Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1957)
- Date
- 1957-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1957 BOLETIN INFORMATIVO 13 Wá te/ren, tátett, r KONZERT-FEUILLETON Woran mag es wohl liegen, dass der heutige Konzertbesucher kaum mehr seine Ablehnung oder sogar Verurteilung eines neuartigen Musikwerkes oeffentlich kund gibt? Ist der Grund zu suchen, dass es heute mehr denn je zum guten Ton gehoert, fortschrittliche Musik zu verstehen und auch zu billigen? Oder baengt dieses Phenomen mit der Tatsache zusammen, dass durch Vollkommenheit der Uebertragungstechnik und mittels unzaehliger, erstklassiger Platten moderne Musik schneller und leichter ihren Weg zum Hoerer findet? Und doch ist es gar nicht so lange her, dass Rossinis “Barbier von Sevilla” bei der Premiere einen oeffentlichen Proteststurm entfachte und keine Musikgeschichte vergisst den beruehmten Tannhaeuser-Slkandal, der allerdings nur entstand, weil Wagner das fuer die Pariser Auffuehrung extra vergroesserte Ballet in den 1. Akt legte, waehrend die damaligen Abonnenten den Besuch eines Opernhauses nur zum Vorwand nahmen, um ein brillantes [Ballet zu sehen und gewohnheitsgemaess selten vor dem 2. Akt zu erscheinen pflegten. Als im letzten Synfonie-Konz e r t des Monats Juli des 75. Geburtstages von Igor Strawinsky durch die ziemlich farblose (durch die Grippe - Epidemie beeinflusste) Auffuehrung seiner Psalmensynfonie fuer Chor und Orchester gedacht wurde, soll darán erinnert werden, dass die Premiere seines, heute unsterblichen, (Ballets “Die Weihe des Fruehling” vor nur 44 Jahren in Paris in einem Tumult endete, der an Ausmass und Form dem oben erwaehnten in nichts nachstand. Es wurde gelacht, ge- 'bruellt, gepfiffen und gejohlt. Der Laerm im Saal uebertoente den Klang des Orchesters und die Taenzer, die die M'usik nicht mehr hoeren konnten, verliessen sich ganz auf den Takt, der ihnen aus der Kulisse von Strawinsky selbst geschlagen wurde, nachdem er aus Protest das Dirigenten-Podium verliess und es seinem Konzertmeister uebergab. Das Publikum lehnte sich, ehrlich und entruestet, gegen das gebotene Werk auf. Die bi-tonale Harmonie, bei der Dur und iMoll oft zugleich erklangen, erweckte erbitterten Widerwillen. Seit damals hat sich dieses Ballet nicht nur behauptet, sondern zaehlt zu seinen beruehmtesten Werken. Strawinsky, der neben Schoeniberg und Hindemith als wichtigster Baumeister und Konstrukteur moderner Musik bezeichnet wird, hat sich trotz allem von seinem Weg nicht abbringen lassen, da es sein Prinzip war nur neuartiges in Stiel, Form, Harmonie und Rythmus zu schaffen. Das bezieht sich nicht nur auf Instrumentation, sondern in weiterer Form auf Hinzuziehen anderer Elemente wie Stimmen, Sprache und Bewegung. Fuer ihn, dem Lernen von festen Gesetzen immer eine Plage war, gab es nur den einen Weg selbst neue Gesetze aufzustellen . Der beruehmte russische Choreograph Diaghilef veranlasste ihn, den “Feuervogel” zu komponieren, nachdem ein Auftrag an einen anderen russischen Komponisten nicht ausgefuehrt wurde. Damit beginnt eigentlich sein Weg zu internationalem Ruf. “F-euervogel”, “Petruschka” und “Die Weihe des Fruehlings”, alle fuer Diaghilefs Ballet geschrieben, haben seinen Ruf begruendet. Strawinsky blickt nicht nur auf riesiges Schaffen, sondern auch auf eine, schwer zu beschreibende, Verschiedenartigkeit im Wesen seiner Werke zurueck. Er produzierte einfach alles, angefangen vom kleinen Klavicrstueck bis zur Synfonie, zum Oratorium und zur Oper und man Tindet in seiner Tonsprache alle erdenklichen Ausdrucksformen vor. Seine Bearbeitung, sowohl