Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 8 (Agosto, 1957)
- Date
- 1957-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8553624-8554444-9194302--2065-8554555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Agosto 1957 BOLETIN INFORMATIVO 5 BASEL STADT DER KONGRESSE Zum 60. Jahrestag des 1. Zionisten Kongress (29. - 31. 8. 1897) Oft wird gefragt, warum gerade Basel zur Stadt der Zionistenkongresse erwählt worden ist. Herzl hatte nach dem Erscheinen des “Judenstaates” so viele begeisterte Zustimmungen erhalten, dass er sich entschliessen musste, einen weiteren Schritt zur Realisierung der von ihm vorgechlage nen Pläne zu tun. Er traf alle Vorbereitungen, um einen Kongress seiner Anhänger einzube rufen und sah hierfür München vor. Hier stiess er aber auf den entschlossenen Widerstand der “Protestrabbiner”, die aus deutschpatriotischen Gründen gegen die zionistische Idee auftraten. Herzl zog dann Zürich als Kongressort in Be tracht, entschied sich aber schliesslich, Basel als Tagungsort zu bestimmen. An diesem ersten Kongress, an dem 197 Delegierte teilnah men und der vom 29. bis 31. August 1897 im Stadtkasino stattfand, wurde das Programm beraten, das künftighin die Diskussionen in der jüdischen Welt beherrschen sollte, später fast wörtlich in die Balfourdeklaration aufgenommen wurde und auch in der Staatsproklamation vom 14. Mai 1948 seinen Ausdruck fand. In diesem historischen Dokument, das von Ben Gurion vor der provisorischen Regierung des Staates Israel verlesen wurde, heisst es: “Im Jahre 1897 hat der erste Zionistenkongress in Basel, inspiriert durch die Vision Theodor Herzls, das Recht des jüdischen Volkes auf nationale Wiedergeburt im eigenen Land proklamiert”. In Herzls erster Kongressrede, die auch heute noch acusserst aktuell ist, fielen die Sätze: Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum, noch vor der Rückkehr ins Judenland. Ein Volk kann sich nur selbst helfen, kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu helfen. — Dies sind Erkenntnisse, die seither zum Alphabet des Zionismus gehören. “Unser Kongress sei ernst und hoch, den Unglücklichen zum Wöhle, niemandem zum Trutz und allen Juden zur Ehre, würdig einer Vergangenheit, deren Ruhm wohl schon ferne, aber unvergänglich ist”, waren die Schlussworte. Die wichtigste Arbeit des Kongresses war die Festsetzung des Programms und die Beratung der Statuten der neuen Organisation, die einen jährlichen Kongress vor sahen. Es ist unbestritten, dass mit diesem Basler Kongress die grösste Wendung der jüdischen Geschichte seit 2000 Jahren angebahnt wurde. Das Programm zielte auf die Schaffung einer neuen Existenzgrundlage für das jüdische Volk, dessen Stellung im Sinne einer Gleichberechtigung mit allen Nationen geregelt werden sollte. Nach Wien zurückgekehrt schrieb Herzl in sein Tagebuch: “In Basel habe ich den Judenstaat gegründet”. Dies war eine Voraussage, die sich genau 50 Jahre später verwirklicht hat, nämlich mit dem Beschluss der UN am 14. November 1947. Am zweiten Kongress, der vom 28. bis 31. August 1898 tagte, wurde die Gründung der Jüdischen Kolonialbank beschlossen: Die Bemühungen Herzls die Grossfinanz für den Judenstaat zu interessieren, waren gescheitert. Man dachte deshalb an eine Volkssubskripzion. Aus dem “Jewish Colonial Trust” wurde 1902 die An, glo-Palestine-Bank gegründet, die in Israel den Namen “Bank Leumi leTsrael” »annahm. Am dritten Kongress (15. bis 18. August 1899) formulierte Herzl seine Idee des politischen Charters, einer Konzession öffentlich-rechtlicher Natur, um Palästina unter der Souveraenitaet des Sultans zu VON DR. LEON WOHLMANN . und wird es niemals sein”, erklärte er. Aber auch dieses Bekenntnis und die berühmte Rede Nordaus über das “Nacht asyl” konnten zahlreiche Delegierten nicht überzeugen. Auf dem siebenten Kongress, der im Jahre 1905 wieder in Basel tagte ,und dem eine Konferenz der “praktischen” Zio¬ MANN nisten unter Vorsitz von Weizmann und Ussischkin in Freiburg voranging .fehlte Herzl. Er war am 3. Juli 1904 gestorben. Es ging nunmehr