Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1957)
- Date
- 1957-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre, 1957 BOLETIN INFORMATIVO 9 ZUM GEDENKEN ln den vergangenen Monaten sind drei Maenner von dieser Welt abberufen worden, die zwar in den letzten Jahrzehnten in Israel wirkten, deren Leben jedoch der gesamten juedischen Welt gehoert hat, Isaak Heinemann, Jeschaja (Oskar) Wolfsberg und Aron Barth. Diese drei Persoenlichkeiten eint, dass in ihrem geistigen Wirken traditionelles Judentum und moderne Weltkultur eine hervorragende Symbiose eingegangen sind. ABSTECHER NACH DEM NORDEN ISAAK HEINEMANN Als ich mich im vergangenen Jahre von unserem verehrten Lehrer und ehemaligen Dozenten des Breslauer Rabbinerseminars nach seinem 80. Geburtstag in Jerusalem verabschiedete, ahnte ich nicht, dass dies ein Abschied fuer immer sein wuerde. Wenige Wochen spaeter erhielten seine Schueler die schmerzliche Nachricht, dass er der zu den Saeulen des einst so (bedeutenden Rabbinerseminars gehoert e, erkrankt ist. In diesem Sohn der einstmals so stolzen Frankfurter Gemeinde, vereinte sich in besonderer Harmonie die Tora Scherns mit den Zelten Jafets, der Geist des Judentums mit der Kultur der Welt. Ob in der Welt der klassischen Philologie oder der Klassik der Literatur, ot> in der Problematik der Stroeme der juedischen Weltanschauung oder den geistigen Problemen unserer Gegenwart, ob in der juedischen Philosophie der Jahrhunderte oder dem geistigen Ringen unserer Zeit, er meisterte alles in gleicher Weise. Er vermochte mit einer alle Zuhoerer mitreissenden Begeisterung ueber einen philo von Alexandrien und ueber dien Faust von Goethe zu sprechen. Seinen Schuelern war er ein wahrhafter Lehrer, der sie nicht nur in die ihm am Rabbinerseminar uebertragenen Disziplinen der Homiletik und mittelalterlichen Religionsphilosophie einfuehrte, sondern ihnen auch durch seinen wissenschaftlichen Ernst und den Mut zur Auseinandersetzung mit den Tagesfragen zum Vorbild wurde. Als 11920 der beteutende Historiker Markus Brann starb, trat Isaak Heinemann an seine Stelle als Herausgeber der 1851 von Zacharias Frankel ibegruendeten “Monatsschrift fuer die Geschichte und Wissenschaft des Judentums”. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Taetigkeit wurde er 1930 von der Breslauer Universitaet durch die Verleihung einer Honorarprofessur geehrt, die er jedoch nur bis 1933 ausueben konnte. 20 Jahre hat Dr. Heinemann am Breslauer Rabbinerseminar gewirkt. Viele Rabbiner und Lehrer, die heute zerstreut ueiber die Welt winken und zu denen auch wir bei der S. C. I. B‘ne Jisroel taetigen Rabbiner gehoeren, lehren in seinem Geiste. Sie werden ihm stets ein ehrenvolles Andenken bewahren. Secher zadik liwracha. DR. OSKAR JESCHAJA WOLFSBERG - AVIAD Als ich vor etwa einem Jahr eine Festschrift erhielt, die von den Freunden von Jeschaja Wiolfsberg aus Anlass seines 60. Geburtstages herausgegeben wurde, konnte niemand wissen, dass die juedische Welt so kurz darauf sein Hinscheiden beklagen muss. Die Namen derer, die an dieser Festschrift mitgearbeitet haben, bezeugen die Bedeutung und Wertschaetzung dieses Mannes, so schrieben u. a. Oberrabbiner Herzog, Raw Maimon, Prof. Klausner, Pinchas Rosch; —Dr. Oskar Wolfsberg ist am 26. September 1893 in Hamburg geboren, und wurde ein bedeutender Kinderarzt. Aber seine Liebe galt der Literatur, Philosophie und der Schriftstellerei. Er vereinte eine streng konservativ— religioese Auffassung mit dem Streben nach Auseinandersetzung mit den modernen wissenschaftlichen Problemen. Viele Artikel vor allem in der Monatsschrift “Jeschurum” von Joseph Wohlgemut legen Zeugnis von seinem Mut ab, mit dem er die juedische traditionelle Weltauf- 'fassung mit den wissenschaftlichen Ergebnissen der Philosophie