Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1957)
- Date
- 1957-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1957 BOLETIN INFORMATIVO 9 Zum 1&. von 1/Ui& D. Brandis von l7r. (J. HerlitZi Louis D. Brandeis nimmt unter den Persönlichkeiten, die die Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert hervorgebracht haben, einen ungewöhnlich hohen Rang ein. Das verdankt er nicht nur der Stellung, die er als Richter am Obersten Gericht der Vereinigten Staaten und dadurch im öffentlichen Leben dieses gewaltigen Weltteiles einnahm, auch nicht nur den ungewöhnlichen geistigen Gaben, die ihn auszeichneten und bis zu seinem hohen Amte aufsteigen Hessen, sondern viel mehr noch der Wertschätzung, die die ganze amerikanische Oeffentlichkeit seinen Charaktereigenschaften entgegenbrachte. Brandeis war in Amerika nicht nur wegen seiner tiefen Weisheit bekannt, sondern genoss die höchste Achtung aller, die ihn kannten. Brandeis hat 30 Jahre seines Lebens, vom Jahre 1913 bis zu seinem Tode (1942) der zionistischen Bewegung angehört. Er hat die zionistische Bewegung in Amerika länger als ein halbes Jahrzehnt geführt und der Zionistischen Weltorganisation in der gleichen Zeit seine Weisheit und seine Tatkraft gewidmet. Er war Präsident der Zionistischen Organisation von Amerika; er besuchte Erez Israel nach dem Ende des ersten Weltkrieges, um die Bedürfnisse des Landes, seiner Bevölkerung und der zionistischen Be_ wegung nach der Erteilung der Balfour-Deklaration zu untersuchen; er war die zentrale Figur auf der Londoner Jahreskonferenz von 1920, der ersten interterritorialen Zusammenkunft von Zionisten nach dem ersten Weltkrieg; er wurde bei ihrem Ende zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Weltorganisation gewählt. Trotz alledem hat Brandeis von dieser Konferenz an in der zionistischen Bewegung keine Rolle mehr gespielt. Kein Versuch, ihn in diesem Rahmen wieder zu aktivieren, hat je Erfolg gehabt, wie hoch auch die Menschen standen, die sich darum bemühten. Brandeis ist nie wieder zu zionistischer Aktivität zurückgekehrt und so in der grossen Oeffentlichkeit der zionistischen Bewegung fast vergessen worden. Es liegt also nahe zu fragen, was nach dem überraschenden, glänzenden Aufstieg von Brandeis, der in seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit und in seiner Stellung im öffentlichen Leben wohl begründet war, zu diesem rapiden, steilen Abstieg geführt haben mag. Die Antwort auf diese Frage ist sehr vielfältig. Sie sei dennoch um der Grösse der Persoenlichkeit von Brandeis und um der Ehre der Zionistischen Organisation willen, die einen Mann von solcher Grösse so rasch und so gänzlich fallen liess, hier versucht. Brandeis war seiner , Gesinnung nach gewiss ein den Gedanken des Zionismus und seinen praktischen Konsequenzen aufs tiefste Ergebener. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die Zionistische Organisation eine demokratische Organisation in der die Mehrheit der Mitglieder die Linie jeder Tätigkeit bestimmt, dann wird jedem Einsichtigen schnell klar sein, dass Brandeis gerade wegen seiner menschlichen Grösse, seiner überragenden intellektuellen und moralischen Bedeutung in eine solche demokratische Organisation, die die Unterordnung auch des Grössten unter den Willen der Mehrheit verlangt, wenig hineinpasste. In einer demokratischen Organisation kann man die eigenen Gedanken und Vorschläge nur durchsetzen, wenn man bereit ist, für sie auch gegen den Willen der Mehrheit zu kämpfen. Brandeis hat das weder gewollt, noch getan. Er zog sich nach der Ablehnungseiner Vorschläge durch die Londoner Jahreskonferenz in eine “splendid isolation” zurück. Vielleicht wäre er im Kampf für seine zionistischen Gedanken und Pläne erfolgreich gewesen und hätte gerade dadurch der Entwicklung der Bewegung gedient . Und das Zweite: Brandeis ist plötzlich, in einer Art gedanklicher Revolution, Anhänger der zionistischen Bewegung geworden und war in grosser Ferne von den Zentren zionistisch taetig. Das hatte verhängnisvolle Folgen für seine Kenntnis und Erkenntnis zionistischer Fragen und Belange und führte ihn 1920 zu der völlig falschen Auffassung