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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1971-01-01 · 1 (Enero, 1971) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIII (1971)
Issue
1 (Enero, 1971)
Date
1971-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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ENERO 1971 BOLETIN INFORMATIVO!) Deutschsprachiger Teil des INFORMATIVO I Der Kairo-Beirut Express pflegte hier Station zu machen: die Bruecke, auf der er zwischen West- und Ost- Kantara den Suezkanal ueberquerte, sieht aus wie das Phantasiegebilde eines Pop- Kuenstlers - grotesk ragt ihre verzerrte Silhouette in den Himmel, ein Sinnbild menschlicher Unvernunft. Kantara, einst eine Stadt von 15.000 Einwohnern, ist leer. Ihre Bevoelkerung ist entweder nach Aegypten oder nach El Arish im Israel-kontrollierten Sinai evakuiert wor den. Die aegyptische Artillerie hat ihr Werk der Vernichtung getan: nach jahrelangem Beschuss stehen von den meisten Haeusern nicht einmal die Fassaden. Vom pompoesen Palast des Gouverneurs ist die halbe Front weggerissen. Hier und da stolpert man ueber Schilder von Bars und Kneipen, die Ueberreste eines Eldorado fuer Matrosen. Die beiden koptischen Kirchen haben Volltreffer erhalten; nur das steile Minarett einer Moschee blieb unversehrt. Allah ist Allah. Der Suezkanal ist hier nur 70 Meter breit. Auf der anderen Seite sieht sich die Stadt weiter, das gleiche Truemmerfeld - auch die israelischen Moerser zielten gut. Ein paar verbogene Palmen sind geschwaerzt von Russ. Auf einem verlassenen Beobachtungs posten der Vereinten Nationen haengen die zerschossenen Anfangsbuchstaben UNO. Ja, nickt der Sergeant, wir duerfen hinunter auf den Kai bis ans Wasser. Wir tun es nur zoegernd. Lange Zeit war verloren, wer auch nur den Kopf aus dem Bunker steckte. Jetzt bewegen sich Menschen hier wie dort drueben, Soldaten auf beiden Ufern. Nach den 90 Tagen der ersten Feuerpause hat sich jetzt in der zweiten Waffenruhe das gegenseitige Misstrauen etwas gelegt. Man wusste nie, ob die Gestalt am anderen Ufer nicht ein Scharfschuetze war, der seine Schiesskunst ausprobieren wollte. Wegen eines Schusses haette es bestimmt keinen internationalen Konflikt gegeben. Kann man in der gluehenden Mittagssonne die Fuesse im Suezkanal kuehlen? Hier und da riskiert es ein Soldat. Die Spannung ist nicht mehr da, die an den Nerven zerrte. “1968 haben sie uns ge- Von schnappt, ploetzlich ging ueber eine Front von 150 km von Port Fuad im Norden bis Suez im Sueden die Artilleriebarrage los, und traf unsere Jungens, wo immer sie gerade waren - auf dem Fussballplatz, beim Mittagessen, auf offenen Latrinen. Da gab es nur eine Alternative; entweder den Kanal ueberqueren, oder sich einbuddeln. Wir haben uns eingebuddelt”, sagt der Sergeant, der uns begleitet. Es riecht nach Staub, Moder und Verwesung, und trotzdem - ein Hauch von Frieden ist in der Luft. Den Feind sehen und weiter fruehstuecken koennen, das ist schon etwas; drueben am Westufer sitzen eine Viertelmillion aegypti scher Soldaten, unterstuetzt von 10.000 sowjetischen Experten, 1.000 russischen Tanks und der groessten Artillerie- Konzentration in der Welt. Die Bunker sind voll, drueben wie hueben, die Staedte verlassen, jedenfalls von Menschen. Jemand anders hat ihren Platz eingenommen - Ratten. Die Ratten sind in die zertruemmerten Haeuser gedrungen, sie stehlen sich in die Bunker, sie schwaermen in die Lebensmitteldepots, sie ueberfallen Feldkuechen. In