechlich sind wir auch unterrichtet, dass auf suedamerikanischen Konsulaten im Hinblick auf die neue Lage bereits Weisungen vorüe. gen, solche Situationen von Fall zu Fall zu untersuchen und das Visum nicht aus prinzipiellen Gruenden zu verweigern. Dass andererseits die israelischen Behoerden keine allgemeinen Weisungen ausgeben, Juden aus Deutschland Paesse ihres Ursprungslandes unbedingt zu visieren, ist auch verstaendlich, kann Israel doch einen etwaigen Massenansturm auf deutsche Konsulate keineswegs foer. dern. So ist es z. B. moeglich. dass Einwanderer nach Israel auch hierzu’ande ein israelisches Reisedokument —den sog. “Laissez-passer”— ausgestellt bekommen, das einen regelrechten Pass vollgueltig ersetzt. Fu°r Touristen ist dies natuerlich nicht moeglich, aus denselben Gruenden ,aus denen sich die in der Epoche der Staatsgruendung gehegten Hoffnungen zerschlagen haben, denen zufolge alle staatenlosen Juden die israelische Staatsbürger. Schaft optativ annehmen koennten. auch ohne die Ali Jah anzutreten. Diese Gruen. de zu wiederholen, ist muessig; es genuegt, daran zu erinnern, dass es fuer ein solches Vorgehen keinen voelkerrechtlichen Praezedenzfall gibt und dass kein Staat eine Majoritaet von Buergern haben kann, die zwar Rechte, aber keine Pflichten haben und fuer die der Pass bald nichts mehr als ein bequemes Reisedokument sein koennte. Wie gesagt, koennen wir Verstaendnis erwarten und man bringt es uns auch tatsaechlich entgegen; eine “Loesung” des Problems jedoch kann Israel nicht bieten, mindestens solange nicht erst die viel grundlegenderen Probleme Israels geloest werden —und was tun wir dazu?—; die Vorbedingung ist “Kibbuz Galujot” — die Sammlung der Mehrheit des juedischen Volkes in der alten Heimat. Von der Mehrheit kann man auch gegebenfalls verlangen, dass sie Probleme des Rests erleichtere. Der Schatten der Vergangenheit Wer haette geglaubt, dass wir je vor eine Alternative gestellt werden koennten, bei der ein Gang auf eine deutsche Behoerde in Frage kommt? Wir hatten alle mit diesem Land, seinen Menschen und nicht zuletzt mit seinen Behoerden — Arier koennen vortreten und brauchen die Schlange nicht zu respektieren... — so gebrochen, wie man nur brechen kann. Und jetzt? Ein Journalist ist kein Seelsorger und hat daher kein Recht, zu moralisieren. Seine Aufgabe ist es, die Dinge so darzustellen, wie er sie sieht. Er kann hoechstens mlttei. len, dass es ihn zutiefst befriedigt, in vielen Unterhaltungen festgestellt zu haben, dass die grosse Mehrheit unserer Menschen entschlossen ist, nicht nach Canossa zu ge. hen, geschehe was da wolle. Und die Anderen? Auch sie werden wohl nicht gehen —hoffentlich— ...., solange sie es vermeiden koennen. Das “solange” jedoch ist ein dehnbarer Begriff, mannigfaltigen persönlichen Auslegungen unterworfen. Einstwei’en hat es ein Jeder mit seinem Gewissen auszuma* chen, bis einmal, wie zu hoffen steht, die oeffentliche Diskussion, die Einflussnahme unseren leitenden Menschen und eine neue Sachlage die Begriffe neu definieren. Bis dahin tanzt man auf dem Drahtseil des "solange”: nur um ihn zu besitzen, braucht natuerlich kein Mensch einen Reisepass; um eine Vergnügungsreise durchzufuehren, muss man —wenn man die juedische Wuerde hoch genug schaetzt— nicht unbedingt ins Ausland; glatt wird das Seil erst in der Hoehe der fami. liaeren Besuche und vor allem der “Geschaeftsreisen” und es bedarf keines Propheten, um vorauszusagen, dass dabei so manches “Opfer” ins Netz fallen wird... oder in die Arena. Jedenfalls gibt es noch ein Lichtchen, mit dem man die gespenstischen Schatten der Vergangenheit a u f h e 11 e n kann: der chilenische Auslaenderpass —eine, soviel wir wissen, ziemlich einmalige positive Einrichtung— ist un. seren Menschen