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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-03-01 · 3 (Marzo, 1952) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
3 (Marzo, 1952)
Date
1952-03-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Marzo, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 13 IGENTLICH haette ich mais gehoert. Doch abgesehen K diesen Artikel auch “Europaeischer Winter’’ nennen koennen. Teilweise jedenfalls. Dann allerdings haette es ein Leitartikel werden muessen. Einer, der die lose Berichterstattung zu faustdicken Schlussfolgerungen verarbeitet und Dinge, die so genau nur auf Oesterreich zutreffen, wieder von Oesterreich abstrahiert, um aus ihnen eine allgemeine “Europaeische Symptomatik’ zu zuechten. Das aber ist nicht meine Sache. Obwohl ich —eben vom englischen und franzoesischen Herbst in den oesterreichischen Winter umg.estiegen— zugeben muss, dass, was es heute in Wien zu sehen und aus Wien zu berichten gibt, zumindest als Kehrseite und also recht eigentlich als Ergaenzung sich einfuegt in das Bild des europaeischen Westens. Aeusserlich betrachtet — und vielleicht nicht nur aeusserlich — nimmt Oesterreich innerhalb Europa heute eine Zwitterstellung ein. Obwohl der Krieg in Europa fast ein halbes Jahr frueher beendet war als der im Pazifik, hat Japan bereits seinen Friedensvertrag in der Tasche — der Zeitpunkt fuer das Zustandekommen des oesterreichischen Staatsvertrages indes ist weiterhin kaum abzusehen. Dieser Staatsvertrag ist nun einmal allzu sehr zum Zankapfel der Ost-West- Machtpolitik geworden, waeh. rend Japan — obwohl mit viel groesserer Kriegsschuld beladen als das fuer sich betrachtete Oesterreich — das Glueck hatte, dass sein Friedensvertrag fast in der Art eines hastigen Winkeladvokatengeschaeftes unter ganz minimalen Kraftproben.Ver. suchen der streitbaren Parteien getaetig wurde. Natuerlich zeitigt das Ausbleiben des Staatsvertrages seine unguenstigen Auswirkungen auf das oeffentliche und wirtschaftliche Leben Oesterreichs. Dennoch behauptet das Land seine 'Zwitterstellung’. Zu den Siegern des letzten Krieges, deren laengst nicht geloeste Aufgabe es noch'immer ist, nun den Frieden zu erkaempfen, hat Oesterreich ja nie.. von der fremden Administra tion, der das letzte Wort in Oesterreichs Staatsgeschaeften Vorbehalten bleibt, erweckt Oesterreich den Eindruck, als wuerde man es auch nicht mehr unbedingt zu den Verlierern dieses Krieges rechnen. Zu essen und anzuziehen hat die Be. voelkerung Englands z. B. keineswegs mehr als die Oesterreichs. Die inflationisti, sehe Tendenz mit all ihren unerquicklichen Begleiter, scheinungen tritt in Frank, reich eher staerker als in Oesterreich zutage. Die ungelernten Arbeiter, die kleinen Angestellten und subalternen mehr Dinge als in Oester, reich, die man einfach nicht oder nur in sehr beschraenk. tem Masse zu kaufen . bekommt. In Wien kann mau heute praktisch Alles kaufen, und wenn auch nur' Wenige es sich leisten koennen, von dieser Errungenschaft Gebrauch zu machen, so kommt der so erzielte bescheidene Mehr - Umsatz schliesslich doch wieder dem Volkseinkommen zugute. Oesterreich durchlebt schlechte Zeiten — doch nicht wesentlich schlechtere als das uebrige Europa. (Und keine schlechteren als wir in ■ Israel!). Es wird nicht mehr: ausdruecklieh schlecht be-' nannt — nicht lm politischen, sondern lm nuechtern wirt-: schaftllchen Sinne. Das Geld] ist fast ueberhaupt nicht in! die Produktionsmascliinn des Landes, sondern einfach ln Form von Warenmengen auf den Markt gepumpt worden — und w:,; in kuerzester Zeit natuerlich aufpenascht.