dem heissen Sand des Sinai vermehren sie sich in Scharen, gedeihen von den Abfaellen zweier Armeen, unverschaemt und aggressiv beherrschen sie die Wueste und die zerstoerten Staedte. Was auch immer hier geschehen wird - die Ratten sind die Sieger. Manchmal sieht man ihre fetten Kadaver, auf die die immer hungrigen Aasgeier warten, die statt der Bomber in den Lueften kreisen. Es ist Waffenruhe, aber nicht fuer das Heer der Mosquitos, nicht fuer die Stechfliegen - sie haben sich an die chemischen Bekaempfungsmittel gewoehnt und sind nicht mehr zu verscheuchen. Im Kleinen und Grossen Salzsee stecken noch die 14 Frachter, die im Juni 1967 in den Krieg geraten waren und seitdem festliegen. Die Mannschaften haben sie laengst verlassen, die Versicherungsgesellschaften abgeschrieben - sie verrosten und verfaulen wie die einst so geschaeftigen Haefen dieser internationalen Wasserstrasse. Die Bunkers auf der israe- Herberi Freeden (Jerusalem) lischen Seite sind komfortabler als viele der Haeuser am Kanal es je waren - fliessen des Wasser, chemisch gespuel te Toiletten. Telefone, von de nen die Soldaten nachhause sprechen duerfen, hygienische Kuechen. Wenn man aufs an dere Ufer sieht, entdeckt man aegyptische Soldaten, die das Gleiche tun wie die Israelis schaufeln, graben, bauen, wa sehen, baden. “Dass Soldaten ohne Deckung herumlaufen, ist noch kein Zeichen des Friedens, beim ersten Sirenengeheul verschwinden sie wieder in ihre Bunker. Aber sehen Sie dort, das ist schon besser”, sagt der junge Lieutenant Gideon Wir stehen am Ausgang des Kanals in den Golf, gegenuebor der Stadt Suez, einst einem Industriezentrum mit 200.000 Einwohnern. Gespentisch ragen die schwarzen Skelette der Oelraffinerie auf, die von den Israelis unter vernichtenden Beschuss genommen wur de, nachdem die Aegypter den Zerstoerer “Eilath” versenkt hatten. Seitdem war die Stadt gestorben, die Bevoelkerung nach Westen geflohen. Gideon zeigt auf eine Rauch fahne. “Das ist Rauch aus Fabrikschloten. Die Aegypter haben wieder einen ihrer grossen Industriebetriebe in Gang gesetzt. Man kann Zivilisten ir den Strassen beobachten, sogar Schiffe legen an. Und am Abend glaenzen die Lichter von Suez, ohne Verdunkelung, bis herueber in unsere Stellungen. Das deutet auf eine lange Feuerpause, wer weiss. vielleicht sogar auf Frieden”. Wir koennen die Lichter von Suez nicht mehr sehen: ein Flugzeug wartet auf uns - vor Einbruch der Dunkelheit muessen wir den Sinai verlassen. Wie heisst es? “...Jeder Tag kann das Paradies bringen, jede Nacht die Sintflut”. mit Terrasse, nach vorne ge - legen, an berufstaetigen Merrn oder Dame mit Frühstück abzugeben. Miete E° 750. monatlich. Grl. Fco. Miranda 2174 Tel. 499505 Tondichtung “Anne Frank” Oskar Morawetz, der bekannteste Komponist unter den New Canadians, der nach der nationalsozialistischen Besetzung seiner tschechoslovakischen Heimat nach Kanada kam (viele seiner Freunde teilten das Schicksal von Anne Frank), hat dem jungen Maedchen, das im Maerz 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb, ein musikalischen Denkmal gesetzt. Seine Tondichtung “From the Diary of Anne Frank” erlebte in der Ed ward-Johnson- Konzerthalle in Toronto die Uraufführung. Kanadas berühmte Sopranistin Lois Marshall erwies sich als ideale Solistin. Lawrence Leonard dirigierte das Torontoer Symphonieorchester. Annes Vater, Otto Frank, mit dem der Komponist lange und freundschaftlich korrespondierte, hatte die Zustimmung für die Verwendung des Textes aus