um die neue Führung der Organisation. David Wolfsohn übernahm sein Erbe. Nachdem die nächsten Kongresse im Haag und Hamburg stattgefunden hatten, trat der 10. Kongress im Jahre 1911 wieder in Basel zusammen. Otto Warburg übernahm mit Viktor Jacobsohn. Arthur Hantke, Schmarja Lewin und Nahum Sokolow die Leitung. Erst im Jahre 1927 kehrte der Kongress wieder nach Basel zurück. Weizmann wurde zum Präsidenten der Organisation und Sokolow zum Vorsitzenden der Exekutive gewählt. In Zürich wurde 1929 die Jewish Agency gegründet und dann wurde der 17. Kongress wieder nach Basel einberufen. Weizmann wurde gestürzt und Sokolow trat an seine Stelle. Die folgenden Kongresse fanden in Luzern, Zürich und Genf statt. 1946 war Basel wieder Tagungsort. Schon 1935 war Weizmann in Luzern wie¬ UND AU der an die Führung gelangt Inzwischen hatte der Krieg getobt, der den Juden in Europa unvergessliche Not brachte. Die Trauerfeier für die sechs Millionen jüdischen Toten des Hitlerkrieges wurde von Weizmann eingeleitet. Sie wird jedem Teilnehmer in ständiger Erinnerung bleiben. Bei diesem Kongress kam es wieder zu schweren Kämpfen über die politische Linie, die Zusammenarbeit mit England und den Teilungsplan. Es kam zu einer Koalitionsexekutive ohne Weizmann. Das Ziel der Basler Kongresse wurde 1948 erreicht! Jerusalem wurde die Hauptstadt des Staates Israel. Die Kongresse werden nunmehr dort abgehalten. Niemand hat aber die Rolle Basels vergessen. Die Dokumente über die Basler Kongresse werden im zionistischen Archiv in Jerusalem vollständig und sorgfaeltig aufbewahrt. Darunter befinden sich die Begrüssungsbotschaften und Ansprachen der Basler Regierungsmänner, die den zionistischen Bestrebungen immer freundlich gegenüberstanden und den Judenstaat sozusagen schon vor 60 Jahren, im Jahre 1887, anerkannt haben. (Juedische Wochenschau”, Buenos Aires). FGABE wachsen. Es erwies sich, dass eine robuste Vitalität ihm erstaunliche Arbeitsleistung ermöglichte, und es kam ihm zugute, dass er im Herzen jung geblieben ist. Seine positive Einstellung zum Leben harmoniert mit dem jugendlichen Geiste, der das Land durchweht. Seine Beziehung zur jungen Generation ist eng und zwanglos. Der optimistische Grundzug seines Wesens gibt ihm die vertrauensvolle Gelassenheit in Zeiten der Gefahr, die sich der Verantwortung für den Staat beigesellen muss. Im geistigen Habitus, wie im Sich-Geben, ist die Erbschaft des Westens, anfänglich erworben in deutsch-humanistischer Schulung unverkennbar, gesteigert und konditioniert durch juristisches Training. Da ist eine gewisse Disziplinfreudigkeit, das Misstrauen gegen emotionelle Reaktionen, die manchmal verblüffende Aufrichtigkeit und leidenschaftliche Objektivität und vor allem bedingungslose Pflichttreue. Die Treue ist überhaupt ein Grundzug seines Wesens, Treue zu Abmachungen und zu Ideen, und der Wunsch, sie konstitutionell zu sichern, Aber auch Treue zu Menschen: ein seltener Zug im Bilde von Politikern. Rosen ist ein Mann der Synthese und des Ausgleichs, des Maasses und der Proportion. Manchen erscheint er mitunter zu kompromissfreudig in Fragen der Tagespolitik .Aber unabdingbar sind ihm die Grund rechte des freien Menschen, die sich nur im freien Volke sichern lassen. Er ringt um die Synthese von Nation und Ethik, von abendländischen Humanismus und Judentum, die er selbst verkörpert. LUDWIG PINNER. kolonisieren. Er glaubte, dass die ständige Finanznot der Türkei schliesslich zur Bewilligung dieses Charters führen würde. Erreicht hat er mit seiner Rede, dass die Weltdiplomatie auf die zionistischen Bestrebungen stärker aufmerksam wurde. Der vierte Kongress fand dann in London statt. Der fünfte Kongress (26. bis 30. Dezember 1901, wieder in Basel) hörte die Berichte Herzls über seine Unterhandlungen mit Sultan Abdul Hamid an. Der Kongress beauftragte die Leitung, die Gründung einer jüdischen Universität zu prüfen, ein Gedanke, für den Weizmann plädierte. Der sechste Kongress im Jahre 1903 ist unter dem Namen “Ugandakongress” in die Geschichte des Zionismus eingegangen. Herzl