Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1951)
- Date
- 1951-11-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8554211-9192734--0787-8554414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Noviembre, 19B1 BOLETIN ISPOEMIIIÍO - 18 "PIETISTISCHER ZIONISMUS" Wirischaftsnachrichten aus Israel DIE WURZELN DER TEMPEL-iDEE Die Gegenbewegung gegen das orthodoxe evangelische Kirchensystem im 17. Jahrhundert, die mit dem Namen Pietismus bezeichnet wird, erblickte in der Kirche eine sittliche Gemeinschaft und keine theologische Institution. Ihr Begruender in Deutschland, Philipp Jakob Spe. ner (1Ö35-1705) lehrte ein Ge. meinschaftsideal, das sich aus der Idee vom allgemeinen Priestertum .herleitete. E r lehrte die Notwenüigxeit, die in der Mitte stehengebliebene Reformation zu vonenden. Eine weitere, wichtige An. regung erfuhr der Pietismus durch den wuerttembergischen Theologen Johann Albrecht Bengel (1687-1752). Das Weltengeschehen, so lehrte .dieser, kann nur als Erfuellung der biblischen Weissagungen recht begrifien werden. Die Bibel ermoeglicht uns nicht nur das Ver. staendnis der Geschichte, sondern auch den Blick in die Zukunft und ein entsprechendes Handeln. Die Weissagungen werden so Schluessei zur weitgeschiente, Wegweiser in die Zukunft, Ziel und Aufgabe des Christen turns und der Menschheit; gehe es doch jener grossen Weitwende entgegen, welche Daniel und die Offenbarung Johannis schon so eindringlich ausmalen, der grosse Abfall, der Sturz Babylons, der Anbruch einer besseren Zeit mit der Errichtung des tausendjaehrigen Reiches. Somit wird die u-eschichte wieder, um dynamisch und wird vor allem verpflichtende Aufgabe. Aus den Kreisen des wuert. tembergischen ¡Pietisjm-us stammte auch Christoff Hoffmann, der Begruender der Tempelgesellschaft (1815. 1885). Als Sohn des Begründers einer pietistisc’hen Brue. dergemeinde widmete sich Hoffmann dem theologischen Studium und wurde in den stuermischen Revolutions) ah. ren von 1948-9 als Vertreter des Pietismus in das Frank-1 furter Bundesparlament gewaehlt. Dort nun kam Hoffmann mit dem politischen Leben der Staaten und Kirchen in enge Beruehrung und erlangte die Ueberzeu gung, das diese nicht dazu faehig seien, der Menschheit das Heil zu bringen, wie sie auch in der Vergangenheit unfaehig waren, wahres Christentum zu verwirklichen. im Gegenteil duerfe das geistige Ringen um den echten Ideengehalt der Bibel eine starke Kritik des bisherigen Staats, und Kirchenbetriebes nicht scheuen, muesste Ja selbst bereit sein, beide abzulehnen. DIE SAMMLUNG DES VOLKES GOTTES Diese Gedanken brachte Hoffmann in der “Sueddeutschen Warte” unverhohlen zum Ausdruck, und es sammelte sich um ihn ein Kreis ernster Evangelisten mit dem Ziele, zur geistigen Erneuerung aufzurufen. Dazu kam in den ROiger Jahren des vorigen Jahrhunderts das neue Auftauchen der “orientalischen Frage” durch den Kampf um die heiligen Staet. tsn und den Krhakrieg. Dies AUS DER IDEEN WE gab den Pietisten einen neuen Impuls, da sie gemaess ihrer Art die grossen politischen Ereignisse reiigioes erlebten. Die Zeit schien ihnen reif zu sein, und das Reich Gottes auf Erden, von den Propneten v-erheissen und von Jesus begruendet, schien auf seine Eroauer zu warten. Hierin unterschied sich besonders Hoifmann von der evangelischen Kirche, indem er zur Tat aufrief. Doch diese