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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-09-01 · 9 (Septiembre, 1957) · p. Seite 29

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
9 (Septiembre, 1957)
Date
1957-09-01
Page
Seite 29 (sequence 33)
Language
German
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Septiembre 1957 BOLETIN INFORMATIVO 29 Ö i WiN7r. HANS KLUB, "Haben die jüdischen Gemeinden Europas noch eine Zu kunft? Hat sie die von Hitler-Deutschland heraufbeschworent Katastrophe nicht nahezu vollständig zum Erliegen gebracht? Gibt es einen Wiederaufbau und mit welchen Mitteln?” Diese und ähnliche Fragen sind in jüngerer Zeit naturgemaess häufig von jüdischen Organisationen einzelner Länder und auch in internationalem Masstab erörtert worden. Dabei hat auch die Möglichkeit der Mitwirkung des amerikanischen Judentums eine Rolle gespielt; es dürfte freilich das Selbstbewusstsein des europäischen Judentums stärken, dass es für seinen kulturellen und geistigen Wiederaufbau die materielle Hilfe Amerikas nicht mehr in Anspruch zu nehmen braucht, nachdem die Mittel hierfür heute aus den deutschen Zahlungen an die jüdischen Organisationen stammen, also — genauer gesagt —aus den rückerstatteten Vermögen der einst blühenden und dann zerstörten jüdischen Gemeinden in Mitteleuropa. Es ist tröstlich, daran zu denken, dass die, die nicht mehr da sind, nun indirekt uns helfen, neues Gemeindeleben, neue Schulen, neue Gotteshäuser in anderen Ländern zu schaffen, ganz abgesehen von dem gewaltigen Beitrag, den dieses selbe jüdische Vermögen heute in Form der Reparationsgelder für den Aufbau des Staates Israel leistet. Die Bilanz der letzten Jahre zeigt, dass wir mitten in einem Wiederaufbau stehen, der versucht das Erbe der Hitlerzeit schrittweise zu liquidieren. Die Resultate werden freilich immer nur geringfügig sein, denn noch Generationen hindurch werden wir den erlittenen Aderlass nicht ausgleichen und niemals die Werte wieder herstellen können, die in den Zentren des jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa bestanden haben. Aber wir haben uns die Frage vorzulegen, wie wir in dem übrig gebliebenen Westeuropa — und nur von ihm soll heute hier die Rede sein — von innen her jüdisches Gemeindeleben kräftigen können. Denn nur die jüdische Gemeinde, die ihrem Wesen nach durch Jahrtausende unveränderte Organisation der jüedischen Diaspora, ist als der örtliche Zusammenschluss aller Juden zur Pflege ihrer gemeinsamen religiösen, kulturellen, erzieherischen und sozialen Interessen die Stelle die—über die Einzelbestrebungen von Vereinen und Organisationen hinaus — der Träger eines solchen Wiederaufbaues sein kann. Während in religiöser Hinsicht der Gedanke sich mehr und mehr Bahn gebrochen hat, dass die Gemeinde allen ihren Mitgliedern, auch einer Minderheit, die von ihrem religiösen Gewissen verlangten Einrichtungen zu schaffen hat, besteht nach wie vor ein weites Feld ungelöster Aufgaben auf dem Gebiete kultureller Betätigung. Fast überall sorgt die Gemeinde für die Erziehung der Jugend und die Weiterbildung der Erwachsenen. Mancherorts ist die jüdische Tagesschule eine Einrichtung cier Gemeinde, anderswo wurde sie durch Initiative privater Vereine geschaffen und wiederum in anderen Orten ist die Debatte über die Schaffung solcher Schulen noch nicht zu einem Resultat herangereift. Welchen Weg aber auch die