Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXII (1970)
- Issue
- 8 (Agosto, 1970)
- Date
- 1970-08-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8553624-8554752-9195216--5840-8554921- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
AGOSTO 1970 BOLETIN INFORMATIVO 27 EIN GESPRAECH MIT PROFESSOR DR. ERNST SIMON seinem politischen Selbstbehaupiungskampf zu helfen?" Die Meinungen des israelischen Gelehrlen, der au ch aui der poliiischen Buehne iaeiig isi, wurden im Mai d.J. geaeusseri. Sie erlangen besondere Bedeutung durch die Bereiiwilligkeii der Regierung Israels, den Vermiüiungsvorschlag von Rogers anzunehmen und in indirekte Verhandlungen mit arabischen Staaten einzulreten. “Wissen Sie nicht, dass ich gegenwaeitig sehr mit der Bewegung “L’schalom ul’witachon” (“Fuer Frieden und Sicherheit”) verbunden bin?” Mit diesen Worten begruesste mich bei meinem kuerzlichen Besuch in Jerusalem der auch unseren Lesern bestens bekannte Professor der Universitaet Jerusalem und “Bruekkenbauer” Dr. Emst Simon. “Ich moechte Ihnen gern von uns erzählen, damit auch unsere Freunde auf dem amerikanischen Kontinent mehr darueber erfahren”. Da ich bisher noch nichts ueber die Bewegung gehoert habe, bin ich gern bereit, mich informieren zu lassen. Wir setzen uns an den Schreibtisch in seinem Zimmer, in dem auch noch die letzte Ecke mit Buechern ausgefuellt ist. Wir beginnen mit unserem Interview. "Worin, Herr Professor Simon, besteht Ihre augenblickliche politische Taetigkeit als aktives Mitglied des Sekretariats einer neuen Bewegung fuer alte Ziele?" “L’schalom ul’witachon” wur de bald nach dem Sechs Tage Krieg gegruendet. Ich hatte damals Artikel veroeffentlicht — in hebraeisch, englisch, deutsch und arabisch — mit dem Titel: “Noetig: eine positive Schockbehandlung!” Die These war: Haetten die Araber gesiegt, waeren mit groesster Wahrscheinlichkeit Pogrome zu erwarten gewesen. Sie befuerchteten von uns sicherlich dieselbe Behandlung. Dass es anders kam, fuehrte zu einem psychologischen Hohlraum mit Schockwirkung. Ich schlug vor, diesen Hohlraum positiv auszufuelien und machte dazu 10 konkrete Vorschlaege, die sich zum Teil im Programm unserer Bewegung wiederfinden”. "Welches sind die Ziele dieser Bewegung?" frage ich Prof. Simon, der sich offensichtlich immer begeisterter fuer dieses Problem einsetzt. 1. ) Israel soll offiziell erklaeren, dass es bei einer Friedensregelung keine Annexionen vornehmen wird, wobei Sonderregelungen fuer Jerusalem und vielleicht die Golanhoehen ausgehandelt werden muessen. 2. ) Wir sollten nicht auf direkten Verhandlungen bestehen, da wir dadurch aus einem letzten Ziel eine Vorbedingung machen. Es kommt weit mehr auf den Inhalt und Geist einer Regelung an als auf deren aeussere Form. 3. ) Wir sollten auf die Resolution des Sicherheitsrates von 1967 zurueckkommen, die wir schon einmal unter der Massgabe angenommen haben, dass ihre Interpretation zwischen uns und den arabischen Staaten kontrovers ist. Ein Hauptziel der direkten oder indirekten Friedensverhandlungen ist, sich ueber den konkreten Sinn der Formulierung “sichere und auf gegenseitiger Uebereinstimmung beruhende Grenzen” zu einigen. 4. ) Schon jetzt sollen konstruktive Anstrengungen gemacht werden, die zur sofortigen Erleichterung und spaeteren Loesung der arabischen Fluechtlingsfrage beitr a g e n koennen. 5. ) Das Recht der Araber in den besetzten Gebieten an ihrem kuenftigen Schicksal mitbestimmend teilzunehmen, muss anerkannt werden. "Sie, Herr Professor, vertreten also nicht die herrschende Auffassung dass die Araber nur die Sprache der Macht verstehen?" Ich spuere, dass ich mit dieser Frage einen der entscheidenden Punkte in dem Friedenskaempfer Ernst Simon angeruehrt habe. “Doch, ich teile sie. Sie verstehen sie naemlich nur allzu gut. Der Beweis dafuer ist, dass, je laenger die Feindseligkeiten dauern, der arabische Widerstand und Angriffsgeist um so staerker wird. Leider beobachten wir dies nicht nur bei den regulaeren Armeen, sondern auch bei den Terror gruppen. Wenn