Tat kann nur durch die Gemeinschaft des Volkes ausgefuehrt werden. Ein solches Volk muss erst begruendet Werden, a-enn. dies “erwaehlte” Volk ist solches nicht kraft Abstammung, sondern kraft einer innerlichen Entscheidung des Einzelnen, sich zu diesem \falk zuzurechnen. Im Jahre 1855 veroeffentlichte Hoifmann eine Schriit; “Die Geschichte des Volkes Gottes”, darin heisst es: “Das juedische Volk zur Zeit Christi war kein Volk Gottes, deshalb konnte ihm das von ihm getraeumte Koe. nigreich nicht zu Teil werden; es ist die einfache Folge hieraus, dass Christus, ehe er viederkommt, um sein Koenigreich aufzurichten, ein Volk gegruendet sehen will, das diesen Namen eher verdient als das juedische”. - Die Gemeinschaft des Menschen mit Gott allein ist die einzige Grundlage auf derue. berhaupt das menschliche Zusammenleben fest begruendet werden kann. Daher, so fuehrte Hoffmann weiter aus, sind alle Versuche, die sozialen Uebel der Gesellschaft mit aeusserlicnen Mitteln allein zu beseitigen, von vor. neherein zum Scheitern verurteilt. Aufgabe und Sinn der Sammlung des Volkes Gottes ist es, diese Gemeinschaft mit Gott herzustellen. Hoffmann lehnte es ab, Jesus nach orthodoxer Art zu vergoettlichen oder die Formen des dogmatischen Christentums wie die Sakramente als entscheidend anzusehen. Fuer ihn ist die Gestalt Jesu durch dessen Vorleben das Muster eines Menschen, in welchem die Vereinigung mit der Gott, heit vollzogen ist. GESCHICHTSMETAPHYSIK Die steigende Not der Zeit ist an sich, wie auch bei den messianischen ßtroemungen im Judentum, das Zeichen der bevorstehenden Welten, wende, ln einem dreibaendigen Geschichtswerk zeigt Hoffmann den Abfall der Vöelker Europas, welcher seinen Hoehepunkt in der Fran. zoesischen Revolution und im Caesarismus Napoleon III. findet. Hier mischen sich die religioesen Anschauungen die. »es Kreises weitgehend mit nationalen Anschauungen ihrer Zeit. Frankreich ist fuer den Deutschen das natürliche Sinnbild alles Schlechten, Babels. So versucht sich Hardegg, die zweite grosse Persoenlichkeit der Tempelbewegung, in einer Weissagung ueber den vermutlichen Gang der Ereig. nisse. Entscheidend ist ihm als Endpunkt die Wiederkunft Jesu und die Aufrichtung des tausendjaehrigen Reiches. “Die Kinder sind gekommen bis an die Geburt, und es ist keine Kraft da zu gebaeren”, Nt Hoffmanns Ruf an seine Zeit. JT DER TEMPLER DIE BEGRUENDUNG DER TEMPELGESELLSCHAFT ALS EINE “ZIONISTISCHE" BEWEGUNG Die Kirche entgegnete auf diese Gedänkengaenge, dass die Bildung des Volkes Gottes erst nach der Wiederkunft Jesu erfolgen werde, und dass es: eine Anmassung sei, dem vorzugreifen. Doch Hoffmann bestand auf der Bildung einer konkreten Gemeinschaft als Grundlage und erstem Sehritt. Er entwarf eine Verfassung desVol. kes Gattes und richtete seinen Appell an Juden und Christen. Gerade zur Zeit des Krimkrieges setzt sich der Gedanke e-ner Sammlung mit Palaestina als Mittelpunkt immer mehr durch. Hoffmann begruendete die Wahl Palaestinas wie folgt: “Diese neue Organisation oder mit dem Wort der Weissagung, Das Reich Gottes auf Erden, muss einen fuer die ganze Menschheit bedeutsamen Platz als Ausgangspunkt haben. Es gibt auf unserem Planeten nur e.ne diesem Zwecke entsprechende Staette, naemlich die von der Weissagung hierfuer bezeichnete heilige Stadt, das irdische Jerusalem”. Der Gegensatz