einzelne Gemeinde gehen mag, immer bleibt der Unterricht der jüdischen Geschichte, der Religion, des Brauchtums, der hebräischen Sprache ihr oberstes Ziel. Denn nur die Kräftigung der geistigen Substanz durch vertieftes “Lernen” kann den Abbröckelungsprozess besiegen, dem der Jude der Diaspora, ob er wül oder nicht, im tagtäglichen Leben ausgesetzt ist. Im sozialen Bereich haben wir uns stets klar darüber zu sein, dass “Zedakah” nicht Almosen und nicht Mildtätigkeit bedeutet, sondern Gerechtigkeit. Der Arme in unserer Mitte hat ein Recht auf die soziale Fürsorge der Gemeinde, und mit ihm der Flüchtling, der in irgendeiner Gemeinde seine neue Existenz aufbaut. Zu selten erinnern wir uns des im Laufe der Jahrhunderte immer wieder wahr gewordenen Wortes, dass “wir selbst Flüchtlinge waren in Aegypten”. Der frühere Präsident des “Board of Deputies”, der verstorbene Professor Brodetsky, hat einmal vor dieser altehrwürdigen Gemeindeorganisation der englischen Juden auseinandergesetzt, dass der ganze Unterschied zwischen eingesessenen und zugewanderten Juden nur darin besteht, dass die ersteren eine oder zwei Generationen früher sesshaft geworden sind. Diese Betrachtung hat ihre Konsequenzen auch im organisatorischen Aufbau der Gemeinde, der heute fast überall nach demokratischen Grundsätzen sich vollzieht. In der jüdischen Gemeinde muss jeder Jude, gleichviel wo seine Wiege stand wievel Geld er hat und welches seine jüdische Weltanschauung ist, vollständig gleichberechtigt sein. Was wäre das für eine Demokratie, in der ein Teil der Gemeindemitglieder grundsätzlich nur Steuerzahler sein könnte, einer anderen Gruppe aber die Aemter der Gemeinde Vorbehalten blieben? Oder sagen wir es mit einem bekannten Wort; In englischen Dingen — englisch, in französischen Dingen — französisch, in schweizerischen Dingen — schweizerisch; in jüdischen Dingen aber nur jüdisch! Sicher ist es heute eine Grundauffassung in wohl allen jüdischen Gemeinden Europas, dass sie durch Erziehung, durch Verbreitung des Wissens über den neuen Staat und durch Förderung aller Bestrebungen zur Festigung und Vertiefung der Bindungen mit ihm dem Aufbau des Landes Israel zu dienen haben. Die Gemeinde darf diese Aufgabe nicht ausschliesslich den Organisationen überlassen, die sich seit je um die Kräftigung des Zions- Gedankens bemüht haben, sondern soll deren Anstrengungen unterstützen und ihnen die Hilfe ihrer Autorität leihen. Erfüllt die Gemeinde mit Ernst ihre Pflichten auf den Gebieten von Religion und Tradition, von Erziehung und Fortbildung, von Solidarität nach innen und Pflege der Zionsliebe, so wird sie den besten Beitrag im Kampf gegen den Antisemitismus und gegen alle inneren Auflösungserscheinungen geleistet haben. Auch dann wird sie immer noch wachsam bereitstehen müssen, um Angriffen auf unseren Glauben und unsere Gemeinschaft zu begegnen. Aber Der Tanait NAHUM, einer von den Gelehrten, die die Mischna verfassten, pflegte in seiner Gottergebenheit, bei jedem Missgeschick, das ihn betraf, zu sagen: GAM SU LE- TAUWO. Auch das ist zum Guten. Diesen Ausspruch wird sich wohl auch Selig Samuel zu eigen gemacht haben, der in Breslau lebte, und durch die judenfeindliche Gesetzgebung Friedrichs des Grossen ausgewiesen wurde. Er waehlte als Emigrationsland Grosspolen, das ist die spaetere Provinz Posen, und zwar die Stadt Kempen, weil dort 60-70% der Bevoelkerung Juden waren, das