hatte eingesehen, dass seine Unterhandlungen mit dem Sultan nicht so rasch zu einem Ergebnis führen würden. Er dachte an eine Siedlung in Cypern, El Arisch oder auf der Sinaihalbinsel. Die britische Regierung hatte inzwischen durch Joseph Chamberlain die zionistischen Fragen studieren lassen und Uganda als jüdische Heimstätte offeriert. Die Nachricht hierüber erhielt Herzl in Petersburg, wo er mit dem russischen Ministern Plehwe und Witte über die jüdische Frage konferierte. Auf der Rückreise wurde er in Wilna mit einer riesigen Begeisterung empfangen. Als er zum Kongress nach Basel fuhr, glaubte er, die jüdische Welt hinter sich zu haben. Er war von der jüdischen Not in Rumänien, Galizien und durch das Wiederaufflammen der Progrome in Russland derart beeindruckt, dass er Uganda als eine Zwischenlösung empfahl. “Uganda ist nicht Zion Aus der in den letzten Wochen hier eingetroffenen Israel- Presse ersahen wir, dass der Justiz— Minister Israels, Pinchas Rosen (Félix Rosenblueth), vor kurzem seinen 70. Geburtstag begangen hat. Das “Boletin Informativo” schliesst sich den vielen Glueckwuenschen, die dieser zionistische Fuehrer des mitteleuropaeischen Judentums aus aller Welt erhalten hat, mit der Veroeffentlichung eines ueber sein Wirken in der “Hakidma” erschienenen Artikels, an. (Die Red). Die Körperschaften, in denen stand ein guter Stern. Erzo- Pinchas Rosen fünfzig Jahre gen und geformt in den Lehindurch führend gewirkt hat, veranschaulichen aufs eindrucksvollste den Weg von der Peripherie des Weltjudentums in jüdische Wesenheit und zionistische Verwirklichung: Jüdische Studentenschaft in Deutschland, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Zionistische Welt Organisation in London, Hitachduth Olej Germania und Alijah Chadascha, Irija Tel-Aviv und Assefath Hanivcharim, Progressive Partei und Regierung des Staates Israel, Etappen einer geradlinigen Laufbahn. Aber wie grundverschieden das Klima und die Gegebenheiten, die Menschen und die Ziele jedes Wirkungskreises! Die intellektuelle Statur, der unablässige Wille zur eigenen Vervollkommnung und zur Wirkung auf andere, die Integrität des Denkens und Charakters waren gewiss Gründe, durch die ihm eine führende Stelle, fast immer kampflos, zufiel. Aber wieviele Weggenossen von Bedeutung haben bei dem stürmischen Szenenwechsel des jüdischen Dramas dieser Epoche den Rahmen ihrer oeffentlichen Einflussmoeglichkeit eingebüsst! Wie selten kann überhaupt eine politische Führung fünfzig Jahre lang, in ständig sich weitenden und wandelnden Rahmen, ausgeübt werden, ohne sie mit dem geringsten Opfer des Charakters zu erkaufen! Ueber dem Beginn der Laufbahn von Félix Rosenblüth bens- und Denkgewohnheiten Deutschlands der Jahrhundertwende, dessen Kulturwerte einen entscheidenden Anteil an seiner Prägung haben, bilden doch jüdische Tradition und Kenntnis einen natürlichen Bestandteil seiner geistigen Konstitution, im Gegensatz zur Mehrzahl der akademischen Jugend, der er sich anschloss. Die “Jüdischkeit”, als logisches Gebot dem “postassimilatorischen” Zionisten nur selten erreichbar, war in sein Fühlen integriert und wurde in seiner zionistischen Entwicklung fruchtbar. So war er bewahrt vor der blutleeren Abgezogenheit, die manchem westlichen Zionisten zum Verhängnis wurde, und der Zusammenprall zwischen West und Ost war ihm nicht gefaehrlieh — ja mitunter war er der gegebene Mittler. Die glückliche Fähigkeit, aus den divergenten Eie menten seiner Erziehung und Veranlagung eine harmonisch geschlossene Persönlichkeit zu gestalten, ist sicherlich ein Teil des Geheimnisses der Wirkung, die von Rosen ausströmt; umso weitreichender, je grösser die Gegensätze sind, die sich verschmolzen haben. Als der Staat Israel gegründet wurde, war Rosen schon in dem Alter, in dem die meisten Menschen bemüht sind, Erhaltenes zu bewahren und, wenn möglich, zu bewähren. Rosen ist an den Aufgaben des jungen Staates in seiner geistigen Statur und Wirkung ge- AUF DEM 1. ZIONISTENKONGRESS IN BASEL ((Von links nach rechts): SOKOLOV, HERZL, NORDAU und WOLFSOHN