Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1951)
- Date
- 1951-12-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8554211-9192736--0812-8554438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dldembr©, 19B1 BOLETIN INFORMATIVO IB M (.* cm.imvTO»0 (•«act,«'* 'Wafa4€tH Vaüt&taá/r fcAfttfa* BM «á|#«BAI|g VOR 60 JAHREN STARB LEO PINSKER f&mcSaJZc/ty&Tvj. Jeden Freitag abend um 19 Uhr. Jeden Samstag vormittag um 9.15 Ausserdem an Jahrzeiten. Wir bitten um rechtzeitige Mitteilung an Herrn Weglein oder Casilla 984. Verkuendung des Neumondes Samstag, den 22. Dezember: Tewet. Neumondstag Samstag, den 29. Dezember. Pinsker wurde 1821 zu To. maschow in Russisch-Polen geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er Jura. Spaeter sattelte er um und wurde Mediziner. Waehrend des Krimkrieges widmete er sich freiwillig der Kranken. und Verwundetenpflege. Gottesdienst fuer i Chanukka Der Gottesdienst anlaesslich Chanukka findet am Sonntag, den 23. Dezember, abends 19 Uhr mit Lichteranzuenderf statt. Wir laden hierzu alle Kinder und Jugendliche besonders ein. STATT KARTEN URSULA ARENDT K. — WERNER LUFT B. geben bierdurcfh Itore Verlobung bekannt. Empfang 8. Dezember 4-7 Uhu-. QUI1PXJE, Gondel! 241. Leo Pinsker - Als Jude geplnendert sein oder als Jude be. schuetzt werden zu muessen, ist gleich beschaemend, gleich peinlich fuer das menschliche Gefuehl der Juden. Die Emanzipation der Juden findet natuerlich ihre Rechtfertigung darin, dass sie immer ein Postulat der Logik, des Rechtes und des wohlverstandenen Interesses gewesen sein wird. Niemals wird man sie aber als einen spontanen Ausdruck menschlichen Gefuehls ansehen koennen. Der Jude ist fuer die Lebenden ein Toter, fuer die Eingeborenen ein Fremder, fuer die Einheimischen ein Landstreicher, fuer die Besitzenden ein Bettler, fuer die Armen ein Ausbeuter und Millionaer, fuer die Patrioten ein Vaterlandsloser, fuer alle Klassen ein verhasster Konkurrent. Mit dem Aufbau eines dauernden Wohnlandes muss man sich beschaeftigen, nicht mit zwecklosen Sammlungen von Geldspenden fuer Pilger oder fuer Fluechtlinge, die in ihrer Bestuerzung ein ungastliches Heim verlassen, um in dem Abgrunde einer unbekannten Fremde unterzugehen. Nicht die buergerliche Gleichstellung der Juden in dem einen oder anderen Staate vermag einen Um- Schwung herbeizufuehren, sondern einzig und allein die Autoemanzipation des juedischen Volkes als Nation. ANZEIGEN ANNAHME FUER DAS % "BOLETIN INFORMATIVO" A VALPARAISO A MARTIN HIRSCHBERG f VALPARAISO (1 ALMIRANTE MONTT 361 - TELEFONO 421G W Aur Wunsch werden die Inserate abgeholt. g t^r=>*o«sc3>o>sc3=>o(><cr^^(><=^^(><c^r^o<z=>o(><=z^>o()<okxz>oo<zA ogooococccococccococcg - § Ferien in Viña 2 § Chalet Duering § o o O Erstklassig gefuehrte Kueche, o ~ Elegante Zimmer, o Once mit Hausgebaeck VISA DEL MAR UNO PONIENTE 550 oooooooooooooooooooooe Januar, Februar, Maerz Vermiete sonniges Doppelzimmer mit Luxusbad und Fruehstueck an Ehepaar oder Erwachsene. Neues Hans Av. Llbertad, Vifta. Telefon und Autounterkunft vorhanden. Anfragen an: CASILLA 763, VALPARAISO VlNÄ DEL MAR Bestellen Sie baldigst Ihre Zimmer Im CASA BRENNER AVENIDA LIBERTAD 907 Casilla 482 - Tel. 84472 KAETE STERNBERG /INA DEL MAE Stadteil, Villa moderna, Calle Cuarta 561 vermietet schoene, sonnige , ZIMMER mit Pension. Erstklassige Verpflegung. Schoene Aufenthaltsraeume, Maesslge Preise. Auto — TInt°rkiünft In den sechziger und siebziger Jahren war er ein eifriger Mitarbeiter der russisch-jue. dischen Presse. Seine Anschauungen unterschieden sich in nichts von denen seiner gebildeten Zeitgenossen. Er trat energisch fuer die Russifizierung ein, in der er das wichtigste Mittel zur Erlangung der Gleichberechtigung sah. Er selbst sprach uebrigens besser deutsch als russisch. Juedische Kenntnisse besass er in geringem Masse und verstand nicht hebraeisch, obwohl sein Vater ein juedischer Gelehrter von Huf war. Die Ereignisse der siebziger Jahre, das Auflodern des Antisemitismus in Europa, die Pogrome in Russland machten auf Pinsker einen tiefen Eindruck. Er ueberdachte und ueberpruefte seine Anschauungen ueber Gegenwart und Zukunft des juedischen Volkes. Als Ergebnis dieser inne. ren Wandlung erschien “Autoemanzipation” “Mahnruf an seine Stammesgenossen”. Anfangs war Pinsker, wie man heute sagen wuerde, Territorialist. Erst im Laufe der Jahre wurde ihm die Bedeutung Palaestinas klar. Ende 1884 berief er die Kattowit. zer Konferenz ein und stand von da an an der Spitze der Chowewe _ Zion - Bewegung, Nach der Legalisierung des Odessaer Komitees wurde Achad Haam ueber Pinsker Der Grundzug von Pinskers i I nationalem Bewusstsein ist ein ungewoehnlich tiefes Gei fuehl fuer die nationale Wuer. | . de, oder, wie er es selbst! nennt, fuer nationale Selbst-1 wuerde. I I Pinsker sieht in der Idee der Autoemanzipation vor allem nicht die Errettung von aeusseren Verfolgungen, son. dern die Wiedergeburt des Gefuehls der Eigenwuerde in uns. Dass die Anderen uns] verfolgen und verachten-das! ist zwar sehr traurig. Noch, trauriger ist es aber, dass wir | selbst als Volk auf das Ver-j halten der Umgebung zu uns| auf unwuerdige Art reagieren _ und durch unser Verhalten j die Verachtung der Anderen' cewissermassen rechtfertigen. Die pathetischsten Seiten in' der PinskersChen Schrift sind, gerade dieser inneren Seite unseres nationalen Problems | gewidmet. Dort erhebt er sich oft bis zur Hoehe propheten. haften Zornes, in dem die Tragik des stolzen Sohnes ei-, nes Volkes widerhallt, das sei-1 nen Stolz verloren hat. j Pinsker zum Vorsitzenden gej waehlt und blieb es bis zu seinem am 9. Dezember 1891 erfolgten Tode. Malvin Warschauer 80 Jahre In Woking bei London, woi er mit den Seinen in voelliger Zurueckgezogenheit lebt,! begeht der langjaehrige Rabbiner der Juedischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Malvin Warschauer, am 26. Oktober den 80. Geburtstag. H Eine ganze Generation juedischer Menschen weiss Malvin Warschauer Dank dafuer, dass er sie mit juedisch-nationalen und juedisch-religioesen Geiste zu erfuellen sich bemuehte. E!r ist einer der ersten Rabbiner Deutsch, lands gewesen, der sich vor; mehr als fuenfzig Jahren der damals jungen zionistischen1 Bewegung angeschlossen hatte' und waehrend seiner fast' 40-jaehrigen Amtszeit in Berlin (1900 bis 1939) niemals seine nationaljuedische Gesinnung verleugnete, auch dort nicht, wo deren Betonung durch einen religicesliberalen Seelsorger nicht erwuenscht war. Malvin Warschauer ist ein Kanzelredner von grossem Format: Die Schoenheit des sprachlichen Ausdruckes, ge. dankliche Klarheit und leidenschaftlicher Mut zur Wahrheit gaben seinen Predigten stets eine besondere Note und machten sie zu einem aesthetischen Genuss fuer den Zuhoerer. Sein tiefes juedisches und allgemeines