Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 10 (Octubre, 1951)
- Date
- 1951-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 19 60.006 MENSCHEN SINGEN DIE HATIKVAH Kulurelles Leben im Kibbuz Die Nachrichten - Agenturen der Weltpresse» verbreiten Mitteilungen ueber die Noete unserer jungen Medinath Israel. Wirlesen von Grenzzwischenfaellen, Schwierigkeiten der Regierungsbildung, Blockade sei. tens der Nachbarlaender, Maengeln in der Ernaehrung und Fehlen von Wohnraum. Womit sich die stets sensationslustigen Korrespondenten weit weniger beschaeftigen, sind die positiven Seiten: das Wunderwerk des gewaltigen Aufbaus, die Urbarmachung der Wueste, die Absorbierung hunderttausen. der Neueinwanderer, ihre wirtschaftliche und ideologi. sehe Eingliederung, die Schaffung eines funktionierenden Staatsapparates, einer aufstrebenden Industrie, eines stolzen Heeres, vorbildliche Leistungen inj Wissenschaft und Kunst. Nicht zuletzt die “junge Generation” hat dar. an einen entscheidenden An. teil. Alle Besucher Israels, I seine Staatsmaenner und die Fuehrer aller namhaften politischen Parteien stimme» in ihrer Anerkennung des ungeheueren konstruktiven Wertes der chaluzischen Bewegung ueberein. Die Jugend in den Kibbuzim ist es vor allem, die durch zielbewusste, schwere Arbeit den Wuestensand des Negew in fruchtbare Erde, die Steinoe. den in gruenendes Land und die gesundheitsschaedlichen Suempfe in ertragreiche Aek. ker umformt. Immer wieder zeigen uns Briefe aus Israel, dass der Chaluz nach anstrengender Tagesarbeit ein Leben geistiger Regsamkeit auf einem kulturellen Niveau fuehrt, an dem sich das Ga. luth-Judentum vielfach ein Beispiel nehmen koennte. Der Chaluz sucht nicht den Luxus, er hoert nicht Jazz, musik, er spielt nicht Karten. Seine “Entspannung” nach des Tages Last und Muehen besteht in der Beschaeftigung mit geistigen Dingen, in der Weiterbildung, ideologischer und praktischer Schulung, ln der Pflege kultureller Erbauung, in der Liebe zu ernster I und heiterer Kunst. Kurse, Vortraege, Seminare sind an i der Tagesordnung. Unsere I bescheidenen “Veladas” sind nichts gegen die in Israel von | den Kibbuzim zu vielfaelti-! gen Gelegenheiten organi. ( sierten Veranstaltungen. Be. | sonders eindrucksvoll und grossartig sind stets die Fe-1 ste, die aus Anlass histori. I scher oder jahreszeitlicher Ereignisse (Erstlingsfruech. | te, Ernte usw.) gefeiert werden. Dem Bericht ueber ein I derartiges Fest im Gebiete | der Kibbuzim des Ephraim, gebirges in der Naehe von Haifa entnehmen wir folgen. | des: I Fest der Taenze in Dalia! "An dem langerwarteten | Fest der Taenze im Kibbuz Dalia nahmen 800 Taenzer aus dem ganzen Lande teil, i welche fuer drei Tage dort hinkamen. Unser chilenisch-1 uruguayischer Kibbuz Kamol Menasche stellte dazu 10 Taenzer und zwei Chawerim; spielten im Orchester mit. Das allgemeine Interesse fuer die Veranstaltung war aus. | serordentiieh gross. Bald sprach man von 40.000 verkauften Karten. Schon am 1 Vormittag setzten sich die Auto— und Autobus-Karawanen aus allen Richtungen des Landes zu dem Festspielplatz ln Bewegung, der auf einem sehr zweckmaessig ge. waehlten Bergabhang ange legt war. Hunderte von Arbeitern hatten wochenlang vorher fuer die Zuschauer Terrassen angefertigt, die gegenueber der 25 Meter langen Buehne errichtet wursten. Das Festspiel begann um 7 Uhr, aber bis gegen 112 10 stroemten die Menschenmassen unentwegt heran. Zunaechst marschierten die 800 Taenzer in ihren bunten, typischen Trachten auf uno gaben ein Bild vollendeter Farbenharmonie. Bekannte Saenger Israels brachten Lle. der zu Gehoer und dann folgte ein kombiniertes Festspiel von Chor, Tanz und Ef fektwirkungen, dessen Ten. denz ein Aufruf an die Ga. luth war, in die Heimat, nach Israel zurueckzukehren. Ploetzlich