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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-10-01 · 10 (Octubre, 1951) · p. Seite 25

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
10 (Octubre, 1951)
Date
1951-10-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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Oetnbre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 25 i f Arthur Schnabel und Arnold Schoenberg Ferruccio Busonis die Stellung eines Kompositionslehrers an einer Meisterklasse der Berliner Hochschule fuer Musik an, die er von 1925 bis 1932, Jahr in welchem er nach U. S. A. emigrierte, inne hatte. Schoenberg ist der charakteristische Repraesentant oder vielmehr Exponent der “Neuen Musik”. Man kann in seinem Werk verfolgen, wie die Romantik sich innerlich uefoersteigert, wie seine Fruehwer. ke deutlich erkennen lassen; Mit dem. Hinscheiden die-, ser beiden bedeutenden juedischen Musiker verliert die Musikwelt zwei ihrer bedeutendsten Repraesentanten. Wenn auch acht Jahre juenger als Schoenberg, war Arthur Schnabel bereits um die Jahrhundertswende ein namhafter. Pianist, welcher vor seinem zwanzigsten Lebensjahr erfolgreiche Konzertreisen durch Deutschland, Oesterreich und Skandinavien zu verweisen hatte und als hervorragender Interpret Brahmscher und Schubertscher Werke hervortrat. “Schnabels Anschlag ist von seltener Weichheit und Modulationsfaehigkeit; vorneh- Berlin fuehrten ihn spaeter an die Berliner Staatliche Musik- Hochschule, das bedeutendste deutsche Musikzentrum, an welcher auch Arnold Schoenberg wirken sollte. Ausser seiner solistischen Laufbahn, die ihn spaeter nach Nordamerika fuehren sollte, widmete sich Schnabel auch dem Trio und zusammen mit Carl Flesch und Hugo Becker unternahm er wahre Triumphfahrten durch Europa. Nach seiner endgueltigen Uebersiedlung nach Amerika wurde sein Auftreten in den diversen Musikzentren der Welt immer mit groesster Spannung erwartet, denn sein Vortrag vor allem Beethovens, SSSíííiSí mam í5s::S:*:S Schoenberg me Zurueckhaltung und nach, denklicher, fast grueberischer Zug charakterisieren die Auffassung dieses eminent begabten Musikers” schrieb seinerzeit ein bedetuender deutscher Musikkritiker und diesem Werturteil ist dem einzigartigen Pianisten kaum etwas Wesentliches hinzuzufuegen. Im Jahre 1882 in Lipnik geboren, wurde der 6-jaehrige Klavierschueler von Hans Schmitt und spaeter von Leschitzky in Wien, zwei der bedeutendsten Klavierpaedagogen seiner Zeit, denen Arthur Schnabel auch seine weitere kuenstlerische Ausbildung verdankt, und die aus dem jungen Pianisten auch gleichzeitig einen zukuenftigen Lehrmeister seines Instrumentes heranbildeten. Sei. ne spaetere Lehrtaetigkeit in Schnabel Schumanns und Brahms gehoerte zu dem Bedeutendsten, was ein Pianist der letzten Generationen zu bieten hatte. Auch als Komponist ist Arthur Schnabel hervorgetreten, wenn auch seine Klavier und Violinsonaten, diverse Streichquartette und Klavier, konzerte heute im Allgemeinen wenig bekannt sind. Arthur Schnabel hinterlaesst einen Sohn, Karl Ulrich Schnabel, ebenfalls ein erfolgreicher Pianist, dessen Spiel die hervorragende Schule seines Vaters nicht verleugnen kann. “Ich weiss seit langem, dass ich Verbreitung des Verstaendnisses fuer mein Werk nicht erleben kann, und meine vielgeruehmte Standhaftigkeit ist eine Zwangslage und stuetzt sich auf den Wunsch, es dennoch zu erleben. Ich meine mein Ziel weit genug gesteckt, um sicher zu sein, dass Widerstrebende und selbst Entgegenstrebende einmal dorthin gelangen muessen...”, sagte der 60 jaehrige Schoenberg einmal von sich, und waehrend seiner oeffentlichen Laufbahn haben seine Kompositionen im Mittelpunkt leidenschaftlicher Dis. kussionen gestanden und selbst heute, nach seinem To. de, ist der von beiden Seiten gefuehrte Kampf keinesfalls entschieden. Fuer seine Anhaenger hat er die Wege zu neuen aesthetischen Problemen der Musik geoeffnet waehrend die Gegner in seinen Ideen die Elemente eines Verfalls der modernen Musik sehen. Dass seine Musik trotzdem unbeirrbar weiterwirkt und sie sich sogar ausbreitet, dass die alte Garde um Schoenberg, Alban Berg und Anton von Webern nicht mehr allein steht, sondern es heute in der ganzen Welt Musikfeste gibt, die sich mit Seinem Werk befassen, beweist ander, seits unerschütterliche Lebenskraft. Schoenbergs Leben verlief aeusserst einfach. 