Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1951)
- Date
- 1951-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre 1851 BOLETIN INFORMATIVO 6 KAMPF UND LICHT Viele Voelker der Weltgeschichte haben Siege gefeiert die sie ueber ihre Feinde am dem Schlachtfelde errungen haben, unter ihnen Siege, die welthistorische Bedeutung angenommen haben. Aber so mancher dieser Siege wird nur noch in den Buechern der Geschichte erwaehnt. Die Sieger selbst sind von der Buehne der Weltgeschichte abgetreten. Nur der Geschichtsforscher spricht noch von ihnen. Wir aber feiern an Chanukka einen militaeri. sehen Sieg, dem eine einzigartige Bedeutung zukommt. Das Volk, das diesen Sieg errungen, gedenkt nicht nur der Heldentaten, sondern ihre Nachkommen leben und wir. ken in ungebrochener Vitalltaet wie ein junges Volk, das eben erst die Buehn>e der Weltgeschichte betreten hat. Von allen Wundern, deren wir in unserer Geschichte gedenken, ist doch dieses wohl der Wunder Groesstes. Am Schabbat Chanukka le_ sen wir in der Tora von dem Traum, den der Pharao von Aegypten ' traeumte. Sieben magere schwache Kuehe verschlingen sieben fette und starke Kuehe. Sodann sieht er sieben volle Aehren, die von anderen sieben ausgedroschenen Aehren verschlun. gen werden. Und nun kommt Josef aus dem Hause Jacobs und deutet ihm den Traum. Es ist derselbe Josef, der in seiner Jugend selbst getraeumt hat. Auch ihm waren Irdische Dinge im Traum erschienen — aber nicht al lein von den Aehren auf dem Felde hat er getraeumt, sondern auch von den Sternen am Himmel. Und damit leuchten wir in den entscheidenden Gegensatz zwischen Pharao und Josef, zwischen der Welt und Israel hinein. Die Welt traeumt meist von irdischen Dingen, von der Vervollkommnung der menschlichen Zivilisation. Wo Idealisten auftreten, bleiben sie allein und werden als Traeumer verlacht. Aber die, die lachen, sind von der Buehne der Geschichte verschwunden. Israel traeumt auch von einem schoenen Leben auf dieser Er de. Warum auch nicht?! Wir sind auch nur Menschen. Aber Israel begnuegt sich nicht damit. Es strebt ueber den Alltag hinaus, es sieht auch das Licht der Sterne, der Idee und die einstige Verwirklichung dieser Idee. Diese einzigartige Durchdringung und Verknüpfung von Wirklichkeit und Traum drueckt sich auch in der Feier des Chanukkafestes selbst aus. Wir erinnern uns der militaerischen Siege der Makka. baeer, .des Mathatias Hakohen und seiner Soehne gegen die Syrier. Wir sind dankbar fuer den Sieg der Schwachen gegen die Starken. Wir feiern einen Sieg wie andere Voelker. Aber jenes Oelflaemm. chen, das anstatt 1 Tag zu brennen, 8 Tage leuchtete, zeigt den anderen Aspekt Israels. Die Menora wurde zum Symbol des Lichtes des Judentums, des Glaubens an eine Welt, in der nicht nur zivilisatorisches Streben die Menschen erfuellt, sondern das Individuum auch zu den Sternen strebt, der Mensch auch an der sittlichen und Von Rabb. E. I. LOEWENSTEIN Sie feiern Chanukka mit Liebe zur Vergangenheit und dem Blick in die Zukunft: Chaluzim von morgen. EIN MAKKABAEER - LIED Umguertet mit Macht, schreitet aus mit Macht! In Felsenhoehlen, in schattendem Gestraeuch Einst scherte ein Rest sich zur Hasmonaeerzeit Und Schwertenblitzen mit Psalmengebraus Durchwogten die Stille von Wald und Gebing. In bergenden Bueschen, in Hoehlennacht Reifte das maechtige Heil — Und wir schwaches, kurzarmiges, eiendes Volk? Lasst es uns schlagen in unserer Kinder Herz? Das Wort des Herrn sei uns Saeule der Tat, Es sei unser sprengender Hammer, Noch ward nicht zuschanden all unsre Kraft, In Gott unsre Macht! Zu Hilfe dem Volk! Zu Hilfe dem Volk! Womit? Fragt nicht! Wie wir es finden. Und wer? Prueft nicht! Wer sein Herzblut weiht, — Wem die Not des Volkes das Herz noch trifft!!— Sammelt das Heer und scheidet nicht! — Jedes Opfer willkommen — jede Gabe — uns wert. Nicht heute pruefen, am Tag der Gefahr! Jedes Guten Rest, jeden Funken von Kraft Und Licht, das uns Gott im Herzen ndch liess, Wir wollen es sammeln, es binden in eins, Wir heben’s im Kampf zum Triumphe empor. Schon stroemen zu uns sie von Ost und West. Enthuellt das Licht! Offenbaret das Licht! Umballen uns Berge der Liuesterkeit, Noch ist nicht erloschen das letzte Spruehn. Aus dem Dunkel schlagen wir lohende Glut, Aus Felsenspalten Funkelgeisten. Am Boden des Volks, seines Wesens Grunde, Noch strahlt und blitzt sein goettliches Gut! Auf! Sammelt euch alle zum maechtigen Werk Lasset uns oeffnen das Dunkel, es oeffnen tief, Enthuellen verschuettete Fluten Lichts, Makkabisoehne, Aufrichtet das Volk, erhoeht das Geschlecht, Enthuellet, enthuellet das Licht! CHAJIM NACHMAN BIALIK Bis vor wenigen Jahren krankte die Forschung ueber den Ursprung des Synagogengesanges an dem Mangel erschoepfender Vergleichsmoeglichkeit