zur evangelischen Landeskirche wuerttembergs wurde Ende der ööiger Jahre immer groessar Uhu schlhssiicn kam es zwischen ihr und d.n “Freunden Jerusalems”, wie sie sich damals nannten, zum offenen Bruch.Der Ausschluss aus der Landeskirche, die in den Jerusalem-Freunden eine heidnische Bewegung erblick., te, brachte fuer deren Anhae n g e r gesellschaftlic'hen und wirtschaftlichen Boykott mit sich, da ja die meisten auf dem Lande verstreut lebten. So kam es zur Gruendung einer eigenen selbstaen. digen religioesen Gesellschaft unter der Fuehrung Hoffmanns und Hardeggs, die un. gef aehr 3000 Anhaenger zaehlte. In der Gruendungserklaerung vom Jahre 1861 heisst es dann: “Angesichts der allgemeinen Zerruettung der Menschen, dje ihre Ursache darin hat, dass keine der bestehenden Kirchen die Herstellung des Menschen zum Tempel Gottes und die Herstellung des Heiligtums fuer alle Voel. ker in Jerusalem anstrebt, er. klaeren wir Unterzeichnete unsere Lossagung von Babylon, d. h. von den bestehenden Kirchen und Sekten, und verbinden uns zur Herstellung des Deutschen Tempels zur Ausfuehrung des Gesetzes, des Evangeliums und, der Weissagungen". Damit war das Band mit dem offiziellen deutschen Protestantismus zerschnitten. Die Betonung der religioesen Tat kommt auch in Hoffmanns Worten ueber das Wesen des Tempels zum Ausdruck, das er als den Glauben “an das Wort Gottes, gepaart mit dem Entschluss nun endlich auch das wirkliche Leben der Menschen nach dem in d.er Schrift verkuendeten Willen Gottes zu ordnen und einzurichten” kennzeichnet. UEBERSIEDLUNG NACH PALAESTINA Hoffmann kam aus einer) Von H. SCHMIDT, M. A. Familie von Siedlern und erblickte in der laendlichen Gemeinde und Gemeinschaft auch die beste Form fuer eine Ansiedlung in Palaestina. Gewarnt vor uebereilten Siedlungsversuchen durch das Schicksal der amerikanischen Adventisten, d,eren Siedlungs. versuch in Jaffa jaemmerlich scheiterte, ging Hoffmann den Weg des “Hachscharah Kibbuz” und so wurde zunaechst ein Stuetzpunkt bei Marbach gegruendet. Es entstand im Jahre 1856 die Gemeinde Kirschenhardthof, die bis zum Jahre 1873 Mittelpunkt der geistigen und materiellen Vorbereitung fuer das Siedlungswerk im hei.igen Lande biieb. Von da zogen 1858 die ersten “Kundschafter" aus und zehn Jahre spaeter begannt die eigentliche Uebsrstodlung. Es entstanden die Kolonie bei Haifa im .Jahre 1869 unter der Leitung von Hardegg, die Kolonie bei Jaffa unter Hoffmanns Leitung und 1871 die erste rein landwirtschaftliche Sied, lung Sarona. Die Kolonisten hatten schwer unter Malaria, Typhus und Dysenterie zu leiden und ganze Familien starben aus. Nur der Glaube an die Wahrheit und Aktuali.. taet des Bibslwortes hielt die Siedler aufrecht, 1873 erfolgte dann die Gruendung der deutschen Kolonie in Jerusalem als vierte Kolonie und Hoffmann verlegte seinen Sitz dorthin. # Dem Leser dieser Zeilen wird die Verwandtschaft dieser Templergedanken mit den Ideen Martin Bubers aufgefallen sein, und in der Tat haben die Templer Martin Buber immer eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt, denn auch sie fuehlten die Ideengleichheit in vielen Din. gen. In unserer Zeit gab es bei ihnen jedoch keinen geistigen Nachwuchs mehr. Als Bu. ber dem sueddeutschen Pietismus auch im juedischen Lager einen neuen Widerhall verlieh, da waren die grossen Geister des