1874 in Wien geboren, begann er sehr frueh Kammermusik zu komponieren und arbeitete zunaechst als Autodidakt, mit Ausnahme einiger Monate Unterricht bei seinem spaeter e n Schwager Zemlinsky, durch den er erst mit Musikern in Beruehrung kam. Um die Jahrhundertswende treffen wir ihn in Berlin, wo er durch Vermittlung von Richard Strauss am Sternschen Konservatorium lehrt. Nach mehrfachem Wechsel zwischen Berlin und Wien nahm Schoenberg als Nachfolger man denke nur an das romantisch orientierte Streichsextett “Verklaerte Nacht” oder an seine “Gurrelieder”, die noch ganz im Banne Wagners und auch Strauss’ geschrieben sind. Aber schon in seinem 2. Streichquartett und in der darauf folgenden “Kammtersinfonie” fuer fuenfzehn Soloinstrumente (1915) zeigt er ein Bestreben nach kammermusikalischer Be. schraenkung und immer staerkerer Ausnuetzung des melodischen Inhalts. Vor allem, sein Melodrama “Pierrot Lunaire” lassen Schoenbergs Bruch mit der Vergangenheit erkennen. Wohlklang im herkoemmlichen Sinne bedeuten ihm nichts mehr. Alle Elemente der Musik, Melodie, Harmonie, Rythmik werden von ihm im bis dahin gueltigen Sinne negiert und ein neues Bauprinzip ersteht in dieser “atonalen” Polyphonie, in der Aufstellung einer bestimmten, fuer jedes Werk andern Ordnung der “chromatischen” zwoelf Halbtoene. Nun, niemand kann diese neuen Kompositionen wirklich hoeren, denn diese . neuen Werke sind nicht allein im Klang zu erleben, sondern man muss' sie zu “verstehen” versuchen. Nur beim Studium der Partitur kann dies vollkommen gelingen. Waehrend frueher das Aufschreiben von Musik nur ein Verstaendigungsmittel war, ist jetzt das geschriebene Werk ein Gebilde von eignem Wert. Das Auge ist somit mindestens so wichtig wie das Ohr und geht es vor Allem darum, die Masse und Konstruktionsgeheimnisse dieser Werke zu erkennen, nicht, sich von ihren Gefuehlen oder Efekten erfassen zu lassen. Die neuartige Kompositionsfsrael in Aegypien... juedischen Volkes und die Plagen, denen sie unterworfen waren. Dabei haelt sich der Komponist nicht genau an die biblische Reihenfolge. Herrlich die Chorfuge “Sie konnten nicht trinken das Wasser”. Chromatische Passagen illustrieren bildhaft den Ekel vor dem in Blut verwandelten Wasser. Desgleichen die schwaermenden Fliegen und Muecken — Doppelchoere und der darauffolgende Hagelchor, im Orchesterpart durch das Herniederprasseln des Hagels durch einfache aber suggestive Mittel dargestellt. Damit ist der erste Teil beendet, der eigentlich zuletzt, also nach dem ersten Teil komponiert wurde. Denn ursprünglich war der zweite Teil als ein voellig unabhaen. giges Werk gedacht und bekannt unter dem Namen "Moses Song”, eine Vertonung des 15. Kapitels des 2. Buch Mose, der sogenannten Schirah. Ein einzigartiges Danklied ueber die Allmacht G’ttes. _ Durch Vermittlung eines Erzaehlers werden die einzelnen Choere und Begebenheiten zusammengehalten und im zweiten Teil des Werkes mehr aufgeteilt in Arien, Duette und Choere. Hier hat der Komponist eine Sprache gefunden, die in seiner Art einzigartig ist. Man wird in der Musikliteratur lange suchen muessen, bis man Stuek. ke von derartig ueberzeugender Anschaulichkeit findet. Eine Szene hervorragender Schoenheit, birgt der Doppelchor: “Das hoeren die Voelker und sind erstaunt”. Dem folgt ein weiterer Chor: “Der Herr ist Koenig” und zwei Tenor — Recitative fuehren zu dem jubelnden Schlusstueck, Mirjams Sieges, lied. Nach Vorsaengerart beginnt ein Solosopran mit dem Motiv, mit grandioser Fuelle uebernimmt der Doppelchor die .Fuehrung desselben Mo. tives und das Orchester traegt dazu bei, durch lebhaftes Figurenspiel das jubelnde Schlusstueck zu beenden. Mit diesem titanischen Werk hat Haendel die Leiden und Groesse eines unterdrückten und befreiten Volkes dargestellt. Die starke Zuneigung zur Bibel loeste logischerweise ein lebhaftes Echo bei den Puritanern aus, deren Hinneigung zur biblischen Geschichte bekannt ist. Das Oratorium “Israel in Aegypten” wird, dessen bin ich gewiss, eine vielfache Wiederholung durch denUni. versitaetschor und das Symphonieorchester unter Leitung Victor Tevah’s, erfahren. Die mustergueltige und gediegene Auffuehrung duerfte besonders in unserer Kollektivitaet weiteste Beachtung finden. technik hat Schoenberg in all seinen weiteren Werken mit unerbittlicher Konsequenz ohne jeden Kompromiss angewandt und auch heute, nach seinem Tode, ist es muessig, schon nach dem absoluten Wert seines Gesamtwerkes zu fragen. Fest steht nur, dass die Gesamterscheinung Schoenbergs in der Musikgeschichte fuer die psychische Verfassung unserer Zeit einen wichtigen Beitrag liefern wird, denn in jedem Fall ist die Zwoelftonmusik ein echtes Sinnbild von heute. Natuerlich bleibt die Frage offen, ob und wie weit wir diese Elemente unserer Zeit bejahen. Guenter Boehm

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