noch keineswegs versagt. Es gibt Wege und Mittel, ihn zu erhalten und der logischste ist der Gang zum deutschen Konsulat —ein letzter Gang—, um auf die deutsche Staatsbürgerschaft feierlich zu verzieh, ten, diesmal aus freiem Entschluss, sodann die hiesige notarielle Bestaetigung und “nada más”. Auch auf diesem Gebiet sehen wir eine dringende Aufgabe unserer leitenden Menschen und Organisationen —vor allem des “Comité Representativo”—, die den chilenischen Behörden darlegen sollten, dass mit der Ankunft des deutschen Botschafters keineswegs eine Vertretung “un. seres Landes” besteht und dass es unlogisch ist, uns im Zusammenhang damit auch noch der prekaeren Moeglichkelten zu berauben, die man uns bisher zugestanden hatte. Und die Naturalisierung? Damit kommen wir zum dritten und letzten Punkt dieser Betrachtung. Er haette am Anfang stehen können, denn er lautet: wo entspringt diese ganze absurde Situation? Zweifellos aus der speziellen Nationalisierungs - Politik der hiesigen Behörden, welche —weit davon entfernt, die Einbuergerung der ansaessi. gen Auslaender obligatorisch zu machen wie etwa die Vereinigten Staaten— diese absolut nicht ionder;. Dazu kommt, dass unter uns zu Recht oder Unrecht der Eindruck besteht, dass die Einbuergerungsmöglichk eiten fuer unsere ethnische Gruppe noch ganz besonders gering sind. Es ist dies nicht der Platz, gegen diese Benachteiligung mit Argumenten Sturm zu rennen. Sie hat es aber mit sich gebracht, dass wir uns nicht wie “normale” Menschen, nach einem bestimmten Punkt orientieren können, sondern vor der Problematik zweier Dreiecke stehen. Eh gibt ein logisches-menschliches Dreieck Bonn.Santiago- Jerusa’em und ein legales Dreieck gleichen Namens und sie sind nicht kongruent. Unsere geometrische Aufgabe besteht darin, diese Kongruenz zu erreichen. Die Frage ist “wie?”. Ein heim nach Bonn komm wohl nur fuer Aussenseiter in Frage. Als praktisches Problem existiert natuerlich Deutschland nur im aufgezeigten Rahmen, naemlich unter dem moeglichen Druck der Um. staende, ein deutsches Dokument beanspruchen su mues- Von HANS KAUFMANN sen. Doch auch hierbei muss sich Jedermann im Klaren sein, dass ein solcher Schritt, abgesehen von allen moegiichen moralischen Bedenken, auch einen Bruch mit der Möglichkeit der NationaLsie. rung in Chile bedeutet. Denn bei a.ler kritischen Einstellung zu dem diesbezüglichen behoerdlichen Kriterium muss man anerkennen, dass man sich hierzulan. de mit Recht dagegen verteidigen wuerde, den chilenischen Pass nur als ein Mittel zum Zweck (Reisen, etc.) an. Zusehen. Wer heute einen deutschen Pass beantragt, hat kein Recht, morgen an Einbuergerung zu denken. Israel ist in diesem Zusammenhang am wenigsten problematisch. Von einer hoeheren geschichtlichen Warte aus gesehen, muss sich dort die Mehrzahl unseres Volkes konzentrieren. Auch der chilenische Jischuw kann sich dieser historischen Fordsrung nicht entziehen und die Pioniere aus unserer Mitte sind aufgebrochen oder sie tun es. Einstweilen aber muessenwir mit der Tatsache einer Fortexistenz dieser Golah rechnen. Und auch der Zionismus hat die Verteidigung der jue. dischen Rechte in der Galuth a’s jeweilige Tagesförderung immer auf seine Fahne geschrieben. Dies ist ein wichtiges Ziel, das man auch im Auge behalten muss, wenn voruebergehende Komplikationen wie die augenblickliche die Sicht trueben. Die Einbuergerung in einem Lande aber, in dem man sich gesellschaftlich, Wirtschaft, lieh und anderweitig eingeordnet hat, sollte ein unver. aeusserliches Recht sein. Zwei Wege sind zu beschreiten, um dieses Recht zu gewaehrleisten. Den einen muessen unsere leitenden Menschen gehen und er fuehrt zu den Behoerden, die darueber anders denken als wir. Auf den zweiten Weg aber werden die