Wissen, nicht zuletzt die Beherrschung der modernen hebraeischen Umgangssprache und des klassischen Ara, bisch in Wort und Schrift, gestatteten ihm, eine' umfangreiche Wirksamkeit auszuu-eben und zu allen Zeitfra. gen Stellung zu nehmen. In den Briefen, welche der Schreiber dieser Zeilen in diesen letzten Kriegsjahren von ihm erhielt, kam immer wieder der unerschuetterliche Glaube an eine gerechte politische Loesung der Judenfrage in Verbindung mit felsenfestem Gottvertrauen zum Ausdruck, und die Proklamation von Medinath Jisrael bedeutete ihm die Erfuellung seines schoensten Zukunfts. traume's. Der tragische Untergang des zentral- und osteuropaeischen Judentums hat auch Dr. Warschauer naher Verwandten und zahlreicher Freunde beraubt, aber er ist der Vorsehung dankbar dafuer, einen ruhigen Lebensabend bei den Seinen gefunden zu haben. Erfuellt vom Glauben an die Menschheit i setzt er der Wirklichkeit un- | ser altes “W’af gam sot”, “Und dennoch” entgegen! ' Moechte der Jubilar noch er. ' leben duerfen, dass unserem j , schwergeprueften Volke voel. j lige Gerechtigkeit widerfaehrt: | upd dass vom aufbluehenden| .juedischen Staate aus eine, I Erneuerung des religioesen ' Lebens in der gesamten Dias-1 : pora, ein Aufstieg juedisch-j! religioeser Entwicklung uej! berhaupt, ausgehen moege! | I Die Wiederaufrichtung und I der Bestand des Gottesvolkes I .Israel durch “Schear ja-1 schüb”, “den zu Gott bekehr.; i ten Rest” ist der innigste! | Wunsch dieses bedeutenden! Mannes, dem aus aller Welt 1 die herzlichsten Wuensche I anlaesslich seines Geburtsta. ges zustroemen werden. 1 Curt Wilk Pinsker kann sich nicht mit jener demuetigenden Ergebenheit abfinden, mit der sein Volk die empoerendsten Beleidigungen hinnimmt. Ein stolzes Volk, so schwach es auch sein moege, kann in solchen Fallen nicht anders, als die Empoerung seiner verletzten Seele auf die oder jene Weise aeussern. Nicht weniger lehnt sich Pinsker gegen unser wuerde. loses Verhalten gegenueber unseren Goennern auf, gegen jenen Mangel der Selbstwuerde, den wir angesichts des 1 e is e s t e n herablassenden Laechelns von seiten der Anderen verraten. Er sieht in dem Akt der Emanzipation selbst nichts als den Ausdruck tiefster nationaler Demuetigung, die die Juden erroeten lassen muesste, wenn sie nicht alle nationale Selbst. wuerde verloren haetten. Beduerfe doch kein anderes Volk der Emanzipation. Fuer alle bestehe die allgemeine' Gesetzgebung. “Veraechtlich seid ihr, weil ihr keine wahre Eigenliebe und kein nationales Selbstpefuehlt habt. Nationales Selbstgefuehl! Wo dieses hernehmen? Das ist ja das grosse' Unglueck unseres Stammes, dass wir keine Nation ausmachen, dass wir bloss Juden sind. Eine ueber den ganzen Erdboden, verstreute Herde sind wir”. - '•’*"*—.--pr*—t-i “Herde”. In diesem einen Wort scheint Pinsker alle jene bitteren Wahrheiten zusammenzufassen, die er ueber die Seelenverfassung der Juden ausspricht. Eine Herde denkt weder an ihre Wuerde, noch an ihre Zukunft, denkt ueberhaupt an nichts ausser an die unmittelbare Gefahr, der sie irgendwie zu entrinnen sucht, gleichviel auf welche Weise, ob der ganze Haufen zusammen, oder jedes fuer sich. Welcher Jammer, dass es Pinsker nicht vergoennt war zu erleben, dass sein prophetisches Wort nicht umsonst erschallt war. Sterbend haette er einen Trost in dem Bewusstsein gefunden, dass er doch nicht der letzte “stolze Jude” war.