dortige religioese Leben in hoher Bluete stand, und viele grosse Gelehrte dort lebten. Einer ihrer Rabbinen war MALBIM, ein Gelehrter von Weltruf. Er hat (unter Anderem) einen Komentar zum Tenach verfasst, in dem er den Weltkrieg 1914 im Buche Daniel geweissagt hat, von dem er profezeite. dass er 30 Jahre dauern wird. Das stimmt, wenn man den zweiten Weltkrieg* und die Zwischenzeit einrechnet. Samuel wurde ein angesehenes Mitglied der Kempener Gemeinde. Seinem Sohne Emanuel war Kempen fuer seinen Tatendrang zu klein. Sein Weitblick fuehrte ihn nach England, einem der wenigen Laender, die um diese Zeit religioese und wirtschaftliche Beschraenkungen fuer Juden nicht kannten. Der aelteste Sohn Natan Meyer wurde in Liverpool Vorsteher der juedischen Gemeinde. Der mittlere Sohn Louis zog spaeter nach London. Er hatte 8 Kinder, der juengste Sohn war Montagu, den sein Vater in Samuel Montagu umbenannte, weil die Familie an einem Montag eingewandert war. Dieser Samuel Montagu, der spaeter geadelt, und Lord Swaytling wurde, gruendete eine der groessten Privatbanken der City of London in Firma Samuel Montagu und Co. Ein Mitinhaber dieser Bank war Edwin Louis Samuel, der Vater von Herbert Samuel, der erste High Commissionaer von Palaestina 1920-1925, und ab Angriffe von aussen und Abfallserscheinungen im innern werden dann auf eine starke, geschlossene, jüdisch verwurzelte Gemeinschaft stossen und sie im Kern nicht gefährden können. Damit ist die Gemeinde auch zum nützlichen Glied eines Gemeindebundes in jedem Lande geworden, der nur so stark sein kann, wie die Gesamtheit der Kehilloth, die er umschliesst. Es entspricht unserer historischen Erfahrung, dass die einzelne Gemeinde sich in allen Ländern und Zeiten nur behaupten konnte, wenn sie mit den anderen Gemeinden zu Rat und Tat zusammenwirkte. So findet sie auch die Brücke zu den weltweiten jüdischen Zusammenschlüssen, die heute auf den Gebieten der Religion, der Kultur, des Selbstschutzes und der Zusammenarbeit mit dem Staate Israel bestehen. * Sehr vieles von dem, was hier aufgezählt, wurde, wird heute in zahlreichen jüdischen Gemeinden Westeuropas ver¬ Von Adolf Seidemann 1931 als Fuehrer der liberalen Partei, Innenminister. An die Ernennung dieses englisch - juedischen Staatsmannes zur hoechsten staatlichen Autoritaet in Palaestina hatten sich damals die groessten Hoffnungen weitester Kreise, vor allem der Zionisten der ganzen Welt, geknüpft. Die damalige zionistische Leitung unter Weizmann und Sokolow stand dieser Ernennung sehr positiv gegenueber, da Samuel die Balfourdeklaration wesentlich inspiriert hatte. Diesen juedischen Enthusiasmus folgte im Sommer 1920 eine Ernuechterung. Samuel unterlag der imperialistischen Politik des englischen Kolonialministeriums, das gleiche Rechte fuer Juden und Araber forderte, obwohl gemaess der Balfourdeklaration Palaestina eine Heimstaette fuer das juedische Volk sein sollte. Im Mai 1921 kam es zu schweren arabischen Ausschreitungen in Jaffa und Jerusalem, was den High Commissionaer veranlasste, eine voruebergehende Einwanderungssperre zu verhaengen. Er war der Verfasser des Churchillweissbuches von 1922. Hier liegt der Beginn der verhaengnisvollen britischen Politik, die Transjordanien den Juden raubte, und weiterhin zu Ungunsten des juedischen Volkes getrieben wurde. Dieser negativen Haltung Sir Herberts stehön aber auch positive Leistungen gegenueber .Er raeumte mit zahlreichen Misstaenden aus der Zeit der Tuerkenherrschaft auf. In seine Regierungsepoche faellt der Beginn der zionistischen Kolonisation im Emek, die Entwicklung der Staedte, vor allem von Tel Aviv, sowie manche andere Taetigkeit auf dem Gebiete der Siedlung und des kulturellen Aufbauwerkes. Seine traditionell - religioese Einstellung veranlasste ihn, den Schabat und die juedischen Feiertage fuer sich und die Beamtenschaft als bindend zu erklaeren. An diesen Tagen ging er vom Oelberg, seiner Residenz, zu Fuss eine Stunde in die Synagoge um als gleiwirklicht, Nichts davon ist neu oder kann neu sein, nachdem die jüdische Gemeinde so alt geworden ist wie die jüdische Zerstreuung und in allen Kontinenten und in jeder Geschichtsepoche ihre Erfahrungen gemacht hat. Nur das Bewusstsein, in einer niemals abgerissenen Kette von Generationen zu stehen, deren Tradition uns verpflichtet, das Bewusstsein gleichzeitig, dass unsere Solidarität mit den Lebenden jeden Teil des jüdischen Volkes auf der Erde umfasst, wird zu einer Geschlossenheit der jüdischen Weltanschauung führen, wie sie unsere Gemeinden brauchen, um die schwerste Zeit unserer Geschichte allmählich zu überwinden. “Hitler” — so sagte einmal ein Weiser unserer Zeit — “hat gefragt, ob unsere Eltern oder Grosseltern Voll- oder Halbjuden waren. Wir haben die Frage zu stellen, ob wir alles daran setzen, damit unsere Kinder Juden in vollem Sinne des Wortes sein werden”. eher unter gleichen zu beten. Erez Israel und den juedischen Problemen galt stets sein Interesse. Gattin und Schwiegertochter sind den Aufgaben der Wizo treu ergeben. Kurz vor Schluss seiner Amtsperiode wohnte er voller Stolz der Einweihung der hebraeischen Universitaet bei. Brausend schlaegt der Beifall ihm entgegen, als er nach Weizmann die Bruestung der Tribuene betrat. Die Juden haben alle Suenden und Fehler des Oberkommissars vergessen, ueber die sie mehr als 4 Jahre zu klagen hatten. Er war eben englischer Beamter, und nur Englaender, der es den Juden gern recht machen, aber es mit den Arabern nicht verderben wollte. Sie wissen, dass er doch die schwersten Jahre mit ihnen geteilt hat. Er ist doch ihr Bruder, im Guten wie im Boesen, und jetzt, wo er sie verlassen wird, wissen sie erst, dass sie ihn doch lieben. Sichtlich geruehrt spricht er mit einer Waerme, die er bisher nie gezeigt hatte. Gross und feierlich wird seine Stimme: “In jeder Synagoge, so fuehrt er aus, brennt seit Jahrtausenden vor dem Schrein der Gesetzesrollen ein kleines Licht, die ewige Lampe. Tag und Nacht, Jahr um Jahr, Jahrhundert um Jahrhundert, Jahrtausend um Jahrtausend flackert die kleine Flamme. Wie vielen Geschlechtern, in wie vielen Laendern ist sie Symbol. Sie lebten und starben mit ungebrochenem Glauben, obwohl ihre Hoffnungen nicht erfuellt worden sind. Jetzt in unseren Tagen sehen wir die kleine Flamme wachsen und lodern, bis sie, wir glauben und hoffen es, Licht ueber die ganze Erde verbreiten wird. Ich bin gluecklich, dass es uns vergoennt ist, in diesen Tagen zu leben”. Und seine Exellenz sprach das traditionelle SCHEHECHIJO- NU. Samuel hat in mehreren Buechern sozialen, ethischen, philosophischen und religioesen Inhaltes seine Gedanken niedergelegt. Er lebt als ein Grosser unter Grossen in unseren Erinnerungen fort. (“Juedische Wochenschau”). VISCOUNT OF SAMUEL

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