Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 4 (Abril, 1952)
- Date
- 1952-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1052 BOLETIN INFORMATIVO 7 Winke fuer den Hausgebrauch... V. Indem man der peinlich genauen 'Kritik standhalten muss, der wir staendig unterworfen sind. All unser Tun und Lassen wird von den anderen immer viel kritischer unter die Lupe genommen als es sonst gewoehnlich ueblich ist. Es liegt hierin sehr oft die latente Absicht, einen Verstoss zu entdecken, die Wachsamkeit dem Andersgearteten gegenueber und die teuflische Freude am Entdecken eines Splitters im Auge des Naechsten. Ein tueckischer Raubmord unter zehn Polizeitnotizen erregt nie soviel Auf. sehen wie etwa eine Zoll-Akrobatik eines juedischen Importeurs unter hundert aehnlichen Tagesereignissen. Wir stehen sozusagen immer im Scheinwerferlicht der oeffentlichen Betrachtung und jeder noch so unbedeutende Verstoss wird durchs Mikroskoo weit vergroessert ueber. tragen. Wir muessen daraus entnehmen, dass wir uns nicht den zehnten Teil der eigenen Gauner leisten koennen, die unserem zahlenmaessigen Verhaeltnis zur GesamtbevoeL kerung entsprechen wuerden. wir muessen sozusagen immer die Vor. zugsschueler sein, denn bei durchschnittlichen Sittennoten schneiden wir jedenfalls schlechter ab als wir sind und bedeutend schlechter als die anderen. Nur wenn wir unseren Gegnern jeden Anlass zu einem Angriff nehmen, koennen wir verhindern, dass z. B. ein unsauberes Geschafft eines Juden zu einer balkendicken gehaes. sigen Ueberschrift in einem Sensationsbiatt wird, das im uebrigen aber den Strassenraub in dunklen Vorstadtgassen anscheinend als achtenswertes Gewerbe ansieht. Fuer einen von uns kann eben ein Ra. tengeschaeft ein viel groesseres Ver. nrechen sein als fuer die anderen ein Totschlag. Hierher gehoert auch das beliebte Verallgemeinern von Einzelfaellen und die unbeschraenkte Haftung der juedischen Gesamtheit fuer ein Individuelles Vergehen. Wenn einmal ein Jude eine Zollschiebung begeht, heisst es sofort: Da haben wir den B-weis, dass die Juden Zollschieber sind. Wenn aber z. B. ein Zulukaffer einen Taschendiebstahl veruebt, wuerde es niemandem einfallen, zu folgern: Das ist der Beweis, dass die Zulukaffern Taschendiebe sind. Auch wenn ein Jude fuer hervorragende Verdienste um die Menschheit den Nobelpreis bekommt was, wie oben erwaehnt, verhaelt. nismaessig viel oefter vorkommt als bei unseren Gegnern), ist es noch niemanden eingefallen, zu sagen: S ht ihr, da haben wir es: Albert Einstein, Paul Ehrlich, Henry Bergson, die Juden sind alle miteinander nichts als Nobelpreis-Traeger! Daher koennen wir uns noch eher einen preisgekroenten Atomforscher leisten als einen eingesperrten Uhrenschmuggler! Da unsere Gegner nicht auf strenge Logik angewiesen sind, werden wir solchen Uebertreibungen und Verallgemeinerungen insolange ausgesetzt sein, als irgendwo ein einzelner Jude in einen Skandalfall vrwickelt ist. Deswegen duerfie keiner von uns aus d°r Reihe tan zen. die ganze Reihe haette es im mer zu buessen... VI. Indem jeder seinen natürlichen Egoismus maessigt und damit viele Angriffspunkte beseitigt. Es wird uns oft vorgehalten, dass wir Materialisten und egoistisch ein gestellt seien (andere sind es offen, bar nie) und dass wir es ueberal) verstuenden, an der Oberflaeche zu sein, uns die besten Plaetze zu si ehern oder die anderen zu “verdraengen”. Ueber Idealismus und Naechstenliebe der Juden zu spre. chen, ist hier nicht der Raum, auch ist davon einiges jedem bekannt Aber wichtig scheint, hervorzuheben, dass der juedische Egoismus, soweit er tatsaechlich vorhanden ist, auch nur aus unserer