vorklassiseher, als auch romantischer Musik sind bestens bekannt. Was ihn aber besonders interessant macht, ist sein Bestreben seine Werke wo nur moeglich selbst entweder vom Dirigentenpult oder am Klavier zur Erstauffuehrung zu bringen, ein schaffender und ausfuehrender Musiker zugleich und einer der wenigen modernen Meister, die noch zu Lebzeiten internationalen Ruf und Verdienste ernten. * ❖ CARNEGIE - HALL — NEW YORK Fuer welchen Kuenstler stellt nicht dieser Konzertsaal ein schwer zu erreichendes ¡Mekka dar und wie anspruchslos auf den Besucher, wirkt diese, zwar, akustisch perfekte, doch aeusserlich kalte Konzerthalle. Das einzige, was an Tradition erinnert, sind die unzaehligen, in gerader Reihe aufgehaengten und meist mit eigenhaendiger Widmung gezeichneten Photografien jedes einzelnen der Kuenstler, die jemals dort haben auftretm duerfen. Damit sind aber auch saemtliche Gaenge und Foyers von oben bis unten, und von links bis rechts gefuellt. Die New Yorker Philharmoniker, unter Dimitri Mitropoulos, in einem unbedeutenden Programm zu hoeren, waere fuer mich schon erregend genug gewesen. (Eintrittskarten zu Konzerten sind noch kurz vorher in Huella und Fuelle zu haben). Als aber Gregor Piatigorsky erscheint, sein Stradivari-Cello aus dem Jahre 1714 hoch erhoben ueber dem Kopf hereintragend, tauchen viele alte Reminiscenzen auf. (In Nordamerika muss man wissen, dass sein Instrument 150.000 Dollars wert ist). Ich erinnere mich an den russischen Fluechtling, der in Berlin auf Parkbaenken schlief und einmal, fuer bessere Unterkunft in der Nacht, in einen leeren Konzertsaal herein und aus nassen Kleidern herausschluepfte, um aus Schlaflosigkeit bis zum naechsten Morgen auf der Buehne in diesem Zustand Cello uebte. Seine eigentliche Karriere begann er als 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, zusammen am gleichen Cello-Pult mit Josef Schuster, bis er schliesslich in Nordamerika sein endgueltiges Heim und materielle Sicherheit fand. Wenn man ihn heute, knapp 54-jaehrig, als weltberuehmten Solisten wiedertrifft wird man nicht nur von der Waerme, Schoenheit und Geschmack seines Tones, sondern auch von hoher kuenstlerischer Reife seines Spiels beeindruckt. Es ist vielleicht nicht uebertrieben ihn heute schon fast auf eine Stufe mit dem Giganten dieses Instrumentes Pablo Casals zu stellen. Piatigorsky spielte als Erstauffuehrung in New York ein Cello-Konzert von Sir William Walton, das nicht nur fuer ihn komponiert wurde, sondern bei dessen Entstehen seine Mitarbeit und Rat massgebend gewesen sein sollen. Piatigorsky selbst beklagt sich, dass er mit seinem Cello bei sich zu Haus sehr wenig mitzureden hat, seitdem sein Diener, Dr. Wallisch, ein Musikkritiker aus Wien und ein perfekter Pianist, nicht mehr in seinen Diensten ist, denn seine 19-jaehrige Tochter spielt Floete, sein 17jaehriger Sohn Klarinette, das Dienstmaedchen Oboe und seine Frau. . . Bassoon, eine sonderbare Kombination fuer Kammermusik. Der Eindruck der New Yorker Philharmoniker war im Grunde genommen kein anderer als ich erwartete. Vollendetste Virtousitaet und Zusammenspiel, gemeinsam mit Klanggleichgewicht lassen dieses Orchester jede technische Schwierigkeit vollkommen vergessen. Jedoch ergibt aiese Perfektion eine gewisse Kaelte und Schema, die den Zuhoerer gefuehlsmaessig mehr distanziert als es bei weniger perfekten Orchestern der Fall ist. Wenig ist bekannt, dass die Bildung der nordamerikanisch in Synfonie-Orchester sich in ziemlich enger Verbindung mit den europaeischen Orchestern entwikkelte. Die New Yorker Philharmoniker bestehen seit dem Jahre 1842, dem