\ Andererseit aber liegt es wohl; auf der Hand, dass auch eine, j doch elementar menschlichen wiewohl nur einmalige groe> Bcruehrurgspunkt zwisere Vitaminzufuhr selbst rseben Ost und We„t. Alle Lodern Unterernaehrtesten so- .m.i der Stadt stehen jedem weit beispringt, dass sie ihm1 gefahrlos offen, es gibt ru.v. in gewissem Masse die Ani fische Uniformen im amerisammlung neuer Kraefte und | kr ..^chen, englische im rus Reserven ermoeglicht. ' siechen Sektor und natuerlich tungsmelrlungen kennt, kaum tir.3u Begiiif von der bis zur voftllipen Nivellierung abge. schwaechten Demarkation der Fronten in der gesel Ischaftlinh-n, keirmru-egs nur privatenten Sphaere. Wien eriuelifc heute eine ni^iil wichtig genug zu veranschlagende Funktion ais letzten — wenn sehen nicht politischen, so Tagespolitisch macht sich ln Wien das Vorhandensein IENER ,W I N T E Beamten vegetieren in Oe. sterreich nur so dahin. Ihr Existenzminimum liegt oft. mals unter dem Minimum — das ihrer franzoesischen Kollegen aber oftmalsnoch un. ter dem ihren. Freilich kommt der kleine Mann in Oesterreich gerade jetzt nach der am 1. November in Kraft getretenen Wohnzins-Steigerung, die in gewissen Faellen bis zu 500 oder gar 600% betraegt, mit seinem Budget womoeglich noch schwerer aus als bisher. (Waehrend im allgemeinen der reale Kaufwert des Israel Pfundes in Oesterreich nur dem ueblichen Drittel seines Nominalwertes entspricht, trifft das auf die Wohnzins- Verhaeltnisse nun natuerlich nicht mehr zu. Obwohl Wohnungen in TeLAviv noch erheblich knapper sind als im gleichfalls wohnungsknappen Wien, sind unsere Mieten, an den durchschnittlichen Einkuenften gemessen, ja noch bemerkenswert normal. (Wo. fuer es in Wien wiederum kaum irgendwelche groesseren Schluesselgeld-Manipulationen gibt). Aber schliesslich haben die durchschnittlichen Wiener Wohnungsmieten bisher kaum mehr als 3-10% der durchschnittlichen — wenn auch an sich unzureichenden — Gehaelter betragen. Was die Allgemeine Wirtschaftskrise betrifft, so gibt es beispielsweise in England sehr viel Von ALFRED AHREND handelt, weil es den Krieg verloren hat. Laengst nicht mehr! Und zu seinen unmittelbaren Anzettlern hat es ja eigentlich, fuer sich betrachtet, nicht gehoert. Diese Erkenntnis hat bei den Unvoreingenommenen Raum gewonnen. Auch die Erkenntnis, dass es zwar kaum etwas Verwerflicheres gibt als jegliche Form von Nazismus, doch dass das Mitlaufen, um die eigene Haut und Existenz zu retten, vom freiwilligen mehr-als-nur-Mitlaufen bei der negativen Bewertung voneinander getrennt werden muss. Dass indes dem Vernehmen nach schon wieder so und so viele alte Uebeltaeter auf einflussreichen Posten sitzen, ist ein Kapital fuer sich. Leider koennen ja boese Buben immer ungestoert ihren Uebeltaten nachgehen, wenn sich die Paedagogen untereinander streiten. Und wenn die boesen Buben gar eben um des Streites willen manchmal von dem einen oder andern Paeda-, d. h. richtiger dann wohl Demagogen beguenstigt werden... Zur Gesundung der oesterreichischen Wirtschaft Bleibendes beizutragen, ist, wie es scheint, auch der Marshall-Hilfe i einstweilen nicht gelungen. Die Marshall-Hilfe fuer Oesterreich wird oftmals “eine schlechte Kapitalsanlage” ge- —nicht nur das oberflaechlich sichtbare— der vier Besatzungsmaechte entsprechend