Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 1 (Enero, 1952)
- Date
- 1952-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 11 Hundsiage Auch wir sind ein Opfer dieser chilenischen Sommersaison. Je strahlend blauer der Himmel sich ueber uns woelbt, desto trueber werden die Aussichten, den Lesern ein lesenswertes “Boietín Informativo” vorzusetzen. Zur letzten Presse-Sitzung kamen im Ganzen drei Freiwillige, oder fuenf, wenn man beschoenigenderweise dem Vorsitzenden der Kommission und dem Redakteur ein gewisses Mass an Freiwilligkeit zugestehen will. Die “Otras Organizaciones”, sonst monatein, monataus darauf bedacht, uns ueber ihre aufsehenerregenden Erfolge, Kassenbewegung, Vorstandsbe. schluesse und Plaene auf dem Laufenden zu halten, beginnen, sich einem wohlverdienten und —tuenden Sommerschlaf hinzugeben. Und selbst die zeitlosen Probleme der Kulturveranstaltungen der Gemeinde fallen der sommerlich zeitgebundenen Ferienstimmung zum Opfer. Ferienzeit — Ferienstimmung. Ja, — wenn wir einen Baedeker redigieren wuerden! Die Leser wuerden sich um unsere Mitteilungen reissen und auch an Mitarbeitern duerfte es wohl nicht mangeln. Aber ein “Boletín Informativo”. .. Nun, zum Glueck ist noch Einiges aus dem vergangenen Monat zu berichten. Sehen wir uns einmal um. Der alte Fehler Am 29. November gedachte die “Colectividad” im Teatro “Lux” des 4. Jahrestages der UN-Resolution ueber Palaestina. Unser ehrenwerter Kollege “Mundo Judío” fand die Veranstaltung sehr gut. Wir fanden sie sehr schlecht. Man hatte ihren Beginn auf 9.30 anberaumt. Drei kurze Ansprachen und zwei Vorfuehrungen von Jugendorganisationen sollten einige Filme umrahmen. Die Sache begann um 10.30, mit einer Stunde Verspaetung. Aus den drei Ansprachen wurden drei Reden, mit einer weiteren Stunde Verspaetung. Dann gaben die beiden Jugendbewegungen ihre jeweiligen Taenze und Choere zum Besten. Und zum Schluss die Filme, vier an der Zahl. Schluss: 1.30! Und dazu erlauben wir uns ganz ungeniert zu sagen: so geht das nicht! Ein Rentier kann sich vielleicht erlauben, mitten in der Woche gegen zwei Uhr morgens in die Federn zu klettern —gegen zwei Uhr, weil er logischerweise ein Auto besitzt und nicht eine weitere Stunde auf den “Microbus” warten muss—, aber Leute mit irgendwelcher Nebenbeschaeftigung koennen das nicht. Wir geben gerne zu, dass die einzelnen Nummern des Programms, einzeln genommen. durchweg gut waren: die drei Redner waren sowohl gedanklich wie rhetorisch mehr als einwandfrei: die Taenze des Haschomer Hazair ausgezeichnet und die Choere des Hanoar Hazioni, trotz offenbarer Maengel, sympathisch und auch die vier Filme durchaus sehenswert selbst fuer Menschen, die an Israel weniger brennend interessiert sind, als dies bei uns der Fall ist. Aber man kann eben ein Programm nicht beurteilen, indem man es in seine einzelnen Bestandteile zerlegt; worauf es ankommt, ist der Gesamteindruck und der ist negativ. Die Elemente zu einem positiven Erfolg waren durchsä aus gegeben, oie &co oanden aus: “Puenktlichem Beginn, einem Redner, einer Jugendbewegung und einem oder zwei Filmen. Ein Maximum ist eben nicht immer ein Optimum. .. Sehr unangenehm fiel uns auch die geringe Beteiligung von Menschen unserer Gemeinde auf. Na ja, werden uns die Abwesenden mit stolzer Geste der Selbstverteidigung entgegenhalten: was die Gruende unserer Abwesenheit anbetrifft, siehe oben. Aber Pustekuchen: Erstens duerfte kein