anonymen nur fuer sich verantwortlichen Menschen gewiesen und auf ihm muessen sie lernen, dass die legale Einordnung in Chi. le nicht der erste, sondern nur der letzte Schritt sein kann. Jeder einzelne muss beweisen können, dass er in der Lage ist, diesen letzten Schritt zu tun, indem er vorher die anderen geht. Als Beispiel moege die Notwendigkeit der sprachlichen Zurückhaltung dienen, um die. se Aufgaben anzudeuten. Niemand verlangt oder wuenscht Aufgabe unserer Eigenheit, unseres “Rechts, anders zu sein”. Aber das Ziel der stolzen, vollberechtigten, fruchtbringenden Einordnung dieser Eigenheit in die Struk. tur des Landes draengt sich kraft der ihm innewohnenden Logik von selbst auf. Begegnungen... (Von Seite 15) Karte sind die Flugplaetze Muenchens und Israels im kehnen Schwung verbunden. “Nach Lydda in 12 Stunden... ‘ Der Sand des Negev hat Muenchen bereits erreicht * Vergeblicher Schulweg: Auf dem Rueckweg uebersprang ich einen Zug in Kassel, wo ich einstmals in die Schule gegangen bin. Jene Siadt, die zu meiner Zeit 200.000 Ein wohner hatte, besteht nicht mehr. Nur die Vorstaedte haben sich erhalten. Ich wollte mir meinen alten Schulweg ins Gedaechtnis rufen, der zwanzig Minuten durch die Stadt fuehrt. In jenen zwanzig Minuten fand ich vier Haeuser vor, die noch standen. Unter den Truemmern liegen die Toten noch zu Tausenden: sie sind dort so tief begraben, dass niemand in einer Generation ihre Reste auf die Friedhoefe ueberfueh. ren kann. Im Zug nach Koeln unterhielt sich ein Kasseler Kaufmann mit einem Spediteur aus Bochum. Sie machten ohne Zweifel Hitler fuer jene Truemmer verantwortlich, aus denen sie nie mehr herauskommen koennen. Aber fuer eines waren sie Hitler dankbar: dass sie durch ihn die Juden losgeworden sind. Sie stimmten nicht mit den Methoden ueberein, mit denen er das getan hatte, aber weniger aus ethischen Motiven a’s deshalb, weil jene Me. thoden ihnen im Ausland geschadet hatten. Sie sprachen ueber Restitution und erkannten sogar an, dass in vielen Faellen Zahlungen an Juden berechtigt waeren.Nur wiederkommen sollten sie nicht, die Juden. Jene beiden biederen Kaufleute hatten Angst vor der juedischen Konkurrenz, die sich vielleicht wieder auftun könnte. Ihre Staedte waren ln Truem. mern, sie haben fuer diese Truemmern einen hohen Preis gezahlt. Das einzig Konkrete, das sie dafuer erworben haben, war die Abwesenheit der Juden. Sie waren entschlossen, an diesem Handel festzuhalten. ("Emeth”) VOR DEM BEGINN VON OELBOHRUNGEN In Baelde wird im Negew mit Oelbohrungen begonnen werden, wie “Haaretz” aus Amerika erfaehrt. Die Ver. suchsbohrungen erfolgen von einer Schweizer Gesellschaft Im Zusammenwirken mit einer amerikanischen Investorengruppe, der “Miami- Group”. Der Konzern verstaendigte sich mit der Israel- Regierung ueber Bohrkonzessionen an drei Stellen im Negew. DEBATE PUBLICO DEL CONGRESO JUDIO MUNDIAL La cuestión de si hay alguna defensa contra el antisemitismo, fu* el tópico de la última discusión pública organizada por la Sección Británica del CJM. Presidió el acto el diputado Maurlce Orbach. El Dr. A. Cohén, presidente del “Board of Deputies”, señaló que una revisión de libros de historia ofrecerla con el tiempo la mejor protección contra el antisemitismo. E| señor J. Platss-Mills dijo que el antisemitismo constituye más bien un problema universal aue un nroblema. judios.El Mayor Lio.nei Rose abogó por dos métodos de defensa; que los jlidios individuales expuestos a ataques físicos se defiendan también físicamente, y que se apliquen medidas legales cuando las manifestaciones antisemitas sean de índole colectiva. También abogó por que los judíos se solidaricen con otras minorías que sufren degradaciones por parte de las mayorías. ("Reseña Congresista”).