ewigen Abwehrstel lung begreiflich wird. Wer immer in unsicherer Lebenslage allen moeglichen Anfeindungen ausgesetzt ist. der trainiert seinen Selbsterhal. tungstrieb und lernt, aus jeder ge. gebenen Situation immer die greesstmceglichen Vorteile zu ziehen. So hat das Schicksal uns gelehrt und gezwungen, unsere Ellenbogen zu benutzen. Trotzdem aber duerfen diese Ellenbogen nicht etwa am Sonntag schon im Morgengrauen die senattigsten Baenke bei der Musik, kapelle auf der Plaza de Armas be. setzen. Hier sehen wir wieder die Wurzel vieler Uebel. die zu erkennen unerlaesslich ist: Das Ueberkompen. sieren der Folgeerscheinungen unseres öch.cksals. Vvir haoen nur allzuoft erfahren, dass fuer uns da und dort ueberhaupt kein Platz vorhanden war (Parkbaenke: “Nur fuer Arier’’) und die Reaktion darauf scheint zu sein, dass manche von uns dort wo es geht, die besten Plaetze sich von vornherein reservieren. Wenn auch dagegen insoweit nichts einzuwenden Ist, als das ja jeder andere auch tun kann, so bleibt dennoch die Tatsache bestehen, dass die anderen im gegebenen Fall eben nicht so ueberschlau waren und wir dadurch ins schiefe Licht geraten. Die Ueberkompensierung unserer Lebensangst (im Hausgebrauch als “Chuzpe” und “Gewure” bekannt) in Form von geschaeftlicher Ueberge. scheitheit hat, besonders in der Ver. gangenheit, zu manchen persosnlichen Erfolgen, aber auch zu noch haeufigeren Anfeindungen gefuehrt. Eine Maessigung im “Ueberkompen. sieren” kann hier viel Wind aus feindlichen Segeln nehmen. VII. Indem der einzelne bei unseren Gegnern die TJebeirzeugung hervor, ruft, gerade jener Ausnahmefall des “guten” Juden zu sein, der oft grossmuetig anerkannt wird. Viele unserer Leute haben schon die Erfahrung gemacht, dass auch gehaessige Gegner im Gespraech mit dem oder jenem zugeben muessen: Ja wenn alle Juden so waeren wk Sie, dann haetten wir ja gegen euch nichts einzuwenden! Viele dieser Gegner (die gutartigen zumindest) sind eben bereit, eine “Ausnahme” anzuerkennen, damit ihre Regel einen Sinn habe, wenn ihre Schlagworte vom Ausbeuten und Sichvor. draengen auch beim schlechtesten Willen nicht anzubringen sind. Wenn sich jeder bemueht, solche Ansnahmen zu solcher Regel zu machen, werden auch diese Schlagworte seltener werden. VIII. Indem man sein Judesein nicht versteckt, aber auch nicht auffael. lig und oeffentlich zur Schau stellt. Voellig verfehlt und seit jeher nutzlos war es, sein Judentum zu verstecken und aus dem Kohn einen Korn zu machen. Ebensowenig wie die Flucht, kann auch die Tarnung nie unsere Lage erleichtern, denn die anderen finden das Versteck bald heraus, was fuer unser Ansehen viel schlechter ist als das offene Bekenntnis. Wer Jude ist, muss dafuer einstehen und die Konsequenzen tragen, die damit verbunden sind, naemlich gelegentliche Anfeindung und die Notwendigkeit der Verteidigung dagegen. Aber auch hier darf man nicht zur Uebertrei. bung geraten und das Vermeiden des Versteckens so weit fuehren, dass man in der Oeffentlichkeit unnoetig Aufsehen erregt. Unser Schicksal in der Galut ist ueberall dort ertraeglicher, wo man ueber Bezahl Shermtin... liegt, sowohl in den eigenen Reihen, wie in denen der christlichen Umgebung, die Kenntnisse ueber das Judentum, sowohl hinsichtlich seiner Struktur, seiner Geschichte und seiner Ethik, zu verbreiten. Es ist zu wuenschen, dass die Schrift Verbreitung findet unter Lehrern, reiferen Schuelern, und Jugend, und Studentenorganisationen. Sehr wichtig waere es, wenn auch die Fuehrer der Juedischen Organisationen, Gemeindevorstaen. de etc. systematisch durch diese Schrift belehrt wuerden. Dem Verfasser, Dr. Bezalel Sherman, aber