Opfer zu gross sein, um Finne ueoer aas Lepen unserer Leute in Israel zu sehen. Erlaupen Sie ueperhaupt mal, Sie da, der Sie mir soeben sagten, dass Sie gerne frueh scnlafen gehen: waren Sie nicht vorige Woche in der Nachtvorstellung bei Frank Sinatra und am Dienstag im Red Skelton Film und erst neulich bei “Esplendor Salvaje”? Und sind Sie da frueher herausgekommen? Oder interessiert öie der Belgische Kongo mehr als Israel? Wir sind nicht frei von Schuld, wenn die Veranstaltungen der Kollektivitaet im Aügemeinen unter groebsten Maengeln leiden, so liegt dies an den Organisatoren und... an uns. Tendenzen der Literatur, des Theaters, der Politik werden bekanntlich von den Autoren bezw. Fuehrern bestimmt und ebensosehr vom Publikum. Ein Publikum, das durch Abwesenheit glaenzt, kann nichts beeinflussen und hat noch nicht einmal ein Recht auf Kritik. Aber ein puenktlich erscheinendes Publikum kann Puenktlichkeit erzwingen und anspruchsvoller Geschmack wirkt belebend auf die Qualitaet der Darbietungen. Man hat vor uns “Jeckes” immer noch, wie ich fuerchte zu Unrecht, einen gewissen Respekt in dieser Beziehung. Wir sollten ihn ausbeulen. Uns vornehmen, nach den Ferien zu den allgemeinen Veranstaltungen hinzugehen. Ihnen bis zu einem gewissen Grad auch unseren. Stempel aufzudruecken. Bis zu einem gewissen Grad, denn, vergessen wir nicht, auch wir haben noch sehr vieles zu Lernen. Vor allem, dass es immer noch besser ist, eine gutg eme inte Veranstaltung schlecht zu machen, als von der ganzen Sache keine Notiz zu nehmen. Die Roten und die Schwarzen Das “Comité Representativo” hatte sich im vergangenen Monat verschiedener Attacken zu erwehren. Eine davon wurde von einem Grueppchen geritten, das sich “Centro Cultural Scholem Alechem” nennt und unter dem Namen “Tribuna Judía, Una Voz al Servicio de la Cultura” ein Blaettchen herausgibt. Soweit sich die Herausgeber wirklich mit “Dienst an der Kultur” befassen, waere gegen ihre Erguesse nichts einzuwenden, selbst wenn man nicht damit einverstanden sein kann, dass “die revolutionaere Bewegung in Russland und Polen... eine staerkere Entwicklung der jiddischen Sprache ermoeg. lichte” (in Russland gibt es Wk teuren. Astete, V heute nur noch eine einzige jiddische Zeitung!) oder wenn man es nicht so bedauerlich findet, dass “der Zionismus gewisse Sektoren des juedischen Lebens (in Polen) zur Emigration nach Israel schleifte (!)”. Sowie aber unter der aeusserst durchsichtigen Schicht “Kultur” die politische Absicht offenbar wird, —armer Scholem Alechem, Du kannst Dich nicht mehr wehren—, muss diese Toleranz ein Ende finden. Die Herren Kulturdiener protestieren naemlich auf Seite Eins ueber eine angebliche Weigerung des Comité Representativo, gegen die Befreiung der deutschen Kriegsverbrecher zu demonstrieren. Auf Seiten Zwei, Drei und Vier aber (mehr hat dieses monumentale journalistische Werk nicht) feiern sie die aktive Teilnahme juedischer Delegierter am “Friedensfest” von... Berlin. Wie reimt sich das? Nun, darueber haben sich die Genossen noch nie Sorgen gemacht. Ihre Leute schlukken im allgemeinen alles —Volksfront, Pakt mit Hitler, Krieg gegen Hitler, der Faschist Tito— und wer nicht schluckt, dem gnade Gott. Aber irgend ein wohlmeinender Goenner sollte ihnen vielleicht doch einmal nahe legen, dass der Propagandastil, der fuer die eingeborene Bevoelkerung vom peruani. sehen oder bolivianischen Hochplateau passend sein mag, unter uns