von der Zukunft zionistischer Tätigkeit. Die Lauterkeit seines Charakters liess ihn an die Echtheit politischer Erklärungen und Dokumente glauben. Die Balfour-Deklaration hatte nach seiner Meinung die Notwendigkeit weiterer politischer zionistischer Tätigkeit völlig überflüssig gemacht. Jetzt, so glaubte er, käme es nur noch darauf an, die wirtschaftlichen Kräfte der Juden nach Erez Israel zu lenken und das Land zu entwickeln. Brandeis sah nicht, dass das politische Ringen um einen wirklichen Inhalt der Balfour-Deklaration um ihre Durchführung noch bevorstand und jetzt erst wirklich begann. Woher sollte er es auch wissen? Er hatte an den anderhalb Jahrzehnte dauernden politischen Kämpfen der Zionistischen Weltorganisation um die Anerkennung ihrer politischen Ansprüche nicht teilgenommen. Er kannte diese Kämpfe persönlich nicht. Nicht weniger wirklichkeitsfremd war der Gedanke von Brandeis, der aus diesem ersten Irrtum entsprang, nämlich dass das jüdische Volk, unter Verzicht auf politische Aktionen, jetzt unmittelbar an den wirtschaftlichen Aufbau von Erez Israel herangehen solle und werde. Diese Vorstellung, die das ganze Auftreten von Brandeis auf und nach der Londoner Jahreskonferenz, sein ganzes zionistisches Gedankensystem beherrschte, zeigt, wie wenig dieser bedeutsame amerikanische Zionist die Entwicklung der zionistischen Bewegung und ihre wirklichen Grenzen kannte. Er wusste nicht, dass es vor und unmittelbar nach der Balfour-Deklaration das grosse jüdische Volk, die Massen des Volkes, die nur darauf warteten, mit ihren materiellen und geistigen Kräften Erez Israel aufzubauen, noch gar nicht gab, dass dieses Volk erst gerufen, gesammelt, mobilisiert werden musste. Die am Aufbau eines jüdischen Palästinas interessierten Massen des jüdischen Volkes waren 1920 so wenig bereits vorhanden, dass Dr. Chaim Weizmann, der seit 1918 dieses jüdische Volk für den Aufbau Palästinas suchte, auf dem 12. Zionistenkongress (1921) ausrufen konnte: “Jüdisches Volk, wo bis Du?” Wie wenig Brandeis die zionistische Bewegung in ihrer Entwicklung und den zionistischen Teil des Jischuw Erez Israels in seinen Bedürfnissen kannte, wird am deutlichsten, wenn man sich dem Punkte seiner heftigsten Kritik an der Tätigkeit der Zionistischen Organisation in Erez Israel zuwendet. Die Forderung von Brandeis ging nicht nur dahin, dass die Zionistische Organisa- In Köln versammelten sich vor kurzem die verstreuten Delegierten der Deutschen Reichspartei (DRP) in der Bundesrepublik zu einem Ausserordentlichen Parteitag. Nun wäre das nicht ein so bedeutsames Ereignis, dass wir darüber berichten und Stellung nehmen müssten, wenn. .. ja wenn auf diesem Parteitag nicht eine Tonart aufgekommen wäre, die uns nicht gleichgültig lassen kann. Es war eben nicht nur irgend eine Parteipolitik im Hinblick auf die kommenden Bundestagswahlen im September, in die wir uns im allgemeinen in keiner Weise einmischen wollen. Hier kamen vielmehr Dinge zur Sprache, die uns sehr lebendig an den Ungeist erinnern, der im Jahre 1933 in Deutschland triumphieren konnte. Es genügt nach den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit nicht mehr, dass man sich von einigen beruhigenden Erklärungen der Parteitagsredner der DRP, sie seien keine Nazis mehr, einschläfern laesst, wenn Ton und Inhalt der Reden, die hier gehalten wurden, und entsprechende grölende Beifallsäusserungen der Versammelten in einer uns so wohlbe kannten chauvinistischen Weise ihren Niederschlag finden, wie wir es hier beobachten konnten. Das gleiche Phrasendreschen, die gleiche Auftion in Zukunft auf jede politische Tätigkeit verzichten solle, sondern auch auf die Einstellung ihrer Arbeit für den hebräisch-kulturellen Aufbau des Landes, auf die Einstellung ihrer Förderung des hebräischen Schulwesens im Lande. Wer die Geschichte der Zionistischen Organisation und die Schichten, die mit ihr immer verbunden waren, auch nur ein wenig kennt, weiss, welche beinahe zentrale Rolle in der Entwicklung des politischen Zionismus und in der friedlichen Eroberung Erez Israels die kulturelle Aufbauarbeit gespielt hat. Er weiss auch, wie tief die Massen des jüdischen