ist zu danken, dass er sich mit Liebg und Sachkenntnis dieser wertvollen Arbeit unterzogen hat. K. G. uns nicht spricht und wo wir nicht auffallen, sei es durch geringe Anzahl oder durch taktvolles Auftreten. Ein Jude unter dreissig Fahr. gaesten in einem Autobus wird nie auf fallen: zehn Juden, besonders wenn sie laut deutsch oder ungarisch reden, unter hundert Besuchern in einem Park oder Theater geben oft zu gehaessigen Bemerkungen Anlass (“die Juden machen sich ueberall breit”) und 30.000 Juden die eng zusammen sitzen, unter sechs Millionen Einwohnern irgendeines Landes, haben schon zu oef. fsntlichen Angriffen gefuehrt. Die Haeufigkeit und die Heftigkeit solcher Angriffe steht immer im direkten Verhaeltnis zur Zahl und insbesondere zur Sichtbarkeit der Juden. Untersuchen wir einmal, warum wir etwa in Daenemark wenig oder gar nichts von Antisemitismus hoeren: die dortigen Juden fallen nicht auf; nicht nur weil sie wenige sind, sondern weil sie gewohnheitsgemaess die Landessprache gebrauchen und aeusserlich unkenntlich sind, d. h. denjenigen Schein wahren, aen die anderen sehen wollen: ebenso zu sein wie sie; dabei koennen sie die besten und froemmsten Juden bleiben und das hat auch mit Assimilation nichts zu tun, hoech. stens mit Akklimatisierung oder aeusserlicher Einordnung und diese sind ueberall notwendig, selbst in - Israel. Dort gelten wir gleich als “Jekes” und werden schief angeschaut, wenn wir uns nicht in Spra. che und Lebensweise baldmoeglichst den sabras (gebuertige Palaestinenser) “assimilieren”. Koennen wir uns also beklagen, wenn eine in der Oeffentlichkeit laut und deutsch sprechende Gesellschaft von Juden in diesem Lande unliebsames Aufsehen eregt, sobald wir selbst in Israel etwas ganz aehnliches finden? Es macht grundsaetzlich keinen Unterschied, dass wir dort natuerlich nicht “judio” —im veraechtlichen Sinn— genannt werden, sondern “Jeke” oder “Datsch”. Gemeint ist damit hier wie dort hauptsaechlich die im Nationalgefuehl begruendete Abneigung gegen das Auffallende im aeusseren und andersgearteten Wesen des Mitbuergers IX. Indem wir den Mut zur Staerke aufbringen und den Kampf um das gesetzliche Verbot der Judenfeindlichkeit beginnen. Die internationalen Abmachungen zur gesetzlichen Regelung des Minderheitenschutzes una zur Vere huetung des “genocidio” (Voelker. mord) muessen insoweit ergaenzt werden, dass sie sich nicht nur auf die effektiven, sondern auch auf die Ideologischen Gaskammern beziehen und einen wirksamen Schutz gegen Gesamtverlaeumdung, Verhetzung und Pauschalverdaechtigungen bilden. Wenn eine solche Forderung etwas kuehn erscheint —sie ist bisher noch nicht gewagt worden—. so koennen wir zur Regruendung und Rechtfertigung darauf verweisen, dass wir Juden selbst schon in der Bibel in uralten Zeiten den Fremdenschutz gesetzlich verankert hatten, in dem ganz allgemein jedes Unrecht am Fremden strengstens verboten und die Liebe zu ihm genau so wie die zum Volksgenossen wiederholt eingeschaerft wird. Was wir verlangen, ist also nichts anderes als ebenso behandelt zu werden wie wir es selbst in alter Zelt —und genau so im heutigen Israel— mit unseren Fremden zu halten gewohnt waren und sind. Um das zu erreichen, ist nur notwendig, dass die Gesetzgeber der Voelker sich dazu entschliessen, einige Kapitel aus dem Alten Testament abzuschreiben und fuer ihre praktische Durchfuehrung zu sorgen. Ist das wirklich zu viel verlangt? Jedenfalls wuerde es zur endlichen Abstellung eines Zustandes fuehren, der die Wuerde der Kulturvoelker ebenso verletzt wie unsere eigene. Ein Blick auf Tarschicha, eine Siedlung von Juden aus Bulgarien im Oberen Galil.