diese erst auch die politische Macht in den arabischen Staaten oder in einigen von ihnen uebernehmen sollten, werden die Friedenschancen noch weiter sinken. Diese taeglich wachsenden Gruppen verstehen offenbar nur die Sprache der Macht, allerdings ihre eigene”. "Warum, Professor Simon, sind Sie gegen die Besiediungsversuche juedischerseiis in Hebron?" Ich verstehe natuerlich unsere historische und religioese Bindung an die Stadt der Erzvaeter. Hoeher als die glorreiche Vergangenheit steht mir und auch anderen religioesen Juden — wenn auch zur Zeit nur einer Minderheit — das messianische Friedensideal. Hebron war im Jahre 1929 — uebrigens ein Jahr nach meiner Alija — der Schauplatz eines schrecklichen Pogroms. Es war in den drei Jahren nach dem Sechs-Tage- Krieg der friedlichste Ort in den besetzten Gebieten. Sein Buergermeister war von allen arabischen N ot a b e 1 n von Macht und Einfluss am meisten zu einer friedlichen Zusammenarbeit mit uns bereit. Alles das wird gefaehrdet und ist es vielleicht schon, wenn unsere offizielle Politik einen strategischen oder kolonisato rischen Stuetzpunkt errichten will. Es ist leider vorauszusagen, dass sich die bisher noch friedliche Stadt zu einem neuen Gaza entwickeln wird, d.h. zu einem weiteren Stuetzpunkt fuer die Terroristen. Noch wichtiger ist der politische Schaden einer solchen Politik. Durch die Schaffung “vollendeter Tatsachen” macht die Regierung selbst ihre wiederholte Erklaerung immer unglaubwürdiger, dass sie unter der Bedingung direkter Verhandlungen bereit sei, ueber jede Streitfrage mit den arabischen Kontrahenten zu verhandeln”. "Welche Anhaltspunkte haben Sie, Dr. Simon, fuer die Auffassung, dass eine Friedenspolitik von Seilen der Regierung des Staates Israel ein Echo bei den Arabern finden wird?" Die Antwort laesst erkennen, dass diese Frage nicht zum ersten Mal gestellt wird. “Auf diese Frage antworte ich seit ueber 40 Jahren. Der damalige Brit Schalom und spaetere Ichud hat viele arabische Kontakte gehabt und ist gelegentlich auch zu schriftlichen praeliminarischen gegenseitigen Vereinbarungen gekommen, die von beiden Seiten unterschrieben wurden. Als disziplinierte Zionisten brachten wir diese Dokumente sofort zur Kenntnis der zionistischen Leitung. Bei einer solchen Gelegenheit sagte mein von mir sehr verehrter Freund Mosche Scharet (sl.): “Deine arabischen Unterschriften stammen nur von Maennern zweiten Grades”. Ich antwortete ihm: “Die juedischen Unterschriften stammen, politisch gesehen, von Maennern dritten Grades, z.B. von mir. Setze Du Dich hin, dann wirst Du vielleicht einen arabischen Kontrahenten auf Deiner eigenen Ebene — naemlich der hoechsten — finden”. Spaeter stellte man uns die rhetorische Frage: “Habt Ihr irgendeinen arabischen Staatsfuehrer, der auch nur die Existenz des Staates Israel anerkennt?” Als der tunesi sehe Ministerpraesident Bourgiba auftrat, entwertete man sofort den Mann, seine Motive und Absichten. Heute, da fast alle arabischen Staaten totalitaer geworden sind, koennen sich entsprechende Stimmen nur sehr vorsichtig aeussern. Dies aber tun sie, falls die Gelegenheit dazu gegeben ist. Sie sind vereinzelt und ohnmaechtig, solange die israelische Demokratie ihnen nicht vorausgeht. Um es paradox zu sagen: Das juedische Echo muss heute vor der arabischen Stimme kommen. Dies ist die grosse Chance der freien Meinungsaeusserung in der Demokratie. Meine Hoffnung ist, dass die oeffentlichen Meinungen in beiden Lagern sich wie kommunizierende Roehren verhalten. Heute staerken sich die “Unnachgiebigen” gegenseitig. Morgen oder uebermorgen mag es umgekehrt sein”. Da sich in mir Zweifel re gen, ob es moeglich sein wird, die oeffentliche Meinung in diesem Sinne zu beeinflussen, stelle ich ihm meine 6. Frage. "Ist nach Ihrer Auffassung, Herr Professor, in der Politik die oeffentliche Meinung bestimmend oder sind es die Faktoren der Weltpolitik?" “Dies ist wohl die schwerste Ihrer Fragen. Sowjetrussland hat vor 22 Jahren den Staat Israel noch vor Nordamerika anerkannt. Sie erinnern sich