Anne Franks Tagebuch gegeben. Die Tondichtung (Dauer 19 Minuten) wird in Kürze vom kanadischen Rundfunk gesendet werden; ein Tonband mit der Komposition wird Otto Frank zugehen. Unter den Zuhörern in dem Edward-Johnson-Saal, der bis auf den letzten Platz besetzt war, befand sich der Amsterdamer Victor Kugler, der dem Werk mit besonderer Ergriffenheit lauschte. Der Hollaender, der nun in Toronto lebt, hatte die Familie Frank in Amsterdam vor ihrer Verhaftung verborgen. Kugler, der immer wieder gebeten wird, über Anne Frank in den Torontoer Schulen zu sprechen, bemerkte “Annes Geschichte wird viele, viele Jahre unvergessen bleiben”. Vor der Uraufführung erhielt der in Toronto lebende Komponist ein Paeckchen von Anne Frans Vaiter. Es enthielt einen kleinen Silberteller und einen Begleitbrief mit den Worten: “Dies ist eines der wenigen Dinge, die aus unserem alten Haushalt stammen. Ich erhielt es als ein Hochzeitsgeschenk im Jahre 1925”. Walter Jelen, Toronto SPAIWffl HÍIDECKT ISRAEL "Undankbarkeit" der Araber fuehri zu Madrider Kurswechsel In der spanischen Hauptstadt verdichten sich die Anzeichen dafür, dass sich die spanische Aussenpolitik im Hinblick auf das Mittelmeer gründlich aendern wird. Die bisherige Freundschaft zu den Arabern ist einer Abkühlung gewichen, das spanische Konzept einer Blockbildung mit den Maghrebstaaten wird mangels nordafrikanis eher Gegenliebe in die Papierkörbe des Madrider Aussenamts versenkt. Schon sprechen diplomatische Kreise in Madrid ganz offen davon, sie rechneten fest mit einer “baldigen” Annäherung Spaniens an Israel und mit einer “langfristigen” Vorbereitung zur Aufnahme beiderseitiger Beziehungen. Da Spanien im Interesse einer heute fragwürdig gewordenen Araberfreundschaft als einziger westeuropaeischer Staat Israel seit seiner Gründung 1948 ignoriert, dürfte ein solcher Normalisierungsprozess naturgemaess langwierig werden und langsam reifen. In Spaniens Blaetterwald hat sich bereits seit Jahren eine Pro-Israel-Lobby etabliert, die ebenso oft wie erfolglos diplomatische Beziehungen zu Tel Aviv gefordert hat. Hinter diesen Zeitungen, “Ya” in Madrid und “La Vanguardia Española” in Barcelona, stehen die Regimekatholiken um den ehemaligen Aussenminister Alberto Martin-Artajo. Auch der Vizepresident des Madrider Staendeparlaments, Dionisio Martin-Sanz, dürfte zu den Befürwortern einer proisraelischen Orientierung der Spanischen Aussenpolitik zaehlen, zumal eine von ihm geleitete Exportfirma seit Jahren enge Handelsbeziehungen zur israelischen Geschaeftswelt unterhaelt. Die gleiche Forderung nach Beziehungen zu Israel hat vor kurzem die Madrider Zeitung “Informaciones” erhoben. Sie verlangte, Spanien müsse sich im Nahostkonflikt künftig neutral verhalten. Es gilt in unterrichteten Kreisen als nicht ausgeschlossen, dass dieser publizistische Versuchsballon auf einen Wink des Aussenministeriums ges t a r t e t wurde. Denn “Informaciones” gibt die unter einer durchsichtigen Schminke von Optimismus nur schlecht getarnte Enttaeuschung wieder, die Spaniens Aussenpolitiker empfinden, seitdem sie in Nordafrika mit massiven Gebietsfordsrungen seitens Marokkos, Algeriens und Mauretaniens bombardiert werden. Der Satz, die Araberstaaten haetten Spaniens freundschaftliche Gefüble unerwidert gelassen und sich als undankbar erwiesen, deckt sich mit den Ansichten der spanischen Diplomatie ANZEIGEN - ANNAHME bis zum 31. Januar ausschliesslich im GCME1NDEBUERO

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