bemerkbar. -In der Provinz, wo jeweils ganze Landstriche einheitlich ver.! waltet werden, duerfte das! weniger zutreffen. In Wien! aber rollt sozusagen in taeg-! liehen Einzelauftritten das j Drama des Ost-West Konflik- I tes ab. In der Presse, im Ra-1 dio, beim Theater, beim Film. Ja, das sind wohl die Medien, an denen sich der Stand der politischen Witterung hier am besten ablesen laesst, und es wird sich lohnen, ihnen bei naechster Gelegenheit eine gesonderte Betrachtung zu widmen. U'ebrigens Rollt dieses Drama, aeusserlich gesehen, elegant und wirklich fast theatermaessig “glatt” ab. Es werden Konferenzen abgehalten und manierliche Noten gewechselt, Haende werden gedrueckt, der Abendanzug bei offiziellen Empfaengen ist im Ost wie im Westsektor derselbe. Tagespublizistisches Moer. serfeuer von einem Lager zum andern gibt es auch in andern Laendern — und gerade in Israel etwa in kaum milderer Form. Eines aber scheint von groesster Wichtigkeit: Waehrend die wahren Gegensaetze zwischen Ost und West in Wien unvermeidbar zutage treten, die politische Demarkationslinie klar gezogen ist, macht sich, wer das Bild nur aus der Ferne, nur aus Zel-! alles,bunt durcheinander im so™°nannten ''Gemischten Be. zirk”. Aber das allein ist es nicht. Es gehen W°stler ins oestlich “redigierte” Theater, Oestlor schauen sich amerikanische Filme an, Kommunisten und juemckraten sind gelegentlich gut befreundet. Die Ostpresse rezensiert ohne jeden Krampf westliche Musik, die Westpresse oestliche Buecher. Der zurzeit in Wien tagende, unter russischem Protektorat stehende Weltfriedenskongress, an dem u.a. Prof. J. Curie, Ilja Ehrenbarg und Arnold Zweig teil nehmen, wird offiziell zwar vom Westen Wiens nicht zur Kenntnis genommen, doch gibt es durch mannigfache Privatgespraeche zwischen hueben und drueben srvie durch eine ziemlich internationale Vertretung der Presse auch da viele Berührungspunkte. Der Antisemitismus in Oesterreich, vor allem in der Stadt, gedeiht heute kaum mehr. Abgesehen von gelegentlichen Demonstrationen neofaschistischer Massarbeit, findet er nurmehr in einigen israelischen Zeitungsspalten statt, soweit diese sich in missverstandenen Zionismus bereitwillig solchen alkneuen Komplexen oeftnen. Der durchschnittliche Oesterreicher klagt, dass das jueuisclie Element der oesterreichischen Wirtschaft abgeht, und er hat, auch wenn er kein ausgesprochener Philosemit ist, eher Angst vor einer Wiedererweckung des Antisemitismus — denn er weiss inzwischen, wohin das fuehrt... So weit betrachtet, bietet der Wiener Winter 1951 zwar kein rosiges, aber auch kein durchwegs unerfreuliches Bild. (“Emeth”) TOYNBEE, Zulassung der Juden gestattete. Im 19. Jahrhundert stroemte daher die Flut zu. rueck vom Osten bis nach England und den USA. Diese Juden mussten staerker “juedisch”-wirken als die Sepliar. dim, die sich unter dem Abasiden.Kalifat in mindestens so guenstiger Lage befunden hatten, wie die Juden des Westens heute. Erst die christliche Eroberung der Pyrenaeen-Halbinsel hatte sie vor die Wahl gestellt: Vernichtung, Vertreibung oder Bekehrung. Die deshalb nach der Tuerkel, Toskana oder Holland gingen, fanden guen. stige Umstaende vor; sie nahmen darum keine ostjuedische Geisteshaltung an. Die Abkoemmlinge derer, die damals uebertraten, muessen namentlich an der Ober, und Mittelschicht der heutigen Spanier und Portugiesen einen starken Anteil haben, sind aber ueberhaupt nicht mehr zu erkennen. Der