pietistischen “Zionismus” schon im Grabe und deren Enkel waren von einer geistigen Gemeinschaft zu einer Siedlungsgesellschaft geworden und die lodernde Flamme des Glaubens war heruntergebrannt. <“M. B”) Aus der juedischen Welt i in Philadelphia wurde die fruehere Heinrich Graetz. Loge, Breslau von ehemaligen Breslauer Mitgliedern wieder neu gegruendet. Da nach den Liberalen letzt auch die Sepharden be. schlossen haben, in den “Board of Deputies” zurueckzukehren, ist der Board wieder zur Gesamtrepreasentanz des britischen Judentums geworden. Die Stadt Duesseldorf hat beschlossen, das Grab Heinrich Heines in Paris auf ihre Kosten ln Stand setzen zu lassen. Wie das "Boletín de la Cámara de Comercio Argentino. Israeli” mitteilt, gibt es in Is. rael gegenwaertig 18 lokale Banken, 90 Kreditgenossenschaften und fuenf auslaendische Banken. Die Depositen beliefen sich in diesen Instituten Mitte 1950 auf 310 Millionen Dollar, das ist eine Zunahme von 40 Prozent in zwei Jahren. Davon entfielen 85 Prozent auf die lokalen und auslaendischen Banken, 10 Prozent auf die Kreditgenossenschaften und fuenf Prozent auf die Arbeiterbank. Der Zinsfuss fuer kurzfristige Handelskredite betraegt gegenwaertig zwischen vier und sechs Prozent, derjenige fuer mittel, oder, langfristige Industriekredite sechs, mit der Provision sieben Prozent. ' Der gesetzlich zulaessige? hoechste Zinsfuss ist neun Prozent j aehr lieh. Fuer Hipo. thekarkredite muessen zwischen sechs und sieben Prozent, vor dem Krieg acht und... neun Prozent, gezahlt wer.' ' den, 55 bis 60 Prozent aller;; Bankgeschäfte werden durch die israelische Nationalbank,; die fruehere Anglo Palestine' Bank, abgewickelt. Von aus Mailand eingewanderten Industriellen wurde eine neue Metallindustrie- Gesellschaft gegruendet, die Lamit Ltd. Die Regierung' stellte ihr in der Bucht von Haifa ein Grundstueck von 10 J Dunam und ein Gebaeude< von 2.500 Quadratmeter zur- Verfuegung. Die Fabrik er., zeugt Aluminiumroehren von. 50 mm. Durchmesser und 2,5 mm. Dicke hauptsaechllch fuer die Bauindustrie. Die Maschinen wurden aus Ita.;: lien gebracht und dienen fuer eine Giesserei von Nichteisenmetallen, eine mechanische Werkstaette und ein metal-: lurgisches Laboratorium. In die Unternehmung wurden 130.000 israelische Pfund investiert. Das in Israel investierte Kapital betraegt ausschliesslich der Raffinerien von Hai. ' fa 36 Millionen Dollar. Die : wichtigsten Investitionen; sind: 14 Millionen in der Pa.: lestine Electric Corporation- und 2.800.000 in den Potash.i Works. Der Rest ist in der? Anglo Palestine Bank (heute? Israelische Nationalbank), in* der Jerusalem Electric Company, in der Kereth Housing Corporation und ln der Mar. garine und Farbenindustrie konzentriert. Die Schweizer Firma Ge. brueder Buehler wird in HaL fa einen 50 m hohen Getreideelevator errichten. •> Im Jahre 1950 betrug der. Warenumschlag im Hafen von Haifa 1.300.000 Tonnen gegen 900.000 Tonnen im Jahre vorher. Visaciones de tránsito para viajes a Israel A las personas que en calidad de turistas u olim se dirijan a Israel, se les aconseja ponerse en contacto con la Legación de Israel en Chile, Ahumada 131, Of. 311, fono 89710, Santiago, con el objeto de facilitarles sus trámites de visaciones pára los países de tránsito. Esta cooperación será prestada única y exclusivamente a quienes se dirijan a Israel.