doch daran. Muessen wir uns nicht fragen, welche verschiedenen Faktoren zu dem schroffen Frontwechsel gefuehrt haben, vor dessen bedrohlichen Perspektiven wir in den letzten Wochen gestellt worden sind? Sollte nicht einer dieser Faktoren, wenn auch gewiss nicht der einzige, damit zu sammenhaengen, dass es unserer Politik nicht gelungen ist, die Grossmaechte vor dem Dilema zu bewahren, zwischen uns und den Arabern waehlen zu muessen? Sowjetrussland haben wir jedenfalls—, hoffent lieh nur vorlaeufig—, verloren. Es hat sich fuer die Araber entschieden. Wer buergt uns dafuer, dass eine weitere Versteifung unserer Politik uns nicht auch noch unsere letzten Freunde entfremden wird? Jedenfalls sollten wir gut zuhoeren, was uns unsere Freunde zu verstehen geben. Es wird kaum in der Richtung unserer “Falken” liegen. Damit komme ich zu meiner letzten Frage an diesen Mann der Wissenschaft und den Erzieher juedischer Jugend, der seine Gelehrsamkeit mit dem Kampf fuer die Verwirklichung juedischer Frie densideale zu vereinen sucht, auch auf die Gefahr hin, nur von wenigen begleitet zu werden. "Was koennen wir im weifen Amerika tun, um Israel in Entgegen allgemein verbreiteter Ansicht sind direkte Kontakte zwischen Israel und Aegypten doch moeglich. Was schadet es, wenn ein solches Gespraech durch einen Amtsirrtum zustande kommt? Die Rabbiner-Gattin Conny Bogen wollte ihre Mutter in London anrufen. Wie oft am Freitag nachmittag waren alle direkten Leitungen besetzt. Statt London meldete sich Kairo. Es entspann sich folgender Dialog: Der israelische Beamte: “Hallo, hier ist Israel. Der aegyptische Telefonist: “Hallo Israel — hier ist Kairo. Wie geht es euch?” Der Israeli: “Uns geht es gut”. Der Aegyp- “Je staerker die juedische Solidaritaet mit Israel ist. desto mehr darf sie auch Kritik ueben. Es gibt nur einen wahren Patriotismus: In der kritischen Solidaritaet. Kritik ohne Solidaritaet ist wurzellos. Solidaritaet ohne Kritik kann gewissenlos werden. Zwischen beiden Gefahren sollte die juedische Diaspora in jeder konkreten Situation ihre Stellung beziehen, welche sie durch die geeigneten Kanaele als freundschaftliche Ratschlaege der Regierung Israels zuleiten kann, welche natuerlich allein das Recht zur Entscheidung hat und die Verantwortung traegt. Gestatten Sie mir, Herr Rabbiner, eine Schlussbemerkung: Die Moeglichkeit Israels, sich gegen eine ueberwaeltigende Majoritaet zu halten, beruht auf unserer hoeheren militae rischen Moral und unserer besseren technischen Ausrüstung. Es ist ein unvermeidlicher dialektischer Prozess, dass der moralisch und technisch staerkere den darin schwaecheren Gegner an sich heraufbildet. Die wahren Befreier Indiens waren nicht di? Inder, sondern ihr englisches Vorbild, wider Willen. Wir selbst beschleunigen die arabische Nationswerdung und Modernisierung. Die Geschichte hat uns ein Moratorium ge geben, dessen Dauer niemand kennt. Einmal wird es sich seinem Ende naehern. Beginnt die arabische Kampfmoral und technische Ausruestung sich der unseren anzugleichen, so wird die quantitative Ueberlegenheit uns e r e r jetzigen Feinde ein entscheidender Faktor sein. An diesem Tage muss Frieden herrschen, damit wir leben duerfen. Sich auf diesen Tag schon heute vorzubereiten, ist das Gebot der Stunde”. ter: “Wir erwarten weitere Bomben von euch”. An dieser Stelle konnte die mithoerende Rabbiner-Gattin ihr Temperament nicht mehr zuegeln: “Aber ihr wisst doch, dass es nicht noetig zu sein brauchte, -euch zu bombardieren”, rief sie ins Telefon. Der Aegypter: “Ich meine, das sollten Sie Ihrem Mosche Dajan einmal sagen”. Die Rabbiner-Gattin: “Nein, ich bin der Ansicht, das sollten Sie Ihrem Freund Nasser sagen”. Hier endete der israelischaegyptische Dialog, der erste direkte Kontakt seit dem Sechstagekrieg. (Aus "Neue Ruhr Zeitung") Torten Sandkuchen Galletas Queque Inglés Hochzeitstorten Fábrica de Pasteles 44 Portugal 552 Vienesa RODOLFO AIGNER 44 Fono 363» Egon Israel Loewsnstein “HALLO ISRAEL - HIER KAIRO” Der erste direkte Kontakt seit dem Sschstagekrieg