Gegensatz zwischen Ge. walt und Sanftmut bei den, Juden durchzieht auch die j bei T. schon vorangehended Eroerterung der Rolle des sy- (Von Seite 14) rischen Proletariats am Ende der hellenischen Gesellschaft. Der seines Erbes beraubte ausgebeutete Proletarier kaempft mit echter Wildheit. “Sie durchgluehte die juedischen Aufstaende gegen die Seleuclden, gegen die roemische Politik der Vergriechung, von der Erhebung des Juddas Makkabaeus... bis zu... Bar Koehba”. Dieser “Judas ging bewusst d. Weg der Gewalt und hatte damit unmittelbar Erfolg, ob. wohl sich alles als vorueblrgehender Scheinerfolg erwies...” Doch gab es auch eine zweite, sanftmuetige Antwort, “genau so echt wie die Wildheit: beides waren Abloesungsbewegungen innerhalb des Ges.-Koerpers. Die geistigen Vorlaeufer der Pharisaeer —ein Name, der bedeutet: ‘die sich abtrennten’— gehoeren genau so hierher. Die Gewalttaetigkeit vernichtete sich schliesslich selbst und die Sanftmuetigkeit ‘gewann den Tag und die Stun-; de’.” | Schliessen wir, demgegenueber mit einem Worte der Verherrlichung des Juden- ■ Auf Besuch in Israel Einer Einladung der israelischen Regierung folgend, befindet sich der hiesige Gesandtschaftsrat, D. Samuel Goren,, in Begleitung seiner Frau Gemahlin, im Moment unterwegs nach Israel. Herr Goren wird sich auf seiner Reise auch fuer einige Zeit in Brasilien, Holland und Frankreich aufhalten und hat di% Absicht, bei der Zeremonie der Ueberreichung des Beglaubigungsschreibens des chilenischen Gesandten in Jerusalem, D. Jorge Barriga E., anwesend zu sein. tums: “Obwohl die Juden die Seleuciden-Herrschaft nicht hatten abschuetteln koennen, erhoben sie sich gegen Rom. Sie rannten damit in ihr eigenes Verderben”. Ueber sechs und ein halbes Jahrhundert brauchten sie, das zu erkennen. “Zugleich lernten sie aber, dass es ein Reich Gottes gebe, und sie erkannten den Einen wahren Gott”. rM. b.”> ■ Mit ihrer Januar_Ausgabe hat die bekannte illustrierte Zeitung “Eretz Israel” (Buenos Aires) die stattliche Zahl 100 erreicht. “Eretz Israel” ist die einzige Illustrierte ihrer Art in Suedamerika und kann dank ihrer drucktechnischen Qua. litaet, der sorgfaeltigen Auswahl des Materials und der intelligenten Bearbeitung sich vorteilhaft mit jeder anderen Zeitschrift dieser Art vergleichen. Gleich interessant 100 Ausgaben fuer Zionisten wie als Propagandamaterial in nichtjuedischen Kreisen, hat sie sich in den 8 Jahren ihres Erscheinens einer ebenso berechtigten wie stetig wachsenden* Beliebtheit erfreut. Der Herausgeber ist der ehemalige Vertreter der Jewlsh Agency in Buenos Aires, Dr. Abraham Mibashan; Vertreter fuer-Chile ist Herr En. rique Gotthilf, Serrano 202, 3.er piso (“Mundo Judio”) oder Casilla 583. * Unter dem Namen “Diccio-, nario Biográfico Judío” ha-j ben die fuer Chile autorisier.! ten Vertreter des Massada-¡ Verlags, Jerusalem, die Her-¡ ren Walter Lechner und Hans ¡ Kaufmann die Arbeit fuer | das in Vorbereitung befindli. che Nachschlagewerk “Who’3 Who in World Jewry” auf genommen. ■ Dieser juedische “Who’s Who", der im Laufe des Jahres in zwei Baenden in einer ersten Auflage von 30.000 Exemplaren erscheinen wird und 25.30.00C Namen namhafter juedischer Perscrnlichkeiten aus der ganzen Welt umfassen wird, duerfte sich wohl ohne weiteres in ein Nachschlagewerk erster Ordnung fuer Lehrer, Journalisten, Organisationen, Bibliotheken, freie Berufe u.s.w. verwan-

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