und Biologie konfrontierte. Der Verstorbene schloss sich frueh dem Misrachi an und wurde bald der Praesident dieser Organisation in Deutschland. Bereits 1933 wanderte er nach Palaestina aus und nahm den Namen Jeschaja Aviad an. Nach der Ermordung Bernadottes wurde er ausserordentlicher Gesandter Israels in den skandinavischen Laendern und mit seinem ausgleichenden Wesen erreichte er die Aussoehnung der beiden Laender. Er gehoerte auch zu der 12 koepfigen Delegation, die in 'Lake Sueces die Anerkennung Israels durch die UNO erreichte. Das Zionistische Aktionskomitee ernannte ihn zum lebenslaenglichen Mitglied und er gehoerte zum Weltdirektorium des Keren Hajessod. Der Tod erreichte Jeschaja Aviad, als er Israel in diplomatischen Diensten in der Schweiz vertrat. Mit ihm verliert das religioese Judentum einen hervorragenden Repraesentanten, der es verstand juedische Tradition mit modernen Erkenntnissen zu vereinen. ARON BARTH Im Juni dieses Jahres starb im Alter von 67 Jahren in Tel Aviv der Praesident der Leumi-Bank, der auch zugleich den Ruf eines bedeutenden Juristen hatte. Bis 1933 uebte er seinen Anwaltsberuf in Berlin aus. Dr. Barth verkoerperta darueberhinaus in seiner Person die besten Traditionen des einstigen Judentums in Deutschland. Sein Vater war der Universitaetsprofessor fuer Orientalistik an der Berliner Universitaet und Dozent des orthodoxen Rabbinerseminars. Jakob Barth und seine Mutter entstammte der beruehmten Familie Hildesheimer. Schon 1920 wurde Aron Barth Vorsitzender des Misrachi in Deutschland und 1947 Praesident des Ehrengerichts der zionistischen Bewegung. So wusste sich Barth zeitlebens der religioesen Tradition und den nationalen Bestrebungen seines Volkes aktiv verbunden. Von seinem Bemuehen traditionelles Judentum mit den geistigen Stroemungen unserer Zeit zu vereinen, legen seine wissenschaftlichen Werke Zeugnis ab. Unter ihnen stellt das juengst erschienene Buch. “Der moderne Jude und die ewigen Fragen”, einen besonders wertvollen Beitrag dar. Mit diesen drei Persoenlichkeiten hat das juedische Volk drei (Menschen verloren, die bei absoluter Wahrung ihrer traditionellen Auffassungen vom religioesen Judentum es doch verstanden, den Gegenwartsproblemen ins Antlitz zu schauen. Sie waren bedeutend? Soehne des Judentums in Deutschland, dessen markante Persoenlichkeiten zu unserem Schmerz die Erdenlaufbahn mehr und mehr beenden. Wo wird ihr spezifisches Anliegen die Synthese zwischen Judentum und Weltkultur fortgefuehrt werden? Was ist sehenswerter, Bolivien oder Peru? fragten wir, als wir eine kurze Reise in den Norden planten. Die Antworten waren so widersprechend, dass wir beschlossen, die gleiche Zeit für beide Länder aufzuwenden, um uns selbst eine Meinung zu bilden. Wir haben es nicht bereut. Bolivien ist das Land der schroffsten Gegensätze, und der erste Eindruck ist der eines völligen Chaos auf sämtlichen Gebieten. Schon die Landschaft ist extrem: Das Vorgebirge von der chilenischen Grenze an sowie die den grossen Kessel von La Paz umgebenden Berge sind kahl und trostlos wie eine Mondlandschaft; das grosse Hochplateau (der Altiplano auf etwa 4000 Meter Höhe) ist eine weite, flache und eintönige Steppe, nur vom Titicaca-See und wenigen höheren Bergzügen unterbrochen; Wind, Schnee und Hagel sind an der Tagesordnung. Dagegen findet man in einer Entfernung von nur 2 Autostunden von La Paz, schon ab einer “Tiefe” von etwa 2500 Metern, grosse Täler und Schluchten mit tropischem Klima und entsprechender Vegetation: Bananenbäume, Kaffeesträucher und riesige Farnkräuter kontrastieren mit dem hellen Grün der Coca-Pflanzungen; das heisse Sommerwetter kann innerhalb kürzester Zeit einem wahrhaft tropischen (und uns besonders ungewohnten) Gewitter weichen, mit pechschwarzen Wolken, Blitz und Donner, ganz wie’s im Buche steht. Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze sind so gross, dass sie anscheinend nicht einmal von den dort ansässigen Immigranten richtig eingeschätzt werden. Wir bekamen jedenfalls auf jede unserer wissbegierigen Fragen die widersprechendsten Auskünfte. Die Folgen der Agrarreform und der Nationalisierung der Minen, die (uns unendlich langsam erscheinende) Emanzipation der Indios, die freie Einfuhr und der Kampf der Industrie gegen die Sozialgesetzgebung sind Probleme, die jeder nur von seinem persönlichen Standpunkt aus beleuchtet. Nur über ein erstaunliches Faktum scheinen sich alle einig zu sein, nämlich dass Hernán Siles, der augenblickliche Praesident Boliviens, ein wirklich fähiger und rechtschaffener Mann ist, der mit aller Kraft versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Und das lohnt sich, denn wenn Bolivien nur einigermassen seine enormen Bodenschätze ausbeutet, kann es ruhig in die Zukunft sehen. Bisher ist jedoch der Kontrast zwischen der geringen hellen Oberschicht und der bunten Masse der, fast möchte man sagen, tierisch in den Tag hineinlebenden, Coca kauenden Indios ein so gewaltiger, dass noch viele Generationen vergehen werden, bis ein einigermassener Ausgleich geschaffen werden kann. Zwar hat Bolivien auch viele Reste alter Kultur, besonders der Tiahuanaco-Kultur, aufzuweisen, diese sind jedoch keineswegs mit den Prae-Inca- und Inca-Kulturdenkmälern zu vergleichen, die die Haupt atraktion Perus bilden. Die Festungen von Machu Picchu und Sacp.ahuaman sind für unsere . i l! Begriffe die grossartigsten und eindrucksvollsten Beispiele menschlicher Baukunst, vergleichbar nur den aegyptischen Pyramiden, und inspiriert in der gewaltigen Landschaft, die mit ihrer Schroffheit und klimatischen Härte Menschen hervorbrachte, die zu solchen Riesenwerken fähig waren. Aber nicht nur gewaltige Bauten vollbrachten diese von den Incas beauftragten Künstler; sie und viele Generationen ihrer Vorfahren waren Meister in den Künsten der Weberei und Töpferei. Die in den Grabstätten gefundenen und in den hochinteressanten Museen von Cuzco und Lima aufbewahrten Stoffe aus Llama-, und Vicuna-Wolle haben bis heute nichts von der vollendeten Schönheit ihrer filigranfeinen Phantasiemuster, von der Harmonie ihrer Farbenzusammenstellungen eingebüsst, und viele der über 1000 Jahre alten Tongefässe können den Vergleich mit den modernsten Bildhauerschöpfungen aufnehmen. So ist speziell Cuzco und Umgebung eine Fundgrube von kleinen und grossen Meisterwerken, ganz abgesehen von dem bunten Bild der Indianermärkte, die zwar zum grossen Teil für die vielen Turisten aufrecht erhalten werden, aber darum nicht minder echt sind. Auch die Bauten aus der Kolonialzeit sind sehenswert, besonders die Kathedrale von Cuzco, deren herrliche Holzschnitzereien sehr an die von Toledo erinnern. Sonst macht Peru den Eindruck eines viel wohlhabenderen, ordentlicheren und fortschrittlicheren Landes als Bolivien. Sein enormer Reichtum an Zucker, Baumwolle, Kautschuk, Erdöl, Silber, Kupfer und anderen Bodenschätzen hat es anscheinend mit gutem Erfolg den Versuch der freien Wirtschaft überstehen lassen. Was ist nun sehenswerter, Bolivien oder Peru? Beide sind der Mühe wert. Bevor Sie Ihre nächste Reise nach Europa planen, oder auf dem Wege nach USA machen Sie einen Abstecher, es lohnt sich. Warum in die Ferse schweifen... KLAUS HANNACH. DAUNENDECKEN STEPPDECKEN Neubeziehen u. Umarbeitungen Importierte Inlets u. Moderne Bezugstoffe auf Lager Schlafsaecke f.Ausfluegler Rucksaecke MAX WETZSTEIN Av. M. MONTT 2656 Tel. 43379 LOEWENSTEIN GROSSES - KONZERT VERANSTALTET VOM CENTRO CULTURAL Sonntag 22. Dezember 6,30 PJM. im Salon der S.C.I. Bne Jisroel Av. 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