Gruendungsjahr der Wiener Philharmoniker, waehrend die [Berliner Philharmoniker erst 4 Jahrzehnte spaeter gegruendet wurden. Auch fuer nordamerikanische Verhaeltnisse sind die Mittel, die den Spitzenorchestern wie Boston, Philadelphia und New York zur Verlegung stehen, etwas ausserordentliches. Alle drei haben heute einen, im Voraus gesicherten Etat von ueber US $ 800.000 pro Jahr, was ihnen ermoeglicht ganz grosse Kuenstler fuer das ganze Jahr zu verpflichten und ihre staendigen Mitglieder gut bezahlen zu koennen. Orchesterarbeit bei der Bostoner Philharmonie wird so gut bezahlt, dass ein europaeischer Musiker vor Neid erblasst, aber Leistungsansprueche sind auch dementsprechend gross. Einem guten Oboe oder Hornisten wird um die ganze Welt herum nachgeschickt, die Streicher kommen meistens aus Oe-sterreich, Holziblaeser aus Frankreich und viele Klarinettisten aus Italien. Trotzdem besitzen weder die New Yorker, noch die andern genannten Orchester die traditionell gepflegte Klanghomogenitaet der frueheren Wiener Philharmoniker. Die Mbeglichkeiten aber eines so intensiven Arbeitens, wie es wo anders kaum gekannt wird, erzielen einen virtuosen Stil besonderen Ranges. Uebringens gehoert die Bostoner Philharmonie zu den wenigen in Nordamerika, an deren Pulten ¡keine Frauen zu finden sind. Sir Thomas Beecham. einer ihrer fruehesten Dirigenten sagte, dass es ihn hemme, wenn er sich am Dirigentenpult als Gentleman benehmen muss, da er gerade dort sich gehen lassen moechte und einer seiner Konzertmeister meinte: Wenn diese Frauen anziehend sind, koenne Beecham nicht mit ihnen arbeiten. Und wenn sie es nicht sind, moechte er es nicht. Da aber in Nordamerika das Recht der Frau auf gleiche Chancen unbestritten ist, findet man in allen anderen Orchestern bis zu 25 Frauen und nicht nur an der Harfe und an den Streichern, sondern auch an den Pulten der Holziblaeser und Schlaginstrumente. (Fortsetzung Seite 23) DIE LETZTEN TEVAH KONZERTE Am 7. Juli uebernahm Victor Tevah wieder die Leitung der Sinfoniekonzerte und mit den folgenden vier Konzerten beendete er seine Mitwirkung der XVII Temporada Oficial 1957. Die musikalische Hoehe, die unser Orchester durch Antal Dorati erreichte, war im ersten aieser vier Konzerte nicht die gleiche. Wir hatten aber die Gelegenheit den hervorragenden Cellisten Pierre Fournier zu hoeren und dieses war ein grosses Ereignis. Fournier ist heute wahrscheinlich der groesste Virtuose seines Instrumentes. Seine Technik ist perfekt, bezaubernd sein Klang. Dazu kommt die ernste und korrekteste Betrachtung der von ihm gespielten Werke, durch die seine Mitwirkung auf einen musikalischen Hoehepunkt gebracht wird, der zweifellos seinem Publikum unvergesslich bleibt. Wir hoerten das ausserordentlich beliebte Violincellokonzert in h-moll, opus 104 von Dvorak und ein Cellokonzert von Antonio Vivaldi. Das Orchester begleitete den Solisten mit Glanz, hauptsaechlich im ersten dieser beiden Konzerte. Ausserdem noch Ravels “Le Tombeau de Couperin”, diesmal aber nicht so reizend, wie wir es von Tevah und dem Orchester von frueheren Jahren schon kennen. Im zweiten Konzert brachte Tevah die “Rhapsodie Espagnole”, die Ravel im Jahre 1907 komponierte und die zu den schoensten Orchesterwerken des franzoesischen Impressionismus gehoert. Es folgte die 5. Sinfonie in B-Dur von Schubert. Wir koennen woh.1 behaupten, dass diese Sinfonie den Geist Haydns in ihrer frischen Thematik atmet und unser Orchester unter der Leitung von Tevah dieses bestens zu schaetzen wusste. In diesem Konzert wurde uns ausserdem Virginia Castro vorgestellt, ein sehr begabten Sopran