nicht unbedingt den gleichen Erfolg ha. ben muss. Die anderen Gluecksritter bekennen sich zu anderen Farben. Es handelt sich um ein Grueppchen, das einst bessere Zeiten kannte, als es ihm naemlich gelang, sich im Vorstand einer sonst sehr respektablen Organisation einzunisten. Von dort aus unternahmen sie einen klaeglioh gescheiterten Versuch, die ganze Colectividad zu vergewaltigen, nannten sich “Einheitsgemeinde” oder so aehnlich, obwohl weder von Ein heit noch von Gemeinde viel zu spueren war. Dort produzierten sie sich, bis die Mitglieder dieser Institution reagierten und sie mit Schimpf und Schande von dannen jagten. Statt sich nun der Inneren Einkehr zu befleissigen, die sie anderen mit Feuer und Schwert predigen, erkoren die wackeren Streiter nunmehr das “Comité Representativo” zum Objekt ihres laermenden Tatendrangs. Sie entdeckten, dass der “Zentralrat fuer religioese Belange”, den das Comité deckt und der von allen angeschlossenen Organisationen anerkannt wird, entweder nicht zentral oder nicht religioes genug ist —die genaue Definition entzieht sich unserer Kenntnisnahme—, dass der von ihm bestellte “Schoichet” nicht koscher genug ist und aehnliche Verstoesse gegen die schriftliche und muendliche Ueberliefe. rung, so wie sie diese auslegen. Konsequenter. weise gruendeten sie einen “Rat fuer religioese Belange” (der originelle Name zeugt fuer ihre Phantasie), hoben einen Schoichet aufs Schild, der ein wahres Muster an Un. tadeligkeit, Gottesfuerchtigkeit, Reinheit und sonstiger Tugenden sein soll und begannen, eine entsprechende kommerzielle Propaganda in der allgemeinen Presse zu starten. “Das einzige wirklich koschere Fleisch verkauft nur...”. Wir haben genug von den einzig wirklich alleinseligmachenden Westentaschendiktatoren, von ihrer Unduldsamkeit, ihrer Arroganz, ihrer Verantwortungslosigkeit gegenüber der Gesamtheit. Wir wuenschten, dass das “Comité Representativo” aufs energischste reagiere; mehr, als dies bisher der Fall war. Sowohl den Roten wie den Schwarzen gegenueber. Koennte man sie nicht einmal zusammen einsperren? Positiv von A bis Z Zum Glueck gibt es nicht nur zu maengeln und zu kritisieren. Auen Grund zur Anerkennung und zum Lob laesst sien finden und vielleicht gerade aa, wo Missgunst, fadenscheinige Parteiparoien oder Dummheit am meisten herumnoergeit. Am 30. Dezember uebergab die 4. Hacnschara-Gruppe aes Haschomer Hazair Crule die Scnluessei zur Wirtschaft aer 5. Generation. Wir nahmen diese Begebenheit zum Anlass, uns ueoer einige Tatsachen zu informieren, weiche die Frage “ist Hachschara eigentlich noetig” beantworten koennten. Gewiss, es gibt Fakten, die leicht von der Hand gewiesen koennen. Dass seit nunmehr sechs Jahren eine Jugendorganisation tagein tagaus ein Stueck Land bewirtschaftet, einem vorher konzipierten Plan zufolge, mag fuer manch einen nichtssagend sein. Dass dort jaehrlich 100.000 Liter Milch und 130.000 Eier erzeugt werden; 250.000 Kilo Gruenfutter und 2.000 Kilo Weintrauben, 120 Sack Erbsen und eine Vielzahl anderer landwirtschaftlicher Produkte... ja, meinen manche, koennen die jungen Leute damit eigentlich nicht in Israel anfangen? Gestatten Sie eine Gegenfrage. Wir sind nicht auf dem Laufenden, ob oder wieviele Olim aus Chile, die nicht auf Hachschara waren, in Israel in der Landwirtschaft arbeiten. Wir lassen uns gerne darueber belehren. Aber worueber wir heute belehren koennen, ist das Schicksal der Chawerim, die ja auf Hachschara, bezw. auf der des Haschomer Hazair waren. Alles in allem sind bis heute 92 von ihnen auf Alijah gegangen. 