Volkes, die in den Zionistischen Organisationen Europas organisiert waren, mit dem Aufbau des hebräischen Schulwerkes im Lande verbunden sind. Das sind einige, vielleicht die entscheidenden Gründe, warum der Zionist Louis D. Brandeis, der 1913 wie ein Meteor am zionistischen Himmel aufging und während der Notzeit Erez Israels im ersten Weltkrieg im höchsten Glanz erstrahlte, in den entscheidenden Jahren des Zionismus, trotz aller seiner grossen Gaben und trotz seiner tiefen Liebe zur zionistischen Sache scheiterte und scheitern musste. Der Historiker weiss, dass niemand peitschung der nationalistischen Instinkte, die wir so gut kennen, und die gleiche animalische Reaktion der Angesprochenen wie einst, mahnen uns zur Vorsicht gegenüber dieser Gott sei Dank, noch relativ bedeutungslosen politischen Gruppe in Deutschland. In der Tat, es war alles wieder da auf diesem Parteitag: Die alte Franzosenfeindschaft die Verachtung gegenüber den “anderen” im Ausland mit Ausnahme der Araberstaaten, mit denen man aus verständlichen Gründen eine ganz besondere Sympathie empfindet, die bösen Engländer und Amerikaner, die Verherrlichung der ach so sanften Führung der Waffen-SS, der ausgeteilte Seitenhieb gegen Rathenau und —last not least—, wie könnte es anders sein, die Attacke gegen den Staat Israel und die Zionisten, da der offene Antisemitismus offensichtlich noch als zu gefährlich erscheint. Nachdem das alles in so altbewährter Manier praktiziert wird, fehlt selbstverständlich nicht die Forderung an die anderen, “einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen”. Aber wenn es je angebracht war, einen solchen Strich unter die Vergangenheit nicht zu ziehen, so gegenüber dieser Gesellschaft, die doch hier wieder so deutlich gezeigt hat, dass die unglückselige Vergangegen den Strom geschichtlicher Entwicklung schwimmen kann, und was Louis D. Brandeis 1920 der zionistischen Bewegung als ihre Aktionslinie vorschlug, war ein Versuch, die Geschichte dieser Bewegung zu übersehen und die Richtung ihres Weges zu bagatellisieren. Es war das Schicksal der zionistischen Bewegung, dass der grosse neue Mann, den sie im ersten Weltkrieg in einem für sie beinahe neuen Teile der Welt gefunden hatte, nicht, aus den Tiefen der Bewegung oder aus der Tiefe der Massen des jüdischen Volkes kam. Die Bewegung hat an dieser Fügung des Schicksal schwer getragen. Was hätte Brandeis. in dem sich die tiefsten geistigen und sittlichen Kräfte des jüdischen Volkes vereinigt hatten, für dieses Volk leisten können, wäre er nicht bereits so weit geistig von ihm entfernt gewesen .Es war dem Volke nicht vergönnt, diesen seinen grossen Sohn an der höchsten Spitze seiner Erneuerungs - Bewegung zu sehen. Er tauchte strahlend auf und verschwand wieder. Aber geblieben ist die Erinnerung an die unvergleichliche Grösse dieses Mannes, der eine Zierde seines Volkes und des Zionismus für alle Zeiten bleiben wird. genheit ein Bestand ihrer heutigen Gesinnung geblieben ist. Da hörten wir eine markige Rede eines gewissen Professor von Grünbergs, in der dieser —immer wieder von fanatischen Beifallsrufen unterbrochen— folgende Sätze in den Saal schrie: “Auch Israel hat nach der Aggression auf Aegypten Finanzsorgen. Man spricht bereits von einer Verdoppelung der Reparationen durch eine Wirtschaftshilfe. Der Dank wird nicht darin bestehen, dass die Zionisten Deutschland zu lieben beginnen. Wir ermutigen nur die Ansprüche Israels. .. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Frankreich, in England und in Israel besprochen wird, dass demnächst die Aggression gegen Aegypten und andere arabische Staaten zu wiederholen sei, und zwar mit Sicherheit dann, wenn nach dem Vorbilde Mossadeks der Nationalisierung des Suezkanals der Versuch einer Nationalisierung der Oelquellen folgen sollte... Arbeiten, um zu sparen aber ist die viel verspottete Tugend der Deutschen, die es wieder zu erwecken gilt und nicht die der Südfranzosen und Sizilianer, mit denen wir einen gemeinsamen Markt bilden sollen... Die Sicherung der Zukunft unseres Aussen- (Fortsetzung Seite 27) DIE ANDERE SEITE Von Alfred Wolfmann (Jüdische Wochenzeitung, Düsseldorf).