zogen von allen Selten Fackeltraeger ein, die als leuchtendes Fanal eine riesige Menorah, das Symbol und Wappen von Medinath Israel, entzuendeten. Es war ein ueberwaeltigender An. blick, so eindrucksvoll, dass die inzwischen auf 60.0001 Menschen, langewachsene Menge spontan die Hatikvah anstimmte. Die dann folgenden Einzel, j darbietungen wurden einge-1 leitet mit einem Chassidischen Tanz des Hapoel Tel., Aviv, denen sich kurdische, I jemenitische, arabische, drusische, tscherkessische und i aehnliche Taenze anschlos-' sen. Im letzten Teil folgten Darbietungen der Kibbuzim I und des Israel-Heeres. Um 1|2 2 Uhr begann man auf-, zubrechen und es war fuer I viele Besucher nicht einfach, bei der Ueberfuellung der i Wege mit ihren Autos und1 Lastwagen nach ''Jerusalem,; dem Negew oder dem Galil zurueckzukommen. Dieser Tage hatten wir el ne nette Messiba zum Empfang unserer chilenischen und uruguayischen Chawerim aus Sarid, die jetzt endgueltig nach Ramot Menasche uebersiedelten, Vorge stern sahen wir bei uns im Kibbuz den Film “La Travia. ta” und soeben kommen wir voneiner Auffuehrung der “Habima” im Nachbarkibbua Ein Haschofet zurueck, wo man eine hervorragende Dar. Stellung des lange Zeit in Chile gespielten Stuecks “La Muerte de un Vendedor” gegeben hat”. Welcher landwirtschaftliche Arbeiter in der Welt kann wohl mit einem aehnlichen kulturellen Standard aufwar. ten? Individualismus und Gemeinschaftsarbeit Fuer Viele von uns, peson. ders Menschen der aelteren Generation, die aufrichtig und positiv zur Medinath Israel eingestellt sind, ist ein Leben in der Gemeinschaft des Kibbuzesi ein Buch mit sieben Siegeln. Es bedeutet fuer sie, wie sie meinen, Aufgabe der persoenlichen Freiheit. Abtoetung der privaten Initiative, Ende des Individuallebens, Gegenueber einer solchen Auffassung erscheint es interessant, zu sehen, wel, che Meinung sich ein Eltern, paar aus unserem Kreis gebildet hat, das vor mehreren Monaten von Santiago aus die Alij ah zu seinen Kindern im Kibbuz Ramot Menasche angetreten hat, und dort mit Ihnen in der Gemeinschaft lebt. Wir lesen: “Wenn man hier einmal mit tut und sich, soweit man kann, selbst in den Arbeitsprozess einschaltet und sieht, Wie alles waechst und schoe, per wird, dann kann man erst eigentlich verstehen warum unsere Jungen und Maedchen es vorgezogen haben, ihren eigenen Kibbuz zu schaffen. Diese Menschen hier erleben jeden Baum, der neu gesetzt wird, jedes Haus das fertig ist, auf ihre Art. Und es bestaetigt sich, dass die Gemeinschaftsarbeit weit mehr Zufriedenheit, Optimis. mus und eine festere Grundlage fuer die Zukunft schafft, als die sogenannte Privatinitiative, die doch nur dem einzelnen Vorteile verschafft, der es versteht, herrschende Verhaeltnisse entsprechend auszunutzen. Heute mehr denn je erkennt man, dass der Weg, den unsere Jugend gewaehlt hat, ' der richtige ist. Sie ist ausgezogen, eine neue, andere Welt zu schaffen, die grosse Denker und Dichter ertraeumt haben. Wenn man diese Perspektiven ln den Kibbuz mitbringt, dann faellt es 'einem ganz und gar nicht schwer, sich hier einzuleben und das Leben seiner Kinder mitzuerle- Den’'. Denkt man ueber diese Worte nach, so kann sich leicht die Frage aufdraen. gen: Wer ist wohl innerlich freier, wer lebt schliesslich gluecklicher, der “Individualist” oder der Mensch in jener Gemeinschaft, in der es — um mit den Worten a$s Briefschreibers zu sprechen “keine Herren und keine Knechte” gibt? C. S.