48 leben im Kibbuz Ramoth Menasche; 23 in Maabaroth, 9 in Sarid, 3 in Gaasch, 1 in Negba, 4 in verschiedenen Doerfern oder Staedten, zwei Chawerim fielen im Befreiungskrieg und nur 2 kamen zurueck. Die 23 kuenftigen Chaluzim des Irgun Dalet, der jetzt die Hachschara verliess, werden im April auf brechen; 25 Mitglieder der Gruppe Hej nehmen ihre Arbeitsplaetze in der “Chawat Kidma” ein. Bedarf es noch eines Kommentars? Es gibt auch positive Dinge in unserem Leben, Dinge, die zu Stolz, Mut und Zuversicht berechtigen. Tunichtgut Deutsche Doppelzüngigkeit Der deutschen Presse entnehmen wir folgende Meldung, am 29. November 1951 in Muenchen datiert: “Die Bundesregierung in Bonn hat die deutschen diplomatischen Vertretungen im Auslande angewiesen, ehemaligen Angehoerigen der SS die Einreise in die Bundesrepublik nicht zu gewaehren”. Bravo! Man tritt also gegen die Nazis auf. Man kehrt zur Demokratie zurueck. Nur, gestatten Sie mal: Es ist ja sehr schoen und gut, dass die Bundesregierung die Verantwortung fuer die Einreise dieser Verbrecher nicht tragen will, aber die Verantwortung fuer ihre Ausreise wird sie nur schwerlich leugnen koennen. Und das tut der ganzen theatralischen Geste doch einen gewissen Abbruch. Ebenso wie die fast gleichzeitige Stellungnahme gegen die Behandlung der Kriegsverbrecher in der britischen Zone nicht gerade fuer die demokratische Gesinnung spricht, die man mit dieser Massnahme vortaeuschen will. Und zwar verlangt Bonn eine raschere' Behandlung der Prozesse, leugnet die Rechtsgueltigkeit gefaellter Urteile ab und schreibt im uebrigen “Kriegsverbrecher” so, mit Anfuehrungszeichen. Hatten Sie von diesen ‘‘De. mokraten” mit Anfuehrungs. Zeichen etwa mehr erwartet? Roka Katholische Kinder ueber Juden EINE LEKTION UEBER ANTISEMITISMUS IN DEN USA Eine Umfrage, die von einer katholischen Schwester bei 737 katholischen Jungen und Maedchen einer katholischen Schule in New York im Alter von 14-16 Jahren hinsichtlich ihrer Beziehungen zu ihren Nachbarn veranstaltet wurde, ergab, was die Stellung d e r katholischen Kinder zu den Juden betrifft, sehr aufschlussreiche Resultate. Hier einige Antworten: “Ich denke, die Juden sollten an Gott glauben. Sei ein Katholik oder Protestant, aber kein Jude”. — “Alle Jungen in meinem Block sind Juden, deshalb gehe ich zu meinen Schulfreunden in einer anderen Strasse spielen”. — “Zu viele Juden in unserem Bronx”. — “Juden sind verschieden von anderen Voelkern”. In ihren abschliessenden Bemerkungen schreibt die Schwester, das Ergebnis der Umfrage beweise, dass antijuedische Gefuehle staerker sind als die gegen Neger, Italiener oder andere nationale oder religioese Gruppen. Eine ganze Anzahl von Kindern betonten, dass Katholiken, Iren, Italiener, Deutsche, oder irgendwelche Nationalitaeten ruhig in ihre Nachbarschaft einziehen moegen aber dass sie es vorziehen, wenn Juden ihre Nachbarschaft verlassen. Ebenso bezeichnend ist die Tatsache, dass die Mehrzahl aller unfreundlichen Kommentare die Juden als Gruppe betrachten. Nur ein kleiner Prozentsatz qualifizierte sein Urteil mit, Bemerkungen wie: “einige Jaden”, “die Juden, die ich Kenne”, die Juden meiner Nachbarschaft”. Ueber die Haelfte der befragten Kinder bestaetigten, dass ihre Familienmitglieder ihre Haltung gegenueber den Juden teilen. (“Jewish Spectator”)