aus Uruguay mit einer sehr fein geschulten Stimme. Sie war die Solistin des Originellen Stuekkes von Benjamin Britten, “Las Iluminaciones”, 1944 komponiert urspruenglich fuer Tenorsolo, Horn und Streicher, op. 31. In einer Liederreihe nach Texten verschiedener Dichter wird der Zauber der Nacht besungen. Es wurde von Solistin und Orchester besonders ausdrucksvoll herausgebracht. Das Konzert endete mit einem Werk dieses Jahrhunderts, “Scherezada” von Ravel. Das vorletzte Konzert Tevahs begann mit einem chilenischen Werk, Suite “Aculeo” von Alfonso Letelier. Wenn es auch fuer uns etwas schwer war, die Inspiration dieses Stueckes mitzufuehlen, hat doch der Dirigent sein Bestes getan dieser Komposition ihren klanglichen Sinn zu bewahren. “Schelomo”, eine hebraeische Rapsodie von Ernst Bloch spielte Adolfo Odnoposoff als Solist. Dieser Cellist war der erste Cellist unseres HAUSSAMMLUNG Die naechste monatliche Haussammlung zu Gunsten des “Hilfswerks fuer die Judennot in der Welt” findet am Sonntag, den 22. September statt. Orchesters vor vielen Jahren, noch in den schoenen Zeiten von Fritz Busch und Erich Kleiber. Er ging dann spaeter nach Cuba als erster Cellist des dortigen Orchesters. Bestimmt hat er von dort aus gute Moeglichkeiten zu weiteren Fortschritten gehabt, denn er ist heute zweifellos ein brillanter Cellist. Bestimmt war es nicht leicht, nach einem Fournier aufzutreten, doch hat jeder in seiner Art den Beifall des Publikums berechtigt erobert. Hierzu muessen wir auch noch betonen, dass diese Rapsodie auf uns einen besonderen Eindruck ausuebte durch Tevahs kunstvolle Begleitung erreicht. Dieses Konzert endete mit der 102. Sinfonie von Haydn. Jedes mal muessen wir uns erinnern, dass Haydn ueber 120 Sinfonieen komponiert hat, ausser den vielen andefen Werken. In einer letzten Kritik sagten, wir, dass wir Tevah fuer einen der besten Haydn Dirigenten halten. Leider hat diesmal die Auffuehrung diesen Eindruck nicht bestaetigt. Es fehlte an Gleichwertigkeit der Interpretation der einzelnen Saetze. Die ganze Zusammenarbeit des Orchesters fiel ab und die Empfindung der Schoenheit dieser Musik blieb etwas beschraenkt. Das vierte und letzte Konzert unter Tevahs Leitung in diesem Jahr brachte uns die sechste Sinfonie von Beethoven, (Pastorale). Gelegentlich schrieb Beethoven, dass ein jeder, der einen Begriff vom Landleben haette, auch ohne Titelhilfen sein Werk verstehen muesste. Zweifellos konnten bei uns “heitere Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande” erwachen, die “Mittägliche Sonne an der Szene am Bach” konnten wir spueren, so wie einem “Lustigen Zusammensein der Landsleute” beiwohnen und dann ploetzlich auch die “Wucht des Unwetters”, die “Blitze zukken”, “den Regen prasseln” und den “Donner rollen” hoeren; und zum Schluss der “Hirtengesang”: es war sehrschoen! Die Psalmen - Sinfonie von Igor Strawinski, die 1930 komponiert Wurde, wurde vom Chor äer Universidad de Chile unter der Leitung von Marco Dussi und Hugo Villarroel gesungen. Fuer die drei Saetze waehlte der Komponist als textliche Unterlage Verse aus den Psalmen in der lateinischen Version der Vulgata- Die Musik, machtvoller Rhythmus, schneidende Dissonanzen, grelle Instrumentation, geben den Unterbau zu einer Linienfuehrung von klassischer Praegung ,die Tevah, mit charakteristischem Stil durchfuehrte. Der Chor war, bis auf die Stimmen der Mezzosoprane, die zu schwach waren, gut einstudiert, aber doch nicht klangreich genug. Wenn der Gesang auch oft unendlich monoton klingt, sollte er doch nie seine feierliche Groesse verlieren. Juan A. Tobias. ANZEIGENSCHLUSS am 28.