zwischen den Singweisen in den verschiedenen Ritusgebieten des Orients und Okzidents. Diesem oft beklagten Mangel, der auf einwandfreie Forschungsergebnisse hemmend einwirkte, abgeholfen zu haben, danken wir dem juedischen Musikgelehrten A. Z. Idelsohn, dessen exakte, wissenschaftliche Forschungen eindeutig erwiesen haben, dass in dem —Trop— (Akzenten der Bibelvorlesung) und in den mit ihnen zusammenhaengenden Stammgebeten rein juedische Bestandteile sich erhalten haben, deren Ursprung bis in die vorexilische Zeit zurueckreichen. Dagegen ist bei den liedhaften, nicht rezitati. vischen Weisen des Synagogengesangs, die sich vor allem in den Vertonungen der religioesen Poesien (piutim) vorfinden, der Einfluss der ausser juedischen Umwelt un_ Von DAVID ZIEGLER dere (“Freut euch, freut euch in dieser Zeit, ihr werten Christen alle”) ist in einer Nuernberger Handschrift 1530 veroeffentlicht. Ausser diesen beiden ersten, durch den fal. lenden und die folgenden ansteigenden Tonschritte (Quar. ten) besonders charakteristischen Takten aber finden wir keinerlei Anhalt, der uns ueberzeugen koennte, dass unsere Hymne als eine von diesen Kirchenliedern entlehnte Musik sich darstellt. Es muefiSte denn sein, dass das altdeut, sehe Volkslied “So weis ich eins, das mich erfreut, das pluemlein auf preyter Heide”, nach welchem Luther seinen Choral gearbeitet hat, wesent. lieh anders gelautet hat. Von diesem Volkslied nun, so muss man annehmen, stammt die Chanukka-Melodie her. Den Kirchengesaengen kann sie keinesfalls nachgebildet sein, da sie weit aelter ist. Nach Zunz, dem Begruender der Wissenschaft des Judentums, entstand ihr Text bereits im 13. Jahrhundert und die Melodie war nach Birnbaum, Die Kunst im modernen Israel: Ein Chanukka-Leuchter aus der Bezalel-Kunstschule. verkennbar. Ein geradezu klassisches Beispiel dafuer liefert die Melodie unseres “Moaus zur jeschuosi”. Die enge Verwandtschaft dieser populaersten Weise der deutschen Judenheit mit altjuedischem Liedgut ist “Eingeweihten” seit langem be- kannt (Birnbaum: Vorbemerkungen zur Chanukkoh-Mclo. j die). Die zwei Anfangstakte unseres “Moaus zur” stimmen notengetreu mit dem Anfänge zweier Kirchenlieder des 16. Jahrhunderts ueberein. Der eine dieser kirchlichen Gesaenge (“Nun freut euch, j liebe Christeng’meind”) hat keinen geringeren als Martin Luther zum Verfasser, der an. dem grossen Kantor und Forscher auf dem Gebiet des synagogalen Gesanges, schon 1450 bei den Juden bekannt. Bis heute aber fehlt von diesem Volkslied selbst jede Spur. Solange jedoch die Originalmelodie nicht entdeckt ist und uns dadurch ein weiterer Vergleich mit unserer Hymne unmoeglich gemacht ist, duerfen wir, nach der Auffassung meines grossen Lehrers und Meisters Emanuel Kirschner, die herrliche Vertonung des "Moaus zur” als unser geistiges, juedisches Eigentum reklamieren. (“Bulletin Congregation Habonim”, New York) DIE FACKEL geistigen Vervollkommnung dieser kleinen von Gott geschaffenen Erde arbeitet. So symbolisiert das Chanukkafest beide Kraefte, die im juedischen Volke wirken: Die Erde und die Sterne, die Materie und den Geist, die Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Sicherheit, die ein jedes Volk und ein jeder Mensch in sich traegt, und den Glauben an eine Zukunft, ln der das harte und kuemmerlich leuchtende Licht des Geistes zu einer hellaufleuch, tenden Flamme wird. Von hier aus gesehen, Ist uns Medinath Israel nicht ein Zweck in sich selbst, sondern ein Mittel — das Mittel um Israels wahre Gestalt vor aller Welt zu zeigen. In der Medinath Israel wollen wir einen Staat aufbauen, in dem in menschlicher Sprache von Kuehen und Aehren die Rede ist. Und wir sind gluecklich darueber, nach dem wir 2000 Jahre nur von den Ster, nen sprachen. Sie sollen aber nicht nur am Himmel leuchten, sondern der Welt auch den Weg in die Zukunft zeigen. Wir wollen eine Gemein, schaft aufbauen, in der die Ideale Israels den Staat und die Menschen formen. Waehrend vieler Jahrhun. derte, leuchteten die Chanuk. ka-Lichter in aller Welt von den Fenstern juedischer Haeuser, in Erinnerung an das Oelwunder, das die Tem. pelweihe moeglich gemacht hatte, im Staate Israel, wo Freiheitskampf ein Begriff ist, der frisch in Aller Gedaechtnis haftet, wird Chanukka wieder mehr und mehr mm Befreiungsfest. Jahr fuer Jahr wird ein grosses Feuer in Modiin angezuendet, dort, wo der Makkabaeer Wiege stand. Eine Fackel der Freiheit, an diesem Feuer entzuendet, wird von jungen Marathonlaeufern durch das ganze Land getragen. Am Wege stehen Tausende aus Doer.?ern und Staedten, die ihre Fackel an diesem Feuer anstecken, um sodann zuhause den traditionellen Leuchter damit zu entzuenden. In sei. nem Schein gedenken sie ver. gangener und gegenwaertiger Heldentaten,