-r. AUS EINEM ZYKLUS "DAS LAND" i'JBIMI Von ILSE AUFRICHTIG (Polly Tieck) FRUEHLING IN LAND Wie gruen! Wie gjruen...! Man moechte es rufen, Und ganz mit dem Klang das Land ueberziehn. Alle Felder, alle Berge, alle Gaerten, alle Stufen: Wie gruen...! Menschenhand, - Menschenhand, . in wenigen Jahren Das aus Stein und aus Sand gemacht! Manche sagen, die es erfahren: Wie ueber Nacht! Gruen laeuft es weiter auf eiligen Fuessen, Felder und Gaerten und Baeume bluehn, Und man trinkt diesen Klang, diesen suessen: Wie gruen...! Wie gruen...! ABFAHRT VON PALAESTINA Schwer, fortzufahren, — schwer, dazubleiben, — Schwer, zu beschreiben, Warum das so ist... Man hat es so genau erkannt: Suess ist das Land, — schwer ist das Land, Aber unmoeglich, dass man es je vergisst...! Warum unmoeglich? Man vergass auch die andern Laender, die man so sehr geliebt, Und man wird weiter wandern, Bis es irgendwo eine Heimat gibt... Aber hier vergisst man niemals mehr Den Schatten des Baums, den eine Hand Gepflanzt hat, schwer Auf Steine und Sand, Und -der Wurzeln schlaegt und dessen Blaetter treiben. Ein gruenes, Wunder, — und tausend Wunder, wie er..., Jetzt fortzufahren, — jetzt dazubleiben, — Schwer...! (“Juedische Rundschau”, 1937) Ussischkin... Noch heute spuere ich in allen meinen Knochen jene bitteren Jahre von 1936 bis 1939, weil die damals geschlagenen Wunden leider bis heute noch nicht verheilt sind. Das Werk der Bodenerloe. sung, das wir mit so viel Muehe und so vielen Opfern aufgebaut hatten, befand sich — insbesondere im Sue. den und im Negew — in der Gefahr des Auseinanderfal. lens. Und damals verlor der Boden in meinen Augen sogar seine ganze Sehoenheit... Das private Kapital hatte sich von jeder Initiative zurueckgezogen, nachdem die, schrecklichen Unruhen die erhoffte Rentabilitaet des Bodens fragwuerdig gemacht hatten. Alles schien verloren. Zu dieser Zeit kam ich nicht einmal, und auch nicht zweimal in Ussischkins Bue. ro, um bei ihm wegen des Negew vorstellig zu werden. Er pflegte dann mit seinen grossen Augen auf mich zu schauen und zu sagen: “Be’eer Towiah — das ist einer der heiligsten Namen fuer mich. Aber unsere Hand ist kurz; wir befinden uns bereits in einem Meer von Schulden, — unser Volk enttaeuscht leider unsere Hoffnungen...” Am Chamischa Assar b’Schwat des Jahres 1941 nahm Ussischkin mit uns zusammen an der Pflanzung von Baeumen in Rechowoth teil. Nach der Zeremonie kam er auf mich zu, bedeutet mir, dass er mit mir eine offenbar vertrauliche Angelegenheit zu besprechen wuenschte, und bat mich, ihm in die Versuchsstation zu folgen. Ich ging mit ihm hinein, und dort erzaehlte er mir mit zitternder Stimme, was er ueber das bevorstehende Bodengesetz erfahren habe, das als eine Fortsetzung zum amtlichen englischen Weissbuch (Von Seite 13) erscheinen solle, jenes Weissbuches, das uns in der ganzen Welt iso ungeheuer geschadet hat. , Ussischkin bat mich dann, im Nomen des KKL zu unseren Bruedern in die Vereinigten Staaten zu fahren und. ihnen zu erklaeren, dass trotz aller uns durch dieses Gesetz entstehenden Hindernissen doch noch die Moeglichkeit bestuende, mehrere hunderttausend Dunam Boden zu erwerben. Und wenn das jetzt, in diesem letzten Moment, nicht moe glich sein sollte — wann denn? Ich stimmte Ussischkin zu und fuhr weg. Aber ich hatte leider kein Glueck. Die Ohren blieben verstopft, auch dann, als das Schwert bereits gegen uns erhoben war. Leider wurde Ussischkin nicht mehr Zeuge jener Tage, da das Volk aufs Neue Zeichen des wieder erwachten Lebens von sich gab. Nur langsam hat sich unser Volk aus seinem Schlaf erhoben. Doch damals war sein grosser Erwecker schon fuer ewig •'utschlaf en... Wenn das Volk Israel das Land Islrael erloesen wird, dann wird auch das Land Israel das Volk Israel erloesen. Die politische Kraft eines Staates kommt vom Felde. Sag’ nie: “wir werden morgen e r 1 o e s e n”, denn Du koenntest die Gelegenheit versaeumt haben. Auf drei Dingen beruht unsere nationale Welt und von ihnen haengt unsere ganze Hoffnung auf Erloesung ab: auf der juedischen Jugend, der juedischen Erde und dem juedischen Glauben. (Ussischkin)